Die UFCM 2015 in Straßburg – ein Überblick

UFCM 2015 Am 16. Oktober 2015 fand zum 4. Mal die Konferenz über pharmazeutische Fortschritte und die therapeutische Verwendung von Cannabinoiden in der Medizin in der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg statt. Organisiert wurde die Konferenz von der Organisation UFCM iCare (der französischen Union für die Verwendung von Cannabinoiden in der Medizin); den Vorsitz hatte der französische Patient und Aktivist Bertrand Rambaud.


Am 16. Oktober 2015 fand zum 4. Mal die Konferenz über pharmazeutische Fortschritte und die therapeutische Verwendung von Cannabinoiden in der Medizin in der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg statt.

Organisiert wurde die Konferenz von der Organisation UFCM iCare (der französischen Union für die Verwendung von Cannabinoiden in der Medizin); den Vorsitz hatte der französische Patient und Aktivist Bertrand Rambaud.

Prof. Hanuš, Sebastien Beguerie, Dr Patrizia Carrieri, and UFCM President Bertrand Rambaud
Prof. Hanuš, Sebastien Beguerie, Dr. Patrizia Carrieri und UFCM Präsident Bertrand Rambaud

“Die Situation in Frankreich ist schlimmer als je zuvor.”

Bei seiner Vorstellung der aktuellen Situation in Frankreich konnte Bertrand Rambaud seine Enttäuschung über den fehlenden Zugang zu Sativex kaum verbergen. Dieser Zugang wird den Patienten seit langem versprochen, ist aber nie richtig umgesetzt worden. kaum verbergen. Dennoch freute er sich, die Konferenz offiziell eröffnen zu können, wobei er den Sponsoren dankte, die dies ermöglicht haben. Er widmete die Veranstaltung dem Andenken an Alexandre, einem Mitglied der UFCM, das an den Folgen seiner Krankheit leider verstorben ist.

Gemeinsam mit Dr. Spiess (Action Sida Ville) und Dr. Alexandre Feltz (praktischer Arzt und Berater des Bürgermeisters von Straßburg) betonte er, dass die zum 4. Mal stattfindende Konferenz trotz des rauen politischen Klimas in Frankreich erneut viele international anerkannte Fachleute aus dem Gesundheitswesen gewinnen konnte. Darüber hinaus zeichnet sie sich durch die Unterstützung und Teilnahme mehrerer hochrangiger internationaler Redner aus, darunter kein Geringerer als der tschechische Professor Lumír Hanuš von der Hebräischen Universität Jerusalem in Israel.

Die Entdeckung des Endocannabinoidsystems – Prof. Lumír Hanuš

Prof. Lumír Hanuš discussing quorum sensing
Prof. Lumír Hanuš diskutiert das sog. Quorum Sensing

Beginnend mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Entdeckung der Cannabinoide und des Endocannabinoidsystems diskutierte Professor Hanuš dessen Bedeutung für die Medizin der Zukunft.

Die Entdeckung von THC als wichtigstem aktiven Inhaltsstoff von Cannabis gelang 1964 den Professoren Yehiel Gaoni und Raphael Mechoulam von der Universität Jerusalem. Aktueller Stand (Oktober 2015): Es wurden 1.068 Cannabis-Inhaltsstoffe identifiziert, darunter 141 Cannabinoide.

Es war aber vor allem die Entdeckung des Endocannabinoidsystems und seiner Rezeptoren, genannt CB1 und CB2, die uns das Verständnis ermöglichte, wie Cannabis uns beeinflusst.

CB1-Rezeptoren finden sich im Zerebralkortex, im Hippocampus, den Basalganglien, dem Zerebellum und in reproduktiven Systemen. CB2-Rezeptoren finden sich in den lymphoiden Organen, also in Milz, Thymus, Mandeln, Knochenmark, Leukozyten, Pankreas und Makrophagen.

