by Miranda on 12/10/2015 | Legal & Politik

Für Einwohner von Uruguay ist Cannabis ab 2016 in Apotheken erhältlich

Uruguay, das erste Land der Welt, das die vollständige Legalisierung von Cannabis angekündigt hat, wagt nun den großen Schritt: Der gewerbliche Anbau von Cannabis wird in die Wege geleitet. Vergangene Woche erteilte die uruguayische Regierung zwei privaten Unternehmen den Zuschlag für den Cannabis-Anbau und kündigte an, dass der Cannabis-Verkauf in den Apotheken in etwa acht Monaten starten wird. Weiterlesen.


LEGAL - Cannabis in apotheek Uruguay

Uruguay, das erste Land der Welt, das die vollständige Legalisierung von Cannabis angekündigt hat, wagt nun den großen Schritt: Der gewerbliche Anbau von Cannabis wird in die Wege geleitet. Vergangene Woche erteilte die uruguayische Regierung zwei privaten Unternehmen den Zuschlag für den Cannabis-Anbau und kündigte an, dass der Cannabis-Verkauf in den Apotheken in etwa acht Monaten starten wird.

Seit der Regierungsübernahme im letzten Herbst durch den neuen Präsidenten Tabaré Vázquez schien es zuerst, als sei das Projekt zur Regulierung von Cannabis der Fortschrittsfeindlichkeit zum Opfer gefallen. Nachdem der vorherige Präsident José Alberto Mujica die Welt mit der Ankündigung überrascht hatte, dass Uruguay Produktion, Handel und Konsum von Cannabis legalisieren werde, waren die Bedenken groß. Mujica, der glaubt, dass der Krieg gegen die Drogen auf ganzer Linie gescheitert ist, setzte auf ein „Experiment“, um dem illegalen Drogenhandel Marktanteile wegzunehmen.

Auf seine Initiative hin verabschiedete das uruguayische Parlament am 10. Dezember 2013 ein Gesetz zur Regulierung von Cannabis, das am 6. Mai 2014 in Kraft trat und den Staat mit der Kontrolle der gewerblichen Produktion von Cannabis beauftragt hat, während für den Vertrieb private Einrichtungen zuständig sind. Die neuen Vorschriften erlauben den Handel und den Konsum von Cannabis für Freizeitzwecke ebenso wie zu medizinischen Zwecken und zur industriellen Verwendung.

Der ehemalige Präsident Mujica und der aktuelle Präsident der Regierung in Uruguay Tabaré Vázquez. Sie haben die Regulierung von Cannabis in ihrem Land verwirklicht.
Der ehemalige Präsident Mujica und der aktuelle Präsident der Regierung in Uruguay Tabaré Vázquez. Sie haben die Regulierung von Cannabis in ihrem Land verwirklicht.

Die Regierung Vázquez hatte zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts den Cannabis-Verkauf in Apotheken auf unbestimmte Zeit verschoben, weshalb einige Beobachter befürchteten, dass der neue Präsident und Weggefährte Mujicas kein Befürworter der Legalisierung sein könnte. Und er ist es auch nicht.

Dennoch hat er nun den nächsten Schritt getan und hält an dem Ziel fest, den Schwarzmarkt zu beseitigen und die öffentliche Gesundheit zu fördern. Die Uruguayer wagen also tatsächlich den großen Schritt bei ihrer Cannabis-Revolution: Der gewerbliche Anbau von Cannabis wird in die Wege geleitet!

Die Regierung erteilt zwei Unternehmen den Zuschlag für den Cannabis-Anbau

Am 1. Oktober 2015 hat die Regierung des südamerikanischen Landes verkündet, dass sie den Zuschlag für den Cannabis-Anbau an zwei Privatunternehmen vergeben hat, und außerdemmitgeteilt, dass der öffentliche Verkauf von Cannabis in dazu befugten Apotheken in etwa acht Monaten anlaufen wird, wahrscheinlich ab Mai 2016. Also fast zwei Jahre nach Verabschiedung dieses bahnbrechenden Gesetzes, das den Cannabis-Markt unter staatliche Aufsicht stellt.

Juan Andrés Roballo, Vizesekretär des Präsidentenamtes und Vorsitzender des Nationalen Rates für Drogenpolitik: „Die Umsetzung des Gesetzes zur Regulierung von Cannabis hat zum obersten Zweck, den Konsum zu regulieren, um so eine Politik durchzuführen, die die Gesundheit gewährleistet und Schäden vermindert“. Die uruguayische Regierung plant außerdem eine neue Informations- und Sensibilisierungskampagne für die Öffentlichkeit über die „Folgen des Konsums“ von Cannabis, ähnlich wie sie bereits für Tabak durchgeführt wurde.

Das Ziel ist es, „Schäden zu vermindern, Missbrauch und problematischen Konsum zu thematisieren und ihnen vorzubeugen, die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure über die Folgen des Konsums aufzuklären und einen Beitrag zum Kampf gegen den Drogenhandel und die organisierte Kriminalität zu leisten“, so Roballo.

Roballo war es auch, der in einer Pressekonferenz darüber informierte, dass sich auf die Ausschreibung hin 22 Unternehmen als Bewerber für den Anbau von Cannabis gemeldet hatten, das in den Apotheken verkauft werden soll. Die Wahl ist auf zwei von ihnen gefallen: Die Unternehmen Simbiosys und Iccorp, beide mit Beteiligung uruguayischer und internationaler Investoren, erhielten die Lizenzen für Produktion, Vertrieb und Vermarktung von Cannabis auf nationaler Ebene.

Die Regierung von Uruguay hat endlich zwei Privatfirmen die Lizenz zum Anbau von Cannabis gewährt, was ab 2016 in Apotheken verkauft wird.
Die Regierung von Uruguay hat endlich zwei Privatfirmen die Lizenz zum Anbau von Cannabis gewährt, was ab 2016 in Apotheken verkauft wird.

