Cannabis in Frankreich – Gesetze, Konsum und Geschichte

Wenn es um Cannabiskonsum und -besitz geht, sind die französischen Gesetze konservativ. Ungewöhnlich für ein EU-Land ist, dass es in Frankreich noch kein medizinisches Cannabisprogramm gibt. Die Einführung von Macrons „Geldbuße vor Ort“ für Cannabiskonsumenten deutet jedoch auf eine allmähliche Veränderung der Einstellung der französischen Bevölkerung hin. Trotz der strengen Gesetze bleibt das Land aber ein bedeutender Hanf- und Cannabisproduzent.

Cannabis-Gesetze in Frankreich

Darf man in Frankreich Cannabis besitzen und konsumieren?

Das französische Recht verbietet den Konsum oder den Besitz von Cannabis. Es unterscheidet auch nicht zwischen Besitz für den Eigenbedarf oder für den Handel. Stattdessen werden Straftäter auf der Basis der Cannabismenge, mit der sie erwischt werden, und ihrer individuellen Umstände behandelt.

Je nach Situation kann die Staatsanwaltschaft beschließen, den Fall ohne Strafe beizulegen. Darüber hinaus hat sie das Recht, Alternativen zur Bestrafung vorzuschlagen, wie beispielsweise ein Rehabilitationsprogramm. Wenn es ihr angebracht erscheint, können aber durchaus rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Bei Anklage wegen Eigenbedarfs können sich Täter mit einer Geldstrafe von bis zu 3.750 Euro und einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr konfrontiert sehen. Bei Minderjährigen kann dies entfallen. Wenn sich herausstellt, dass etwaige Straftäter während des Cannabiskonsums andere gefährdet haben (weil sie beispielsweise unter Cannabiseinfluss standen, während sie in einer Position gearbeitet haben, in der sie Verantwortung für andere trugen), werden die Höchststrafe auf fünf Jahre Haft und die Geldbuße auf 75.000 Euro erhöht.

Im Jahr 2008 wurde eine „schnelle und gestaffelte“ Politik eingeführt. Das bedeutet, dass Cannabiskonsumenten in unkomplizierten Fällen eine Verwarnung erhielten und zur Teilnahme an einem Drogenaufklärungskurs aufgefordert werden konnten. Wenn sie nicht als cannabisabhängig eingestuft wurden, mussten sie unter Umständen bis zu 450 Euro zahlen.

Das Gesetz wurde 2018 erneut geändert, als die Regierung eine neue Politik einführte, die der Polizei die Befugnis gibt, vor Ort Geldbußen in Höhe von 200 Euro für Cannabiskonsumenten zu verhängen. Innenminister Gerard Collomb betonte jedoch, dass die neue Politik den Konsum der Droge nicht entkriminalisiert und dass eine Geldstrafe nicht ausschließt, dass weitere rechtliche Schritte unternommen werden.

Darf Cannabis in Frankreich verkauft werden?

Wie viele andere Länder verfolgt auch Frankreich einen strengeren Ansatz bei denjenigen, die Cannabis verkaufen oder verbreiten. Wird man beim Cannabishandel erwischt, können einem bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 7,5 Millionen Euro drohen. Diese Strafen können verdoppelt werden, wenn das Cannabis an Minderjährige oder in der Nähe einer Bildungseinrichtung verkauft wurde.

Darf Cannabis in Frankreich angebaut werden?

Obwohl es in Frankreich eine florierende Hanf- und Cannabisindustrie gibt, ist es für die Bevölkerung des Landes immer noch illegal, Cannabispflanzen anzubauen. Wer dabei erwischt wird, kann mit bis zu 20 Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe von bis zu 7,5 Millionen Euro rechnen.

Das Gesetz macht diesbezüglich keine Ausnahmen. Selbst wenn das Cannabis nur für persönliche, und medizinische Zwecke gedacht ist, gilt der Anbau immer noch als Straftat. Allerdings haben bisher nur sehr wenige Grower jemals die Höchststrafe erhalten. Diese erwartet in der Regel diejenigen, die an einer groß angelegten Grow-Operation beteiligt sind.

Ist CBD in Frankreich legal?

