by Olivier on 22/08/2018 | Legal & Politik

Schweiz: Gute Nachrichten für Cannabis-Konsumenten

Schweiz Der Bundesrat will den Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtern. Zudem wird geprüft, ob in Zukunft Krankenkassen die Kosten übernehmen. Der Freizeitkonsum von Cannabis könnte ebenfalls einfacher werden. Mehrere Städte und Kantone sollen versuchsweise Cannabis verkaufen dürfen. Stehen wir kurz vor der Legalisierung?


Von xenophoben Initiativen der wählerstärksten Partei über Geheimniskrämerei im Bankwesen bis hin zu fragwürdigen Steuererleichterungen für Superreiche – die Schweiz sorgt regelmäßig für negative Schlagzeilen, die weit über die Landesgrenzen hinaus gehen. Doch so engstirnig die Schweiz auch sein mag, wenn es um den Umgang mit Drogen geht, muss man sich in Bern keine Kritik gefallen lassen. Im Gegenteil: Mit der kontrollieren Heroinabgabe hat das Land Pionierarbeit geleistet und der Welt gezeigt, wie man ein ausuferndes Drogenproblem in den Griff bekommt. Die Viersäulenpolitik, welche auf Prävention, Repression, Schadenminderung und Therapie beruht, gilt international als Erfolgsmodell. Umso erstaunlicher, dass die einstige Musterschülerin in Sachen Drogenpolitik bei der Legalisierung von Cannabis nicht vorne mitspielt. Doch jetzt tut sich was. Der Bundesrat fordert ein Umdenken und will „einen besseren Umgang mit dem Problem finden“, wie Gesundheitsminister Alain Berset im Juli vor den Medien erklärte.

Erleichterte Abgabe von medizinischem Cannabis

Schweiz: Gute Nachrichten für Cannabis-Konsumenten

Wissenschaftliche Studien belegen, was Menschen seit Jahrtausenden wissen: Cannabis hilft gegen Schmerzen, Schlafprobleme, Asthma, Multiple Sklerose, Parkinson und viele weitere Krankheiten. Bis in die Fünfzigerjahre standen Cannabispräparate in jeder Hausapotheke. Was folgte, waren Jahrzehnte der Repression, Razzien und Strafverfolgung. Seit 2011 darf Cannabis als Medizin wieder abgegeben werden, doch die Hürden dafür sind hoch. Patienten müssen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung einholen. In vielen Fällen verzögert das die Therapie. Deshalb möchte der Bundesrat das Verbot, Medizinalhanf in Verkehr zu bringen, aufheben. Zudem soll das BAG prüfen, ob in Zukunft die gesetzlichen Krankenkassen die Therapiekosten übernehmen.

Cannabis als Chance für Schweizer Bauern

Schweiz: Gute Nachrichten für Cannabis-Konsumenten

Bereits im Frühjahr 2018 hat sich der Bundesrat für den Anbau und Export von medizinischem Cannabis ausgesprochen. Er beantragte das Parlament, eine Motion von Christa Markwalder (Nationalrätin der FDP) anzunehmen. Markwalder, die wie keine andere den modernen Schweizer Liberalismus verkörpert, wittert in Cannabis eine große Chance für die Landwirtschaft. Bis zu 10’000 Franken pro Are soll der Zusatzverdienst betragen. Das Marktpotenzial für medizinische Cannabisprodukte schätzt sie auf 50 bis mehrere 100 Millionen US-Dollar. Markwalder weiß auch, dass die Zeit drängt. Andere Länder wollen ein Stück vom Kuchen, der bisher nur von Kanada, Uruguay und der Niederlande geteilt wird.

Grünes Licht für Pilotversuche mit Cannabis

Mehr als 200’000 Personen in der Schweiz konsumieren regelmäßig Cannabis. Diese Zahl ist seit Jahren konstant. Das aktuelle Gesetz spielt Kriminellen in die Hände und sorgt für viel unnötigen Aufwand bei den Strafverfolgungsbehörden. Deshalb scheinen immer mehr Politiker einzusehen, dass sich etwas ändern muss. Im Rahmen von zeitlich begrenzten Modellprojekten will es der Bundesrat Städten wie Bern, Biel oder Zürich ermöglichen, Cannabis zu verkaufen. Damit soll geprüft werden, ob sich der Schwarzmarkt durch den legalen Zugang zu Cannabis austrocknen lässt. Gleichzeitig können so Informationen über das Konsumverhalten gesammelt werden, die als Grundlage für zukünftige Diskussionen und der Präventionsarbeit dienen.

Steht die Legalisierung kurz bevor?

Die oben erwähnten Entwicklungen und der anhaltende CBD-Boom machen deutlich, dass es wieder vorwärts geht in der Schweiz. Zum Jubeln ist es aber noch zu früh. Der Bundesrat hat sich wiederholt gegen eine Legalisierung ausgesprochen. Neue Regulierungsansätze will er erst testen. Frische Impulse kommen aber nicht nur aus der Politik. Der Verein „Legalize it!“ hat eine Initiative ins Leben gerufen, die allerdings nur schleppend angelaufen ist und dringend Unterstützung braucht.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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