by Tasha Kerry on 21/12/2018 | Legal & Politik

Colorados neue Cannabis-Regeln bringen den Grow-Markt nach vorne

Colorado Colorado treibt seinen Cannabismarkt weiter voran, indem es neue Regeln und Standards für die Branche definiert. Im Detail geht es um einen neuen Audit- und Genehmigungsprozess für infundierte Produkte, die Akkreditierung durch die International Standards Organization (ISO), Tests auf Schwermetalle und das Recycling von nicht konsumierbaren Pflanzenteilen. Die neuen Cannabisregeln von Colorado treten am 1. Januar 2019 in Kraft.


Bereits im September wurde verlautbart, dass der Cannabismarkt in Colorado bis August 2018 mehr als eine Milliarde Dollar an Einnahmen generiert hat. Damit wurde dieser wichtige Meilenstein viel früher erreicht als vorhergesagt und die Staatskassen bisher mit mehr als 200 Millionen Dollar an Steuereinnahmen überschwemmt. Spätestens jetzt ist klar, dass der Übergang der Branche vom Schwarzmarkt in die Legalität geglückt ist.

Einer der umsatzstärksten Trends ist die Verbraucher-Nachfrage nach Edibles und Konzentraten. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 stieg der Absatz von Cannabiskonzentraten um satte 94,6 Prozent, während der Absatz von Edibles um mehr als 13 Prozent gestiegen ist. Die Zahlen sind noch beeindruckender, wenn man den sinkenden Grundpreis für Marihuana in Colorado im Hinterkopf behält.

Aufgrund von Überproduktion ist der Preis pro Pfund in den letzten zwölf Monaten von 1.300 US-Dollar auf 800 US-Dollar gesunken, was zu einem eher mageren Umsatzplus von 1,4 Prozent beim Blütenmaterial führte. Die steigende Popularität von Cannabis-infundierten Produkten hat den Markt zwar insgesamt gestärkt, die Verbreitung von verarbeiteten Produkten und die Sorge über die korrekte Verwendung bestimmter Produkte hat aber auch dazu geführt, dass die Einhaltung von Vorschriften durch die Industrie stetiger Kontrolle unterworfen werden muss. Eine vollständige Version der Regeln finden Sie hier.

Colorados neue Cannabis-Regeln richten sich nach der Industrie

Die Marijuana Enforcement Division (MED) ist das staatliche Organ, das für die Regulierung des Cannabismarkts in Colorado zuständig ist. Gleichzeitig ist die Behörde eng mit der Industrie verzahnt, gerade wenn es darum geht, Regularien zu entwickeln. „Es besteht ein gegenseitiges Interesse zwischen den staatlichen Regulierungsbehörden und Mitgliedern der Marihuana-Industrie, sodass die Lizenznehmer freiwillig alle Regeln des sogenannten „Retail and Medical Marijuana Code einhalten“, erklärt Shannon Gray, Marihuana-Kommunikationsspezialist beim Department of Revenue (CDOR) von Colorado.

Colorados neue Cannabis-Regeln dienen der Industrie

„Viele verschiedene Interessensgruppen aus Colorado, darunter auch Lizenznehmer, haben sich intensiv und aktiv an diesem Gesetzgebungs- und Regelwerksprozess beteiligt. Eine solche Einbeziehung der Interessengruppen ermöglichte es der Behörde, einen Großteil des Industrie-Feedbacks auszuwerten und in das endgültige Regelwerk miteinzubeziehen“, sagt sie.

Die MED veranstaltet regelmäßige Treffen mit Interessensvertretern der Industrie, um mithilfe des Feedbacks bewährte Verfahren zu entwickeln. Die neuen Regeln für infundierte Produkte kamen beispielsweise in einer Sitzung zustande, in der sich einige Mitglieder über hochdosierte Konzentrat-Produkte wie Zäpfchen besorgt zeigten. Sie befürchteten den Missbrauch derartiger Produkte durch Jugendliche auf der Suche der nach einem stärkeren „Kick“. Als Reaktion auf diese Bedenken hat die MED zusätzliche Audits ins Leben gerufen, die Zäpfchen sowie Nasensprays und Inhalatoren betreffen.

Darüber hinaus beinhalten die neuen Cannabisregeln von Colorado die Akkreditierungsanforderungen der International Standards Organization (ISO) für alle Prüfeinrichtungen zur Erfüllung globaler Laborstandards, die obligatorischen Tests auf  Schwermetalle und Mykotoxine sowie die Möglichkeit, Marihuana-Wurzeln, -Stiele und -Stängel zu recyceln, um nicht konsumierbare Faserprodukte herzustellen. Die neue Recycling-Regel stellt einen wichtigen Schritt in eine neue Richtung für die Industrie dar.

