by Seshata on 31/07/2013 | Uncategorized

Eine kurze Geschichte der NORML


NORML wurde 1970 gegründet und spielt seitdem eine entscheidende Rolle im Kampf für die Legalisierung von Cannabis ( blog.norml.org )
NORML wurde 1970 gegründet und spielt seitdem eine entscheidende Rolle im Kampf für die Legalisierung von Cannabis ( blog.norml.org )

NORML oder die National Organization for the Reform of Marijuana Laws (Nationale Organisation für die Reform der Marihuanagesetze) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Einführung gerechterer und evidenzbasierter Cannabis-Gesetze einsetzt. Zwar hat die Organisation ihren Hauptsitz in Washington/USA; doch derzeit werden in mehreren anderen Ländern, darunter in Kanada, Großbritannien und Australien, Regionalverbände gegründet.

Der ursprüngliche Regionalverband in den USA

NORML wurde 1970 von Keith Stroup, einem Rechtsanwalt aus Illinois, gegründet, der sich nach einem Treffen mit dem politischen Aktivisten (und populären unabhängigen Kandidaten für die Präsidentschaft der USA) Ralph Nader zu diesem Schritt entschlossen hatte. Stroup fühlte sich durch Naders Bemühungen um die Gründung von Verbraucherschutzgruppen inspiriert, eine ähnliche Aufbauorganisation ins Leben zu rufen, die sich in der gleichen Weise mit den Rechten von Cannabiskonsumenten befassen sollte, wie es andere Interessengruppen für andere Verbraucher taten.

Die Organisationsstruktur von NORML diente als Vorbild für die Bildung mehrerer anderer nationaler und regionaler Unterorganisationen, die als Regionalverbände bezeichnet werden. Derzeit sind 185 Regionalverbände und ein Rechtsausschuss mit 550 Anwälten unter dem Dach von NORML tätig.

Keith Stroup, Gründer und von 1970-1979 Geschäftsführer von NORML ( en.wikipedia.org)
Keith Stroup, Gründer und von 1970-1979 Geschäftsführer von NORML ( en.wikipedia.org)

Gründungsmitglieder & namhafte Mitglieder

Geschäftsführer

Stroup war bis zu seiner Entlassung durch den Vorstand im Jahr 1979 Geschäftsführer. Grund für die Entlassung war ein umstrittener Vorfall: Als Reaktion auf eine politische Meinungsverschiedenheit mit Peter Bourne, dem drogenpolitischen Berater des damaligen Präsidenten Jimmy Carter, über das Besprühen von Cannabisfeldern in Mexiko mit dem Herbizid Paraquat informierte Stroup die Presse darüber, dass Bourne bei einer Weihnachtsfeier von NORML Kokain konsumiert hatte. Bourne wurde daraufhin entlassen, kurz danach auch Stroup.

1994 kehrte Stroup in den Vorstand von NORML zurück und hatte ein Jahr später erneut die Position des Geschäftsführers inne, die er bis 2005 bekleidete. Er setzt sich immer noch aktiv für die Legalisierung von Cannabis ein, berät NORML in rechtlichen Fragen und hält Vorträge auf Veranstaltungen.

Sein Nachfolger ist Allen St. Pierre, der die Position seit 2005 innehat. St. Pierre ist seit 1991 aktives Mitglied von NORML, als er in der Funktion des Leiters der Kommunikation Mitglied des Vorstands wurde. Seitdem hat er sich über folgende Stationen in der Organisation hochgearbeitet: 1993 wurde er Stellvertretender Nationaler Direktor, 1997 Geschäftsführer der neu gegründeten NORML Stiftung – der steuerbefreiten Sparte von NORML – und im Jahr 2005 schließlich Geschäftsführer von NORML selbst.

Namhafte Vorstandsmitglieder

Zu den anderen namhaften Mitgliedern von NORML gehören Philip Hart, der von 1959 bis zu seinem Tod im Jahr 1976 demokratischer Senator für Michigan war und wegen seines entschiedenen Engagements für Bürger-und Verbraucherrechte, sowie der Förderung der Umweltschutzgesetzgebung allgemein als „Gewissen des Senats“ bezeichnet wurde; Jacob K. Javitz, von 1957 bis 1981 liberaler republikanischer Senator für New York und weithin bekannt für seine progressiven Ansichten über soziale Fragen und die Rolle der Bundesregierung bei der Verbesserung der Lebensbedingungen für die breite Bevölkerung, sowie Ross Mirkarimi, der zurzeit Sheriff von San Francisco ist und früher Mitglied des San Francisco Board of Supervisors war.

