Cannabis in der Schweiz – Gesetze, Konsum und Geschichte

Dank einer Gesetzeslücke ist es nicht illegal, in der Schweiz Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt anzubauen und zu verkaufen. Der Besitz ist entkriminalisiert (bis zu zehn Gramm) und es ist legal, Cannabissamen ins Land zu schicken. Die medizinische Verwendung von Cannabis ist nach ärztlicher Verordnung erlaubt, aber die entsprechenden Produkte sind schwer zu bekommen und nur wenige hundert Patienten erhalten sie.

    • Hauptstadt
    • Bern
    • Einwohner
    • 8,671,000
    • CBD Produkte
    • Legal under 1% THC
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal

Cannabis-Gesetzgebung in der Schweiz

Darf man in der Schweiz Cannabis besitzen und konsumieren?

Die Schweizer Regierung vertritt eine einzigartige Haltung in Bezug auf den Besitz von Cannabis. Wenn es weniger als ein Prozent THC (für die psychoaktive Wirkung, das „High“, verantwortlich) enthält, dann ist es legal, die Substanz zu kaufen, zu besitzen und zu konsumieren. Cannabis, das einen THC-Gehalt von mehr als einem Prozent aufweist, wird jedoch als Betäubungsmittel eingestuft. Und Drogenbesitz ist nach Artikel 19 des Bundesgesetzes über Betäubungsmittel und psychotrope Substanzen illegal.

Der Hauptunterschied ist die psychoaktive Wirkung. Die Schweizer Behörden erkennen nur den gesundheitlichen Nutzen von CBD (das im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv ist) an; dass es „den Menschen helfen kann, sich zu entspannen und Schmerzen sowie Muskelkrämpfe zu lindern“.

Jeder Erwachsene, der mit illegalem „betäubenden“ Cannabis erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe von 100 Schweizer Franken rechnen. Wenn die Menge an Cannabis, mit der man erwischt wird, unter zehn Gramm liegt, geht man in Regel straffrei aus, da der Besitz entsprechender Mengen entkriminalisiert wurde. 

Darf man in der Schweiz Cannabis verkaufen?

Um Cannabisprodukte legal verkaufen zu dürfen, gibt es bestimmte Vorschriften, die eingehalten werden müssen. CBD ist vom Betäubungsmittelgesetz ausgenommen, da es kein „High“ erzeugt. Die Regierung betont jedoch, dass dies nicht bedeutet, dass man CBD auflagenfrei verkaufen kann.

Zunächst muss den CBD-Waren eine eine der folgenden Produktkategorien zugeordnet werden:

  • Medizin
  • Lebensmittel
  • Kosmetik
  • Gebrauchsgegenstände (z. B. CBD-Flüssigkeit für E-Zigaretten)
  • Chemikalien
  • Tabakersatzstoffe

Jede Kategorie hat ihre eigene Auflagen, an die der Produzent sich halten muss, um im Rahmen des Legalität zu bleiben.

Es ist verboten, Cannabis mit einem THC-Gehalt von mehr als einem Prozent zu verkaufen. Die Strafen sind jedoch relativ nachsichtig. Für kleinere Mengen (bis zu hundert Gramm) gibt es eine Strafe von ein bis fünf  „Tagessätzen“ (eine Geldstrafe, die sich nach den finanziellen Verhältnissen des Verurteilten richtet). Für größere Cannabis-Mengen muss man mit härteren Strafen rechnen, bis hin zu Gefängnisstrafen.

Darf man in der Schweiz Cannabis anbauen?

Das Schweizer Recht ist nachsichtig, wenn es um den Anbau von Cannabis geht. Der industrielle Hanfanbau wurde 1995 legalisiert, unterliegt aber der Regulation (bezüglich des THC-Gehalts).

Es ist legal, daheim Cannabis anzubauen. Allerdings sind nur bestimmte Sorten erlaubt (solche, die keine psychoaktive Wirkung zeigen) und die THC-Werte müssen unter einem Prozent  liegen. Aufgrund des niedrigen THC-Gehalts wird es in den Medien gerne als „Cannabis light“ bezeichnet. Trotz des niedrigen THC-Wertes werden diese Pflanzen für den Freizeitkonsum vermarktet. Dies sorgte in der Vergangenheit für einige Verwirrung, da Pflanzen mit hohem THC-Gehalt genauso aussehen und riechen wie Pflanzen mit niedrigem.

