Cannabis in Belgien – Gesetze, Konsum und Geschichte

Es ist illegal, Cannabis in Belgien zu verkaufen oder zu besitzen. Im Jahr 2003 wurde jedoch der private Konsum von Cannabis entkriminalisiert. Dies gilt jedoch nur für Mengen von drei Gramm oder weniger und unter der Bedingung, dass der Konsument kein öffentliches Ärgernis erregt. Die medizinische Verwendung von Cannabis ist legal, beschränkt sich aber auf die Verwendung eines einzigen Produkts – Sativex-Mundspray bei Multipler Sklerose.

    • Hauptstadt
    • Bruxelles-Brussel
    • Einwohner
    • 11,620,000

Cannabis-Gesetze in Belgien

Darf man in Belgien Cannabis besitzen und konsumieren?

In Belgien ist der Besitz von Cannabis strenggenommen immer noch illegal. Die Ausnahme von der Regel ist der private Konsum. In der Richtlinie von 2003 wurde festgelegt, dass der private Besitz von Cannabis weniger schwerwiegend ist als der Konsum anderer Drogen. Er gilt also nicht mehr als Straftat, es sei denn, es gibt Beweise dafür, dass der Cannabiskonsum Probleme verursacht oder ein öffentliches Ärgernis erregt.

Im Jahr 2005 erließ das Verfassungsgericht eine neue Richtlinie, um die Bedingungen dieses Gesetzes klarer zu definieren. Konsumenten können nun wegen des Besitzes von Cannabismengen von drei Gramm oder mehr (oder mehr als einer Pflanze) strafrechtlich verfolgt werden.

Der Konsum von Cannabis in der Nähe von Schulen oder in anderen öffentlichen Bereichen wurde ebenfalls zu einer Straftat erklärt. Hier kann man mit drei Monaten bis zu einem Jahr Gefängnis und/oder einer Geldstrafe (8.000 bis hin zu 800.000 Euro) rechnen. Bei Wiederholungstätern werden die Bußgelder erhöht (innerhalb eines Jahres nach der vorherigen Straftat).

Einige Politiker und die Medien hoben allerdings die Unstimmigkeiten des Gesetzes hervor. So führte die Stadt Antwerpen 2014 eine Null-Toleranz-Politik ein, die der Polizei die Befugnis gab, vor Ort Geldbußen (in Höhe von 75 Euro) gegen Konsumenten zu verhängen, die mit einer beliebigen Menge Cannabis erwischt wurden. Dies verstößt somit gegen die offizielle Politik der belgischen Regierung.

Darf in Belgien Cannabis verkauft werden?

In Belgien ist der Verkauf von Cannabis verboten und eine Person, die dabei erwischt wird, kann mit einer Geld- oder Haftstrafe rechnen. Auch in dieser Hinsicht ist die Gesetzeslage komplex. In einer Richtlinie von 1998 wurde festgelegt, dass diejenigen, die Cannabis zur Finanzierung ihrer eigenen Sucht verkaufen, eine verminderte Freiheits- oder Geldstrafe erhalten sollten. Dann wurde 2003 ein neues Gesetz eingeführt, das den Verkauf von Cannabis in drei Kategorien einteilt:

  • Kategorie 1 – Einfuhr, Besitz und Anbau von Cannabis für den persönlichen Gebrauch
  • Kategorie 2 – Straftaten der ersten Kategorie, die mit erschwerenden Umständen begangen wurden
  • Kategorie 3 – alle anderen Straftaten (einschließlich der Substanzen, die kein Cannabis sind)

Darf in Belgien Cannabis angebaut werden?

Das geltende Gesetz besagt, dass es legal ist, eine Pflanze in der eigenen Wohnung anzubauen. Ein Bericht aus dem Jahr 2015 ergab, dass der Cannabisanbau in Belgien „endemisch“ sei und viele Menschen sich dafür entscheiden, Cannabis anzubauen. Auch wenn dies der Fall sein mag, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass es sich immer noch um eine „Grauzone“ handelt und der Anbau von mehr als einer Pflanze illegal ist.

Ist CBD in Belgien legal?

In Belgien ist der Verkauf oder Kauf von CBD-Öl gesetzlich untersagt. Produkte, die THC (die psychoaktive Substanz, die für das „High“ verantwortlich ist) enthalten, sind illegal. Tatsächlich sind alle „Lebensmittel“, die Cannabis als Zutat auflisten, selbst wenn der THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt, illegal. Dennoch verkaufen einige CBD-Ölhersteller ihre Produkte in Belgien.

