by Seshata on 07/04/2014 | Medizinisch

Cannabis und Schlaganfall

Schlaganfall Bei verschiedenen Fällen einer Apoplexie bzw. eines Schlaganfalls (CVA = Cerebrovascular Accident) war der Gebrauch von Cannabis im Spiel, und er könnte auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen so weit verschärfen, dass diese bei anfälligen Personen zu einem Schlaganfall führen. Andererseits gibt es stichhaltige Beweise dafür, dass Cannabinoidtherapien das Potenzial besitzen, nach überstandenen Schlaganfällen zu einer schnelleren Genesung beizutragen.


Was ist ein Schlaganfall?

Cannabis und Schlaganfall
Ein ischämischer Schlaganfall kann auftreten, wenn die Durchblutung des Gehirns unterbrochen wird, zum Beispiel durch ein Blutgerinnsel

Cerebrovascular accident (CVA) ist die offizielle Bezeichnung für Schlaganfall. Dabei handelt es sich um eine akute Erkrankung, bei der die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen oder gestört wird. Rund 87 % aller Schlaganfälle sind ischämischer Natur; ein ischämischer Schlaganfall (IS) wird durch eine Ischämie oder Minderdurchblutung verursacht, die für gewöhnlich durch einen Verschluss im Kreislaufsystem wie beispielsweise eine arterielle Embolie, Arterienverkalkung oder Thrombose hervorgerufen wird. Ein Schlaganfall kann aber auch durch eine Hämorrhagie bzw. Einblutung ins Gehirn (Gehirnblutung) verursacht werden — das bezeichnet man als Hämorrhagischen Schlaganfall (HS).

Da die Durchblutung (und damit die Sauerstoffversorgung) der betroffenen Regionen des Gehirns bei einem Schlaganfall unterbrochen wird, können diese Regionen nicht mehr normal arbeiten, und folglich werden die mit diesen verbundenen neurologischen und physiologischen Funktionen gestört oder ganz zum Erliegen gebracht. Je nach der Dauer der Unterbrechung der Blutversorgung können diese Schäden irreversibel sein.

Doch dank der Fortschritte bei der Erforschung dieses Gebietes entwickeln wir nun neue und bessere Therapien, die einige der Folgen eines Schlaganfalls abschwächen und sogar rückgängig machen können. In diesem Zusammenhang werden Cannabis und cannabinoidbasierte Therapien aufgrund ihrer bekannten neuroprotektiven Fähigkeiten zurzeit sorgfältig untersucht.

Verbreitung & Risikofaktoren

Cannabis und Schlaganfall
Tabakrauchen lässt das Risiko eines Schlaganfalls drastisch ansteigen

Ein Schlaganfall ist eine schwere, lähmende Erkrankung, die jedes Jahr weltweit bis zu 15 Millionen Menschen befällt. Die absoluten Patientenzahlen steigen von Jahr zu Jahr — auch in den Entwicklungsländern ist die Krankheit auf dem Vormarsch, da sich der westliche Lebensstil immer weiter ausbreitet; in den Industrieländern sinken die absoluten Zahlen zwar, doch aufgrund der alternden Bevölkerung nehmen die Krankheitsfälle nach wie vor zu.

Ein Schlaganfall trifft vor allem ältere Menschen, und da die Menschen überall auf der Welt länger leben, nimmt auch die Kostenbelastung der Gesundheitssysteme ständig zu. Außer einem fortgeschrittenen Alter gibt es weitere Faktoren, die das Schlaganfallrisiko eines Menschen erhöhen, wie beispielsweise hoher Blutdruck oder hohe Cholesterinwerte, Diabetes, ischämische Herzkrankheiten und Tabakrauchen. Als größter Risikofaktor für Schlaganfall gilt hoher Blutdruck (Hypertonie).

Es gibt zwar Hinweise darauf, dass Cannabiskonsum die Gefahr eines Schlaganfalls sowohl bei Risikogruppen als auch bei ansonsten gesunden jungen Männern erhöhen kann, aber ein ursächlicher Zusammenhang ist noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Selbstverständlich stellen die Schlaganfälle, die mit Cannabis in Verbindung gebracht werden können, nur einen Bruchteil der Gesamtzahl der Fälle dar, doch da der Cannabiskonsum in vielen Ländern steigt, kann auch dieser winzige Anteil geringfügig steigen.