Ist CBD in der Schweiz legal?

CBD-Produkte, die weniger als ein Prozent THC enthalten, dürfen in der Schweiz legal verkauft werden, da sie nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. Das ist ungewöhnlich hoch – viele andere Länder in Europa begrenzen den THC-Gehalt auf höchstens 0,2 Prozent.

Das bedeutet aber nicht, dass der Verkauf von CBD-Öl komplett unreguliert ist. Alle CBD-Produkte müssen nach dem Gesetz kategorisiert werden und bestimmten Vorschriften entsprechen. Wenn ein CBD-Produkt beispielsweise als „Lebensmittel“ eingestuft wird, muss es den Sicherheitsrichtlinien des Bundesgesetzes entsprechen. Nichtsdestotrotz sind CBD-Produkte im Land weit verbreitet, in Supermärkten, Kiosken, Kaufhäusern und Fachgeschäften.

CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt von mehr als einem Prozent sind verschreibungspflichtig.

Darf man Cannabissamen in die Schweiz senden?

In den meisten Ländern Europas sind Cannabissamen legal. Die Schweiz bildet da keine Ausnahme, und es ist dementsprechend gesetzlich erlaubt, sich Samen an die eigene Adresse schicken zu lassen. Gemäß dem „Conkordat Latin sur la Culture et le Commerce du Chanvre“ von 2012 dürfen Einwohner von sieben Kantonen (darunter auch Genf und Basel) bis zu vier Hanfpflanzen aus Cannabissamen für den persönlichen Gebrauch anbauen.

Medizinisches Cannabis in der Schweiz

Der medizinische Konsum von Cannabis ist in der Schweiz legal. Der Kauf ist nur über ein Rezept möglich, das man von seinem Hausarzt bekommen kann. Zusätzlich müssen die Patienten eine Erlaubnis durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorweisen. Das einzige Produkt, das derzeit für medizinische Zwecke zugelassen ist, ist Sativex; dies wird aber nur bei Spastiken (zum Beispiel MS oder Querschnittslähmung) eingesetzt. Ausnahmen sind möglich, so kann ein Hausarzt etwa ein bestimmtes Präparat bei der BAG anfordern.

Die Ärzte müssen bei der BAG die Erlaubnis zur Ausstellung von Rezepten beantragen. Auch der Anbau zu medizinischen Zwecken ist erlaubt, sofern die betreffende Einrichtung über eine entsprechende Lizenz verfügt.

Die Lizenzerteilung ist möglich bei folgenden Krankheitszuständen:

Es ist grundsätzlich nicht einfach, medizinisches Cannabis zu bekommen, und es gibt keine offizielle Dokumentation, über die korrekte Anwendung und Behandlung. Infolgedessen gibt es in der Schweiz nur wenige hundert registrierte medizinische Cannabiskonsumenten.

Das könnte sich jedoch bald ändern. Die Schweizer Regierung plant größere Studien über medizinisches Cannabis und hat mittlerweile auch den hohen Marktwert des medizinischen Cannabis zu schätzen gelernt.

Industriehanf in der Schweiz

Industriehanf darf in der Schweiz legal angebaut werden. Wer Hanf anbauen will, muss eine gültige Lizenz erwerben. Man muss allerdings darauf vorbereitet sein, dass das Ernteprodukt strengen Tests unterzogen wird, um sicherzustellen, dass der THC-Wert ein Prozent oder weniger beträgt.

Die Hanfindustrie der Schweiz stärkt die Wirtschaftskraft des Landes. Der erwartete Umsatz mit Industriehanf im Jahr 2018 betrug 3,8 Millionen Euro.

Politische Parteien und Cannabis

Um die Legalisierung von Cannabis kreist schon seit vielen Jahren eine politischen Debatte in der Schweiz.

Im Jahr 2018 lehnte das Parlament den Antrag auf Zulassung von Cannabiskonsum in wissenschaftlichen Studien ab. Die Ablehnung basierte jedoch lediglich auf einer knappen Mehrheit von 96 zu 93 Stimmen.

