Cannabis in Frankreich – Gesetze, Konsum und Geschichte

Wenn es um Cannabiskonsum und -besitz geht, sind die französischen Gesetze konservativ. Ungewöhnlich für ein EU-Land ist, dass es in Frankreich noch kein medizinisches Cannabisprogramm gibt. Die Einführung von Macrons „Geldbuße vor Ort“ für Cannabiskonsumenten deutet jedoch auf eine allmähliche Veränderung der Einstellung der französischen Bevölkerung hin. Trotz der strengen Gesetze bleibt das Land aber ein bedeutender Hanf- und Cannabisproduzent.

    • Hauptstadt
    • Paris
    • Einwohner
    • 65,721,000
    • CBD Produkte
    • Legal under 0.2% THC
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal

Cannabis-Gesetze in Frankreich

Darf man in Frankreich Cannabis besitzen und konsumieren?

Das französische Recht verbietet den Konsum oder den Besitz von Cannabis. Es unterscheidet auch nicht zwischen Besitz für den Eigenbedarf oder für den Handel. Stattdessen werden Straftäter auf der Basis der Cannabismenge, mit der sie erwischt werden, und ihrer individuellen Umstände behandelt.

Je nach Situation kann die Staatsanwaltschaft beschließen, den Fall ohne Strafe beizulegen. Darüber hinaus hat sie das Recht, Alternativen zur Bestrafung vorzuschlagen, wie beispielsweise ein Rehabilitationsprogramm. Wenn es ihr angebracht erscheint, können aber durchaus rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Bis vor kurzem war der Besitz und Konsum von Cannabis nach französischem Recht strafbar. Am 1. September 2020 kündigte die Macron-Regierung die Einführung einer pauschalen Geldstrafe an, die die Strafen ersetzen soll. Jeder Erwachsene, der bis zu 100 g Cannabis bei sich trägt, muss neu mit einer Geldstrafe von 200 € rechnen (150 € bei Zahlung innerhalb von 15 Tagen, 450 € bei Zahlung nach 45 Tagen).

Die Regierung will gegen den Drogenhandel vorgehen. Es handelt sich bei dieser Maßnahme um eine der repressivsten in Europa. In Frankreich wird mehr Cannabis konsumiert als in jedem anderen Land in Europa.

Darf Cannabis in Frankreich verkauft werden?

Wie viele andere Länder hat Frankreich ein hartes Vorgehen gegen Cannabisverkäufer und -distributeure gewählt.

Die pauschale Geldstrafe soll den Besitz und den Konsum von Cannabis unattraktiver machen sowie den illegalen Handel bekämpfen. Da sie jedoch nur für Erwachsene gilt, stärkt sie in der Praxis die Rolle von Minderjährigen beim Handel.

Personen, die des illegalen Handels beschuldigt werden, drohen Gefängnisstrafen von bis zu 10 Jahren und eine Geldstrafe von 7,5 Millionen Euro. Bei Verkäufen an Minderjährige oder in der Nähe von Schulen können die Geldstrafen verdoppelt werden.

Darf Cannabis in Frankreich angebaut werden?

Obwohl es in Frankreich eine florierende Hanf- und Cannabisindustrie gibt, ist es für die Bevölkerung des Landes immer noch illegal, Cannabispflanzen anzubauen. Wer dabei erwischt wird, kann mit bis zu 20 Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe von bis zu 7,5 Millionen Euro rechnen.

Das Gesetz macht diesbezüglich keine Ausnahmen. Selbst wenn das Cannabis nur für persönliche, und medizinische Zwecke gedacht ist, gilt der Anbau immer noch als Straftat. Allerdings haben bisher nur sehr wenige Grower jemals die Höchststrafe erhalten. Diese erwartet in der Regel diejenigen, die an einer groß angelegten Grow-Operation beteiligt sind.

Ist CBD in Frankreich legal?

CBD-Öl enthält nicht genügend THC (die für das „High“ verantwortliche Substanz), um psychoaktiv zu wirken. Daher gestattet die französische Regierung (technisch betrachtet) den Konsum und den Verkauf von CBD-Produkten im Land. Die Mission interministérielle de lutte contre les drogues et les conduites addictives (MILDECA, zu Deutsch die interministerielle Mission gegen Drogen und Suchtverhalten) hat festgelegt, dass es nur dann zulässig ist, wenn:

  • der THC-Gehalt bei 0,2 Prozent oder weniger liegt und
  • die Produkte aus zugelassenen (THC-armen) Hanfpflanzenarten stammen.

Dürfen Cannabis-Samen nach Frankreich geschickt werden?

Cannabissamen dürfen in den meisten europäischen Ländern, einschließlich Frankreich, gekauft und verkauft werden. Sie dürfen auch per Post ins Land eingeführt werden. Es ist jedoch illegal, die Samen keimen zu lassen. Es ist also verboten, Pflanzen aus ihnen zu ziehen.