Welche Cannabiskonsumenten haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko?

Nach dem heutigen Stand der Forschung ist nur bei sehr wenigen Cannabiskonsumenten von einem erhöhten Schlaganfallrisiko auszugehen. Allerdings kann der Cannabiskonsum bei Personen mit bestimmten Vorerkrankungen das Risiko eines Schlaganfalls tatsächlich steigern—und in extrem seltenen Fällen kann Cannabis sogar als direkter Auslöser fungieren.

So können bei Cannabiskonsumenten, die unter einer ischämischen Herzkrankheit, Hypertonie und zerebrovaskulären Erkrankungen (Durchblutungsstörungen des Gehirns) leiden, Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen und (in äußerst seltenen Fällen) auch ein akuter Herzinfarkt auftreten. Wenn eine Person einen MI (myocardial infarction = Herzinfarkt) erleidet, dann hat sie im darauffolgenden Monat ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko. Bei Patienten mit einer zerebrovaskulären Erkrankung wie Arterienverkalkung können ebenfalls Schlaganfälle auftreten, die durch eine mit Cannabis zusammenhängende Erhöhung des Blutdrucks hervorgerufen werden.

Das Risiko des Auftretens von Symptomen scheint unmittelbar nach dem Cannabiskonsum am höchsten zu sein, während es innerhalb von dreißig Minuten nach dem Konsum auf nahezu normale Werte sinkt. Wegen der schmerzstillenden Effekte von THC könnten Brustschmerzen zunächst unbemerkt bleiben, wodurch sich die Behandlung verzögert.

CVA und das Herz-Kreislauf-System

Cannabis und Schlaganfall
Cannabis und Schlaganfall

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten als besonders große Risikofaktoren für einen ischämischen Schlaganfall. Hoher Blutdruck (Hypertonie) wird häufig als Herz-Kreislauf-Erkrankung selbst oder als Teil davon betrachtet, da er das Herz belastet und zu verschiedenen Komplikationen führen kann. Außerdem stellt er ein Symptom vieler Störungen des Herz-Kreislauf-Systems dar. Dennoch wird er als unabhängiger Risikofaktor angesehen, insbesondere wenn es sich um eine „primäre“ Hypertonie handelt, die von keiner erkennbaren Vorerkrankung verursacht wird.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die das Schlaganfallrisiko erhöhen, unter anderem die ischämische Herzkrankheit (fortschreitende Verengung der Blutgefäße), die hypertensive Herzkrankheit (eine Hauptursache für Aneurysmen) und zerebrovaskuläre Erkrankungen (eine Gruppe von Krankheiten, die die Blutzufuhr in und zum Gehirn betreffen, einschließlich Arterienverkalkung und transitorische ischämische Attacke).

Thrombose & Embolie

Thrombose und Embolie sind zwei weitere bedeutsame Risikofaktoren, denn beide führen zu einem Verschluss der Blutgefäße (die Thrombose bezieht sich nur auf Verstopfungen, die durch Blutgerinnsel verursacht werden und am Entstehungsort auftreten. Bei einer Embolie kann es sich um ein Blutgerinnsel, eine Luftblase oder einen Fetttropfen handeln, die auch in einem weit vom Entstehungsort entfernten Körperbereich auftreten können).

Viele dieser Krankheiten stellen nicht nur direkte Risikofaktoren dar, sondern rufen auch Hypertonie hervor (die „sekundäre“ Hypertonie genannt wird, wenn sie ein Symptom einer bekannten Vorerkrankung ist), die das Schlaganfallrisiko sogar noch weiter erhöht. Bei rund 30-40 % aller ischämischen Schlaganfälle ist jedoch keine Krankheitsursache feststellbar; diese Fälle nennt man „kryptogenetisch“ (von unbekannter Entstehung).

