Cannabis in den Niederlanden – Gesetze, Konsum und Geschichte

Die Niederlande werden oft als Oase für Cannabiskonsumenten angesehen. Trotz der berüchtigten Coffeeshops in Amsterdam ist Cannabis im Land jedoch technisch gesehen illegal, obwohl der Konsum toleriert wird. Die Behörden wollen ihren Ansatz jedoch reformieren und könnten bald damit anfangen, einen staatlich kontrollierten Freizeitmarkt zu schaffen.

Cannabis-Gesetze in den Niederlanden

Darf man in den Niederlanden Cannabis besitzen und konsumieren?

Die holländische Regierung stuft Drogen in zwei Listen ein:

  • Liste 1: „Harte“ Drogen, die als schädlich für die Gesundheit gelten, so wie Heroin, Kokain, Ecstasy und GHB.
  • Liste 2: „Weiche“ Drogen, die weniger Risiken bergen, so wie Beruhigungsmittel und Cannabis.

Alle Drogengesetze basieren auf dem Opiumwet („Opiumgesetz“) von 1928, das besagt, dass der Besitz von Drogen (der Liste 1 und 2) illegal ist. Das Opiumwet besagt jedoch auch, dass bestimmte Verkaufsstellen, in denen Cannabiskonsum stattfindet (sogenannte Coffeeshops), von den lokalen Behörden toleriert werden. Dies wird als „gedoogbeleid“ bezeichnet – eine offizielle Toleranzpolitik. Entgegen des weit verbreiteten Glaubens wurde Cannabis also eher entkriminalisiert und nicht legalisiert. Im März 2017 gab es in den Niederlanden 567 Coffeeshops.

Manchmal tritt das Gesetz für den Cannabiskonsum allerdings in Kraft. Wenn zum Beispiel eine gesundheitliche Bedrohung für junge Menschen vorliegt, kann man strafrechtlich verfolgt werden (beispielsweise wenn man in der Nähe einer Schule oder in öffentlichen Verkehrsmitteln raucht). Ob man nun belangt wird oder nicht, liegt im Ermessen der lokalen Behörden, nicht der Regierung.

Technisch gesehen kann man selbst für geringe Mengen ins Gefängnis kommen. Der Grenzwert für eine „geringe Menge“ liegt bei fünf Gramm. Wenn man mehr als diese Menge bei sich führt und Ersttäter ist, kann man mit einer Geldbuße (75 Euro) rechnen oder sogar auch mit einer Freiheitsstrafe, wenn man mit einer größeren Menge erwischt wird.

Wird man mit weniger als fünf Gramm Cannabis erwischt wird, wird es wahrscheinlich konfisziert und man wird weder strafrechtlich verfolgt noch bestraft.

Darf man Cannabis in Amsterdam auf offener Straße rauchen?

Der Cannabiskonsum in der Öffentlichkeit ist nicht erlaubt. Die Jagd nach kleinen Mengen hat jedoch keine Priorität und wird von der Polizei nicht aktiv betrieben. Gerade im Zentrum Amsterdams erhält man von der Polizei oft nur eine Verwarnung, wenn man Cannabis konsumiert ohne jemanden dabei zu belästigen.

Darf Cannabis in den Niederlanden verkauft werden?

Der Verkauf von Cannabis ist in den Niederlanden illegal und es ist viel wahrscheinlicher, dass man verurteilt wird, wenn man dabei bei der Versorgung Dritter erwischt wird. Ein Gesetz zur Einweisung von Wiederholungstätern in eine Einrichtung wurde 2004 eingeführt, um Wiederholungstäter zu unterstützen. Es sieht eine Haftstrafe in Kombination mit einer Therapie vor, die meist in Einrichtungen außerhalb des Gefängnisses durchgeführt wird.

