Wo |Nigeria

Hauptstadt |Abuja

Einwohner |182202000

Legaler Status |illegal

Medical Program |no

Cannabis in Nigeria

NIGERIA Als großes Küstenland in Westafrika hat die Bundesrepublik Nigeria 170 Millionen Einwohner und ist somit bei Weitem das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Außerdem ist Nigeria die bedeutendste Wirtschaftsmacht der Region und hat sich dadurch zu einem wichtigen Drehkreuz im internationalen Handelsdreieck entwickelt, das Südamerika mit Westafrika und Europa verbindet.


Geschichte des Cannabis in Nigeria

Im Vergleich zum Rest des Kontinents hat Cannabis Nigeria und andere Teile Westafrikas vermutlich relativ spät erreicht; man nimmt an, dass Soldaten und Seeleute, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kriegsgebieten in Nordafrika und dem Fernen Osten zurückkehrten, Cannabissamen mitgebracht haben. In jedem Fall ist Cannabis vor dem Krieg in keiner botanischen Abhandlung über das tropische Westafrika erwähnt worden, als die Nutzpflanzen der Region beschrieben wurden.

Der Hafen von Lagos - Sensi Seeds Blog
Der Hafen von Lagos ist heute zu einem der bedeutendsten Umschlagplätze für den Drogenhandel in Nigeria geworden.

Doch der Cannabiskonsum hat sich rasch eingebürgert, und so verbreitete sich der Anbau im Handumdrehen über das ganze Land. Schon die 1960er-Jahre läuteten eine neue Ära ein, als Cannabis nach mehreren Verhaftungen nigerianischer Staatsbürger im Ausland zu einem gesellschaftlichen Problem geworden war. Denn nun wurden auch Pflanzungen an verschiedenen Orten entdeckt, und Berichte über ein paar Fälle von psychischen Erkrankungen tauchten auf, die mit Cannabis in Verbindung gebracht wurden.

Der Cannabishandel in Nigeria

Heute wird Cannabis im ganzen Land angebaut, wobei die meisten Anbaugebiete in den Staaten Edo, Delta, Ekiti, Ondo, Osun, Ogun und Oyo im Südwesten liegen, dessen tropisches Küstenklima die Pflanzen wunderbar gedeihen lässt. Ein Großteil der Bevölkerung Nigerias ist nach wie vor stark von der Landwirtschaft abhängig, und Cannabis gilt als bevorzugtes Agrarprodukt, da es sich zu weit höheren Preisen verkaufen lässt als jedes andere Erzeugnis.

Cannabisanbau in Nigeria - Sensi Seeds Blog
In Nigeria konzentriert sich der Cannabisanbau auf unzugängliche Gebiete, wie zum Beispiel auf den Großteil des Staates Edo.

Schätzungen zufolge sind mehr als die Hälfte der Entwaldungsaktionen, die zwischen 2010 und 2012 in Nigeria stattfanden, auf Rodungen zum Zweck des Cannabisanbaus zurückzuführen. Dieser Verlust des Lebensraumes bedeutet eine zusätzliche Gefährdung der ohnedies schon vom Aussterben bedrohten Tierarten, inklusive der Unterart des nigerianisch-kamerunischen Schimpansen, der von allen Schimpansen-Populationen am meisten bedrohten Art.

Zurzeit kostet ein Cannabis-Joint in den meisten Städten rund 20 Naira (£ 0,08/€ 0,09), und er wird an diesen Orten oft auch in der Öffentlichkeit geraucht. In manchen Städten gibt es sogar Lokale im Stil der Coffeeshops, wo man Cannabis kaufen und konsumieren kann. Zwar ist Cannabis in Nigeria illegal, doch in geringfügigeren Fällen von Cannabisbesitz kann man die Polizei oft durch Bestechung dazu bringen, das Vergehen zu ignorieren. Auch in Regierungskreisen grassiert die Korruption, sodass der Cannabishandel ebenfalls häufig ignoriert wird.

Kultureller Gebrauch von Cannabis in Nigeria

Obwohl Cannabis erst vor ein paar Jahrzehnten in Nigeria eingeführt wurde, hat sich bereits eine Konsumkultur herausgebildet. Mehrere angesehene nigerianische Künstler, unter anderem der berühmte Musiker Fela Kuti, haben sich zum Cannabiskonsum bekannt, und auch jugendliche Konsumenten sind immer häufiger zu sehen, insbesondere in den Ballungsräumen. Schätzungsweise bis zu 22 % der Nigerianer rauchen regelmäßig Cannabis, wobei die meisten Drogenkonsumenten wahrscheinlich in der Gruppe der 15- bis 29-Jährigen zu finden sind.

Anders als in vielen Ländern Nord- und Südostafrikas gibt es in Nigeria weder eine spezielle Kultur des spirituellen oder religiösen Gebrauchs von Cannabis, noch wird er hier als volkstümliches Heilmittel verwendet – was zweifellos daran liegt, dass er erst seit relativ kurzer Zeit bekannt ist. Daher gibt es auch keine traditionellen Ausdrücke für Cannabis: Er wird im Allgemeinen als indischer Hanf bezeichnet, und auch die Lehnwörter aus der Yoruba- und Ibo-Sprache (igbo und nwonkaka) sind weitverbreitet.

