Frühlingsverkauf - 30 % Rabatt auf alle Samen & CBD produkte
Jetzt kaufen

by Micha on 17/12/2018 | Legal & Politik

Sterilisation von Cannabis: Der große Vergleich

Sterilisation von Cannabis In den Niederlanden wird medizinisches Cannabis radioaktiv bestrahlt, um die Keime abzutöten. Diese Sterilisationsmethode ist umstritten. Hat sie Auswirkungen auf das Produkt oder gar den Patienten? Und gäbe es nicht bessere, strahlenfreie Alternativen?


Die Diskussion um die Sterilisation von medizinischem Cannabis scheidet die Geister. Besonders das in den Niederlanden vorgeschriebene Verfahren mit leicht radioaktivem Kobalt-60 steht nicht selten in der Kritik von Patienten sowie Teilen der Fachwelt. Das liegt daran, dass Verbraucher traditionell beim Einsatz radioaktiver Komponenten sehr skeptisch sind, auch wenn die Unbedenklichkeit dieser Methode zumindest bei Lebensmitteln in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde. Allerdings gibt es bislang keinerlei Studien zu bestrahlten Arzneimitteln, die wie Cannabis verdampft oder geraucht werden.

Die Richtlinien und Grenzwerte sind in den EU-Mitgliedsstaaten streng geregelt und bislang gibt es weder bei Arznei- noch bei Lebensmitteln Hinweise auf eine Gesundheitsschädigung durch den Konsum solcher Produkte. Deutschland verfügt mit der Verordnung über radioaktive oder mit ionisierenden Strahlen behandelte Arzneimittel (AMRadV) europaweit über die strengste Regelung für bestrahlte Lebensmittel. Die AMRadV besagt, dass alle radioaktiv bestrahlten Arzneimittel ein Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Auch in deutschen Apotheken gehandeltes Cannabis aus den Niederlanden, wo die Sterilisation mit Kobalt-60 vorgeschrieben ist, müsste über eine Zulassung gemäß der AMRadV verfügen, tut das aber bis heute nicht.

Leichte Veränderung des Terpenprofils

Arno Hazekamp, der als Biologe bei der Firma Bedrocan als einer der Pioniere der Cannabisforschung gilt, hatte 2016 erstmals eine Studie zur Wirkung von niedrig dosierten Gammastrahlen bei medizinischem Cannabis veröffentlicht. Die Ergebnisse von Hazekamps Studie zeigten keine Veränderung des THC-, CBD– oder Feuchtigkeitsgehalts der Blüten, bei einigen Terpenen stellte er aber eine minimale Abnahme fest. Da nur wenige Terpene verloren gingen, änderte sich das Terpenprofil einer Sorte kaum. Der Unterschied im Gesamtprofil war bei den verschiedenen getesteten Sorten noch deutlich erkennbar. Die Proben wurden vor und unmittelbar nach der Standard-Gammabestrahlung verglichen und anschließend visuell sowie mithilfe den Analysemethoden der Gaschromatographie und der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie ausgewertet.

Sterilisation von Cannabis: Der große Vergleich

Bei der Analyse waren die wichtigsten betroffenen Terpene die Monoterpene Myrcen, cis-Ocimen und Terpinolen sowie Gamma-Selinen, Eudesma-3,7(11)-Dien und Gamma-Selinen. Dies könnte daran liegen, dass diese flüchtigeren Terpene schneller verdunsten, weil ihre Moleküle durch die Gammastrahlung „beschleunigt“ werden. Interessanterweise war der Verlust nicht bei jeder Sorte gleich. So nahm der Myrcengehalt bei zwei Sorten deutlich ab, während er sich bei einer dritten Sorte kaum veränderte.

Myrcen liegt in Cannabis-Sorten, die nach „frischem Wald“ duften, in hohen Konzentrationen vor. Neben Cannabis findet man es auch häufig in Pinus-Arten (Kiefern), Wacholder, Amomum-Arten, Minze, Salbei, Kümmel, Mango, Fenchel, Estragon, Dill, Beifuß, Engelwurz und Hopfen. Myrcen dient der Herstellung von Geruchs- und Geschmacksstoffen in der Parfümindustrie und Pharmazie.

