Cannabis in Nigeria – Gesetze, Konsum und Geschichte

Die nigerianischen Cannabisgesetze sind streng. Daher gibt es keine offizielle Hanfindustrie, obwohl die Pflanze landesweit angebaut wird. Politiker haben das Gewinnpotential von Cannabis erkannt, aber bis jetzt hat sich nichts geändert. Trotz dieser Gesetze konsumieren über 10 % der Erwachsenen regelmäßig Cannabis.

    • Hauptstadt
    • Abuja
    • Einwohner
    • 206,153,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabisgesetze in Nigeria

Darf man in Nigeria Cannabis besitzen und konsumieren?

In Nigeria ist es gemäß dem Drogengesetz illegal, Cannabis zu besitzen oder zu konsumieren. Dieses Gesetz führt sogenannten „Indischen Hanf“ als gefährliche Droge auf und legt fest, dass mit dem Begriff „alle Pflanzen oder Teile der Pflanze der Gattung Cannabis“ bezeichnet werden.

Das Indischer-Hanf-Gesetz führt die Situation genauer aus: Der Besitz der Substanz ist eine Straftat, die mit „Freiheitsentzug von mindestens vier Jahren“ bestraft werden kann. Ist der Täter jedoch siebzehn Jahre oder jünger, wird die Strafe auf 21 Stockschläge zuzüglich zwei Jahre in einem Erziehungsheim oder einer ähnlichen Institution oder auf eine Geldstrafe von 200 Naira angepasst.

Einzelpersonen können auch wegen des Besitzes von Geräten angeklagt werden, die mit dem Konsum von Cannabis in Verbindung stehen (z. B. eine Pfeife). Wenn sie überführt werden, können sie zu mindestens fünf Jahren Haft verurteilt werden.

Fälle von Besitz und Konsum kommen jedoch aufgrund der weit verbreiteten Korruption nur selten vor Gericht. Tatsächlich ist der Cannabiskonsum trotz des strengen Gesetzes weit verbreitet. Ein Bericht in The Telegraph stellte fest, dass das Land beim Cannabiskonsum weltweit an dritter Stelle steht, gemessen an der Anzahl der Menschen, die Cannabis konsumieren.

Beweislast der Unkenntnis

Das nigerianische Gesetz sagt außerdem aus, dass eine Person, die in Unkenntnis darüber war, dass sie sich im Besitz von Cannabis befand (beispielsweise, wenn es in ihren Räumlichkeiten gefunden wurde und sie davon nichts wusste), die Beweislast für die Unkenntnis trägt. Sie hat keine andere Möglichkeit, als ihre Unschuld zu beweisen.

Drogenbekämpfung

Die oberste Behörde für Drogenpolitik und -bekämpfung ist die NDLEA (Nationale Behörde für die Durchsetzung von Drogengesetzen). Diese Behörde arbeitet mit der US-Regierung und regionalen Behörden zusammen, um Drogenprobleme in Westafrika anzugehen. Ihr Einfluss ist aufgrund mangelnder Finanzierung jedoch begrenzt.

Zusätzlich zu den eigenen Gesetzen hat Nigeria außerdem das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961 und die UN-Konvention über psychotrope Substanzen von 1988 unterzeichnet.

Darf man in Nigeria Cannabis verkaufen?

Gemäß dem Indischen-Hanf-Gesetz macht sich jeder, der Cannabis einführt oder verkauft, „strafbar“. Wer überführt wird, kann zu einer Freiheitsstrafe von „mindestens 21 Jahren“ verurteilt werden. Ebenso kann jeder Täter, der beim Export der Substanz aus Nigeria überführt wird, zu einer 21-jährigen Haftstrafe verurteilt werden.

Auch wenn dies als ein hartes Urteil erscheint, muss man berücksichtigen, dass bis 1975 Personen, die wegen Cannabishandel überführt wurden, zum Tode verurteilt wurden.

Darf man Cannabis in Nigeria anbauen?

Das Anpflanzen oder Anbauen von Cannabis in Nigeria wird als schwerwiegende Straftat angesehen. Das Indische-Hanf-Gesetz besagt, dass „jede Person, die wissentlich eine Pflanze der Gattung Cannabis anpflanzt oder anbaut, (…) entweder zum Tode oder zu einer Freiheitsstrafe von mindestens 21 Jahren verurteilt wird“.

Trotzdem wird im ganzen Land Cannabis angebaut. Es ist ein beliebtes Anbauprodukt für Landwirte, da damit einen viel größerer Gewinn als mit anderen Pflanzen erzielt werden kann. Die meisten Anbaugebiete befinden sich in den Bundesstaaten Edo, Ekiti, Delta, Ondo, Osun, Ogun und Oyo. Das tropische Klima bietet hier ideale Bedingungen für das Gedeihen der Pflanzen.