Die Unternehmen wurden von dem Regulierungs- und Kontrollinstitut IRCCA (Instituto de Regulación y Control del Cannabis) ausgewählt, um bis zu zwei Tonnen Cannabis pro Jahr zu produzieren, wobei sie eine Reihe von Voraussetzungen seitens des IRCCA erfüllen müssen, u.a., dass das gesamte produzierte Cannabis vom Staat aufgekauft wird, um es danach den Verkaufsunternehmen zur Verfügung zu stellen, sowie, dass es sich beim Anbau zu 100% um unbefruchtete weibliche Pflanzen handeln muss. Der Anpflanzungsort ist staatliches Eigentum, d.h. Eigentum des Innenministeriums, das mit dessen Sicherung beauftragt ist, und liegt im Südwesten des Landes, im Departamento San José (Süden), in der Nähe von Montevideo. Man schätzt die nötigen Investitionen der beiden Firmen auf jeweils 600.000 bis 800.000 US-Dollar.

Das angebaute Cannabis wird in uruguayischen Apotheken 1 Euro pro Gramm kosten

Uruguay wird in wenigen Monaten zu einem Land werden, wo Cannabis ein legales Handelserzeugnis sein wird. Die Konsumenten können es zudem in Apotheken zu einem Preis erwerben, der laut Aussage der Behörden mit dem Schwarzmarktpreis mithalten kann.

„Bis das Produkt in die Apotheken kommt, wird es ab dem jetzigen Zeitpunkt mindestens acht Monate dauern, und in diesem Zeitraum wird der Staat Aufklärungskampagnen über die gesundheitlichen Risiken des Konsums initiieren“, erklärt der Präsident des Nationalen Rates für Drogenpolitik, Juan Andrés Roballo.

Die Bürger Uruguays, die sich beim Regulierungs- und Kontrollinstitut IRCCA registriert haben, können eine Menge von bis zu 40 Gramm Cannabis pro Monat und 10 Gramm pro Woche zu einem geschätzten Preis von ca. 34,50 uruguayischen Pesos pro Gramm (etwas mehr als 1 Euro bzw. 1 US-Dollar) kaufen. Die Konsumenten können das von der Regierung produzierte Cannabis außerdem in verschiedenen THC-Konzentrationen (THC-Anteil zwischen 5% und 14%) erwerben.

Roballo kündigte an, dass man mit dem Apothekerverband Centro de Farmacias zusammenarbeite, um zu gewährleisten, dass das Produkt in den Apotheken erhältlich ist, sobald der Produktionsprozess abgeschlossen ist. Das IRCCA hat dem Verband einen Entwurf zukommen lassen mit den Vorschriften für die Apotheken, die Cannabis anbieten wollen. Das Dokument legt fest, dass die Apotheken Gewinne von 30% des Produktpreises erhalten, sich den Zulieferern gegenüber zu einem Einkauf im Zwei-Wochen-Rhythmus verpflichten müssen sowie max. 2 kg Cannabis auf einem Grundstück lagern dürfen. Ebenso wies er darauf hin, dass eine hohe Zahl von Apothekern Interesse am Verkauf von Cannabis angemeldet hat.

Uruguay hat den letzten großen Schritt getan

Nach dem Gesetz zur Regulierung von Cannabis, das strenge Richtlinien vorgibt, kann Cannabis auf folgenden Wegen legal erworben werden:

  1. Im Eigenanbau, nachdem man sich als Heimzüchter eintragen lässt, darf man bis zu max. sechs Cannabis-Pflanzen anbauen.
  2. Indem man sich als Mitglied eines offiziellen Cannabis-Clubs anmeldet. Diese fungieren als eine Art Kooperative mit begrenzter Personenzahl für den kollektiven Anbau,  mit maximal. 45 Mitgliedern.
  3. Nach erfolgter Registrierung durch Kauf bei einer der teilnehmenden Apotheken, wo man bis zu 40 Gramm Cannabis pro Monat erwerben kann.
Workshop zum Anbau von Cannabis für den persönlichen Konsum.
Workshop zum Anbau von Cannabis für den persönlichen Konsum.

Schon seit Mitte 2014 wird der Eigenanbau von Cannabis in Uruguay betrieben, ebenso der Anbau in den sogenannten Cannabis-Clubs. Die ersten Lizenzen für den Eigenanbau wurden im August 2014 vergeben, und die erste Eintragung eines Cannabis-Clubs geschah im Oktober vergangenen Jahres.

Seitdem sind in Uruguay 2.500 Heimzüchter und 18 für den Cannabis-Anbau eingetragene Clubs registriert worden. Es gibt also insgesamt 3.000 legale Konsumenten, rechnet man die Eigenanbauer und die in Cannabis-Clubs organisierten Mitglieder zusammen. Und in einigen Monaten können die registrierten Konsumenten das Cannabis endlich auch in Apotheken erwerben.

Uruguay hat zur Vollendung des Projekts der Regulierung den letzten großen Schritt getan und den gewerblichen Anbau von Cannabis in die Wege geleitet, und sich damit zum Vorreiter in puncto Kontrolle und Regulierung eines so komplexen Marktes wie des Cannabis-Marktes gemacht. Bereits jetzt steht fest, dass der Umgang mit Cannabis, der in den letzten 100 Jahren praktiziert wurde, keine Lösung gebracht hat. Uruguay wird hinsichtlich des Preises und vor allem auch hinsichtlich der Qualität des Produkts konkurrenzfähig sein, was sich sowohl auf den Geldbeutel als auch auf die Gesundheit des uruguayischen Konsumenten auswirken wird.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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