Diese Entdeckung führte die Forscher zur Identifizierung verschiedener Inhaltsstoffe und ihrer vielfältigen Regelungsfunktionen. Die Tatsache, dass die in Cannabis gefundenen Cannabinoide auch die Endocannabinoidrezeptoren stimulieren können, bedeutet, dass sie über ein therapeutisches Potenzial für fast alle den Menschen treffenden Krankheiten verfügen. (Pacher und Kunos, 2013)

“Aber”, so Lumír Hanuš weiter, “Cannabis ist zwar wunderbar, aber kein Allheilmittel”

  1. Cannabis hilft nicht jederzeit
  2. Cannabis hilft auch nicht jedem
  3. Cannabis heilt nicht jede Krankheit
  4. Cannabis hilft nicht in jedem Stadium einer Krankheit

Um das zu illustrieren, präsentierte er den Fall eines Patienten in Israel, der medizinisches Cannabis anwendet. Es wurde festgestellt, dass der Patient auf zwei Cannabis-Sorten unterschiedlich reagierte, obwohl beide Sorten den gleichen THC- und CBD-Gehalt hatten. Ein Beweis dafür, dass noch weit mehr Stoffe im Spiel sind als nur diese beiden.

Prof. Hanuš erläuterte dann die Forschungsarbeiten zum sog. Quorum Sensing in Kombination mit Cannabinoiden: (Dr. Steinberg in Kooperation mit 4 anderen Wissenschaftlern, darunter Prof. Mechoulam). Das Quorum Sensing betrifft die Regulation der Genbildung in Reaktion auf Fluktuationen der vorhandenen Zelldichte. Die Zelldichte „fühlende“ Bakterien setzen chemische Signalmoleküle frei, die sog. Auto-Inducer, deren Konzentration als Funktion der Zelldichte ansteigt. Ein sichtbares Beispiel dieses Phänomens sind die Biolumineszenz-Bakterien, die zu dem Phänomen des Meeresleuchtens führen, bei dem eine ständige, weiträumige Lumineszenz an der Oberfläche der Ozeane auftritt.

Electroluminescent plankton
Electroluminescent Plankton

Bei der Erforschung dieses Phänomens entdeckten sie, dass der Einsatz von Cannabinoiden Einfluss auf die Signalweiterleitungssysteme hatte, die von den Bakterien genutzt werden. Die Cannabinoide reduzierten nämlich die Fähigkeit der Bakterienpopulationen, auf chemischem Wege miteinander zu kommunizieren, um die Hälfte und zeigten so ein viel versprechendes Potenzial für die Zukunft.

Auf die Frage, was die Forschung auf den Gebieten Cannabis und Cannabinoide beeinträchtigt, hätte seine Antwort jedoch kaum klarer ausfallen können:

“Die Pharmaunternehmen betrachten Cannabis als Risiko. Sie verhindern daher, dass sich die Dinge schneller entwickeln. Beispielsweise liegt der Einsatz von Anandamid derzeit in den Händen pharmazeutischer Unternehmen, nicht in den Händen der Forschung. Die Pharmaunternehmen sind aber an diesen Inhaltsstoffen nicht interessiert. Sie interessieren sich nur für mögliche Derivate, die patentfähig sind.”

Mehr über Lumír Hanuš erfahren Sie hier.

Cannabis auf dem Weg vom Forschungsobjekt zur Anwendung – Dr. María Muñoz Caffarel

Dr. María Muñoz Caffarel
Dr. María Muñoz Caffarel

Ein früheres Mitglied des Teams von Professor Manuel Guzman in Spanien, Dr. María Muñoz Caffarel, hat ihren Schwerpunkt auf die Erforschung der Wirkungen von Cannabinoiden auf Tumorzellen gelegt. Um Cannabinoide als therapeutisches Mittel gegen Krebs einsetzen zu können, muss ihre Wirksamkeit und Anwendungssicherheit nachgewiesen werden. Die zu beantwortende Frage lautet daher: Erfüllen Cannabinoide diese Anforderungen?

Ende der 90-er Jahre hatte Prof. Manuel Guzman beobachtet, dass bei der Behandlung von multiformen Glioblastomzellen (einer sehr aggressiven Krebsart) mit THC fast jede Zelle abgetötet wurde.

Später (im Jahr 2000) wurde bei Tierversuchen ebenfalls eine Tumorreduzierung beobachtet. Genauer gesagt, wurde dabei entdeckt, dass Cannabinoide nur auf die kranken Zellen wirkten, indem sie die Apoptose (den Zelltod) einleiteten.

Forschungsgegenstand von Dr. María Muñoz Caffarels Doktorarbeit ist der Brustkrebs, eine speziell bei Frauen in der westlichen Gesellschaft weit verbreitete tödliche Krankheit. Obwohl die Behandlung von Brustkrebs heute viel besser ist als vor einigen Jahren, sterben immer noch Patienten daran und es besteht ein dringender Bedarf, neue Medikamente zu entwickeln, die seine Ausdehnung verhindern.