CBD-Öl enthält nicht genügend THC (die für das „High“ verantwortliche Substanz), um psychoaktiv zu wirken. Daher gestattet die französische Regierung (technisch betrachtet) den Konsum und den Verkauf von CBD-Produkten im Land. Die Mission interministérielle de lutte contre les drogues et les conduites addictives (MILDECA, zu Deutsch die interministerielle Mission gegen Drogen und Suchtverhalten) hat festgelegt, dass es nur dann zulässig ist, wenn:

  • der THC-Gehalt bei 0,2 Prozent oder weniger liegt und
  • die Produkte aus zugelassenen (THC-armen) Hanfpflanzenarten stammen.

Dürfen Cannabis-Samen nach Frankreich geschickt werden?

Cannabissamen dürfen in den meisten europäischen Ländern, einschließlich Frankreich, gekauft und verkauft werden. Sie dürfen auch per Post ins Land eingeführt werden. Es ist jedoch illegal, die Samen keimen zu lassen. Es ist also verboten, Pflanzen aus ihnen zu ziehen.

Medizinisches Cannabis in Frankreich

In Bezug auf medizinisches Cannabis verfolgt Frankreich weiterhin eine konservative Linie. Es ist noch nicht legal, obwohl Sativex (theoretisch) auf Rezept erhältlich ist. Sativex wurde 2014 zugelassen, war aber 2018 aufgrund von Preisstreitigkeiten zwischen den Herstellern und den Behörden des Landes noch nicht verfügbar.

Gesundheitsministerin Agnes Buzyn hat ihre Befürwortung eines medizinischen Cannabisprogramms offen zum Ausdruck gebracht, aber bisher wurde noch kein solches Programm realisiert. Im September 2018 rief die Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé (ANSM, die Nationale Agentur für die Sicherheit von Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten) jedoch einen wissenschaftlichen Ausschuss (CSST) ins Leben, der die Umsetzbarkeit eines medizinischen Cannabisprogramms in dem Land evaluieren sollte. Der Ausschuss kam zu dem Schluss, dass es „angemessen wäre, die Verwendung von therapeutischem Cannabis […] in bestimmten klinischen Situationen und in Fällen, in denen (bestehende) Therapien keine ausreichende Linderung bieten oder nicht gut vertragen werden,“ zu genehmigen.

Es wird angenommen, dass es in Frankreich etwa 300.000 bis eine Million Patienten gibt, die von cannabisbasierten Arzneimitteln profitieren würden. Da diese aber selbst mit Rezept nur schlecht verfügbar sind, wird befürchtet, dass sich derzeit viele Cannabispatienten auf dem Schwarzmarkt versorgen.

Industriehanf in Frankreich

In Frankreich wird seit Jahrhunderten Hanf angebaut. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden über 100.000 Hektar französisches Land für die Hanfherstellung genutzt und der geerntete Hanf wurde zu Flachs, Seilen, natürlichem Öl und Stoff verarbeitet.

Danach nahm die Hanfproduktion ab, bis sie 1960 nur noch 700 Hektar beanspruchte. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Segelboote waren nicht mehr weit verbreitet (Hanf eignet sich hervorragend für die Herstellung von Segeln und Takelagen) und synthetische Fasern dominierten den Markt, ganz zu schweigen von Baumwolle und anderen Fasern, die von Übersee den Weg nach Europa fanden.

Seitdem hat sich die Industrie wieder leicht erholt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es in Frankreich rund 6.000 Hektar Hanfplantagen, vor allem in La Loire und La Sarthe. Der größte Teil des Hanfs wurde zur Herstellung von Papier verwendet.

Frankreichs Hanfsorten liefern (im Durchschnitt) acht Tonnen Stroh pro Hektar. Laut dem European Cannabis Report der Prohibition Partners ist das Land heute weltweit führend in der Hanfsamenproduktion und ist für die Produktion von 59 Prozent des weltweiten Saatguts verantwortlich. Es dominiert auch den Hanffasermarkt und produziert über 50 Prozent des gesamten hanfbasierten Zellstoffs und Papiers in Europa.

Politische Parteien und Cannabis

Nur sehr wenige der französischen politischen Parteien befürworten die Legalisierung von Cannabis, obwohl die meisten den medizinischen Nutzen wohl anerkennen. Präsident Emmanuel Macron hat sich für eingeschränkte Cannabisreformen ausgesprochen, bei denen Gefängnisstrafen durch Geldbußen vor Ort ersetzt werden sollen. Die Regierung betont, dass es sich um einen pragmatischen Ansatz zur Reduzierung des polizeilichen Zeitaufwands handelt und dass dies nicht als ein erster Schritt zur Entkriminalisierung angesehen werden solle.