EC-System, Herz-Kreislauf-System und Schlaganfall

Diverse Studien haben einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem akuten Herzinfarkt (Myocardial Infarction = MI) festgestellt. So kam eine im Jahr 2001 veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass sich das Risiko eines Herzinfarkts bei einer kleinen Untergruppe von anfälligen Personen innerhalb der ersten sechzig Minuten nach dem Cannabiskonsum um das 4,8-Fache erhöht. Zudem besteht bei Personen, die einen Herzinfarkt erleiden, innerhalb von dreißig Tagen nach dem MI ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Darüber hinaus wird angenommen, dass Cannabisrauchen die Konzentration von Carboxyhämoglobin im Blut erhöht, während es die Sauerstoffversorgung des Herzens vermindert und die Herzfrequenz steigert, wodurch das Herz stärker belastet wird. Dass der Konsum von Cannabis derartige Nebenwirkungen haben kann, ist seit Langem bekannt, aber der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem MI selbst ist nicht eindeutig nachgewiesen; wahrscheinlich betrifft er nur die Konsumenten, die spezifischen Hochrisikogruppen angehören.

CB1- und CB2-Rezeptoren sind innerhalb des Herz-Kreislauf-Systems weitverbreitet. Diese Rezeptoren haben eine wichtige Funktion bei der Abstimmung der Zellaktivitäten in den Blutgefäßwänden; einige Forscher haben darauf hingewiesen, dass dieser Mechanismus zur Entstehung der Arterienverkalkung beitragen könnte, einer weiteren bedeutenden Ursache des ischämischen Schlaganfalls.

CB-Rezeptoren, Arterienverkalkung & Thrombose

Cannabis und Schlaganfall
Eine tiefe Venenthrombose ist ein weiterer wichtiger Risikofaktor für einen Schlaganfall

Ein typisches Zeichen einer Arterienverkalkung ist die Anhäufung von weißen Blutkörperchen, Ablagerungen, Cholesterin und Fettsäuren in den Wänden der Arterien. Diese Ansammlungen ballen sich für gewöhnlich zusammen und bilden dann Plaques (Ablagerungen), die Atherome genannt werden. CB1-Rezeptoren wurden in bestimmten weißen Blutkörperchen nachgewiesen, die als Makrophagen bezeichnet werden, und diese wurden in fortgeschrittenen Stadien von Atheromen gefunden.

Man weiß nicht, welcher Mechanismus hier genau am Werk ist, hat aber festgestellt, dass Patienten mit einer instabilen Angina (unregelmäßige Brustschmerzen aufgrund einer Ischämie des Herzens) eine deutlich höhere Expression von CB1-Rezeptoren in den Koronararterien mit arteriosklerotischer Plaque aufweisen als Patienten mit einer stabilen Angina.

Zudem ist erwiesen, dass der CB-Rezeptoragonist delta-9 THC über die CB-Rezeptoren Blutplättchen aktiviert, was zu einer verstärkten Expression des Glykoproteins IIb/IIIa führt (ein in den Blutplättchen enthaltenes Protein); hierdurch wird Faktor VII aktiviert, ein Protein, das mit der Thrombenbildung in Verbindung gebracht wird (Wachstum von Blutgerinnseln), da es die Zusammenballung der Blutplättchen verursacht. Die Thrombose ist ein weiterer bedeutender Risikofaktor für einen ischämischen Schlaganfall.

Cannabis-Arteriitis und Ischämischer Schlaganfall

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Cannabis das Schlaganfallrisiko auch durch einen Mechanismus erhöhen kann, der von den obigen Ausführungen etwas abweicht – durch die spekulative Erkrankung Cannabis-Arteriitis (Arterienentzündung), die der Thromboangiitis obliterans (die Buerger-Krankheit, eine bekannte Folge des langfristigen Tabakrauchens) sehr ähnlich ist.

Man vermutet, dass das Kennzeichen dieser Krankheiten – die periodisch wiederkehrende Entzündung der Blutgefäße – sowohl im Gehirn als auch in den peripheren Gefäßen auftritt, wo sie für gewöhnlich entdeckt wird. Wenn die Entzündung in diesen Bereichen weit genug fortgeschritten ist, kann sie die Blutversorgung des Gehirns blockieren und zu einem ischämischen Schlaganfall führen.