„Vorher mussten alle Marihuana-Abfälle, einschließlich aller Abfälle von Pflanzenmaterial, (a) unbrauchbar und unkenntlich gemacht und (b) in einer festen Deponie oder Entsorgungseinrichtung, die über eine Bescheinigung der örtlichen Behörde verfügte, entsorgt werden“, erklärt Gray. Das Recycling von Pflanzenmaterial könnte zur Entwicklung neuer Produkte wie Papier, Kraftstoff, Textilien, Bettwäsche, Isoliermaterial, Baumaterialien und Industriematerialien beitragen.

Compliance-Standards übertreffen

Die Cannabisindustrie in Colorado ist also nicht nur auf Kurs, sondern setzt auch die Compliance-Standards für den gesamten Markt. Obwohl die neuen Regeln verlangen, dass die acht Laboratorien des Staates erst bis zum 1. Januar ISO-konform sind, hat Rm3 Labs bereits im März dieses Jahres die ISO-Akkreditierung erhalten, insbesondere um den Compliance-Änderungen immer einen Schritt voraus zu sein.

Colorados neue Cannabis-Regeln dienen der Industrie

„Rm3 Labs hat sich entschieden, nach ISO-17025-Norm zu arbeiten, noch bevor sie vom Staat Colorado eingefordert wurde, um unseren Kunden möglichst zuverlässige und qualitätsorientierte Daten zur Verfügung zu stellen. Wir wollten, dass unser Qualitätsmanagementsystem dokumentiert und implementiert wird, um sicherzustellen, dass bei der Analyse von Proben und Daten immer die richtigen Protokolle eingehalten werden“, so Evan Contreras, Media Director von Rm3.

Er weist darauf hin, dass das klare regulatorische Umfeld den Weg für eine Evolution des Markts ebnet, obwohl die Branche eigentlich noch in den Kinderschuhen stecke. „Während es zum Beispiel inzwischen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die die Toleranz von Pestizid-Rückständen in unseren Lebensmitteln festlegen, haben wir für inhalierbare Produkte bisher leider nichts Vergleichbares. Dies ist einer der Gründe, warum die Cannabisvorschriften so streng sind – wir brauchen mehr Wissen und Erfahrung“, sagt er.

Und er fügt hinzu, dass Rm3 „hart daran arbeitet, einen vorbildlichen Standard setzen, denn das kommt allen zugute und hilft, die Branche als Ganzes zu legitimieren. Wir glauben, dass die Cannabisindustrie in Colorado zwar streng reguliert ist, aber weiter wachsen wird, solange ethische Erzeuger und Hersteller weiterhin innovative Produkte für Verbraucher und Patienten entwickeln.“

Von klaren Regeln profitieren alle

Das Hauptziel der Cannabisindustrie in Colorado ist es, ein Paradebeispiel für die Einhaltung der Vorschriften zu sein, auch für den Rest der Welt. Deshalb arbeiten die Beteiligten so eng mit der MED zusammenarbeiten. „Das Hauptmerkmal der Cannabisindustrie in Colorado ist die offene Kommunikation zwischen ihren Interessengruppen und der Regierung sowie die Bereitschaft der MED, Regeln zu übernehmen und zu überarbeiten, um auf die Bedenken und Bedürfnisse der Industrie zu reagieren“, sagt Greg Huffaker von Think Canna, Rechtsberater der Cannabisindustrie.

Colorados neue Cannabis-Regeln dienen der Industrie

Um die Vorschriften durchzusetzen, werden Cannabisunternehmen das ganze Jahr über regelmäßig – bis zu zwölfmal – von verschiedenen Abteilungen kontrolliert. Diese Inspektionen sind unangekündigt, d. h. die Unternehmen können sich keine Unachtsamkeit leisten, da es eine Vielzahl Compliance-Fallstricken gibt. Was passiert, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält, kann man am Beispiel der in Colorado ansässigen Cannabisfirma Sweat Leaf sehen, deren Personal letztes Jahr wegen sogenannten „loopings“ (Begriff aus der Cannabisbranche, etwa: mehr als die erlaubte Menge verkaufen) verhaftet wurde.

Im Sweat-Leaf-Fall landeten zwei ehemalige Führungskräfte zwar 30 Tage im Gefängnis, aber diese Art von Strafen sind nicht die Regel. Laut Huffaker sind eher Geldstrafen von etwa 2.000 Dollar die Norm, wobei auch schon deutlich höhere Summen vorgekommen sind. „Die MED ist nicht darauf aus, Unternehmen zu bestrafen“, stellt er klar, „sie sind eher daran interessiert, Compliance für Unternehmen zu ermöglichen und im besten Interesse eines Wachstumsmarkts zu handeln.“ Angesichts des Chaos, das derzeit Märkte wie Kalifornien kennzeichnet, steht außer Frage, dass es in Colorado viel ruhiger zugeht. Huffaker stimmt zu: „Von einer klaren Regulierung profitiert jeder.“

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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