Können Dating-Apps das Kiffer-Stigma brechen?

Dating-Apps Puffyapp ist eine neue Dating-App, die gelauncht wurde, um Kiffern dabei zu helfen, sich zu vernetzen und unter Umständen ihre Dope-Seelenverwandten zu treffen. Sie ist der jüngste Zuwachs einer regelrechten Flut von Cannabis-Dating-Apps, einschließlich HighThere!, 420 Singles und My 420 Mate, die für all jene Cannabis-Konsumenten entwickelt wurden, die aus ihrem stillen Kiffer-Kämmerlein ausbrechen und ihre Begeisterung fürs High-Werden teilen wollen. Können diese Apps vielleicht sogar auch das Kiffer-Stigma brechen?


Die Dating-Realität der Kiffer

Cannabis-Konsumenten begegnen sich auf zufälligste Arten und Weisen, wie beispielsweise beim Verlassen der Wohnung ihres Dealers, wo sie zufällig mit einem/-er attraktiven Mitkunden/-in ins Gespräch kommen – was allerdings so selten vorkommt, dass es eine äußerst schöne Überraschung darstellt, wenn es denn mal passiert. Festivals können auch gute Orte sein, um gleichgesinnten Freaks über den Weg zu laufen und Joints mit ihnen zu teilen. Solange das Event aber nicht bekanntermaßen ein Canna-Publikum anzieht, ist es auch hier reine Glückssache. Außerdem, seien wir ehrlich, sind Kiffer zwar ein sonderliches Völkchen, aber keineswegs alle gleich. Ganz im Gegenteil, denn aufgrund sehr unterschiedlicher Interessen und Konsumgewohnheiten sind Kiffer wahre Individualisten.

Wenn es jedoch um Dating geht, teilen Cannabis-Konsumenten einige interessante Eigenschaften, so eine aktuelle Studie der Online-Dating-Seite OKCupid. Sie befragte eine Million ihrer Nutzer, um die Zusammenhänge zwischen Cannabis, Dating, Liebe und Sex zu erforschen, und stießen auf einige interessante Trends. 65,4 Prozent der Befragten gaben an, dass sie es vorziehen würden, wenn ihre Partner nicht rauchen würden, aber es sei in Ordnung, wenn ein potenzieller Partner dies in der Vergangenheit getan hätte. Allerdings haben Cannabis-Raucher aller Arten – egal, ob ehemalige, aktive, gelegentliche oder regelmäßige – weitaus mehr Orgasmen als Nicht-Kiffer. 55 Prozent der regelmäßig Cannabis konsumierenden Frauen erreichen demnach ihren Höhepunkt leicht, verglichen mit weniger als 40 Prozent der Frauen, die nie geraucht haben. Ähnliche Trends galten auch für Männer.

Cannabis-Konsumenten sind auch aufgeschlossener für verschiedene Beziehungsformen. Während 43,1 Prozent der Konsumenten offen für die Liebe sind, wollen 42,2 Prozent nur Sex, verglichen mit 73,2 Prozent der Nicht-Kiffer, die ausschließlich an der wahren Liebe interessiert sind. So haben Cannabis-Konsumenten insgesamt mehr Interesse an Sex und kommen regelmäßiger zum Höhepunkt. Doch das ist noch nicht alles. Mehr als 80 Prozent der Cannabis-Konsumenten sind einer bisexuellen Beziehung gegenüber aufgeschlossen, wohingegen mehr als 45 Prozent der Nicht-Konsumenten es nicht sind. Wie sich herausstellt, spielt auch der Glaube eine große Rolle beim Cannabis-Konsum: mehr als 50 Prozent der Nicht-Konsumenten halten Religion für wichtig, während das auf nur 9,8 Prozent der regelmäßigen Cannabis-Konsumenten zutrifft. Mehr als 40 Prozent der Konsumenten haben überhaupt kein Interesse an Religion.

Dem Kiffer-Stigma die Stirn bieten

Foto eines jungen Mannes, der sich in eine Dating-App einloggt, die sich an Cannabiskonsumenten richtet. In der linken Hand hält er ein Handy, in der rechten Hand einen Vaporizer.

Basierend auf diesen Statistiken können wir davon ausgehen, dass eine beträchtliche Anzahl von Nicht-Konsumenten gesetzestreue Kirchgänger sind, während ihre kiffenden Gegenstücke regelrechte Schlampen sind – eine oberflächliche Verallgemeinerung, die Konsumenten tagtäglich zu spüren bekommen. Der umstrittene Rechtsstatus von Cannabis während der letzten 90 Jahre hat den Konsum stigmatisiert, die Konsumenten gezwungen, ihre Gewohnheiten geheim zu halten, und Millionen von Menschen zu Kriminellen gemacht.

In einer aktuellen Studie von Van der Pop stimmten 66 Prozent der weiblichen Cannabis-Konsumenten wenig überraschend zu, dass Cannabis-Konsum stigmatisiert ist. Infolgedessen werden viele dieser Frauen abgeschottet: 78 Prozent suchen nach Informationen über Cannabis und satte 62 Prozent haben keine vertrauenswürdige Quelle – das sind ganz schön viele Frauen, die nach einer Cannabis-Connection suchen. Bedenkt man die Dunkelziffer, sind es womöglich noch mehr.

