David Nutt wurde 2013 mit dem John Maddox-Preis ausgezeichnet

Cannabisaktivismusszene David Nutt ist sowohl in der Drogenpräventions- als auch in der Cannabisaktivismusszene wohlbekannt. Unter anderem ist er ein herausragender Neuropsychopharmakologe aus Großbritannien, der sein Leben der Erforschung der Drogen gewidmet hat. Genauer gesagt: Er erforscht schwerpunktmäßig deren Wirkung auf das Gehirn und untersucht außerdem, wie sie möglicherweise die Symptome von Depressionen und Drogensucht lindern können.


Nach einem langwierigen und mühseligen Kampf mit der Obrigkeit ist Professor David Nutt nun doch der diesjährige Gewinner des John Maddox-Preises für den Einsatz für die Wissenschaft.

Die Geschichte eines unbeugsamen Wahrheitssuchers

Ab 1978 konzentrierte sich David Nutt auf das Studium der Drogen und deren Einfluss auf den menschlichen Organismus, wobei er illegale Substanzen ebenso wie rezeptpflichtige Medikamente erforschte, um zu beweisen, dass einige der von der Regierung als illegal erachteten Substanzen für medizinische Zwecke eingesetzt werden könnten. Dagegen stellte er fest, dass sich einige der erlaubten Stoffe als auffallend schädlich für die Gesundheit der Patienten erwiesen, die sie verwendeten.

Im Jahr 2007 veröffentlichte er einen Forschungsbericht der viele Kontroversen auslöste. Durch eben diesen Artikel wurde David Nutt zwei Jahre später unerwartet berühmt, als er von der Regierung Großbritanniens seines Amtes als einer ihrer offiziellen Drogenberater enthoben wurde, nur weil er den Artikel geschrieben hatte. Die Studie, die noch heute in verschiedenen Veröffentlichungen über die Gesundheitsschäden durch Cannabis und andere Drogen zitiert wird, schlussfolgerte, dass Cannabis (ebenso wie LSD und Ecstasy) weniger schädlich als Alkohol oder Tabak sei, und zwar sowohl für den einzelnen Konsumenten als auch für die Gesellschaft insgesamt.

Die Ergebnisse der Studie diskreditierten die damalige Drogenpolitik der Regierung, indem sie bewiesen, dass deren Richtlinien durch politische Interessen statt durch wissenschaftliche Fakten motiviert waren. Nun wurde die Öffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam, was zu vielen negativen Reaktionen von Regierungsvertretern und auch zu Meinungsverschiedenheiten mit anderen Mitgliedern der wissenschaftlichen Gemeinschaft führte.

Karriereknick eines Wissenschaftlers

Dennoch verbreitete David Nutt seine Botschaft weiterhin durch Konferenzen und Artikel sowie mithilfe seiner Position bei der britischen Regierung. Tatsächlich wurde Nutt 2008 zum Vorsitzenden des ACMD ernannt (Advisory Council for the Misuse of Drugs = Sachverständigenrat für Drogenmissbrauch), und gleichzeitig setzte er seine Forschungsarbeit und seine Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit fort. Er kam immer wieder auf die Neuklassifizierung der Substanzen zu sprechen, deren weitgehende Harmlosigkeit er zuvor nachgewiesen hatte, womit er häufig wütende Reaktionen bei den Ministern auslöste.
Im Jahr 2009 gab er schließlich ein Pamphlet heraus, in dem er die Resultate seiner Studien aus dem Jahr 2007 mit Ergebnissen neuerer Studien verknüpfte und seine Forderung zur Neuklassifizierung vieler Substanzen wiederholte. Er definierte Cannabis als eine Droge der Klasse C (der harmloseste Drogentyp), Alkohol und Tabak dagegen als Klasse B-Drogen.
Er definierte Cannabis als eine Droge der Klasse C (der harmloseste Drogentyp), Alkohol und Tabak dagegen als Klasse B-Drogen. Die Regierung Großbritanniens reagierte umgehend auf die Entscheidung des Wissenschaftlers: Schon am Tag nach der Publikation des Pamphlets wurde David Nutt vom damaligen Innenminister, Alan Johnson, gebeten, von seinem Amt als Leiter der Drogenberatung und Vorsitzender des ACMD zurückzutreten.

Glücklicherweise hatte dieser Vorfall nicht nur negative Konsequenzen. Denn nach der Entlassung von David Nutt traten eine Reihe von Wissenschaftskollegen und Experten für Drogenpolitik aus dem ACMD aus und gründeten den Independent Scientific Committee on Drugs = Unabhängigen Wissenschaftsausschuss für Drogen , eine unabhängige Organisation mit dem Ziel, “sicherzustellen, dass die Öffentlichkeit Zugang zu eindeutigen, auf Beweisen basierenden Informationen über Drogen erhält, ohne Beeinflussung dieser Informationen durch politische oder kommerzielle Interessen.”

Seither propagiert David Nutt unablässig die wissenschaftlichen Fakten, die diese berüchtigte Kontroverse ausgelöst haben.  Zudem erforscht er weiterhin die möglichen medizinischen Anwendungen illegaler Substanzen und verbreitet die Ergebnisse, nicht nur durch den oben erwähnten Drogenausschuss, sondern auch in zahlreichen Publikationen – und natürlich am Imperial College London, wo er einen Lehrstuhl als Edmond J. Safra-Professor für Neuropsychopharmakologie innehat.

Eine weitere, durchaus positive Konsequenz von Dr. Nutts Entlassung aus dem ACMD war die Ausarbeitung der Principles of Scientific Advice to Government = Prinzipien der Wissenschaftlichen Beratung der Regierung . Diese sollen “Regeln für die Vereinbarungen zwischen der Regierung und denjenigen Experten festlegen, die der Regierung unabhängige wissenschaftliche und technische Empfehlungen geben,” und die Bedeutung der wissenschaftlichen, nicht durch politische Überzeugungen beeinträchtigten Quellen unterstreichen. Heute sind die Prinzipien Bestandteil der Richtlinien des britischen Wissenschaftsministeriums, und es bleibt zu hoffen, dass sie zu einem der Stützpfeiler werden, die letztlich zu besseren Drogengesetzen in Großbritannien führen.

Der John Maddox-Preis bestätigt David Nutts Lebenswerk

Erst jetzt erhält David Nutt endlich die verdiente Anerkennung für die unglaubliche Leistung, die er viele Jahre lang für sein Land und für die ganze Welt erbracht hat.
Daher kommt die Nachricht, dass David Nutt den John Maddox-Preis 2013 für den Einsatz für die Wissenschaft gewonnen hat, für die Cannabis-Community und die Befürworter der alternativen Medizin keineswegs überraschend. In der Tat wird David Nutts Kampf durch das allgemeine Ziel dieser Auszeichnung perfekt beschrieben:

“Der John Maddox-Preis für den Einsatz für die Wissenschaft ehrt eine Person, die fundierte wissenschaftliche Beweise in einem Bereich gefördert hat, der im Interesse des Gemeinwohls liegt. Ausgezeichnet werden insbesondere solche Personen, die bei ihrer Arbeit mit Problemen oder Anfeindungen konfrontiert wurden.”

Sensi Seeds nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass ein so hervorragender, unabhängiger Denker und an Tatsachen orientierter Geist nun für seine Leistungen und Mühen belohnt wird, und wünscht sich nach wie vor, dass man eines Tages in Großbritannien und im Rest der Welt zu einer sinnvolleren Drogenpolitik übergehen wird.

Kommentar Abschnitt

Haben Sie eine Meinung dazu? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
Read More