Allerdings ist das Gesetz in Bezug auf Verkäufer in Coffeeshops komplexer. Es gibt gewisse „Toleranzkriterien“, an die sich die Ladenbesitzer halten müssen:

  • Es dürfen täglich nicht mehr als fünf Gramm pro Kunde verkauft werden
  • Cannabis darf nicht an Minderjährige verkauft werden
  • Minderjährigen muss der Einlass in Coffeeshops verwehrt werden
  • Der Verkauf von Alkohol ist nicht gestattet
  • Die Cannabisvorräte dürfen 500 Gramm nicht übersteigen
  • Menschen, die nicht in den Niederlanden leben, dürfen weder Coffeeshops betreten noch Cannabis kaufen

Sofern sich die Coffeeshop-Inhaber an diese Richtlinien halten, wird der Verkauf von Cannabis in ihren Räumlichkeiten von den lokalen Behörden toleriert.  Die Polizei setzt einige Gesetze mehr durch als andere. So wird beispielsweise der Verkauf an Minderjährige stark kontrolliert. Beim Verkauf an Ausländer ist dies in der Regel nicht der Fall, da sonst die meisten Coffeeshops schließen müssten.

Darf Cannabis in den Niederlanden angebaut werden?

Der Cannabisanbau ist offiziell illegal, wenngleich der Anbau einiger weniger Pflanzen für den Eigenbedarf entkriminalisiert wurde. Wenn man mit maximal fünf Cannabispflanzen erwischt wird, werden die Behörden sie wahrscheinlich ohne strafrechtliche Verfolgung beschlagnahmen.

Dabei ist der Aspekt des „Eigenbedarfs“ ausschlaggebend. Es sollte eindeutig sein, dass die Grower nicht beabsichtigen, das Cannabis zu verkaufen. Wenn die Behörden mindestens zwei Indizien dafür erkennen, dass es sich um eine kommerzielle Grow-Operation handelt, kann man strafrechtlich verfolgt werden. Zu solchen Indizien zählen beispielsweise Grow-Lampen, Belüftungssysteme, Timer et cetera.

Mit einer größeren Anzahl von Pflanzen erwischt zu werden, wird ernster genommen, und man kann zu Sozialstunden oder sogar einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Die Strafe kann höher ausfallen, wenn man Teil einer kriminellen Organisation ist, die Pflanzen eine Brandgefahr darstellen oder wenn die Plantage mit einer Sprengfalle versehen ist.

Es gab einige erwähnenswerte Gerichtsverfahren zum Thema Cannabisanbau. 2014 gab es einen interessanten Fall, bei dem zwei Landwirte verhaftet wurden. Das Gericht entschied, dass sie zwar mit dem Anbau von 2.500 Cannabispflanzen gegen das Gesetz verstoßen hatten, aber trotzdem nicht bestraft würden.

Zur Begründung der Entscheidung verwies der Richter darauf, dass die beiden Landwirte die Cannabispflanzen in Übereinstimmung mit der niederländischen Toleranzpolitik auf sichere und verantwortungsbewusste Weise angebaut hätten. Dies war ein wegweisender Fall, der eine Änderung der Einstellung zum Cannabisanbau im Land bedeutete.

Ist CBD in den Niederlanden legal?

Die Produktion von CBD ist in den Niederlanden illegal, aber für den Eigenbedarf erlaubt. Der Rechtsstatus von CBD stammt aus alten Rechtsvorschriften, die sich mehr mit der Produktion von Haschischöl als mit CBD befassten.

Das niederländische Gesetz wurde 1999 geändert, um Hanf für die industrielle Produktion zu legalisieren. Seitdem ist der Anbau von Hanfpflanzen mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2 Prozent legal, jedoch nicht die Herstellung von CBD-Produkten, da es sich dabei um Extrakte der Pflanze handelt.

Allerdings gibt es eine Gesetzeslücke. Wird der Hanf in den Niederlanden angebaut und dann im Ausland zu CBD verarbeitet, kann es in den Niederlanden wieder legal verkauft werden. Anders, als viele vermuten würden, dürfen CBD-Produkte einen THC-Gehalt von nur maximal 0,05 und nicht 0,2 Prozent besitzen.

Dürfen Cannabissamen in die Niederlande geschickt werden?

In den Niederlanden ist es legal, Cannabissamen zu kaufen und zu verkaufen. Man kann sie auch legal per Post ins Land schicken.

Medizinisches Cannabis in den Niederlanden

Die Niederlande waren eines der ersten Länder der Welt, die Cannabis für medizinische Zwecke legalisierten.