Allerdings ist hierbei zu beachten, dass es keinen schlüssigen Beweis für Cannabis-Arteriitis gibt, denn an vielen der Studien zu diesem Thema nahmen Personen teil, die auch Tabak rauchten. Das Gleiche gilt für verschiedene Studien und Artikel, die einen Zusammenhang zwischen Cannabis und ischämischem Schlaganfall beschreiben, da eine große Zahl dieser Studien unvollständig oder fehlerhaft ist.

Die Rolle von Cannabis bei einem Schlaganfall

Cannabis und Schlaganfall
Diese Illustration zeigt, wie der Aufbau der Plaque in den Arterien zu einer Herzkrankheit beitragen kann

In Neuseeland wurde eine Studie mit 218 Versuchspersonen durchgeführt, die unter IS oder einer transitorischen ischämischen Attacke litten. Bei fünfundzwanzig von ihnen (15,6 %) wurden Cannabinoide im Urin gefunden, während das nur bei 8,1 % der Kontrollgruppe der Fall war. Doch viele der Teilnehmer rauchten auch Tabak, und nachdem sie dies berücksichtigt hatten, waren die Forscher nicht in der Lage, einen von Tabak unabhängigen Zusammenhang herzustellen.

In einem Überblick über die medizinische Literatur durch Wolff et al. wurden neunundfünfzig Schlaganfälle dokumentiert, die vermutlich dem Konsum von Cannabis zuzuschreiben waren; bei 83 % von ihnen handelte es sich um einen ischämischen Schlaganfall. Das Durchschnittsalter der neunundfünfzig Personen war dreiundreißig Jahre, und das Verhältnis von Männern zu Frauen betrug fast fünf zu eins.

Studien konnten keinen eindeutigen Zusammenhang nachweisen

Wenn aus dem Cannabiskonsum ein erhöhtes Schlaganfallrisiko abgeleitet wird, geht es im Allgemeinen um einen Indizienbeweis. Beispielsweise rechtfertigte eine Fallstudie mit siebzehn IS-Patienten, denen Marihuana verabreicht wurde, die Herstellung eines kausalen Zusammenhangs, da andere bekannte Risikofaktoren fehlten. Es konnte nämlich eine zeitliche Verknüpfung zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten der Symptome sowie zwischen der periodischen Wiederkehr der Symptome und der erneuten Einnahme von Cannabis festgestellt werden.

Wolffs Überblick zufolge erlitten die Dauerkonsumenten mit größerer Wahrscheinlichkeit einen ischämischen Schlaganfall als die gelegentlichen Konsumenten. In vielen Fallberichten trat der Schlaganfall während oder innerhalb von dreißig Minuten nach dem Cannabiskonsum auf. Der Hauptgrund für die Annahme einer Verbindung zwischen Cannabiskonsum und IS war die Tatsache, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den beiden Faktoren gab.

Ein anderer Überblick von Desbois et al.dokumentierte 71 Fälle von Cannabiskonsumenten, die einen IS erlitten hatten. Sämtliche Patienten waren als starke Marihuanaraucher eingestuft worden; auch hier traten die Symptome in 76,5 % der Fälle während oder innerhalb von dreißig Minuten nach dem Konsum auf. Auch wenn der zeitliche Zusammenhang nur als Hinweis zu werten ist, lässt er doch darauf schließen, dass Cannabis in speziellen Fällen einen Schlaganfall auslösen kann. Das andere, besonders bemerkenswerte Indiz ist die periodische Wiederkehr der Symptome bei einem erneuten Konsum der Droge.

THC, Vasokonstriktion und Stenose

Offensichtlich kann Cannabiskonsum in seltenen Fällen einen Schlaganfall auslösen, wobei es verschiedene Theorien in Bezug auf die Ursachen gibt. So kann die Anwesenheit von THC potenziell nicht nur zur Entstehung einer Arterienverkalkung führen, sondern auch zu einem Reversiblen Cerebralen Vasokonstriktionssyndrom (RCVS = Zusammenziehung der Hirngefäße, Symptome bilden sich von alleine wieder zurück). Mehrere Tierstudien haben bewiesen, dass THC periphere vasokonstriktorische (gefäßverengende) Eigenschaften hat.