Das belgische Bundesamt für die Sicherheit der Nahrungskette erklärt: „Cannabis sativa L. ist in der Liste 1 ,Gefährliche Pflanzen, die nicht als Lebensmittel oder in Lebensmitteln verwendet werden dürfen‘ im Anhang des königlichen Erlasses vom 29. August 1997 über die Herstellung von und den Handel mit Lebensmitteln, die aus Pflanzen oder pflanzlichen Zubereitungen bestehen oder diese enthalten, aufgeführt. Diese Bestimmungen gelten auch für Hanf mit einem THC-Gehalt von 0,2 Prozent oder weniger…“

Darf Cannabis-Saatgut nach Belgien geschickt werden?

Der Kauf von Cannabissamen in Belgien ist legal, und das Gesetz hat den Anbau einer weiblichen Cannabispflanze zu Hause entkriminalisiert. Es ist nicht gestattet, mehr als eine Pflanze anzubauen, noch dürfen die Samen als Lebensmittel verwendet werden, in Übereinstimmung mit den Gesetzen des Bundesamts für die Sicherheit der Nahrungskette.

Medizinisches Cannabis in Belgien

Im Jahr 2015 unterzeichnete die belgische Gesundheitsministerin (Maggie De Block) einen königlichen Erlass zur Legalisierung des Verkaufs von medizinischem Cannabis. Damals wurde die Entscheidung für ihre Fortschrittlichkeit gelobt, obwohl nur ein Produkt nach dem Gesetz zugelassen wurde: ein Mundspray für MS-Patienten namens Sativex.

Einige Verbände in Belgien haben sich für einen besseren Zugang zu medizinischen Cannabisprodukten ausgesprochen. Sie behaupten, dass das geltende Gesetz viele Patienten ausschließt, deren Symptome durch die Möglichkeit, Cannabis medizinisch zu verwenden, gelindert werden könnten. Einige wenige Organisationen haben sich sogar zusammengeschlossen, um den Patienten ein größeres Spektrum an schmerzlindernden Maßnahmen auf Cannabisbasis anzubieten – jedoch handeln sie nicht im Rahmen des Gesetzes.

Industriehanf in Belgien

Gemäß der EU-Verordnung 1307 / 2013 erlaubt das belgische Recht den Anbau von Hanf für industrielle Zwecke. Dieser darf verwendet werden, um verschiedene Dinge herzustellen, von Papier und Textilien über Baumaterialien bis hin zu biologisch abbaubarem Plastik. Die Hanfindustrie in Belgien erlebt derzeit eine Renaissance und viele Unternehmen florieren dadurch.

Belgiens politische Parteien und Cannabis

Die belgische Regierung ist wegen ihrer Cannabispolitik, die einige für zu liberal halten, in die Kritik geraten. Experten haben darauf hingewiesen, dass die Zahl der Cannabiskonsumenten gestiegen ist (obwohl die Zahl der jungen Konsumenten stagniert). Auch die Einweisungen unter Angabe von Cannabismissbrauch in psychiatrische Einrichtungen oder Rehabilitationszentren haben zugenommen.

Andere fordern die Legalisierung der Droge. Professor Paul De Grauwe (KU Leuven) kommentiert: „Wenn es illegal ist, ist es profitabel. Das ist das Paradoxon einer repressiven Politik. Mit steigender Gewinnmarge steigt auch das Angebot. Kriminelle führen einen Ressourcenwettlauf mit der Strafverfolgung und normalerweise gewinnen die Kriminellen, weil die Regierung einfach nicht das Budget hat, um zu konkurrieren.“

Gut zu wissen

Wenn man nach Belgien reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • Cannabis ist die am häufigsten beschlagnahmte Droge in Belgien. Dies geschieht trotz des teils entkriminalisierten Status für den privaten Konsum. Auch die Zahl der von der Polizei aufgedeckten Anbauflächen nimmt zu.
  • Die Zahl der jungen Cannabiskonsumenten im Land ist nach wie vor hoch. Die letzten Statistiken deuten darauf hin, dass jeder sechste 15- bis 16-Jährige in der flämischen Gemeinschaft und jeder fünfte in der französischen Gemeinschaft bereits Cannabis konsumiert hat.
  • Cannabis wird  auch bei den 15- bis 34-Jährigen als die beliebteste Droge angesehen, wobei 10,1 Prozent die Substanz konsumieren.
  • Obwohl Cannabis in Belgien häufig konsumiert wird, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass Besitz und Verkauf immer noch illegal sind.

Einstellung gegenüber Cannabis

Eine große Anzahl von Belgiern hat Cannabis probiert, was die Popularität der Droge unterstreicht. Im Gegensatz zu den benachbarten Niederlanden kann Cannabis jedoch nicht legal in einem Coffeeshop gekauft werden. Die Regierung ist nachsichtiger gegenüber denen, die Cannabis in der Privatsphäre ihres eigenen Hauses konsumieren – jedoch riskieren diejenigen, die es zum Beispiel in der Nähe von Schulen konsumieren, Strafverfolgung.