Die Haltung zu diesem Thema änderte sich 1993, als die Niederlande als erstes EU-Land einen Vorläufer ihres derzeitigen medizinischen Cannabisprogramms einführten. Als Els Borst (damals Gesundheitsminister) sich 1999 für den Einsatz von medizinischem Cannabis aussprach, fing die Regierung an, etwas konkretere Pläne zu entwickeln. Zwei Jahre später startete das Land mit der Produktion und Verschreibung von Cannabis für Patienten. Zu dieser Zeit wurde auch das Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC, Büro für medizinisches Cannabis) gegründet.

Im Jahr 2003 erteilte die Regierung zwei Unternehmen die Lizenz zur Herstellung von Cannabisprodukten zu medizinischen Zwecken. Eines dieser Produkte, Bedrocan, gehört zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Cannabismedikamenten. Die gesamte Produktion wird streng reguliert und vom Bureau voor Medicinale Cannabis beaufsichtigt.

Nun ist die Regierung bestrebt, eine weitere staatliche Lizenz einzuführen, die es auch anderen Unternehmen erlaubt, Cannabis zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken anzubauen.

Yes we Bedrocan!

Die Nachfrage nach Bedrocan ist im Lauf der Jahre stetig gestiegen. Mit der Eröffnung einer weiteren Produktionsstätte im Jahr 2015 verdreifachte sich die Produktion. Während dieser Zeit entwickelte die Firma Bedrocan fünf verschiedene Cannabissorten, die jeweils auf unterschiedliche medizinische Bedürfnisse zugeschnitten sind. Eine dieser Sorten basiert auf Jack-Herer-Genetik, einer von Sensi Seeds entwickelten Sorte.

Da andere Länder erst vor Kurzem medizinisches Cannabis legalisiert haben, steht Bedrocan unter Druck. Mit der Nachfrage Schritt zu halten, ist ein schwieriges Unterfangen, insbesondere angesichts der Versorgungsengpässe in einigen EU-Ländern.

Industriehanf in den Niederlanden

Industriehanf wird in den Niederlanden seit 1993 legal angebaut. Die erste Hanfplantage war in Nagele (im Noordoostpolder), ein Jahr später verlagerte sich die Produktion in die Veenkolonien im Nordosten des Landes. HempFlax wurde von Ben Dronkers (der auch Sensi Seeds gründete) mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine vernünftige Hanfindustrie zu schaffen. Das Unternehmen hat sich in Oude Pekela etabliert und ist zu einem der bedeutendsten globalen Anbieter geworden.

Zu Beginn war die industrielle Hanferzeugung eher bescheiden, mit einem deutlichen Rückgang in den Jahren 2004 und 2006, da einige Verträge zwischen Landwirten und Verarbeitern beendet wurden. Seit ihrer Entstehung ist die Branche jedoch stark gewachsen, und mittlerweile werden Tausende Hektar für den Hanfanbau genutzt.

Politik und Cannabis

Die Niederlande gelten im Hinblick auf die Cannabis-Gesetze als eine der freizügigsten Nationen der Welt. Obwohl die Regierung den Konsum (insbesondere in Coffeeshops) in der Regel toleriert, hat sie jedoch in den letzten Jahren jedoch eine immer strengere Haltung eingenommen.

So hat die Regierung beispielsweise im Jahr 2015 die Stilllegung von fast 6.000 Cannabis-Plantagen angeordnet. 2017 unterstützte die Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD, die von dem Premierminister Mark Rutte angeführten rechten Liberalen) die Vorschläge zur Regulierung der inländischen Cannabisproduktion nicht, obwohl ihr damaliger Koalitionspartner, die Partij van de Arbeid (PvdA, Sozialdemokraten), das tat.

In jüngster Zeit haben diverse politische Parteien versucht, die geltenden Cannabis-Gesetze zu reformieren, die zur Zeit recht verwirrend sind. Die Partei Democraten 66 (D66, die Sozialliberalen) legte einen Gesetzentwurf vor, der es der Regierung ermöglichen sollte, die Cannabisversorgung von Coffeeshops zu regulieren. Die Lösung der mit der bisher genutzten sogenannten „Hintertür-Regelung“ einhergehenden Probleme würde die Abhängigkeit vom Schwarzmarkt verringern.