Wolff et al. berichteten über eine multifokale intrakraniale Stenose (MIS) bei 21 % der Cannabiskonsumenten, die einen IS erlitten hatten.  Man hat jedoch beobachtet, dass sich diese Form der zerebralen Angiopathie (Gefäßerkrankung), die sich als gravierende Verengung der Gehirnarterien in mehreren Hirnregionen äußert, innerhalb von drei bis sechs Monaten nach Beendigung des Cannabiskonsums zurückbildete und schließlich ganz verschwand. In mindestens einer weiteren Studie wurde ebenfalls ein Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und MIS nachgewiesen.

Wie Desbois und seine Kollegen berichteten, trat MIS bei 50 % der Patienten auf, RCVS bei 43 % und eine lokal begrenzte Stenose bei 22,6 %. Ein Überblick über Patienten mit RCVS ergab, dass die Erkrankung bei 32 % der Cannabiskonsumenten vorkam; fast die Hälfte der Konsumenten verwendeten außer Cannabis keine weitere Droge.

Akuter Herzinfarkt & ischämischer Schlaganfall

Cannabis und Schlaganfall
In dem auf einen Herzinfarkt folgenden Monat besteht ein massiv erhöhtes Schlaganfallrisiko

Kardioembolische ischämische Schlaganfälle, die 14-30 % aller IS-Fälle ausmachen, sind mit einem MI (Herzinfakt) aufgrund von Cannabis in Verbindung gebracht worden. Bei dem kardioembolischen IS tritt eine Embolie zwischen Herz und Gehirn auf, die die Blutversorgung des Herzmuskels unterbricht, was nach einem Ausgleich verlangt und somit zum Schlaganfall führt.

Angesichts der Tatsache, dass das Endocannabinoidsystem so eng mit der Gesunderhaltung des Herz-Kreislauf-Systems verbunden ist, kann angenommen werden, dass THC und andere Cannabinoide eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Herz-Kreislauf-Systems spielen. Bei gesunden Personen ohne Vorerkrankung oder entsprechender Veranlagung unterstützt das Endocannabinoidsystem die Aufrechterhaltung einer stabilen Gesundheit; doch bei den Angehörigen der Hochrisikogruppen, bei denen die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems ohnedies aus dem Gleichgewicht geraten ist, können Störungen in den Systemen negative Auswirkungen haben.

Nach wie vor ist jedoch nicht geklärt, warum auch eine kleine Gruppe junger, anscheinend gesunder Personen, die keiner Hochrisikogruppe angehören, nach dem Konsum von Cannabis einen IS erleiden. Möglicherweise besteht gar kein Zusammenhang zwischen diesen Schlaganfällen und Cannabiskonsum, oder es könnte eine genetische Disposition für derartige Erkrankungen vorliegen. Derzeit kann bei Patienten mit einem IS im Zusammenhang mit Cannabis nur eine einzige Übereinstimmung festgestellt werden – das männliche Geschlecht.

Zur Feststellung eines Zusammenhangs bedarf es weiterer Forschung

Die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und ischämischem Schlaganfall häufen sich, aber eine eindeutige kausale Beziehung konnte noch nicht festgestellt werden. Der offenkundige chronologische Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten eines Schlaganfalls ist der überzeugendste Indizienbeweis, und auch die IS-Rückfälle bei erneutem Cannabiskonsum deuten auf einen kausalen Zusammenhang hin.

Medizinischer Cannabis wird für immer mehr Menschen zugänglich, und zudem wird er bei einer stetig wachsenden Anzahl von Leiden verschrieben, weshalb es äußerst wichtig ist, dass seine potenziellen Nebenwirkungen sorgfältig untersucht werden. Offensichtlich sind die Nebenwirkungen von Cannabis im Wesentlichen gutartig, und die Gruppe der möglicherweise von den negativen Wirkungen betroffenen Personen ist so klein, dass es in keinster Weise gerechtfertigt ist, großen Teilen der Bevölkerung Cannabismedikamente vorzuenthalten. Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Potenzial an Cannabinoidtherapien, das wertvolle Hilfe bei der Genesung von Schlaganfallpatienten leisten kann.

In unserem nächsten Artikel über den Zusammenhang zwischen Cannabis und Schlaganfall werden wir uns mit der Frage befassen, worin der potenzielle Nutzen der Cannabinoidtherapie für die Genesung nach einem überstandenen Schlaganfall besteht.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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