Es wurde nachgewiesen, dass die Anwendung von THC bei Versuchen an Mäusen das Tempo des Tumorwachstums reduziert, und ähnliche Ergebnisse wurden auch bei menschlichen Zellen beobachtet. Genauer gesagt, wurde eine reduzierte Angiogenese (Bildung von Blutgefäßen) beobachtet, ebenso wie ein Anstieg der Apoptose (des Zelltods) kranker Zellen.

Ferner wurde festgestellt, dass die Verwendung nur eines synthetischen Stoffs speziell zur Blockade der CB2-Rezeptoren zu ähnlichen Ergebnissen wie der Einsatz von THC führte. Interessant ist das besonders dann, wenn man daran denkt, wie man mögliche psychoaktive Wirkungen von THC umgehen kann.

Der nächste Schritt nach diesen schlüssigen Forschungsarbeiten und Tierversuchen sind nun klinische Studien, auch wenn bisher sehr wenige durchgeführt wurden.

Die erste davon wurde von Prof. Manuel Guzman mit 9 Patienten in einem sehr weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium durchgeführt, die nicht mehr auf traditionelle Behandlungsformen ansprachen. Das Ziel bestand darin, die Lebensqualität und die Auswirkungen auf Tumormarker der Patienten (multiforme Gliome) zu untersuchen. Hierzu wurde THC intrakraniell in den Tumor injiziert. Die Ergebnisse waren interessant: In einigen Fällen beeinflusste das THC die gleichen molekularen Mechanismen, wie es bei den vorklinischen Versuchen beobachtet wurde. Es wurden keine psychoaktiven Wirkungen festgestellt und das Tumorwachstum ging zurück, was die Lebenserwartung des Patienten verlängerte. Auch wenn diese Ergebnisse viel versprechend aussehen, sind weitere klinische Studien notwendig.

“Meiner Ansicht nach brauchen wir noch mehr Forschungsarbeit im Labor und mehr klinische Studien. Wir müssen unsere Bemühungen auf pharmazeutische Unternehmen richten und die Notwendigkeit klinischer Studien kommunizieren.

Meine Idee geht dahin, Cannabinoide mit klassischen Behandlungsmethoden zu kombinieren (sog. Kombinationstherapie). Das Problem sind die fehlenden Geldmittel zur Durchführung von klinischen Studien.” – Dr. María Muñoz Caffarel

Mehr über Dr. María Caffarel erfahren Sie hier.

Der Cannabiskonsum im Zusammenhang mit einer Abnahme des Diabetesrisikos bei HIV-Patienten – Dr. Patrizia Carrieri

Dr. Patrizia Carrieri
Dr. Patrizia Carrieri

Als Wissenschaftlerin am INSERM in Marseille (Frankreich) ist Dr. Carrieri besonders an Studien an Menschen interessiert, die an einer Suchtkrankheit leiden. Zuletzt hat sie die Wirkungen des Cannabiskonsums auf Diabetesfälle bei HIV-Patienten und Patienten mit Virushepatitis (VHC) untersucht.

Es gibt nicht viele Veröffentlichungen, die sich mit den Wirkungen von Cannabinoiden auf Diabetes befassen. Die Ergebnisse solcher Studien haben durchweg ein geringeres Auftreten von Diabetes bei nicht-übergewichtigen diabetischen Mäusen belegt, wenn diese mit CBD behandelt wurden: Die Quote lag bei 30 % im Gegensatz zu 86 % bei Mäusen, die keine Behandlung erhielten. Ferner stellten sie eine Verzögerung des Auftretens von Diabetessymptomen bei den behandelten Mäusen fest, und dass es bei der Behandlung keine Relation zwischen Dosis und Reaktion gab, ein Punkt, der noch genauer erforscht werden muss.

Beim Menschen zeigte eine von NHANES durchgeführte Untersuchung ein reduziertes Auftreten von Diabetes bei Cannabiskonsumenten. Forschungsarbeiten zu diesem Thema sind von hohem Interesse für HIV-Patienten, da es eine hohe Koinzidenz von metabolischen Syndromen bei Hepatitis C-Patienten gibt (4,1 bis 44 %) und gleichzeitig eine hohe Prävalenz des Cannabiskonsums in der Studiengruppe (mehr als 40 %).