Probleme der sogenannten „Hintertür-Regelung“

In den Niederlanden wird der Verkauf kleiner Mengen Cannabis toleriert, aber für Coffeeshops ist der Ankauf von Cannabis eigentlich illegal. So können Coffeeshops zwar durch die „Vordertür“ Cannabis verkaufen, aber sie dürfen ihre Vorräte nur durch die „Hintertür“ kaufen. Dies führt in eine rechtliche Sackgasse und hat mehrere Nachteile: organisierte Kriminalität wird gefördert und die Qualitätssicherung der Produkte beeinträchtigt.

Eine regulierte Produktion würde kriminellen Growern den Wind aus den Segeln nehmen, die Qualitätsprüfung des Cannabis ermöglichen und zusätzliche Steuereinnahmen generieren. Ein ähnliches Modell wird in Uruguay und (mehr oder weniger) im US-Bundesstaat Colorado angewendet.

Daher plant die Regierung nun, Anbaulizenzen an kleine Cannabisproduzenten zu vergeben, die dann die Coffeeshops beliefern sollen.

Gut zu wissen

Wenn man in die Niederlande reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in den Niederlanden

Im 17. Jahrhundert wurde Cannabis in den Niederlanden häufig geraucht. Dies belegt ein Gemälde des flämischen Künstlers Adriaen Brouwer, das einen Mann mit einem Bierkrug in der einen und einem Pfeife in der anderen Hand zeigt. In dieser Zeit wurden Leute, die Cannabis rauchten, als „Toeback-Drincker“ bezeichnet. Normalerweise mischten sie ihr Cannabis mit Tabak und rauchten es dann in einer Goudaer Pfeife.

Bis Maßnahmen gegen die „Toeback-Drinckers“ ergriffen wurden, wurde viel Cannabis konsumiert. Papst Urbanus VII. verbot den Konsum und drohte denen, die sein Urteil missachteten, mit Exkommunikation. Die Behörden drohten sogar mit körperlicher Züchtigung, so sollten Täter die Nase abgeschnitten kriegen oder erhängt werden.

Trotz dieser Androhung gab es viele, die an den Wert von Cannabis glaubten. Einige Gelehrte erklärten sogar, es sei gut für Körper und Geist.

Was sind Coffeeshops?

Coffeeshops sind Cafés in den Niederlanden, die Cannabis an ihre Kunden verkaufen dürfen. Obwohl der Verkauf toleriert wird, ist er streng genommen nicht legal. Nur kleine Mengen Cannabis dürfen verkauft werden (fünf Gramm pro Kunde) und es dürfen nie mehr als 500 Gramm auf Lager sein.

Coffeeshops werden in den Niederlanden von Menschen aller Couleur besucht. Obwohl es weltweit von vielen als Hobby „junger Menschen“ erachtet wird, rauchen auch viele ältere Menschen gerne Cannabis in Cafés. 

Aufgrund eines 2012 verabschiedeten Gesetzes (das in Amsterdam nicht besonders stark durchgesetzt wird), ist es Nichtansässigen nicht gestattet, einen Coffeeshop zu betreten. Die Coffeeshops sind nur für Ansässige bestimmt.

Die beiden untenstehenden, von Sensi Seeds produzierten Videos zeigen Interviews mit niederländischen Coffeeshop-Kunden:

Was ist ein Growshop?

Growshops gibt es in den Niederlanden seit den 1980er-Jahren. Diese Geschäfte verkaufen alles, was für den Anbau von Cannabis unter künstlicher Beleuchtung erforderlich ist. Die meisten Kunden kaufen diese Artikel legal, um zu Hause illegal Cannabis anzubauen.

Der Trend rund um die Growshops verbreitete sich schnell. In den 90er-Jahren entstanden ähnliche Geschäfte in Deutschland und der Schweiz. Zur Jahrtausendwende hin konnte man Growshops auf der ganzen Welt finden, beispielsweise in den USA und Südamerika.