Selbst in Kanada, dem bald ersten G7-Land der Welt, das Cannabis legalisiert, sind sowohl freizeitliche als auch medizinische Marihuana-Konsumenten zurückhaltend und ziehen es vor, ihren Konsum vor Arbeitskollegen zu verbergen. Patricia Erickson, Professorin für Soziologie an der University of Toronto, sagt, dass sich die Einstellung zum Cannabis-Konsum nicht „über Nacht ändern wird“. Sie gibt zu verstehen, dass ein Eintrag im Strafregister wegen Cannabis damit gleichzusetzen sei, „die eigene soziale Jungfräulichkeit zu verlieren“. Für Millionen von Afro-Amerikanern, die wegen Cannabis-Klagen eingesperrt wurden, ist die Lage noch viel ernster.

„Grüne Liebe“ verbreiten

Können Dating-Apps das Kiffer-Stigma brechen?

Es wird viel mehr als eine Legalisierung erfordern, um das Stigma des Cannabis-Konsums zu brechen. Man braucht ein Massenaufklärungsprogramm, das einen kulturellen Wandel herbeiführt. Dabei steht außer Frage, dass Apps wie die Puffyapp bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen werden. Aufgrund ihrer eher diskreten Natur sprechen Online-Dating-Apps sowohl diejenigen Kiffer an, die ihren Konsum geheim halten möchten, als auch die, die offen andere Kiffer kennenlernen und sich mit ihnen vernetzen wollen. Gibt es einen besseren Ort für Ladys auf der Suche nach einer Weed-Connection, als Cannabis-Dating-Apps?

Die Puffyapp lockt neue Benutzer mit starken Slogans wie „Connect Through Cannabis“ und „Puff Someone Near You“. Im Moment ist die App nur für iOS-Anwender in Amerika verfügbar, hat aber bereits 165.000 Nutzer und war Anfang des Jahres eine der beliebtesten Apps im App Store. Eine Android-Version ist in der Mache, die nach Markteinführung bis Ende des Jahres voraussichtlich die 200.000-Nutzer-Marke knacken wird.

Promotionsfoto für die Dating-App „High There!“, die sich an Cannabiskonsumenten richtet. Links ist das Logo zu sehen, rechts ein Mobiltelefon mit der App, die vom Layout her an die bekannte Dating-App Tinder erinnert.

Die Puffyapp ermöglicht es Benutzern, Fotos und Videos zum Thema Cannabis zu veröffentlichen, sodass alle Fotos, die nicht auf Facebook veröffentlicht werden können, endlich ein Zuhause finden. Facebook lässt die Finger allerdings keineswegs vom Cannabis-Kuchen. Sowohl HighThere! als auch 420 Singles bieten die Möglichkeit, sich mit einem Facebook-Account anzumelden und verwenden sogar das gleiche Profilbild. Das zeigt, dass nicht unbedingt jeder das Bedürfnis verspürt, seinen Cannabis-Konsum geheimzuhalten – eine Statistik über diese Personen wäre interessant…

Um mit jemandem auf Puffyapp ins Gespräch zu kommen, müssen sich beide Parteien zunächst verbinden, was die App von anderen Cannabis-Dating-Plattformen unterscheidet, auf denen jeder jeden auf der Website kontaktieren kann, sobald ein Account aktiv ist. Diese Funktion bietet nicht nur Spaß, sondern auch eine gewisse Sicherheit. Die Suchfunktion funktioniert ähnlich wie bei Tinder: Benutzer können Mitglieder ablehnen („pass“), bis sie jemanden finden, mit dem sie „puffen“ wollen, und wenn das Gegenüber interessiert ist, kann ein Gespräch beginnen. HighThere! funktioniert ähnlich, nur dass die Tasten mit „next“ und „connect“ versehen sind.

Zu früh für „Grüne Liebe“

Wir sind noch weit von dem Tag entfernt, an dem ein Spliff in der Öffentlichkeit so selbstverständlich angezündet werden kann, so wie man sich ein Glas Wein einschenkt. Momentan ist jedes Mittel recht, das dabei hilft, das auf Cannabis lastende Stigma zu brechen, auch Dating-Apps – auch wenn sie ihr eigenes Stigma mitbringen.

Eine aktuelle Umfrage des Technologieunternehmens ReportLinker ergab, dass 39 Prozent der Paare ihren Partner durch Freunde trafen, verglichen mit 8 Prozent, die sich durch Dating-Apps kennenlernten. Nur 19 Prozent der Singles in den USA nutzen eine Dating-Site. Obendrein haben 54 Prozent der Befragten eine negative Meinung über Online-Dating-Plattformen im Allgemeinen.

Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Kiffer weltweit bei rund 180 Millionen, aber die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich dreimal so hoch, wenn nicht sogar höher. Das sind viele Leute, die darauf warten, aus ihrem stillen Kiffer-Kämmerlein zu kommen und sich vielleicht sogar zu verlieben. Wenn die meisten Menschen sich immer noch auf Freunde verlassen, um neue Kontakte zu knüpfen, dann ist ein altmodisches persönliches Gespräch immer noch der beste Weg, jemanden kennenzulernen, bei dem der Funke überspringen kann. Was also tun? Sollten wir alle unsere Smartphones wegpacken, die Laptops ausschalten und mehr in der Wohnung unserer Dealer chillen?

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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