by Seshata on 05/02/2015 | Konsum

Warum löst Cannabis bei mir einen trockenen Mund aus?

Trockener Mund Jeder Cannabis-Nutzer kennt bestimmt das klebrige, trockene, zähe Gefühl im Mund, das sich nach dem Rauchen von Cannabis einstellt. Dieses Gefühl stellt sich so regelmäßig ein, dass kaum einmal die Frage gestellt wird, welcher Mechanismus hinter diesem seltsamen Phänomen steckt - abgesehen von einigen Forschern, die zu wissen glauben, worum es sich dabei handelt.


Jeder Cannabis-Nutzer kennt bestimmt das klebrige, trockene, zähe Gefühl im Mund, das sich nach dem Rauchen von Cannabis einstellt. Dieses Gefühl stellt sich so regelmäßig ein, dass kaum einmal die Frage gestellt wird, welcher Mechanismus hinter diesem seltsamen Phänomen steckt – abgesehen von einigen Forschern, die zu wissen glauben, worum es sich dabei handelt.

Warum löst Cannabis bei mir einen trockenen Mund aus?

Wie entsteht Speichel?

Zunächst sollten wir einen kurzen Blick auf die Entstehung von Speichel werfen. Es ist offenbar so, dass die Entstehung von Speichel ein Ablauf ist, der aus zwei Schritten besteht: Zuerst sondern spezialisierte, als Azinuszellen bezeichnete Zellen eine Flüssigkeit ab, die von ihrer Zusammensetzung her mit Plasma vergleichbar ist. Danach passiert diese Flüssigkeit auf dem Weg in die Mundhöhle dann die Speichelleiter, wobei Natrium und Chlorid aus ihr entfernt und Kalium und Bikarbonat hinzugefügt werden, sodass eine hypotonische Lösung entsteht, die schließlich in den Mund abgegeben wird.

Die Entstehung von Speichel wird über das parasympathische Nervensystem gesteuert, das die Aktivierung der Rezeptoren an den Speicheldrüsen über Impulse des Chorda tympani-Nervs bewirkt. Dieser wichtige Nerv reicht auch in die Geschmackszellen, bevor er durch das Ganglion submandibulare (den Nervencluster der submandibulären Drüsen) und ins Gehirn führt. Der Chorda tympani-Nerv setzt einen Stoff namens Acetylcholin frei, der einer der wichtigsten den Speichelfluss stimulierenden Stoffe im Körper ist und direkt auf die Rezeptoren der submandibulären Drüsen wirkt.

Ein weiterer, an der Speichelentstehung beteiligter wichtiger Stoff ist unter dem Namen Norepinephrin bekannt. Dieser Stoff wird von den präganglionären Nerven freigesetzt, die oberhalb des Ganglions submandibulare liegen. Er wirkt direkt auf die Myoepithelialzellen, die die Azinuszellen umgeben, indem er sie zu einer Kontraktion anregt, was dann zur Absonderung des Speichels führt.

Cannabis kann die Speichelproduktion verringern, was zu einem sehr trockenen, unangenehmen Gefühl im Mund führt (© Kate Tegtmeyer)
Cannabis kann die Speichelproduktion verringern, was zu einem sehr trockenen, unangenehmen Gefühl im Mund führt (© Kate Tegtmeyer)

CB-Rezeptoren in den Speicheldrüsen

In mehreren Studien wurde darauf hingewiesen, dass Cannabis einen trockenen Mund verursacht. 1986 hatte eine Studie über die Wirkungen von Cannabidiol (CBD) erstmals festgestellt, dass zu den Nebenwirkungen bei oraler Verabreichung von CBD auch ein trockener Mund zählt; seit dieser Zeit ist die cannabinoid-induzierte Mundtrockenheit auch bei mehreren weiteren Studien beobachtet worden. In der Wissenschaft wird die Mundtrockenheit auch als Xerostomie bezeichnet.

Die bis heute wohl am meisten in die Tiefe gehende Studie zur cannabis-induzierten Xerostomie wurde 2006 von Forschern an der Universität Buenos Aires (Argentinien) durchgeführt. Die Forscher fanden heraus, dass Cannabinoidrezeptoren der Typen 1 und 2 in den submandibulären Drüsen vorkommen, die unterhalb des Mundbodens liegen und für die Produktion von 60 bis 67 % des Speichels verantwortlich sind.