Als ungeschriebene Regel gilt seit jeher, dass die Shops betrieben werden dürfen, solange sie kein Cannabis verkaufen. Bis vor Kurzem durften holländische Growshops auch Samen verkaufen, aber das wurde inzwischen verboten.

2015 wurde die Zukunft niederländischer Growshops durch die Einführung des Growshop-Gesetzes gefährdet.

Das neue Gesetz besagt, dass die Shops zwar weiterhin das Grow-Equipment verkaufen, aber nur als „Floristen“ agieren dürfen. Wenn ein Ladenbesitzer weiß, dass einer seiner Kunden an illegalem Cannabisanbau beteiligt ist, kann er wegen Beihilfe belangt werden.

Die niederländische Polizei setzt das Gesetz durch und versteigert regelmäßig beschlagnahmtes Equipment auf Auktionen.

Der Minister für Sicherheit und Justiz Ivo Opstelten (der das Gesetz durchgesetzt hat) ist jedoch inzwischen zurückgetreten. Nun hoffen Growshop-Betreiber im gesamten Land darauf, dass das restriktive Gesetz wieder rückgängig gemacht wird.

Der Weed-Pass – ein gescheitertes Experiment?

Im Jahr 2010 schlug Ivo Opstelten Pläne für die Einführung des „Weed-Passes“ in den Grenzregionen der Niederlande vor. Das Gesetz rund um den „Weed-Pass“ sollte Coffeeshops zu „Members-only-Clubs“ machen, die ausschließlich für niederländische Einwohner zugänglich sind. Die Mitglieder sollten nur mit einem registrierten „Weed-Pass“ die Coffeeshops betreten dürfen und die Shops nur maximal 2.000 Mitglieder aufnehmen. Damit sollten der Drogentourismus und die damit verbundenen Probleme eingedämmt werden.

Die Coffeeshop-Inhaber reichten eine Klage beim Europäischen Gerichtshof ein und protestierten gegen die Entscheidung. Diese wurde jedoch abgewiesen.

Der „Weed-Pass“ trat 2012 in südlichen Städten wie Maastricht in Kraft. Die Auswirkungen waren jedoch überwiegend negativ. Die Touristen, die die Coffeeshops nicht mehr betreten durften, kauften stattdessen bei kriminellen Dealern auf der Straße. So wurde im Endeffekt der Schwarzmarkt weiter finanziert und die Zahl der drogenbedingten Vergehen nahm zu.

Im Jahr 2013 wurde die Regierung angewiesen, die Coffeeshop-Inhaber zu entschädigen. Sie erklärten, dass sie als direkte Folge des „Weed-Passes“ finanzielle Einbußen hinnehmen mussten. Das Landgericht Den Haag entschied, dass sowohl ansässige Kunden als auch Touristen vom „Weed-Pass“ abgeschreckt worden seien.

Das „Weed-Pass“-Gesetz ist aber nach wie vor gültig. Nur niederländische Einwohner dürfen die Coffeeshops nutzen. Die Ausnahme macht Amsterdam, das von der Regelung unter der Voraussetzung, dass Coffeeshops mindestens 250 Meter von einer Schule entfernt sein müssen, freigestellt ist. Das führte dazu, dass es in Amsterdam nur noch etwa 175 Coffeeshops gibt – halb so viele wie in den 90er-Jahren. 

Die Entfernung von 250 Meter, die ein Shop von einer Schule entfernt sein muss, erscheint etwas unlogisch, da es Coffeeshops ohnehin strengstens verboten ist, Personen unter 18 Jahren den Zutritt zu gewähren. Die Inhaber halten sich strikt daran. Einige haben sogar freiwillig das Eintrittsalter auf 21 Jahre erhöht, um den Entzug ihrer Lizenz und somit die permanente Schließung ihrer Läden zu vermeiden.