Die Geschichte von Cannabis in Belgien

Vor Hunderten von Jahren wurde in Belgien hektarweise Land für den Hanfanbau genutzt. Der Samen aus dieser Pflanze wurde als Getreide für die Lebensmittelherstellung verwendet, wobei die Schalen zur Herstellung von Seilen, Leinen, Kleidung, Schuhen und Segelmaterial dienten.

Im zwanzigsten Jahrhundert hat sich die Einstellung des Landes zu Cannabis spürbar verändert. Die vermeintlichen Nachteile des Cannabiskonsums wurden verstärkt propagiert, insbesondere in Ländern wie den USA. Nach und nach verschwanden die Hanfplantagen, obwohl viele der Pflanzen nur einen geringen THC-Gehalt enthielten.

In den 1960er-Jahren erlebte die Gegenkultur in Belgien einen Anstieg des Cannabiskonsums und Cannabis wurde mit der künstlerischen Gemeinschaft assoziiert. Obwohl die belgische Regierung zunächst eine repressive Haltung einnahm, hat sich der Einsatz der Droge in den letzten Jahren stark verbreitet.

Welche medizinischen Cannabisprodukte sind in Belgien erhältlich?

Derzeit gibt es nur ein einziges Medizinprodukt auf Cannabisbasis. Das zuvor bereits erwähnte Sativex ist ein Mundspray zur Linderung der Symptome von Patienten mit Multipler Sklerose.

Wie ist belgisches Cannabis?

Die Potenz von Haschisch (Cannabisharz) und pflanzlichem Cannabis ist in Belgien generell stark. Ein Bericht aus dem Jahr 2017 ergab, dass Haschisch einen durchschnittlichen THC-Gehalt von 31 und pflanzliches Cannabis einen THC-Gehalt von 24 Prozent aufwiesen.

Was sind belgische Cannabis Social Clubs?

Die belgischen Cannabis-Social-Clubs befinden sich im Privatbesitz von Menschen, die Cannabis anbauen, um es zu verkaufen, ohne jedoch Gewinne aus dieser Tätigkeit zu erzielen. Belgien ist nicht das erste Land, in dem es solche Organisationen gibt; die spanischen Cannabis Social Clubs dienten als Inspiration.

Mit Hilfe der Social Clubs können belgische Cannabisaktivisten ihre persönlichen Bedürfnisse befriedigen, ohne Cannabis illegal kaufen zu müssen. Experten erkennen den Wert dieser Clubs an. Sie kontrollieren die Qualität und Potenz ihres Produkts. Sie haben zudem die Entscheidungsgewalt darüber, wen sie damit versorgen. Es wurden jedoch Bedenken hinsichtlich ihrer allgemeinen Instabilität geäußert, wobei einige die Transparenz ihrer Tätigkeiten infrage stellen.

Der belgische Drogenmarkt

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde Cannabis in Belgien überwiegend aus Ländern wie Indien, Nepal, Pakistan und Afghanistan importiert. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert, so gingen die Importe zurück und die Mengen an „heimischem“ Cannabis stiegen stetig an. Dies entspricht dem allgemeinen weltweiten Trend.

Besteht die Möglichkeit, dass Cannabiskonsum in Belgien entkriminalisiert wird?

Der Druck auf die Regierung ist groß, eine breitere Palette medizinischer Cannabisprodukte einzuführen. Damit soll sichergestellt werden, dass Patienten mit anderen Gesundheitszuständen als Multipler Sklerose ebenfalls die Möglichkeit haben, sie auf Wunsch zu nutzen. Was den freizeitlichen Konsum betrifft, ist es ist schwer zu sagen, was die Zukunft für Belgien bereithält. Einige fordern lockerere Gesetze. Indem sie die Kontrolle über den Cannabismarkt beansprucht, würde die Regierung über größere Befugnisse in Bezug auf Regulierung und Vertrieb verfügen. Andere wollen jedoch das genaue Gegenteil – einen eher toleranzfreien Ansatz, auch für den privaten Konsum.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

3 Kommentare zu „Cannabis in Belgien – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. elias blueberry

    Schade dass die Politiker nichts daraus lernen.
    Alleine die folgen die der war in drugs in Amerika anrichtet sind doch unübersehbar

  2. Ein guter Artikel, der die Lage in Belgien gut darstellt.
    Frage: Gilt die Berechtigung, als Patient in den Clubs Cannabis zu kaufen, auch für deutsche und niederländische Patienten?
    Deine Aussage, dass die NL Regierung beschlossen hat, alle „Geschäfte für Anbaugeräte“ zu schließen, ist nicht richtig. Es ist in NL auch weiterhin erlaubt, Growzubehör (Lampen, Filter,Dünger) für den „kleinen Homegrower“ zu verkaufen. Siehe den Artikel in Kein Wietpas von mir aus dem März.
    http://keinwietpas.de/2015/03/25/die-auswirkungen-des-neuen-growshopgesetzes/

    greetz

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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