Ross Mirkarimi engagiert sich seit Langem im Prozess der Legalisierung von Cannabis: Im Jahr 2006 wurde er in Anerkennung seines Cannabis-freundlichen Ansatzes mit dem Rufus King Award von NORML ausgezeichnet; 2009 schlug er eine Gesetzgebung vor, die San Francisco zur ersten Stadt gemacht hätte, die Cannabis legal öffentlich ausgibt.

Die NORML Stiftung

Die NORML Stiftung wurde 1997 gegründet; sie ist die steuerbefreite Sparte von NORML und befasst sich mit Forschung und Bildung. Im Jahr 1998 veröffentlichte die Stiftung den NORML Report on U.S. Domestic Marijuana Production, einen sehr bekannten und oft zitierten Bericht, der Schätzungen über die Anzahl und den Wert der in den USA im Jahr der Veröffentlichung angebauten Hanfpflanzen enthält.

2005 veröffentlichte die Stiftung mit Crimes of Indiscretion: Marijuana Arrests in America einen weiteren bemerkenswerten Bericht. Im darauf folgenden Jahr erschien Emerging Clinical Applications For Cannabis, eine eingehende Aufstellung der aktuellen Forschung über die medizinischen Anwendungen von Cannabis und Cannabinoiden.

Allen St. Pierre, derzeitiger Geschäftsführer von NORML (stash.normal.org)
Allen St. Pierre, derzeitiger Geschäftsführer von NORML (stash.normal.org)

 

Beachtenswerte Arbeiten und Erfolge

Im Jahr 1970, dem Gründungsjahr von NORML, wurde auch das Betäubungsmittelgesetz der USA verabschiedet. Das Gesetz sah eine Präsidialkommission vor, die nach ihrem Vorsitzenden Raymond P. Shafer als Shafer Commission bezeichnet wurde. Im Jahre 1972 empfahl die Shafer Commission, Cannabis für den Eigenbedarf zu entkriminalisieren. NORML war maßgeblich daran beteiligt, die vollständige Information aller fünfzig US-Bundesstaaten über die Ergebnisse des Berichts sicherzustellen.  Nicht zuletzt aufgrund dieser Bemühungen verabschiedeten elf Staaten Gesetze zur Entkriminalisierung – ein Trend, der mit der Präsidentschaft Ronald Reagans im Jahr 1981 sein Ende fand.

Ebenfalls im Jahr 1972 erhob NORML die erste Klage gegen die die DEA (US-Bundesdrogenbehörde), in der jemals gefordert wurde, Cannabis für die medizinische Verwendung zuzulassen. 1975 leistete die Organisation dem in Washington D.C. lebenden Robert Randall entscheidenden Rechtsbeistand, der daraufhin der erste, legal mit Cannabis behandelte Patient wurde.

Im Jahr 1988 entschied der DEA-Richter Francis Young, dass der Antrag von NORML, Cannabis als Medizin anzuerkennen, begründet sei und die Pflanze einer neuen Kategorie zugeordnet werden müsse. Allerdings legten die DEA und die Reagan-Administration Berufung gegen die Entscheidung ein und Cannabis blieb ein Betäubungsmittel der Kategorie I des US-amerikanischen Betäubungsmittelgesetzes. Im Jahr 2011 war NORML maßgeblich daran beteiligt, dass im US-Kongress das erste vollständige Gesetz zur Legalisierung von Cannabis eingebracht wurde.

Die Arbeit von Organisationen wie NORML und ihrer verschiedenen Unterorganisationen – wie auch die der anderen Organisationen, wie des  Cannabis College  in Amsterdam – ist entscheidend für die Schaffung gerechterer und liberalerer Cannabisgesetze weltweit.  Ohne die konsequenten und engagierten Bemühungen dieser Organisationen wäre der aktuelle Trend zu Liberalisierung und Entkriminalisierung von Drogen sicherlich weit weniger fortgeschritten und das weltweite Bewusstsein für Fragen rund um Cannabis wäre viel geringer.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.