Medizinisches Cannabis in Frankreich

Frankreich war im Hinblick auf medizinisches Cannabis immer sehr konservativ. Noch immer gibt es kein anerkanntes Programm. Am 9. Oktober 2020 verkündete Gesundheitsminister Olivier Véran ein Dekret, das einen ersten Versuch mit Cannabis zur therapeutischen Verwendung genehmigt.

Diese Studie, an der insgesamt 3.000 Krankenhauspatienten in einem stark kontrollierten und eingeschränkten Rahmen teilnehmen, sollte eigentlich im September 2020 beginnen, wurde dann aber auf Januar 2021 verschoben. Das Rauchen von Cannabis wurde von der Studie ausgeschlossen, man will sich stattdessen auf Cannabisöle, Kapseln und das Verdampfen von getrockneten Blüten konzentrieren. Die Stichprobe der Studie umfasst nur Patienten, die ernsthaft erkrankt sind. Denken Sie an Epilepsie, neuropathische Schmerzen, Nebenwirkungen von Chemotherapie, Palliativmedizin und Multiple Sklerose.

Die Bestimmung der therapeutischen Wirksamkeit von Cannabis ist nicht das Ziel der Studie. Es geht darum, herauszufinden, wie gut die Cannabis-Lieferkette funktioniert – also die Verschreibung, Abgabe, Bereitstellung und Überwachung.

Sativex ist auf Rezept erhältlich, seine Verwendung ist aber nur für die Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose vorgesehen.

Laut Schätzungen würden in Frankreich zwischen 300.000 und einer Million Patienten von Cannabis-basierten Arzneimitteln profitieren. Da sie aber kein entsprechendes Rezept erhalten, könnten sie sich auf dem Schwarzmarkt eindecken – wie viele Beobachter befürchten.

Industriehanf in Frankreich

In Frankreich wird seit Jahrhunderten Hanf angebaut. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden über 100.000 Hektar französisches Land für die Hanfherstellung genutzt und der geerntete Hanf wurde zu Flachs, Seilen, natürlichem Öl und Stoff verarbeitet.

Danach nahm die Hanfproduktion ab, bis sie 1960 nur noch 700 Hektar beanspruchte. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Segelboote waren nicht mehr weit verbreitet (Hanf eignet sich hervorragend für die Herstellung von Segeln und Takelagen) und synthetische Fasern dominierten den Markt, ganz zu schweigen von Baumwolle und anderen Fasern, die von Übersee den Weg nach Europa fanden.

Seitdem hat sich die Industrie wieder leicht erholt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es in Frankreich rund 6.000 Hektar Hanfplantagen, vor allem in La Loire und La Sarthe. Der größte Teil des Hanfs wurde zur Herstellung von Papier verwendet.

Frankreichs Hanfsorten liefern (im Durchschnitt) acht Tonnen Stroh pro Hektar. Laut dem European Cannabis Report der Prohibition Partners ist das Land heute weltweit führend in der Hanfsamenproduktion und ist für die Produktion von 59 Prozent des weltweiten Saatguts verantwortlich. Es dominiert auch den Hanffasermarkt und produziert über 50 Prozent des gesamten hanfbasierten Zellstoffs und Papiers in Europa.

Politische Parteien und Cannabis

In Frankreich gibt es nur wenige politische Parteien, die eine Legalisierung von Cannabis befürworten, aber die Mehrheit der Bevölkerung erkennt den therapeutischen Nutzen an.

Obwohl Frankreich die Legalisierung von Cannabis zur therapeutischen Verwendung in Betracht ziehen könnte, ist Präsident Macron gegen die Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch. Im Juni 2019 haben etwa 20 Abgeordnete einen Gesetzentwurf zur kontrollierten Legalisierung der Produktion, des Verkaufs und des Konsums von Cannabis vorgestellt. Ein Meinungsartikel im Nouvel Observateur, Frankreichs führendem Printmagazin, wurde von 70 Ärzten, Wirtschaftswissenschaftlern sowie nationalen und lokalen Abgeordneten unterzeichnet, die alle eine Legalisierung unterstützen.

Gut zu wissen

Wenn man nach Frankreich reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in Frankreich

Cannabis war um die Jahrhundertwende weit verbreitet, als die französischen Streitkräfte mit Haschisch und Cannabis aus Ägypten zurückkehrten. Im Laufe des Jahrhunderts wurde der Cannabiskonsum immer populärer, insbesondere in intellektuellen Kreisen.

Viele der berühmtesten Autoren und Philosophen des Landes schrieben über ihre Drogenerfahrungen (einschließlich Cannabis). Victor Hugo, Charles Baudelaire, Pierre Gautier und Alexandre Dumas waren alle Mitglieder des berüchtigten Club des Hachischins, der sich der Erforschung drogeninduzierter Zustände verschrieben hatte.

