by Martijn on 13/09/2014 | Cannabis Aktuelles

Gehören Cannabisextrakte zu den weichen oder den harten Drogen?

Die Verwendung von Cannabisextrakten, wie Wax, die mithilfe der sogenannten ‘Dabbing’-Methode konsumiert werden, nimmt weltweit zu. In den Niederlanden sorgen diese Extrakte zurzeit für reichlich Diskussionsstoff. So hat der niederländische Verband der Cannabis-Einzelhändler (Bond van Cannabis Detaillisten, BCD) alle Inhaber von Coffeeshops dazu aufgerufen, den Verkauf von Wax-Konzentraten zum Schutz der Branche unverzüglich einzustellen.


Die Verwendung von Cannabisextrakten, wie Wax, die mithilfe der sogenannten ‘Dabbing’-Methode konsumiert werden, nimmt weltweit zu. In den Niederlanden sorgen diese Extrakte zurzeit für reichlich Diskussionsstoff. So hat der Verband der Cannabis-Einzelhändler (Bond van Cannabis Detaillisten, BCD) alle Inhaber von Coffeeshops dazu aufgerufen, den Verkauf von Wax-Konzentraten zum Schutz der Branche unverzüglich einzustellen.

Butan-Haschischöl (BHO) Wachs (Errlqueen)
Der Wirkstoffgehalt von BHO-Wax kann 75 bis 90 Prozent betragen.

Cannabis-Wax oder Butan-Haschöl (BHO) sind zwei der üblichen Bezeichnungen für Konzentrate, die beim Dabbing (wörtlich ‘tupfen’) gebraucht werden. Sie haben einen Wirkstoffgehalt von 75 bis 90 Prozent, dies im Gegensatz zu den Blüten sehr potenter Cannabissorten, die nur ca. 30 % Wirkstoffe haben. Wenn das Wax korrekt hergestellt wurde, bietet das Dabbing eine reine und kräftige Alternative für eine Vielzahl weiterer Anwendungsmethoden.

Liste 1 und 2

Da die Verwendung von Cannabiskonzentraten mittels Dabbing auch in den Niederlanden zunimmt, muss sich das Land mit der Frage befassen, ob diese Anwendungsmethode mit den Kriterien der berühmten niederländischen Duldungspolitik übereinstimmt.

Die Diskussion, die darüber entbrannt ist, bezieht sich auf den hohen Prozentsatz an Tetrahydrocannabinol (THC), einen der Wirkstoffe in Cannabis. Die Diskussion wird durch ein in Vorbereitung befindliches Gesetz befeuert: die sogenannte ’15%-THC-Norm’. Wenn dieses Gesetz eingeführt wird, darf kein Cannabis mit einem höheren THC-Gehalt als 15 % mehr verkauft werden. Cannabis mit mehr als 15 % THC fällt dann unter die harten Drogen.

Zurzeit unterscheidet das niederländische Betäubungsmittelgesetz (BmG) zwischen THC-haltigen Produkten mit pflanzlicher Zusammensetzung und Haschischöl. Das Öl wird den harten Drogen zugeordnet und steht daher auf der Liste 1 des BmG. Diese Unterscheidung datiert aus dem Jahre 1976, als die Duldungspolitik eingeführt wurde. Cannabis und Haschisch sind weiche Drogen und stehen auf der Liste 2 des BmG.

Botanische Pflanzenteile

Im Jahr 2010 hat der Hohe Rat, der niederländische Oberste Gerichtshof, ein Urteil über Ice-O-Lator-Haschisch erlassen. Dieses Haschisch hat einen hohen THC-Gehalt, der mit Haschischöl vergleichbar ist, aber nach Meinung des Hohen Rates ist das nicht ausschlaggebend für die Beantwortung der Frage, ob dieses Produkt auch auf die Liste 1 gehört. Der Hohe Rat war der Meinung, dass ausschließlich zu prüfen ist, ob das Produkt botanische (pflanzliche) Bestandteile enthält. Das ist das ausschlaggebende Kriterium, anhand dessen beurteilt wird, ob ein Cannabisprodukt der Liste 1 oder der Liste 2 zugeordnet wird. Ice-O-Lator-Haschisch enthält Pflanzenteile, während gut hergestelltes Wax keinerlei botanische Rückstände mehr aufweist.