Cannabis-Veranstaltungen in den Niederlanden

In den Niederlanden werden das ganze Jahr über einige der größten Cannabis-Events veranstaltet. Beispiele hierfür sind:

  • The Cannabis Culture Awards. Bei den Cannabis Culture Awards werden Menschen gewürdigt, die sich für eine Drogenreform eingesetzt haben oder in der Vergangenheit für Cannabis eingetreten sind. Die Preisverleihung findet im Hash Marihuana and Hanf Museum in Amsterdam statt.
  • GreenTech. Die GreenTech Summit and Trade Show findet in Amsterdam statt. Diese dreitägige Veranstaltung konzentriert sich hauptsächlich auf die Gartenbauindustrie und beschäftigt sich mit Kulturpflanzen wie Hanf. Eine wunderbare Gelegenheit für Vertreter der Branche, um Ideen auszutauschen, sich zu vernetzen und mehr über die neuesten Entwicklungen zu erfahren.
  • Amsterdam Cannabis Cup. Der Amsterdam Cannabis Cup fand zum ersten Mal 1987 statt. Er wurde von Steven Hager (Chefredakteur von High Times) ins Leben gerufen und hat im Laufe der Jahre Experten Gelegenheit gegeben, ihre Cannabissorten vorzustellen. Teil der bunten Veranstaltung sind in der Regel ein musikalisches Programm und Auftritte von Prominenten.

Veranstaltungen, die nicht mehr ausgerichtet werden:

  • Cannabis Liberation Day. Der Cannabis Liberation Day, eines der berühmtesten Cannabisfestivals der Niederlande, fand erstmals 2009 und letztmalig 2018 statt, da sich die Organisatoren der Veranstaltung stärker darauf konzentrieren wollten, landesweite Kampagnen zu organisieren.

Zukünftige Gesetze

Die Niederlande fahren bereits eine tolerante Linie gegenüber dem Cannabiskonsum. Viele geben jedoch zu, dass die Gesetze verwirrend sind. Daher ist es wahrscheinlich, dass zukünftige Regierungen die Widersprüche angehen und klarere Gesetze schaffen werden, an die sich die Bürger halten können.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

21 Kommentare zu „Cannabis in den Niederlanden – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. Vielen Dank für diesen ehrlichen Bericht, auch wenn man diesen Coffeeshop eigentlich namentlich nennen sollte um andere davor zu schützen.

  2. Die Hanfologen

    Die konkreten Hinweise auf die Shops die das gestreckte Gras angeblich anbieten raus genommen. Ein paar „aussagekräftige“ Beschreibungen wie „Condom-Geruch“ und Bilder von Horrorbuds…bisschen Bild Zeitung das Ganze. Warum fragt man sich da? Sicher, die Duldungspolitik der Niederlande ist auch/gerade im Hinblick auf den Verbraucherschutz nicht zielführend aber deshalb fast bösartig auf einer Stadt, ihren Coffeeshops und deren Besitzer und angestellte in diesem Maße rum zu bashen?! Findet ihr das gut? Ich habe selbst neulich einige Tage in Amsterdam verbracht und bin immer wieder gerne in der Stadt. Es gibt sicher schwarze Schafe (bei über 200 Shops) und man kann sicher nicht überall hingehen, gerade im innen Stadt bereich. Doch ist das nicht in anderen Branchen (die mit weniger Widerstand zu kämpfen haben) ähnlich. Keine Stadt hat 200 sehr gute,reinliche und einband freie Restaurants! Die Niederlande sind sicher nicht Spanien oder Österreich und Amsterdam ist auch nicht das gleiche wie vor 10 Jahren doch ist die Stadt immer noch ein lohnenswertes Ziel für Cannabis-Liebhaber. Keinesfalls der Platz in dem dir bös drein blickende Menschen dich in dunklen Läden dazu zwingen schimmlige Buds zu kaufen, ist doch #hanfologisch!

  3. Snorry Sturleson

    ich finde, die regierung verbaut sich die Zukunft, fast jeder arbeitslosse in Holland hatt einpaar Pflanzen stehen und für mache ist das die einzige eine nahme quelle, ich verstehs nicht, viele haben sich mit dem Stus Qo wahren zu frieden, aber die die das rad zurück drehen wollten, haben bald gewonnen, dann ist es aus bekifft durch Holland zu reisen.
    ein Bekifferter traum Geht zu ende.

  4. Ich habe die Hoffnung das es in Deutschland auch mal so weit ist das man erkennt das Cannabis Menschen hilft ein normaleres Leber zu führen.