Die Forscher fanden heraus, dass der Endocannabinoid-Agonist Anandamid (AEA) mit hoher Affinität an die glandulären Cannabinoidrezeptoren andockt und so die Wirkung der die Speichelproduktion auslösenden Stoffe Norepinephrin und Methacholin blockiert, was zu einem Rückgang der Speichelproduktion führt. Wie oben ausgeführt, gehören diese die Speichelproduktion auslösenden Stoffe zur normalen Funktion des parasympathischen Nervensystems, das für verschiedene metabolische Prozesse im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme, dem Appetit und der Vorfreude auf das Essen verantwortlich ist. Auch THC ist ein Agonist der CB-Rezeptoren und beeinflusst die Rezeptoren der submandibulären Drüsen wahrscheinlich in ähnlicher Weise.

Die fundamentale Bedeutung des Endocannabinoidsystems

Interessanterweise hat die in Buenos Aires durchgeführte Studie auch ergeben, dass die Funktion des Endocannabinoidsystems nicht darauf beschränkt ist, Signale an den submandibulären Drüsen selbst zu blockieren. Die über den Chorda tympani-Nerv ausgelösten Nervenimpulse entstehen im Gehirn, und die Forscher stellten die These auf, dass die intravenöse Verabreichung von Cannabinoiden über die Oberschenkelvene deren primären Effekt an den submandibulären Drüsen auslöste, aber auch die Cannabinoidrezeptoren im Gehirn selbst beeinflusste, und dass wohl ein Mechanismus des zentralen Nervensystems die Steuerung der Speichelproduktion auf der Ebene der Drüsen unterstützt.

Der Umstand, dass das Endocannabinoidsystem in so fundamentaler Weise in die Verhinderung der Speichelabsonderung eingebunden ist, legt den Schluss nahe, dass es auch bei der Auslösung der Speichelproduktion eine Rolle spielt. Wenn ein Agonist oder ein Antagonist der Cannabinoidrezeptoren die Speichelabsonderung blockiert, ist es wahrscheinlich, dass ein inverser Agonist wie das synthetische Cannabinoid AM-251 einen umgekehrten Effekt und damit einen Anstieg der Speichelproduktion bewirkt. In der Tat hat die 2006 durchgeführte Studie auch gezeigt, dass das Vorhandensein von AM-251 die Wirkung von AEA teilweise aufhob (wobei allerdings keine Einigkeit darüber besteht, ob AM-251 ein Antagonist oder ein inverser Agonist ist).

Was Sie bei Mundtrockenheit tun können

Ein orales Benetzungsmittel wie eine Lutschtablette kann bei der Linderung des Gefühls der Mundtrockenheit helfen (© Mr. Greenjeans)
Ein orales Benetzungsmittel wie eine Lutschtablette kann bei der Linderung des Gefühls der Mundtrockenheit helfen (© Mr. Greenjeans)

Nach dem Cannabiskonsum kommt es extrem häufig vor, dass Mund und Kehle sich trocken anfühlen, und oftmals genügen schon kleine Mengen Cannabis, um diesen Effekt hervorzurufen. Doch bei einem starken Konsum kann der Effekt des trockenen Mundes äußerst belastend werden und nicht selten ein solches Ausmaß annehmen, dass selbst das Trinken von Wasser oder einem anderen Getränk kaum Linderung verschafft.

Wenn das unangenehme Gefühl eines sehr trockenen Munds auftritt, kann weiteres Trinken von Wasser bis zu einem gewissen Grad Linderung verschaffen. Ein Kaugummi kann ebenfalls helfen, da die Tätigkeit des Kauens die Speicheldrüsen zur Produktion von mehr Speichel anregt. In ähnlicher Weise können auch Lebensmittel, die wie Trockenfrüchte oder Trockenfleisch gut durchgekaut werden müssen, bei der Anregung der Speichelproduktion helfen. Um das Problem ganz zu beseitigen, reicht es meistens aus, ein reizlinderndes Mittel (das die Schleimhaut mit einem Feuchtigkeitsfilm bedeckt) oral einzunehmen. Mundtrockenheit kann aber auch durch viele andere verschreibungspflichtige Medikamente verursacht werden; im Handel sind daher zahllose Produkte zur Bekämpfung dieses Problems erhältlich.

Zukünftig kann die weitere Erforschung der Eigenschaften des Endocannabinoidsystems und der Art und Weise, wie es den Vorgang der Speichelproduktion steuert, eventuell auch noch Produkte mit genauerer Zielrichtung hervorbringen, die den Effekt der Xerostomie umkehren, nicht nur bei denen, die etwas zu viel Cannabis geraucht haben, sondern auch bei Personen, die an anderen Krankheiten leiden oder die Arzneimittel einnehmen müssen, die einen sich ständig trocken anfühlenden Mund verursachen.

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