Wax-Verkauf stoppen

In einem Schreiben hat der BCD deshalb alle Inhaber von Coffeeshops dazu aufgerufen, den Verkauf von Wax und ähnlichen Extrakten einzustellen. In diesem Schreiben erläutert der Vorsitzende Jan Goos: “Der Verkauf von Wax bietet dem Staat ein zusätzliches Argument für die Einführung eines Verbots von Cannabis mit einem THC-Gehalt von mehr als 15 %. Diese Maßnahme ist ein nächster Schritt beim Zurückdrehen der niederländischen Politik in Bezug auf weiche Drogen und Coffeeshops. Es kann doch nicht sein, dass die Branche mit dem Verkauf von Wax selbst zur Zerstörung der niederländischen Drogenpolitik beiträgt.”

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Veldman: “Wax ist in juristischer Hinsicht als eine gefährliche Droge anzusehen”.

Rechstanwalt Maurice Veldman – der zugleich Berater des BCD ist – zieht in seiner Kolumne in dem niederländischen Online-Cannabismagazin RollingStoned.nl die Schlussfolgerung, dass “Wax in juristischer Hinsicht eher als eine gefährliche Droge anzusehen ist, weil in Wax keine Pflanzenteile mehr enthalten sind, dieser eine extrem hohe Dosis THC enthält und aus diesem Grund als Haschischöl angesehen wird. Deshalb gehört Wax auf die Liste 1.”

Obwohl Veldman der Meinung ist, dass das Gesetz zur 15% THC-Norm es wahrscheinlich nicht schaffen wird, befürchtet er, dass die Bürgermeister der Städte den Coffeeshops den Verkauf von Wax untersagen werden. “Der Bürgermeister von Den Haag hat bereits ein Schreiben an alle Inhaber von Coffeeshops in Den Haag verschickt, in dem den Coffeeshops der Verkauf von Wax explizit verboten wird”, so Veldman.

Überholt

Obwohl die Verwendung von Cannabisöl und -Wax in diversen Ländern und in den USA als eine wirksame Methode zur Verwendung von (medizinischem) Cannabis angesehen wird, halten die Niederlande an der unrealistischen Begründung fest, nach welcher der Anteil von Pflanzenteilen in einem Produkt bestimmt, ob dieses Produkt zu den weichen oder zu den harten Drogen gehört; die Folge einer Duldungspolitik, deren Haltbarkeitsdatum längst überschritten ist. Diese wurde vor fast 40 Jahren als eine vorübergehende Maßnahme in Erwartung der Legalisierung eingeführt. Und zu der Zeit gab es solche Konzentrate noch nicht. Der niederländische Staat zeigt hier erneut einen gewaltigen Mangel an Wissen und Lösungspotenzial in Bezug auf den gegenwärtigen Cannabismarkt, während Informationen und Antworten zu Fragen der Regulierung an anderen Stellen in reichlichem Maße vorhanden sind.

Sensi Seeds wird die Entwicklung der niederländischen Duldungspolitik sorgfältig beobachten und darüber berichten, sobald es diesbezüglich Neuigkeiten gibt.

Kommentar Abschnitt

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D.M

Ach und beim Alkohol ist das wieder was anderes oder wie? 6% im Bier aber 45-50% Whiskey o.ä. Das ist ok? Es ist nicht die Droge die darüber entscheidet ob es gefährlich ist sondern der Konsument. Wenn jemand meint sich in die Tüte nen Gramm Öl zu packen (brennt nicht gut aber trifft mein Argument) dann hast du nen gewaltiges Problem. Wenn man Öle benutzt nimmt man nur eine Fingerspitze und streicht sie über die Zigarette oder gibt sehr wenig dem Kopf der Bong bei und man hat ein gleiches Resultat wie bei einem normalen Joint der viel mehr Gras verbraucht. Es ist ein Weg zu sparen und wenn jemand damit nicht umgehen kann dann sollte er allgemein keine Drogen nehmen.

16/09/2014

Stefanie

Hallo D.M,
vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast ganz Recht. Beim Alkohol wird auch nicht nach dem Kriterium des Alkoholgehalts gemessen. Leider wird in der Cannabis-Diskussion aber vieles am THC-Gehalt festgemacht. Der medizinischen Legalisierung wird teilweise auch nur dann stattgegeben, wenn das Cannabis keinen oder einen äußerst geringen THC-Gehalt hat.

Dennoch, sehr gerechtfertigter Kommentar. Mal sehen, wie weit man hier in den Niederlanden kommt mit derartigen Diskussionen.

Der Konsument hat die Verantwortung, beim Alkohol und allen anderen Drogen. Keine Frage!

Beste Grüße –
Stefanie

18/09/2014

Wurzel Peter

Ist halt ne Frage der Dosierung würd ich sagen - hab das und rauche es im Papier- brauch halt weniger .

17/09/2015

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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