Die Hauptopposition kam von der Schweizerischen Volkspartei, die für ihre rechte, konservative Haltung bekannt ist. Auch die Christdemokraten stimmten gegen die Idee. Beide Parteien sind der Ansicht, dass die Legalisierung von Cannabis in wissenschaftlichen Studien langfristig zu einer (von ihnen nicht erwünschten) Legalisierung des Freizeitkonsums führen würde.

Auch andere Parteien sprechen sich traditionell gegen die Legalisierung von Cannabis aus, wie etwa die Demokratische Bundesunion (eine weitere rechte Partei). Die Schweizerische Volkspartei hingegen hat vor Kurzem den potenziellen Wert von Cannabis für medizinische Zwecke anerkannt.

Sowohl die Sozialdemokratische Partei als auch die Liberalen sind für eine Lockerung der Gesetze bezüglich Cannabisbesitz und -verkauf.

Gut zu wissen

Wenn man in die Schweiz reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in der Schweiz

Basierend auf dem, was die Historiker über den Cannabisanbau in der Antike wissen, wird angenommen, dass die Menschen in der Schweiz seit Zehntausenden von Jahren Hanf kultivieren. Es ist unmöglich, dies mit Sicherheit zu sagen, da die entdeckten alten Hanffasern den Brennnesseln und dem Lein sehr ähnlich sehen.

Die Pollenkornanalyse bestätigt immerhin, dass vor bereits 6.500 Jahren Cannabis im Tiefland der Schweizer Alpen angebaut wurde. Im Mittelalter war die Schweiz ein Epizentrum des Hanfbusiness, ebenso wie Norditalien, Teile Frankreichs und Deutschlands.

Bis zur industriellen Revolution, wo die zur Verfügung stehenden Flächen eher für die Viehzucht genutzt wurden, war die Cannabisproduktion in der Schweiz weiterhin alltäglich. Das Betäubungsmittelgesetz von 1924 verbot dann die Produktion von Cannabis. Dennoch existiert in der Schweiz bis heute eine lebendige Industrie des Cannabisanbaus und -konsums, genau wie in vielen anderen Ländern Europas.

Das Bundesämter für Gesundheit, Polizei und Landwirtschaft hatten 1995 beschlossen, dass Cannabis ohne besondere Genehmigung angebaut werden darf, sofern es für nicht berauschende Zwecke bestimmt ist.

Der schwammige Wortlaut der Gesetzgebung öffnete jedoch ein Schlupfloch für die Anbaubetriebe von Rausch-Cannabis – er besagt, dass alle Cannabispflanzen, auch Hanf, THC enthalten. So konnten Cannabis-Grower in den Fängen der Polizei immer damit argumentieren, dass es sich bei ihrer Pflanzung um Hanf handele, der ausschließlich für nicht berauschende Zwecke bestimmt sei, selbst wenn zuvor eine signifikante Cannabinoidkonzentration festgestellt werden konnte. 

Schon einmal, etwa zur Jahrtausendwende, boomten im ganzen Land Cannabisläden. Die Ladenbesitzer glaubten, eine Gesetzeslücke entdeckt zu haben, die es ihnen ermöglichte, Cannabis als „Wellnessprodukt“ in Form von Duftsäckchen („Duftsäckli“) zu verkaufen. Das hielt jedoch nicht ewig an. Growland, das bekannteste Hanfunternehmen, musste seine Türen im Jahr 2009 aufgrund des wachsenden Drucks der Regierung schließen

Soziale Akzeptanz

Die Einstellung der Eidgenossen zum Thema Cannabis ist relativ liberal. Dies zeigt sich in der Präsenz von CBD-Produkten in zahlreichen Geschäften der Haupt-Einkaufsstraßen und in der wachsenden Popularität von Cannabis als Medizin. Tatsächlich trägt der Cannabisanbau maßgeblich zum Wohlergehen der Schweizer Wirtschaft bei – eine Tatsache, die der Staat wertschätzt.

Wie bereits erwähnt, geben 7,3 Prozent der 15- bis 64-jährigen Schweizer an, dass sie Cannabis konsumieren (oder in der Vergangenheit konsumiert haben). Dennoch ist die Schweiz nicht eines der Länder mit dem höchsten Cannabiskonsum in Europa. Eine aktuelle Studie ergab, dass die Schweiz weltweit auf Platz 24 rangiert; nur zwei Plätze vor Großbritannien, wo das Rauchen von Cannabis illegal ist. 