Cannabis wurde bei der breiten Masse erst in den 1960er-Jahren beliebt, als Soldaten aus Vietnam zurückkehrten. Damals wurde die Droge zu einem wichtigen Teil der Hippie-Gegenkulturbewegung und ihre Popularität nahm stark zu.

Der moderne Cannabis-Handel

Frankreich produziert kein Haschisch im Inland, baut aber illegales Cannabis an.

Ein Großteil des französischen Haschischs wird von Marokko aus ins Land geschmuggelt. Auch niederländisches Cannabis ist weit verbreitet, obwohl die Einfuhren aus Holland während der letzten Jahre aufgrund zunehmend restriktiver Gesetze in den Niederlanden zurückgegangen sind.

Frankreich ist auch ein Transithafen für Drogen, die für das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Italien und Belgien bestimmt sind.

Frankreich verzeichnet eine Zunahme der Lieferungen von Cannabis in Form von getrockneten Blüten, und die beschlagnahmten Mengen steigen kontinuierlich an. Zum Vergleich: Während im Jahr 2010 die beschlagnahmten Mengen 4 Tonnen betrugen, wurden im Jahr 2018 fast 30 Tonnen sichergestellt.

Interessanterweise werden neben dem starken Anstieg der Blütenimporte seit 2010 auch viel mehr Cannabissetzlinge beschlagnahmt, was auf eine Veränderung der inländischen Produktion schließen lässt.

Coffeeshops in Paris

2018 nutzten zwei französische Unternehmer die Lockerung der Cannabisgesetze seitens der Regierung (die den Verkauf von Cannabisprodukten mit einem THC-Gehalt von 0,2 Prozent oder weniger erlaubten) und eröffneten zwei „Coffeeshops“ nach niederländischem Vorbild.

Der Besitzer von Cofyshop, Joaquim Lousquy, sagte in der Zeitung The Telegraph: „Es hat keine psychotrope Wirkung. Es ist weder Medizin noch ein Relaxans. Ich würde nie jemanden dazu anstiften, Cannabis zu rauchen. Wir verkaufen es wie jeden anderen Artikel, genau wie ein Möbelhaus Tische oder Stühle verkauft.“

Stephane Bélaiche, der E-Klop (ein ähnliches Etablissement) leitet, erklärte zudem: „Ich verkaufe keine CBD-Produkte, damit sie in einem Joint geraucht werden können, sondern damit die Leute einen weiteren Geschmack entdecken, den sie genießen können.“

Beide Läden mussten sich jedoch mit Protesten von Anwohnern und Behörden konfrontiert sehen. Der Abgeordnete Pacome Rupin besuchte einen der Shops und informierte die französischen Reporter darüber, dass er die Aktivitäten des Unternehmens „genau im Auge“ behielte. Auch die Anwohner beschwerten sich über den Laden. „Auf der Straße riecht es nach Haschisch“, kommentierte ein Ortsansässiger. „Es zieht in unsere Wohnung.“

Cannabis-Events in Frankreich

Frankreich veranstaltet das ganze Jahr über mehrere große Cannabisveranstaltungen. Dazu gehören:

  • UFCM I-Care. Die UFCM I-Care wurde ursprünglich 2012 von Bertrand Rambaud gegründet. Es ist eine der wichtigsten medizinischen Cannabiskonferenzen des Kontinents und bietet Experten aus der ganzen Welt die Möglichkeit, ihr Fachwissen und ihre Erfahrung auszutauschen.
  • Cannabis Europa Paris. Politiker, Wissenschaftler, Akademiker und internationale Cannabisunternehmen besuchen die Cannabis Europa Paris, um sich auszutauschen und den wichtigsten Referenten auf diesem Gebiet zuzuhören.
  • Cannabis Business France. Diese zweitägige Veranstaltung konzentriert sich auf den Cannabis- und Hanfmarkt in Frankreich, um Unternehmer über die Möglichkeiten der Branche aufzuklären. Es wird auch als Networking-Event vermarktet.

Wird Cannabis zukünftig legalisiert?

Angesichts der konservativen Haltung Frankreichs gegenüber dem Cannabiskonsum ist es unwahrscheinlich, dass dieser in absehbarer Zeit legalisiert wird. Experimentelle Therapien müssen erst noch umgesetzt werden und es ist zu hoffen, dass sie zu einem nachhaltigen, therapeutischen Programm führen.

Im Hinblick auf den Freizeitkonsum von Cannabis ist es höchst unwahrscheinlich, dass Frankreich dem Beispiel der Länder und US-Bundesstaaten folgen wird, die bereits mit der Legalisierung begonnen haben.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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