  5. Es wird im Beitrag erwähnt, dass Sensi Seeds immer öfter von schlechtem Cannabis aus dem medizinischen Programm der Niederlande hört. Dies wundert mich doch sehr,denn nach meinem Wissensstand ist Ben Dronkers‘ Firma Bedrocan Produzent dieses Cannabis‘. Wir erinnern uns Ben Dronkers ist ebenfalls Besitzer von Sensi Seeds. Ja wie???

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo Hendrik,
      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Schlechtes Cannabis aus dem medizinischen Programm der Niederlande? Davon haben wir im Beitrag nicht gesprochen. Zudem gehört die Firma Bedrocan nicht Ben Dronkers. Da sind Sie falsch informiert.
      Mit freundlichem Gruß,
      Stefanie

  6. Die Schuld an den Lieferengpässen liegt nicht bei Bedrocan, die könnten locker nochmal 10 Tonnen produzieren! Die niederländische Regierung hat den Export von medizinischem Cannabis auf 100kg pro Land beschränkt! Das führt zu der absurden Situation, dass ein Land wie Finnland mit 5,5 Mill. Einwohner 100kg zugesprochen bekommt, Deutschland mit 83Mill. Einwohnern hingegen auch!

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo Joscha,
      Vielen Dank für Ihre Reaktion zum Artikel. Dazu möchte ich gern, auch im Namen des Verfassers dieses Artikels, Stellung nehmen.
      Micha hat mehrmals mit dem BMC kommuniziert. Die Situation wird von deren Seite anders beschrieben. Sie entscheiden immer aktuell den Bestellungen entsprechend. Das geht auch aus der angeführten Antwort des BMC hervor. Zuerst die Niederländer, danach der Rest der EU. Da nur in Deutschland die Zahlen so exorbitant steigen, spüren nur die Deutschen das. Der Rest braucht so wenig, dass es keine Probleme gibt. Zur Aussage über die 100 kg: Diese Info ist uns nicht bekannt. Wäre aber interessant, mehr darüber zu erfahren. Ist das möglich?
      Beste Grüße,
      Stefanie

      1. Joscha Krauß

        Hallo Stefanie,
        entschuldige die späte Antwort, ich würde gerne zu deinen Fragen Stellung nehmen, allerdings nicht öffentlich. Könntest du mir deine E-Mail Addresse zukommen lassen, dann antworte ich dir!

  7. Meine an einem asperger syndrom leidende Tochter hat erhebliche Probleme sich zu entspannen, den „Kopf“(Angst) in den Griff zu bekommen. Sie hat mal mir mal gebeichtet, mit 16 Jahren 2-3 x Cannabis geraucht zu haben. So entspannt,selbstsicher und konzentriert war sie noch nie . Vor allem ohne Angst….Ohne Schrei-Anfälle
    Durch die Angst ist bereits ein häufiges Fehlen in der Schule die Folge.( sie hat eigentlich ein fotographisches Gedächtnis u. ist deshalb noch erfolgreich ) Ich wünsch e mir ein Mittel für sie, das legal ist und nicht zur Abhängigkeit führt. Ihr endlich die Angst nimmt………LG

      1. Hallo,
        Eine Funktion zum weiter reichen eines Beitrages auf eine Emailadresse finde ich eine gute Sache und würde gut für diese Seite passen.

        Mit freundlichen Grüßen

        Tobi

      2. Stefanie - Sensi Seeds

        Hallo Tobi,
        muss ich Ihnen Recht geben. Wir arbeiten dran….

        Stefanie

  8. Also wenn man Indoor mit einem Zelt anbaut, hat man rechtlich gesehen die Wahl zwischen schlechter Luftzufuhr, und damit weniger Ertrag, oder keinem Licht, und damit gar keinem Ertrag? 😀 Zählen Ventilatoren dann auch bereits zu „technischen Hilfsmitteln“ ? Und würden dann lediglich die Pflanzen oder auch der Überschuss an solchen Hilfsmitteln eingezogen werden ?
    Letzte Frage: wenn die dann nach dem Anbau die Ernte bei einem finden, bis wie viel Gramm ist das ok? Auch 500g wie im Coffeeshop?

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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