Um dieses Phänomen zu untersuchen, haben seit Oktober 2005 1.364 Patienten aus 24 Krankenhäusern an einem 60 Monate dauernden Programm teilgenommen, bei dem ihr Cannabiskonsum und die Insulinresistenz (IR) genauer untersucht wurden.

Die Ergebnisse:

  • 25 % der Patienten setzten den Cannabiskonsum fort
  • Drogeninduzierte HIV-Patienten sind statistisch gesehen auch häufig Cannabiskonsumenten
  • Die IR ist unter den Cannabiskonsumenten vergleichbar weit verbreitet. Es gibt keinen echten Unterschied zwischen täglichen und Gelegenheitskonsumenten.
  • Cannabiskonsumenten haben eine um 60 % herabgesetzte Wahrscheinlichkeit, eine IR zu entwickeln.
  • Die Ergebnisse sind konsistent zu denen beim Bevölkerungsdurchschnitt.
  • Es wurde keine Relation zwischen Dosis und Reaktion festgestellt

Diese Untersuchung belegt schlüssig, dass der Cannabiskonsum das Auftreten einer IR und die damit zusammenhängenden Diabetesrisiken zu reduzieren scheint. Da eine Insulinresistenz die potentielle Reaktion eines Patienten auf eine Virenhepatitis- bzw. HIV-Behandlung beeinflusst, ist ihre Reduzierung wünschenswert. Dr. Carrieri weist jedoch an dieser Stelle gleich darauf hin, dass das Rauchen für HIV- und Virenhepatitis-Patienten besonders gefährlich ist, und dass eine Information der Patienten über die erhöhten Risiken des Tabakkonsums (ein prävalentes Verhalten bei HIV-Patienten) nötig ist, da er ein hohes Risiko für sie bedeutet.

Mehr über Dr. Patrizia Carrieri erfahren Sie hier.

Medizinisches Cannabis zur Schmerzlinderung – Dr. Paolo Poli

Dr. Paolo Poli
Dr. Paolo Poli

Dr. Paolo Poli ist Mitglied von SIRCA (der italienischen Gesellschaft zur Cannabis-Erforschung) und arbeitet in der Abteilung Schmerzbehandlung an der Universität Pisa (Italien).

Er hat den Krankheitsverlauf bei 300 Patienten nachverfolgt, die medizinisches Cannabis zur Linderung von Schmerzen einnahmen. Seine Präsentation informiert über die Entwicklungen in einem Zeitraum von 18 Monaten.

Bei der Einnahme von Bedrocan-Cannabis in Form eines Präparates wurden die Patienten über Zeiträume von 1, 3, 6 und 12 Monaten begleitet. Sie wurden gebeten, ihre Schmerzintensität auf einer Skala von 0 bis 10 anzugeben (wobei 10 unerträgliche Schmerzen bedeutet).

64,6 % der teilnehmenden Patienten zeigten eine signifikante Abnahme von Schmerzsymptomen nach 12 Monaten. Im Einzelnen:

  • Fibromyalgie: – 35 % – 9,03 bis 5,83 nach 12 Monaten
  • Abnahme von Kopfschmerzen – 50 % – 8,91 bis 4,36 nach 12 Monaten
  • Neurodegeneration – 43 % – 7 bis 3,4 inkl. MS
  • Krebsschmerzen- 36 % – 7,03 bis 4,5
  • NPH – 29 % – 8,43 bis 6
  • Radikulopathie 55 % – Abnahme 8,84 bis 4
  • Die Osteoarthrose nahm ab um 24 % – 8,76 bis 6,67

Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass die Anwendung von medizinischem Cannabis sich besser bei neuropathischen Reaktionen eignet als bei somatischen Schmerzen und dass die Patienten auf mehreren Ebenen davon profitiert haben, zu denen auch ein wesentlich besserer Schlaf, eine erhebliche Abnahme von Ängsten und Depressionen und ein Anstieg der Lebensqualität insgesamt zählen. Außerdem wurde Cannabis auch von älteren Patienten gut vertragen und wirkte effektiv gegen die Schmerzen der Patienten.