Ist CBD in Nigeria legal?

Das Gesetz besagt, dass der Kauf, Verkauf und Konsum von jeglichen „Teilen der Pflanze der Gattung Cannabis“ illegal ist. Dies schließt CBD ein, obwohl CBD nicht genug THC enthält, um davon „high“ zu werden.

Darf man Hanfsamen nach Nigeria senden?

Da Hanfsamen als „Teil der Pflanze der Gattung Cannabis“ gelten, sind auch diese in Nigeria illegal. Sie können nicht per Post in das Land oder aus dem Land versandt werden.

Medizinisches Cannabis in Nigeria

Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen dem Freizeitkonsum und dem medizinischen Gebrauch von Cannabis, und beide werden als illegale Aktivitäten angesehen. In Wirklichkeit ist die Situation jedoch nicht annähernd so eindeutig.

Laut The Guardian (Nigeria) verschreiben einige Ärzte (die es vorziehen, anonym zu bleiben) ihren Patienten Cannabis. Forscher stellten fest, dass sich viele Onkologen im Land nicht ausreichend über Cannabis informiert fühlen, viele jedoch häufig in der Klinik darüber diskutieren, und fast die Hälfte empfiehlt es Patienten, die sie behandeln.

Trotz eines Versuchs 2019 ein medizinisches Cannabisprogramm einzurichten, wie vom Gouverneur von Ondo, Rotimi Akeredolu, angekündigt, benötigt eine Person oder ein Unternehmen für den Anbau und die Herstellung von medizinischem Cannabisöl und -blüten eine Lizenz oder Genehmigung der nigerianische NDLEA.

Industriehanf in Nigeria

Derzeit ist der Anbau von Industriehanf in Nigeria illegal. Experten in der Branche und auch Politiker und Spezialisten für erneuerbare Energien weisen jedoch auf die Probleme hin, zu denen eine Vernichtung von Hanf im Land führen würde.

Viele stellen das wirtschaftliche Potential der Pflanze und ihre vielfältigen Verwendungszwecke heraus, wie die Herstellung von Stoff, Seilen oder Papier. Professor Oluwadare Olufemi von der Fakultät für Forstwirtschaft (Universität von Ibadan) erklärte gegenüber The Punch: „Cannabis ist eine sehr gute Faser für die Papierherstellung, aber aufgrund des Missbrauchs der Pflanze wird der kommerzielle Anbau hier in Nigeria nicht gefördert.“

Er fügte hinzu: „Mit den derzeitigen Kosten für Zellstoff auf dem Weltmarkt würde Nigeria viel verdienen. Wenn wir es ganzheitlich betrachten, ist eine Tonne (1.000 Kilogramm) Cannabispulpe auf dem Weltmarkt bis zu 500 US-Dollar wert. Wir haben die Ressourcen, um Nigeria zu einem Nettoexporteur von Zellstoff zu machen (…). Wenn die nigerianische Papierindustrie gut entwickelt wäre, könnte sie mit dem Öl- und Gassektor konkurrieren. Es könnten mehr als 500.000 Arbeitsstellen geschaffen werden.”

Politik und Cannabis in Nigeria

Während einige Parteien in Nigeria gegen Cannabiskonsum sind, plädieren andere offen für eine Änderung der geltenden Cannabisgesetze.

Im Jahr 2018 erklärte der Präsidentschaftskandidat Omoyele Sowore, dass er Nigeria zu einem wichtigen Cannabis-Exportland machen würde, wenn er in das Amt gewählt würde. Er erklärte: „Menschen verdienen Milliarden mit dieser in Nigeria sehr potenten Pflanze. Darauf sollten wir uns konzentrieren (…), anstatt Menschen, die „Gras“ anbauen, zu verfolgen. (Wir sollten) unsere Politiker verfolgen, die zu Hause Kokain rauchen. “

Auch der ehemalige Präsident Olusegun Obasanjo rief dazu auf, den Cannabiskonsum zu entkriminalisieren. In einen Interview mit BBC Newsday sagte er: „Ich war als politischer Gefangener im Gefängnis und hatte mit vielen dieser Leute Kontakt. Einige von ihnen wurden mit nichts weiter als einem Joint überführt und kamen ins Gefängnis. Aus dem Gefängnis entlassen wurden sie härter und hartgesottenere Kriminelle, als sie es vorher waren.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Nigeria reisen (oder gegenwärtig dort leben), sind folgende Informationen interessant für Sie:

  • Cannabis ist die am häufigsten konsumierte Droge im Land. Im Jahr 2018 ergab eine Studie, dass 10,8 % der erwachsenen Bevölkerung Nigerias es im letzten Jahr konsumiert hatten.
  • Es wird viel häufiger von Männern als von Frauen konsumiert. Laut Statistik war der Verbrauch bei Männern siebenmal höher.
  • Der durchschnittliche Konsument in Nigeria gibt 363 Naira pro Tag für Cannabis aus, was ungefähr 1,15 US-Dollar entspricht. Dies erscheint zwar wenig, entspricht jedoch 2 % des monatlichen Mindestlohns eines Vollzeitbeschäftigten im Land.