Abschließend stellt die Studie fest, dass Terpene zwar abgebaut werden, aber durch die Bestrahlung keine neuen Stoffe entstehen. „Die Gammabestrahlung beschleunigt die Verdunstung (von Terpenen) ein wenig, tötet oder zerstört aber Ihr Cannabis nicht.“

Leider haben es die nationalen Cannabis-Agenturen in Deutschland, den Niederlanden und Kanada bislang versäumt, selbst Forschungsarbeiten zur Sterilisation von medizinischem Cannabis oder dessen Terpenprofil in Auftrag zu geben. Deshalb ist der Schritt von Bedrocan, transparent zu arbeiten und selbst zu forschen, auch unbedingt notwendig. Allerdings wäre es im Sinne der Patienten wünschenswert, wenn Forschung und Kontrolle nicht gänzlich den Herstellern selbst überlassen blieben. Wohin das in einer Branche führen kann, in der aktuell eine Art Goldgräberstimmung herrscht, haben andere Entwicklungen im Arzneimittelwesen in den vergangenen 150 Jahren eindrucksvoll belegt.

Alternativen zur radioaktiven Bestrahlung

In den Niederlanden gibt es keine, da die Bestrahlung gesetzlich vorgeschrieben ist. In Kanada verzichten die meisten Produzenten von medizinischem Cannabis auf die Gammabestrahlung und wenden andere Methoden an. Doch auch das dortige medizinische Cannabis-Programm erlaubt die Bestrahlung mit radioaktivem Kobalt-60. Leider arbeiten die Hersteller dort weniger transparent. Von drei Produzenten, die medizinisches Cannabis nach Deutschland importieren, geben zwei (Aurora und Peace Naturals) lediglich an, andere Methoden zur Sterilisation zu nutzen. Welche das sind, wird nicht gesagt. Der dritte Produzent (Tweed) äußert sich nicht dazu, allerdings gibt es Vermutungen, dass es sich um eine Gamma-Bestrahlung handelt. US-Firmen reden in diesem Zusammenhang heutzutage gerne von „kaltem Pasteurisieren“, um negativ besetzte Assoziationen zu vermeiden.

Sterilisation von Cannabis: Der große Vergleich

Alternative Methoden sind meist etwas zeitintensiver und somit auch teurer. Produzenten, die nicht mit Kobalt-60 bestrahlen, kombinieren meist mehrere der folgenden Methoden zur Sterilisation:

Die Behandlung mit Ozon zerstört sämtliche Mikroorganismen auf der Oberfläche, doch die Substanz ist sehr reaktionsfreudig und deshalb sehr schnell flüchtig. Auch die Bestrahlung mit UV-Licht hat sich als hilfreich, allerdings oft nicht ausreichend erwiesen. Experten empfehlen eine zusätzliche Behandlung mit einer der unter angeführten Methoden, falls der Produzent nicht mithilfe von Kobalt-60 sterilisieren möchte.

Um landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Getreide, Gemüse, Obst, Nüsse oder Kräuter zu reinigen, werden Gase wie Stickstoff, Kohlenstoffdioxid oder Edelgase (meist Argon) eingesetzt.

Sehr vielversprechend scheint auch eine neue Methode zu sein, bei der Pflanzen kurz mit Wasserdampf behandelt werden. Der sehr kurze Kontakt (20 bis 40 Sekunden) mit Hochdruckdampf bei einer Temperatur zwischen 102°C und 122°C ermöglicht es, hitzeempfindliche Kräuter, Pulver und Gewürze ohne Beeinträchtigung der Qualität zu dekontaminieren.

Auch die Reinigung mit Ultraschall hat im medizinischen Bereich in den letzten Jahren vielversprechende Ergebnisse erzielt.

Die Begasung mit Ethylenoxid tötet Bakterien, Viren und Pilze ab und wurde in Europa lange zur Sterilisation von Lebensmitteln und Arzneipflanzen verwendet. In Deutschland ist der Einsatz von Ethylenoxid im Lebensmittelbereich seit 1981 verboten, während das Gas in Kanada und den USA mit Einschränkung weiterhin angewendet werden darf.