Mehr über Dr. Paolo Poli erfahren Sie hier

Der Internationale Drogenkontrollvertrag und der Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden in der Medizin – Pavel Pachta

Pavel Pachta
Pavel Pachta

Der frühere Generalbevollmächtigte des Internationalen Suchtstoffkontrollrates (INCB), der dieses Amt über 25 Jahre innehatte, Herr Pavel Pachta aus der Tschechischen Republik, stellte die Verträge vor, die für den Einsatz von Cannabis als Medizin bedeutsam sind, insbesondere:

  • Das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961, ergänzt 1972
  • Die Konvention über psychotrope Substanzen von 1971
  • Das Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Substanzen von 1988

Diese Abkommen haben zwei Hauptziele:

  • Die Beschränkung der Anwendung von Betäubungsmitteln und psychotropen Substanzen auf die medizinische/ wissenschaftliche Forschung und die Sicherung ihrer Verfügbarkeit.
  • Das Verbot einer medizinischen und wissenschaftlichen Nutzung von Stoffen, die als sehr gefährlich und ohne therapeutischen Wert angesehen werden

Unter den gleichen Kontrollvorgaben wie andere Betäubungsmittel aus Anhang I können Cannabis (als Kraut) und Cannabisextrakte für medizinische und wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden.

Nach dem INCB-Jahresbericht für 2014 gestattet die Einheitliche Konvention die Anwendung von Cannabis, solange sein Anbau durch eine nationale Cannabisagentur überwacht wird (mit einem Monopol auf den Großhandel und die Lagerhaltung). Der Anbau durch Privatleute für den eigenen medizinischen Bedarf steht nicht im Einklang mit der Einheitlichen Konvention, und die Verschreibung von Cannabis muss auf Grund medizinischer Fachkompetenz erfolgen, die auf wissenschaftlichen Nachweisen beruht.

Zum Abschluss seiner Präsentation stellte Pachta fest, dass Delta-9-THC für medizinische und wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden darf, wenn die Kontrollmaßnahmen für Substanzen des Anhangs II der Konvention von 1971 beachtet werden. Um einen Wandel herbeizuführen, bedarf es aber einer positiven Herangehensweise seitens der nationalen Behörden. Sie sehen sich vor mehrere Probleme gestellt, denn:

  • Viele Menschen verwenden Cannabis-Pflanzenteile vom Schwarzmarkt und/oder aus illegalem Eigenanbau für medizinische Zwecke.
  • Cannabis als Pflanze ist in keinem Staat ein zugelassenes Arzneimittel!
  • Ist medizinisches Cannabis nur das “trojanische Pferd” für eine Legalisierung des Freizeitkonsums von Cannabis?
  • Individueller Anbau oder Versorgung mit Produkten in Arzneimittelqualität?

Angesichts dieser Probleme ziehen es die meisten Regierungen vor, am Status quo festzuhalten!

Aber welche Auffassung vertritt der internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) zu den aktuellen Entwicklungen in den USA, Uruguay und in Deutschland, die gegen die Konvention verstoßen?

“Ich arbeite nicht mehr für den INCB, daher kann ich hier nur meine persönliche Meinung kundtun: Der INCB wird sicher ein Dokument veröffentlichen, in dem er die genannten Unvereinbarkeiten mit den Konventionen feststellt. Aber für die Verhängung von Sanktionen kommt es darauf an, ob die Änderungen der lokalen bzw. nationalen Vorschriften auch Auswirkungen auf die Nachbarstaaten haben. Man wird solche Experimente also sicher in den nächsten Jahren weiterhin dulden.” – Pavel Pachta

Mehr über Pavel Pachta erfahren Sie hier.

Das österreichische Modell der Verschreibung und Erstattung – Dr. Eberhard Pirich, Österreich

Dr. Eberhard Pirich
Dr. Eberhard Pirich

2014 gab es in Österreich rund 4.500 Patienten, die medizinisches Cannabis eingenommen haben. 50 % des verfügbaren Cannabis wurde zur medizinischen Primärversorgung eingesetzt, der Rest in Krankenhäusern, und die Kosten für das Arzneimittel wurden gemäß dem nationalen Gesundheitsplan für Medikamente zu 60 % erstattet.

Die für Patienten verfügbaren Stoffe sind sich in zwei Kategorien eingeteilt: Fertigprodukte wie Cesamet®, Sativex® und Marinol® und Apothekenmittel wie Dronabinol und Nabilone (hergestellt aus Cesamet®). Auch Nahrungsergänzungsmittel und dermatologische Produkte, die CBD enthalten, sind auf dem Markt erhältlich.