Die Geschichte von Cannabis

Es wird vermutet, dass Cannabis ziemlich spät nach Nigeria gekommen ist, insbesondere im Vergleich zum Rest des Kontinents. In vielen anderen Ländern Afrikas wurde es bereits sein Jahrhunderten konsumiert.

Historiker glauben, dass Cannabis mit Soldaten und Seefahrern ins Land kam, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kriegsgebieten in Nordafrika und Fernost zurückkehrten. Es scheint keine Beweise dafür zu geben, dass es früher in Nigeria verwendet wurde.

Nach seiner Einführung in den 1940er Jahren verbreitete sich der Cannabisanbau rasch. Der Konsum der Substanz wurde derart verbreitet, dass die Behörden beschlossen, Maßnahmen zu ergreifen. Seitdem führt Nigeria einen weitgehend erfolglosen Krieg gegen Cannabis. Landwirte bauen es im ganzen Land an, obwohl sie mit strengen Strafen rechnen müssen, wenn sie überführt werden.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Kulturen gibt es keine traditionellen oder religiösen Praktiken im Zusammenhang mit Cannabis. Für die Menschen in Nigeria ist es eine relativ neue Substanz. Trotzdem hat sich eine blühende Kultur um die Pflanze entwickelt. Die Gesetze sind streng, halten die Menschen aber nicht vom täglichen Konsum ab.

Verschiedene nigerianische Musiker (wie Fela Kuti) unterstützen offen den Cannabiskonsum. Cannabis wird vor allem in städtischen Gebieten von jungen Erwachsenen konsumiert. Die Pflanze hat eine Vielzahl von Namen, darunter Indian Hemp, Igbo und Nwonkaka.

„Samuel“, ein Befürworter von Cannabis, der sich selbst als‚ „Weed-Connoisseur“ bezeichnet, sagte in einem Interview mit Pulse: „Jeder kennt jemanden, der Marihuana raucht, und die Konsumenten reichen von Ärzten über Anwälte, Händler, Studenten bis hin zu Künstlern und im Grunde genommen jedem, der daran interessiert ist, einen Punkt in seinem Geist zu erreichen, von dem er nicht wusste, dass er existiert.“

Er betont, dass Menschen aus allen Schichten Cannabis konsumieren und dass die Weed-Community sich jedes Jahr „exponentiell vergrößert“.

Diese positive Meinung wird jedoch nicht von allen geteilt. Zum Beispiel verband NDLEA-Vorsitzender Ahmadu Giade 2012 Cannabis mit Straftaten wie bewaffnetem Raubüberfall, Vergewaltigung und Mord.

Hat Nigeria ein Cannabis-Problem?

Obwohl die Gesetze in Bezug auf den Verkauf und den Anbau von Cannabis streng sind, konzentrieren sich die Behörden eher auf andere Drogen wie Heroin. Razzien auf Cannabisplantagen kommen vor, aber die potenziellen Gewinne aus dem Cannabisanbau sind den Landwirten tendenziell das Risiko wert.

Dieser weit verbreitete Anbau ist jedoch umweltproblematisch. Es wird davon ausgegangen, dass mehr als die Hälfte der Entwaldungsaktivitäten in Nigeria in den Jahren 2010 und 2012 darauf abzielte, das Land für Cannabisplantagen zu roden. Dies hatte verheerende Auswirkungen auf einige der bereits bedrohten Arten in Nigeria, einschließlich der Nigeria-Kamerun-Schimpansen.

Korruption ist ebenfalls ein ernstzunehmendes Problem. Die Polizei scheint offen für Bestechung zu sein, und schwerwiegendere Korruption auf Regierungsebene bedeutet, dass einige wichtige Fälle von Drogenhandel ignoriert werden. Dies bedeutet, dass Kartelle ein Monopol auf dem Schwarzmarkt aufbauen und eine Vielzahl von Problemen verursachen, wie zum Beispiel mangelnde Qualitätskontrolle und zunehmende Gewalt.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

In anderen afrikanischen Ländern wurde Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert, es ist daher wahrscheinlich, dass Nigeria irgendwann dasselbe tut. Ebenso ist es möglich, dass sie den Industriehanfmarkt neu beleben, um ihre Wirtschaft anzukurbeln.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Regierung den Freizeitkonsum in naher Zukunft entkriminalisiert.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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