Gesetze & Internationale Politik

Nigerias Cannabispolitik ist streng und wird rigoros durchgesetzt. Cannabis war eines der ersten illegalen Betäubungsmittel, die Nigeria kennengelernt hat, und obwohl er inzwischen durch den Handel mit Heroin und Kokain in den Hintergrund gedrängt wurde, wird er immer noch als ernstes Problem betrachtet.

Die für Drogenpolitik und deren Durchsetzung zuständige zentrale Behörde ist die National Drug Law Enforcement Agency (NDLEA = Nationale Behörde zur Durchsetzung des Drogengesetzes), die zur wirkungsvolleren Bekämpfung des Drogenhandels in Westafrika mit der US-Regierung und anderen regionalen Behörden zusammenarbeitet. So wurden von den USA gestiftete Ganzkörperscanner an den größeren internationalen Flughäfen eingesetzt, die sich bereits als sehr effektiv erwiesen haben.

Dennoch ist die Macht der Behörde begrenzt, da sie über unzureichende Mittel verfügt und deshalb nicht nur schlecht ausgerüstet ist, sondern auch unter Personalmangel leidet. In Nigeria gelten diverse nationale Drogengesetze, und darüber hinaus hat das Land das UN-Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961 sowie das UN-Abkommen über Psychotrope Substanzen von 1988 unterzeichnet.

Doch Nigerias Bemühungen zur Eindämmung des illegalen Handels werden durch anhaltende Vorwürfe erschwert, dass korrupte Regierungsbeamte in den Cannabishandel verstrickt seien. Die globale Staatengemeinschaft ist ohnedies der Auffassung, dass das Land nicht genug unternimmt, um internationalen gesetzlichen Standards gerecht zu werden.

Verhaftungen & Strafen wegen Cannabis

Ahmadu Giade - Sensi Seeds Blog
Ahmadu Giade, Präsident der NDLEA Nigerias, hatte in einem im letzten Jahr gegebenen Interview den Cannabiskonsum in eine Reihe mit Verbrechen wie Vergewaltigung und Mord gestellt.

In Nigeria gelten strenge Strafen für Cannabisbesitz, -anbau und -handel. In den schwerwiegendsten Fällen von Cannabishandel droht eine lebenslange Haftstrafe, und bei Handel, Import und Verkauf der Droge kann grundsätzlich eine Gefängnisstrafe von mindestens 21 Jahren verhängt werden. Bis 1992 konnten schwere Fälle von Cannabishandel sogar mit dem Tod bestraft werden. Der Besitz kann nominell mit mindestens vier Jahren Gefängnis bestraft werden, allerdings kommt bei Besitzvergehen wegen der weitverbreiteten Korruption selten ein Gerichtsverfahren zustande.

2012 wurden 8.052 Personen wegen Drogenvergehen verhaftet; von den 2.827.862 Verhaftungen aufgrund von Drogenvergehen bezogen sich in der Zeit von 1990 bis 2009 2.794.733 auf Cannabis. 2008 war ein bemerkenswertes Jahr in Bezug auf Verhaftungen wegen Cannabis: Allein in diesem Jahr wurden 335.534 Personen festgenommen.

Im Jahr 2011 begann die NDLEA, nächtliche Streifenfahrten auf den Hauptstraßen des Staates Osun durchzuführen, in einem Versuch, die abgedeckten Lastwagen abzufangen, die oftmals in der Dunkelheit zum Transport von Cannabis verwendet werden. 2011 wurden 918 Hektar Cannabis vernichtet; 2012 waren es 1.404,27 Hektar – allein im Staat Ekiti 764 Hektar – und über 233 t Cannabis wurden beschlagnahmt.

2013 hat die NDLEA bislang 102 Tonnen (t) Cannabis vernichtet. Im April 2013 erklärte ein Sprecher der NDLEA, dass 60 % der nigerianischen Cannabishändler aus dem Land vertrieben worden seien.

Heutiger Umgang mit Cannabis in Nigeria

In einem im April 2012 gegebenen Zeitungsinterview stellte der Präsident der NDLEA, Ahmadu Giade, den Cannabiskonsum in eine Reihe mit Verbrechen wie Vergewaltigung, Mord, bewaffneter Raub und Bandenüberfälle. Die unnachgiebige Haltung, die die Behörden im Allgemeinen Cannabis und anderen illegalen Drogen gegenüber zeigen, ist Umfragen zufolge bei der Mehrheit der Bürger nicht populär; diese befürworten Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Informationskampagnen über zunehmende Sanktionen.

Es ist außerordentlich wichtig, die Geschichte und den gegenwärtigen Stand des anhaltenden Drogenkriegs in allen Ländern zu dokumentieren, in denen er abläuft — aus diesem Grund kommt Einrichtungen wie dem Hash Marijuana & Hemp Museum in Amsterdam eine entscheidende Bedeutung zu. Denn sie unternehmen den Versuch, Informationen aus verschiedenen glaubhaften Quellen zu sammeln, um auf diese Weise ein möglichst genaues, aktuelles und unverfälschtes Bild der aktuellen Situation in der Welt zu vermitteln.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.

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