CBD genießt derzeit ein großes Interesse in der medizinischen Community, und es stehen internationale Forschungsmittel für die Erforschung seiner Anwendung bereit. Präklinische Forschungsergebnisse sind bereits verfügbar, aber nun ist die Umsetzung dieser Daten in eine groß angelegte klinische Forschung notwendig, insbesondere in klinische Studien!

“Die gesundheitlichen Vorteile von Cannabis, gleich in welcher Form oder Anwendung, übertreffen seine Gefahren bei weitem.”Dr. Eberhard Pirich, Österreich

Mehr über Bionorica erfahren Sie hier.

Amerikaner für den sicheren Zugang – Steph Sherer

ASA founder, Steph Sherer
ASA Gründer Steph Sherer

Als Gründerin der Organisation Amerikaner für den sicheren Zugang (Americans for Safe Access – ASA) ist Steph Sherer unermüdlich in ihrem Einsatz für eine Änderung der Gesetzgebung, die Patienten einen sicheren Zugang zu medizinischem Cannabis ermöglichen soll.

Derzeit ist Cannabis in den Vereinigten Staaten auf bundesstaatlicher Ebene weiter illegal. Aber schon über 40 Einzelstaaten haben Gesetze über medizinisches Cannabis erlassen, und 4 Staaten haben sich für die vollständige Legalisierung entschieden.

Es war ein langer Weg von den ersten Versuchen mit medizinischem Cannabis in den 80-er Jahren nach dem bundesstaatlichen IND-Programm (Investigative New Drug Program). Heute gibt es mehr als 2 Mio. Patienten in den USA, die medizinisches Cannabis anwenden.

“Es war ein Kampf, für den man einen langen Atem brauchte, aber wir haben große Fortschritte erzielt” – Steph Sherer

Um bis dorthin zu kommen, waren viele Bemühungen und eine koordinierte Strategie nötig. Die ASA hat es daher übernommen, ihr Ziel auf mehreren Wegen anzusteuern:

  • Über die Gerichte
  • Auf den Wegen der Bürokratie
  • Durch eine koordinierte Medienstrategie
  • Durch zivilen Ungehorsam
  • Durch direkte Lobbyarbeit
  • Mit einem neu entwickelten Produktsicherheitsprotokoll
  • Mit Hilfe von Medizinern, legalen medizinischen Anwendern und öffentlicher Aufklärung

Um für Aufmerksamkeit in den Medien zu sorgen, hat die ASA auf Guerilla-Aktionen zurückgegriffen. Dank eines SMS-Alarmsystems in der Community der Patienten konnten diese schnell reagieren und auf Ereignisse hinweisen, die sonst von den regulären Nachrichtenmedien übergangen worden wären.

Einige Herausforderungen sind aber noch zu bewältigen. Immer noch müssen die Bundesgesetze geändert und die medizinischen Programme der Einzelstaaten verbessert werden. Die Themen der Versicherungsdeckung und des Schutzes von Arbeitnehmern müssen angepackt werden, und sehr viel Arbeit ist auch noch erforderlich, um das Stigma zu durchbrechen, das mit der Cannabispflanze und mit dem Cannabiskonsum verbunden ist. Gleiches gilt für medizinische Anwendungen und die Rechte des Patienten, wobei hier noch Dosierungsstandards erarbeitet und die Richtlinien für Organtransplantationen überarbeitet werden müssen.

Besuchen Sie das Portal der Americans for Safe Access, wo weitere Informationen verfügbar sind.

Zusammenfassung

Die Veranstaltung wurde von den Gründern der Organisation UFCM iCare geschlossen, also von Bertrand Rambaud und Sébastien Béguerie. Sie dankten den Rednern für ihre Teilnahme an der Konferenz und schlossen diese mit einem Aufruf an alle Anwesenden, sich aktiv an der Gründung koordinierter Netze aus Fachleuten des Gesundheitswesens zu beteiligen, um so eine schnellere Entwicklung bei der Anwendung von Cannabinoiden in der Medizin herbeizuführen und somit auch den Patienten einen einfacheren Zugang zu medizinischem Cannabis zu ermöglichen.

Sensi Seeds wird die Organisation UFCM iCare weiter in ihren Bemühungen unterstützen. Auch Sie sollten mehr über ihre Ziele wissen und dazu ihre Website besuchen.

Kommentar Abschnitt

Haben Sie eine Meinung dazu? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.