Welche CBD-Produkte sind in der Schweiz erhältlich?

Cannabis (mit THC-Werten unter einem Prozent) kann legal in den folgenden Formen verkauft werden:

  • Als Rohstoff (zum Beispiel die Blüten und Samen)
  • Als Arzneimittel
  • Als Lebensmittel
  • In der Kosmetik
  • Als „Gebrauchsartikel“
  • Als Tabak-Ersatz
  • Als Chemikalie

Alle Formen von CBD unterliegen der Gesetzgebung und es müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, damit die Produkte legal verkauft werden können.

Wie stehen die Chancen auf eine Legalisierung?

Obwohl der Freizeitkonsum von Cannabis entkriminalisiert wurde (für Mengen unter 10 Gramm), ist der Konsum nach dem Betäubungsmittelgesetz technisch gesehen noch immer illegal.

Das könnte sich aber bald ändern. Im Jahr 2018 hat die Schweizer Regierung den Vorschlag gemacht, einige Pilotstudien durchzuführen, um verschiedene Modelle der Regulierung zu testen. Die Regierung erklärte, dass die Studien „begrenzt und auf bestimmte Bereiche beschränkt sein werden“ und dass „auch die Teilnehmerzahlen begrenzt und Minderjährige zudem ausgeschlossen werden“.

Diese Entwicklung markiert einen klaren Wandel und deutet darauf hin, dass die Legalisierung in Zukunft eine reelle Chance hat.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

10 Kommentare zu „Cannabis in der Schweiz – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. Danke das ihr endlich ein statement dazu geschrieben habt.. und wie ist das ez mit dem Geld? Krieg ich meine 90fr. Wieder zurück für die beschlagnamten Hanfsamen??????!!

    Gruss
    Genervter Schweizer Bürger

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo Nelson,
      bitte nimm dazu Kontakt mit unserem Kundenservice auf.

      Gruss –
      Stefanie

  2. Nouvelle Bohème Stupide

    Interresant wäre eine Massensendung an zufällige Adressen, selbstverständlich mit legalen Faserhanfsamen 😉 , nur um die Postkontrolle ad absurdum zu führen und damit die Zollbeamten vor einen nicht zu bewältigenden Berg Arbeit zu stellen. Dann wenden die sich hoffentlich sinnvolleren Aufgaben zu.
    Falls jemand zu viel Geld und Langeweile hat darf er es gerne Ausprobieren.

  3. Nouvelle Bohème Stupide

    Kleine Randnotiz für die, die es noch nicht wissen:

    Die Schweiz hat nicht einen Präsidenten, sondern sieben Bundesräte.
    Sieben Esel am Schwanz zusammengeknotet und alle ziehen in eine andere Richtung.
    Da tut sich wenig. Und wenn sich was tut, nur langsam.
    So läuft das in Bern.

  4. Hanspeter Welschinger

    Hallo ,
    Hanf war auch in der Schweiz ein Kulturgut und total legal , bis die pseudoverteufelung aus Amerika über uns kam .
    Für Erwachsene normale Menschen stellt Hanf keinerlei Gefahren dar , im Gegensatz zu Alkohol und Zigaretten ! Oral zu sich genommen ist es ein reines Naturheilmittel .
    Die Legalisierung bedarf grosser Aufklärungsarbeit , auch Befürworter müssen klar Stellung beziehen und die Wichtigkeit der Kampagne muss auch in „einschlägigen Kreisen “ ausführlich diskutiert werden !
    viel Glück !

  5. nein, ehrlich erscheint mir nicht alles.es gibt in europa auch kleinbauern, welche grad nach kriegerischen konflikten hanf anbau(t)en.diesen als nicht geeignet zu bezeichnen ist meiner meinung nach falsch.ihr, die oft über euer wissen zur schmerzlinderung prahlt, kann ich nicht beistimmen.wenn es euch darum ginge, würdet ihr haschisch produzieren.ihr würdet vielleicht wissen, dass irgendwo auf der welt ehrliche haschischproduzenten von kriminellen verfolgt werden und von ihren und unseren regierungen weder ein lob noch unterstützung erhalten.

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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