Es gibt jedoch nennenswerte Ausnahmen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Daniel Vaillant, ehemaliger Innenminister, hat 2009 die Legalisierung von Cannabis in der Le Parisien befürwortet. Cecile Duflot (die Ministerin für territoriale Gleichstellung) und Vincent Peillon (der Bildungsminister) sprachen sich ebenfalls für eine Legalisierung aus und erklärten, dass sie eine bessere Lösung sei, als den „Krieg gegen Drogen“ weiterzuführen. Sie wurden von der Regierung zur Ordnung gerufen und ihre Kommentare wurden als „nicht diskussionswürdig“ erachtet.

Eine weitere erwähnenswerte Partei ist die Cannabis Sans Frontières, die von dem bekannten Aktivisten Farid Ghehioueche geleitet wird. Die Partei war bei den Europa- und Parlamentswahlen vertreten, wobei ihre Abgeordneten jeweils weniger als ein Prozent der Stimmen erhielten.

Gut zu wissen

Wenn man nach Frankreich reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in Frankreich

Cannabis war um die Jahrhundertwende weit verbreitet, als die französischen Streitkräfte mit Haschisch und Cannabis aus Ägypten zurückkehrten. Im Laufe des Jahrhunderts wurde der Cannabiskonsum immer populärer, insbesondere in intellektuellen Kreisen.

Viele der berühmtesten Autoren und Philosophen des Landes schrieben über ihre Drogenerfahrungen (einschließlich Cannabis). Victor Hugo, Charles Baudelaire, Pierre Gautier und Alexandre Dumas waren alle Mitglieder des berüchtigten Club des Hachischins, der sich der Erforschung drogeninduzierter Zustände verschrieben hatte.

Cannabis wurde bei der breiten Masse erst in den 1960er-Jahren beliebt, als Soldaten aus Vietnam zurückkehrten. Damals wurde die Droge zu einem wichtigen Teil der Hippie-Gegenkulturbewegung und ihre Popularität nahm stark zu.

Der moderne Cannabis-Handel

Frankreich produziert kein Haschisch im Inland, baut aber illegales Cannabis an.

Ein Großteil des französischen Haschischs wird von Marokko aus ins Land geschmuggelt. Auch niederländisches Cannabis ist weit verbreitet, obwohl die Einfuhren aus Holland während der letzten Jahre aufgrund zunehmend restriktiver Gesetze in den Niederlanden zurückgegangen sind.

Frankreich ist auch ein Transithafen für Drogen, die für das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Italien und Belgien bestimmt sind.

Coffeeshops in Paris

2018 nutzten zwei französische Unternehmer die Lockerung der Cannabisgesetze seitens der Regierung (die den Verkauf von Cannabisprodukten mit einem THC-Gehalt von 0,2 Prozent oder weniger erlaubten) und eröffneten zwei „Coffeeshops“ nach niederländischem Vorbild.

Der Besitzer von Cofyshop, Joaquim Lousquy, sagte in der Zeitung The Telegraph: „Es hat keine psychotrope Wirkung. Es ist weder Medizin noch ein Relaxans. Ich würde nie jemanden dazu anstiften, Cannabis zu rauchen. Wir verkaufen es wie jeden anderen Artikel, genau wie ein Möbelhaus Tische oder Stühle verkauft.“

Stephane Bélaiche, der E-Klop (ein ähnliches Etablissement) leitet, erklärte zudem: „Ich verkaufe keine CBD-Produkte, damit sie in einem Joint geraucht werden können, sondern damit die Leute einen weiteren Geschmack entdecken, den sie genießen können.“

Beide Läden mussten sich jedoch mit Protesten von Anwohnern und Behörden konfrontiert sehen. Der Abgeordnete Pacome Rupin besuchte einen der Shops und informierte die französischen Reporter darüber, dass er die Aktivitäten des Unternehmens „genau im Auge“ behielte. Auch die Anwohner beschwerten sich über den Laden. „Auf der Straße riecht es nach Haschisch“, kommentierte ein Ortsansässiger. „Es zieht in unsere Wohnung.“

Wird Cannabis zukünftig legalisiert?

Angesichts der konservativen Haltung Frankreichs gegenüber dem Cannabiskonsum ist es eher unwahrscheinlich, dass dieser in absehbarer Zeit legalisiert wird. Es ist jedoch durchaus denkbar, dass in naher Zukunft ein vernünftiges medizinisches Cannabisprogramm gestartet wird – weitestgehend aufgrund des zunehmenden öffentlichen Drucks.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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