by Martijn on 08/05/2014 | Cannabis Aktuelles

Doede de Jong zu 233.000 Euro Schadensersatz verurteilt

Am 25. April 2014, wurde das Urteil gegen den biologischen Cannabis-Anbauer Doede de Jong verkündet, über den Sensi Seeds schon früher berichtet hatte. Obwohl De Jong und seine Familie, sein Anwalt Tjalling van der Goot und viele Sympathisanten große Hoffnung auf ein positives Ergebnis hatten, hat das Gericht ein Urteil erlassen, das wie eine Bombe eingeschlagen ist.


2.Bezeichnenderweise fand die Urteilsverkündung einen Tag vor dem ersten Königstag im Beatrix-Saal statt.
Bezeichnenderweise fand die Urteilsverkündung einen Tag vor dem ersten Königstag im Beatrix-Saal statt.

Am 25. April 2014, wurde das Urteil gegen den biologischen Cannabis-Anbauer Doede de Jong verkündet, über den Sensi Seeds schon früher berichtet hatte. Obwohl De Jong und seine Familie, sein Anwalt Tjalling van der Goot und viele Sympathisanten große Hoffnung auf ein positives Ergebnis hatten, hat das Gericht ein Urteil erlassen, das wie eine Bombe eingeschlagen ist.

Die Sitzung begann kurz nach 13.00 Uhr. Auch wenn das Gericht in manchen Momenten dem starken Plädoyer des Anwalts vom 11. April 2014 zu folgen schien, wurden fast alle seine Argumente abgelehnt. Nach kurzer Erläuterung folgte der Urteilsspruch: 100 Stunden Arbeitsstrafe und 2 Monate bedingte Haftstrafe, da das Gericht die Rückfallwahrscheinlichkeit als hoch betrachtete, und eine Geldstrafe von wohlgemerkt 233.282,60 Euro. Dieser Betrag entspricht den Einnahmen, die De Jong aus seinen Aktivitäten erzielt haben soll; ein völlig irrealer Betrag, der durch einige merkwürdige Unterstellungen entstanden ist.

Unrealistische Zahlen

Der Forderung, die Anklage der Staatsanwaltschaft für unzulässig zu erklären, weil die Bearbeitungsdauer in der Sache De Jong aus dem Jahr 2010 um ganze 1,5 Jahre überschritten war, wurde nicht entsprochen. Das Gericht hat jedoch eine Reduzierung der Strafe um 140 Arbeitsstunden vorgenommen, da diese Fristüberschreitung unverhältnismäßig hoch war. Ferner hat das Gericht anerkannt, dass die 3,5 Ernten pro Jahr, von denen die Staatsanwaltschaft ausging, unrealistisch sind, da De Jong einen komplett biologischen Anbau praktizierte, also ohne Beleuchtung und anderes Material, wie es für den Anbau in geschlossenen Räumen verwendet wird. Das Gericht stellte fest, dass die Aktivitäten von De Jong als Freilandanbau zu bewerten sind und daher eine Ernte pro Jahr möglich war. In diesen beiden Punkten wurde die Strafe nach unten korrigiert. Bei der Festsetzung der Geldstrafe wurden jedoch weiterhin  unrealistische Zahlen zugrunde gelegt.

Der Gerichtshof Leeuwarden, bei dem diese Sache ihren Fortgang finden wird
Der Gerichtshof Leeuwarden, bei dem diese Sache ihren Fortgang finden wird

Das Gericht ist bei seinem Urteil von der Beschlagnahme aus 2010 ausgegangen. 2010 wurden bei De Jong 298 Pflanzen angetroffen. Aber es handelte sich damals auch um viele Pflanzen, die noch nicht blühten, und nach Angabe von De Jong wurde bei dieser Gesamtzahl auch einiges an Pflanzenabfall mit eingerechnet. Ferner ist das Gericht von einem Ertrag von 330 Gramm pro Pflanze ausgegangen, was angesichts des Umstands, dass De Jong einen biologischen Anbau betrieb, eine sehr optimistische Annahme ist. Ferner wurde der Umstand nicht berücksichtigt, dass auch viele nicht blühende Pflanzen angetroffen wurden. In diese Berechnung wurde zu Unrecht einfach jede Pflanze einbezogen, egal ob klein oder groß, lebendig oder tot.

Ein Signal

Von der gegebenen Möglichkeit, einmal einen Warnschuss gegen die unlogische Duldungspolitik abzugeben, hat das Gericht keinen Gebrauch gemacht. Das Gericht begründet dies damit, dass ein solches Statement gegen diese Politik auf die gesamte Coffeeshopbranche Anwendung finden könnte, da diese unmittelbar von der Duldungspolitik abhängig ist. Diese Erwägung ist aber unzutreffend, da nur der Einkauf durch die Coffeeshops illegal ist, also genau das Element, gegen das sich De Jong wendete. Nach Meinung des Gerichts ist hier die Politik in der Verantwortung; das Gericht wendet nur das Gesetz an und ist der Auffassung, es sei nicht Aufgabe der Gerichte, den Hanfanbau zuzulassen.

Reaktion von De Jong

Sensi Seeds-Berichterstatter Martijn im Gespräch mit Doede de Jong nach dem Ende der Sitzung.
Sensi Seeds-Berichterstatter Martijn im Gespräch mit Doede de Jong nach dem Ende der Sitzung.

Gleich nach der Urteilsverkündung gab es heftige Emotionen, da dieses Strafmaß nicht erwartet worden war. De Jong: “Das fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Und nicht nur in mein Gesicht, sondern auch in das Gesicht von jedem, der Cannabis liebt. Die Annahmen, auf die dieser Betrag gestützt wird, sind einfach bizarr! Ich hätte mir zwar gewünscht, so viel Geld zu verdienen. Natürlich habe ich immer hart und mit viel Leidenschaft gearbeitet, und Arbeit darf auch belohnt werden, meine ich. Aber dieser Betrag steht absolut in keinem Verhältnis zur Realität.”

Bemerkenswert auch, mit welcher Geschwindigkeit De Jong dann wieder seine Fassung gewann. Schon bald nach der Urteilsverkündung waren seine Streitlust und seine positive Haltung wieder voll da. “Ich gehe in die Berufung!”, erklärte De Jong überzeugt. “Dazu bin ich verpflichtet. Ich habe mit diesem Projekt angefangen und sehe es als meine Pflicht an, es bis zur höchsten Instanz weiter zu verfolgen.”

Sensi Seeds unterstützt Doede de Jong bei seinem Vorhaben und bedauert, dass ein niederländisches Gericht sein Urteil mit so vielen Unterstellungen und unzutreffenden Informationen begründet. Wie gesagt, wird De Jong Berufung hiergegen einlegen. Sobald es weitere Neuigkeiten zu dieser Sache gibt, wird Sensi Seeds diese hier in diesem Blog veröffentlichen.

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