by Seshata on 11/04/2013 | Anbau Meinung

Was ist Skunk?

Skunk In den vergangenen Jahren hatten die Medien diverser Länder enorme Probleme, zu verstehen, was “Skunk” eigentlich bedeutet. Im Allgemeinen haben sie es als Überbegriff für alle THC-reichen, gewöhnlich in Innenräumen angebauten Cannabissorten interpretiert. Es gibt zuhauf inkorrekte und irreführende Artikel, was die ohnehin bestehende Verwirrung noch verstärkt, die viele bei der Suche nach einem Einblick in die verschiedenen, heute erhältlichen Sorten empfinden.


Einige Beispiele für die Ignoranz der Medien

Wohl nirgendwo auf der Welt wird “Skunk” heute so lautstark angeprangert wie in den Medien Großbritanniens. Nach schamlosen Beispielen für verzerrende Berichterstattungen braucht man nicht lange zu suchen, selbst in angeblich neutralen oder liberalen Blättern wird man fündig.

Da überrascht es nicht, dass die berüchtigte Daily Mail unentwegt auf “Skunk” und dessen Gefahren hinweist : So behauptete ein Artikel der aus dem Jahr 2009Skunk-Cannabisraucher leiden mit siebenmal höherer Wahrscheinlichkeit unter einer Psychose”, dass der “ultrastarke Skunk-Cannabis mit siebenmal höherer Wahrscheinlichkeit Psychosen wie Schizophrenie auslöst als herkömmliches Haschisch”. Da das “herkömmliche” Haschisch in Großbritannien viele Jahre lang ein minderwertiges Produkt war – mit geringem Cannabinoid-Anteil wegen des umfangreichen Gebrauchs potenziell schädlicher Zusätze – sind die Unterstellungen der Mail außerordentlich problematisch.

Auch die BBC stürzte sich in diese spezielle Kontroverse, indem sie behauptete, dass Skunk ein “‚größeres Psychose-Risiko‘ als andere Cannabissortendarstelle. Der Guardian und der Independent stießen ins gleiche Horn, mit solchen Schlagzeilen wie “Skunk-Raucher müssen mit einem erhöhten Psychose-Risiko rechnen, warnen Forscher” und “Die große Frage: Was ist von Skunk wirklich zu halten – wurden die Gefahren überbewertet?”

Die Verwirrung wird durch schlecht geschriebene wissenschaftliche Literatur verursacht

Zwar war die letztgenannte Berichterstattung etwas weniger voreingenommen als üblich, aber es ist dennoch besorgniserregend, dass „Skunk“ praktisch überall unbestritten als Überbegriff für Cannabis mit hohem THC-Gehalt verwendet wird. Das ursprüngliche Quellenmaterial für diese Behauptungen wurde im British Journal of Psychiatry (Britisches Fachblatt für Psychiatrie) veröffentlicht. In diesem Text wird “Skunk” eindeutig mit Sinsemilla- (samenlosem) Cannabis assoziiert (“In 78 % der Fälle verwendete die Gruppe hochpotenten Cannabis (Sinsemilla, ‚Skunk‘)”).

Eine solche Missachtung der Tatsachen verdeutlicht, wie wichtig eine klare, korrekte Darstellung aller Schritte des wissenschaftlichen Forschungsprozesses ist, sodass einzelne Medien nicht dazu ermutigt werden, um spezieller Interessen willen die Tatsachen zu verdrehen.

Was ist Skunk?

Skunk ist in der Tat eine potentere Sorte als viele herkömmliche Landrasse-Sorten, da es aus der Kreuzung verschiedener Landrasse-Sorten gewonnen wird. Dadurch sollen die erwünschten Merkmale, zu denen eben für viele Cannabiskonsumenten auch Potenz gehört, optimiert werden.

Die Sorte Skunk No. 1 hat „Skunk“ als Überbegriff für hochpotenten Cannabis populär gemacht.

Vor der Verbreitung der hochpotenten, zum Innenanbau mithilfe der Sinsemilla-Technik bestimmten Sorten waren viele Cannabiskonsumenten im Westen auf importierten Cannabis angewiesen, der oft mangelhaft angebaut, transportiert und gelagert wurde. Der solcherart verkürzte Produktionsprozess bedeutete, dass die Preise verlockend niedrig gehalten werden konnten.

Wenn diese Landrasse-Sorten mithilfe moderner Techniken angebaut und sorgfältiger behandelt werden, kann durchaus ein Endprodukt erzeugt werden, das denselben oder gar einen höheren Cannabinoid-Gehalt hat als der gezielt gezüchtete „Skunk“.

Darüber hinaus gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende hochpotenter Sorten, die mit “Skunk” nichts zu tun haben. Zumeist wird angenommen, dass Skunk No.1 (die berühmteste und als erste stabilisierte Sorte) aus drei Landrasse-Sorten gezüchtet wird: Columbian Gold, Acapulco Gold und Afghani. Skunk ist zwar die Basis für viele hochpotente Innenanbau-Sorten, doch dieser Begriff ist nicht gleichbedeutend mit all diesen Cannabisformen.

Welches sind die potentesten Cannabissorten?

Eine genaue Bestimmung der potentesten Cannabisformen ist nicht ohne Weiteres möglich. Denn die Wirkung von Cannabis kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfallen; so werden zum Beispiel Menschen, die auf THC empfindlicher reagieren, Sorten mit hohem THC- und niedrigem CBD/CBN-Gehalt für die potentesten halten.

Kali Haze, ein Mitglied aus der Haze-Familie der Cannabissorten, wird allgemein als eine der potentesten Sorten betrachtet.

Andere reagieren dagegen empfindlicher auf die Auswirkungen von CBD, CBN und anderen Cannabinoiden, deren neurologische Effekte noch nicht ausreichend untersucht wurden, und diese Menschen werden wahrscheinlich Sorten mit unterschiedlichen Cannabinoid-Anteilen als potenter einschätzen.

Im Allgemeinen hat sich jedoch die Ansicht durchgesetzt, dass die Haze-Familie einige der potentesten Cannabissorten enthält. Beispielsweise kann die Kali Haze oftmals einen THC-Gehalt von über 20 % erreichen, wenn sie korrekt angebaut wird, und diese ist eine Hybride aus mexikanischen, kolumbianischen, thailändischen und südindischen Genen – ein Skunk-Vorfahr findet sich in ihrem Stammbaum jedoch nicht.

Sind die starken Bedenken der Medien gerechtfertigt?

Die potentesten, heute erhältlichen Cannabisformen sind keine Pflanzen. Sondern es handelt sich um (Haschisch-) Extrakte, Öle und Tinkturen mit einer Potenz von bis zu 80 % bei einigen von Experten hergestellten Produkten. Derart hochkonzentrierte Produkte sind jedoch außerhalb solcher Cannabis-Hotspots wie Amsterdam an den meisten Orten nicht erhältlich, sodass die Furcht der Medien vor ihrem schädlichem Einfluss wirklich übertrieben sein dürfte.

Tatsächlich haben Studien immer wieder gezeigt, dass der durchschnittliche Cannabinoid-Gehalt der meisten käuflichen Sorten in den letzten Jahrzehnten relativ konstant bei etwa 4-5 % lag. Die Panikmache in den Medien wegen „Skunk“ entbehrt also eigentlich jeder Grundlage. Die offensichtliche, aber unbefriedigende Antwort lautet: Die Medien sind nicht an Fakten interessiert, sondern nur daran, wissenschaftliche Forschungsberichte sensationslüstern aufzubauschen, um die Auflage zu erhöhen.

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