Penible Sauberkeit ist der beste Schutz

Da die einzuhaltenden Grenzwerte auch für im Freien angebaute Heilkräuter gelten, sollte deren Einhaltung für Produzenten von medizinischem Cannabis auch ohne radioaktive Bestrahlung wenig problematisch sein. Es sei denn, man produziert in den Niederlanden, wo der Gesetzgeber den Produzenten keine andere Möglichkeit lässt.

Anders als bei Johanniskraut oder Salbei findet der Anbau von Cannabis in hermetisch abgeriegelten Räumen statt. Da weder die kanadische Cannabis-Agentur noch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Sterilisation mit Kobalt-60 vorschreiben, scheint eine radioaktive Bestrahlung überflüssig. Vor allen Dingen angesichts des Grammpreises von derzeit fast 24 Euro und penibelster Hygienevorschriften muss medizinisches Cannabis nicht radioaktiv bestrahlt werden, um sicher zu sein. Andere Methoden reichen durchaus. Das beweisen alleine schon die mindestens 12 unbestrahlten Sorten aus Kanada, die anstandslos die strengen Kontrollen durchlaufen, bevor sie in deutsche Apotheken gelangen.

In Deutschland bislang illegal im Handel

Wie bereits erwähnt, müssten bestrahlte Blüten in Deutschland eine Zulassung gemäß der AMRadV haben. Doch bislang ist bei den zuständigen Behörden noch kein Antrag auf eine solche Zulassung eingegangen, wie die Behörde auf Anfrage im Oktober bestätigt hat. Der müsste eigentlich vom niederländischen Vertragspartner des BfArM bei der Bonner Behörde gestellt und genehmigt werden, bevor die Blüten in deutsche Apotheken kommen. Gleiches gilt für Sorten aus dem kanadischen Cannabis-Programm, die mit Kobalt-60 behandelt wurden.

Sterilisation von Cannabis: Der große Vergleich

Streng genommen werden derzeit also alle mit Kobalt 60 bestrahlten Blüten illegal verkauft, weil sie nicht über die notwendige, strahlenrechtliche Zulassung verfügen. Das BfarM ist sich dessen spätestens seit einer Presseanfrage von Anfang September bewusst und sieht, genau wie die für das Inverkehrbringen zuständigen Landesgesundheitsämter, bislang keinerlei Handlungsbedarf. Keinerlei Handlungsbedarf heißt, dass Patienten bis heute nicht genau wissen, ob und welche kanadischen Produzenten Kobalt-60 zur Sterilisation nutzen und der geltende Grenzwert auch wirklich eingehalten wird.

Schwarzer Peter statt schnelles Handeln

Nachdem sie im Rahmen einer alltäglichen Presseanfrage auf einen offensichtlichen Fehler hingewiesen wurden, haben sich das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), das BfArM, die Berliner Senatsverwaltung und das Bundesgesundheitsministerium über Wochen hinweg den Schwarzen Peter der Zuständigkeit zugeschoben, anstatt sich dem eigentlichen Stein des Anstoßes zu widmen.

Besser wäre es, nach einem solchen Hinweis die Beantragung der noch fehlenden Zulassung für bestrahlte Cannabisblüten aus den Niederlanden umgehend in die Wege zu leiten. Deutschland müsste die niederländischen Exporteure auf die fehlende Zulassung hinweisen und sie auffordern, die notwendigen Papiere umgehend nach Bonn zu schicken. Der Import von medizinischen Cannabis aus den Niederlanden ist ohnehin sehr komplex und bedarf zahlreicher Genehmigungen und Zertifikate. Die Zulassung nach der AMRadV wäre da nur einer von vielen Schritten, der für Patienten und Ärzte die gesetzlich vorgesehene und notwendige Transparenz für radioaktiv bestrahlte Medizin schüfe.

Den Patienten wäre wenig geholfen, wenn die Bundesregierung nun aufgrund eines fehlenden Antrags den Import stoppt. Im Gegenteil: Es ist nun ihre Aufgabe, Transparenz sowie Sicherheit zu schaffen und gleichzeitig die Regelversorgung mit Cannabisblüten nicht zu gefährden.

Kommentar Abschnitt

Haben Sie eine Meinung dazu? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.