by Seshata on 26/06/2013 | Anbau

Cannabis-Genetik 101: Stabilisierung einer Sorte

Stabilisierung Die Verfahren zur Stabilisierung einer Cannabis-Sorte werden nur unzureichend verstanden, sogar von Züchtern, die Sorten für den gewerblichen Anbau produzieren.


Der Begriff Stabilität bezieht sich auf die Variabilität und Vorhersehbarkeit, die bei den Nachkommen einer Elterngeneration festgestellt wird: Ist eine Sorte instabil, ist die Variabilität hoch und die Vorhersehbarkeit gering. Bei einer stabilen Sorte gilt das Gegenteil.

Variabilität und Vorhersehbarkeit

Variabilität bezieht sich hier auf die Bandbreite verschiedener Phänotypen, die bei der Hybridisierung von zwei verschiedenen Sorten auftreten; Vorhersehbarkeit bezieht sich auf die erwartete Verteilung zwischen den verschiedenen Phänotypen. Bei einer Kreuzung von stabilen Eltern besagen die Mendelschen Vererbungsregeln, dass 50 % der Nachkommen beiden Eltern in gleichem Maß ähneln, während 25 % mehr auf die Mutter und weitere 25 % mehr auf den Vater verweisende Merkmale zeigen.

Normalerweise stabilisieren die Züchter eine Sorte über mehrere Generationen hinweg. Zunächst wird eine gesunde Mutter und ein gesunder Vater ausgewählt und es werden Hybrid-Nachkommen herangezogen, die von unterschiedlicher Vorhersehbarkeit sein werden, je nach Stabilität ihrer Eltern. Wenn Vater und Mutter also hinreichend stabil sind, werden ihre Nachkommen drei verschiedene Phänotypen zeigen, wie vorstehend erläutert.

Stabile oder sortenechte Züchtung

Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass “stabil” nicht dasselbe bedeutet wie “sortenecht”. Sortenecht ist eine Sorte dann, wenn sie konsistent Nachkommen nur eines dominanten Phänotyps erzeugt (also ohne oder nur mit wenigen Pflanzen, die nicht genau wie ihre Geschwister sind); bei Cannabis sind solche Sorten üblicherweise bei den Landsorten und bei traditionellen Cultivaren zu finden. Manchmal verwenden Züchter den Begriff sortenecht auch, um einzelne Merkmale zu kennzeichnen, die immer wiederkehren, z.B. rotes Laub oder gezackte Blätter, statt das gesamte Erscheinungsbild eines Phänotyps.

Die Mendelschen Vererbungsregeln sind ganz einfach – 25 % der Nachkommen sind vom Typ AA, 25 % vom Typ aa und 50 % vom Typ Aa
Die Mendelschen Vererbungsregeln sind ganz einfach – 25 % der Nachkommen sind vom Typ AA, 25 % vom Typ aa und 50 % vom Typ Aa

Stabile Eltern produzieren normalerweise vorhersehbare, homozygene Nachkommen, wenn auch mit einer höheren Variationsbreite als bei sortenechten Typen. Ist jedoch ein Elternteil oder sind beide Eltern instabil, führt ihre Kreuzung zu einer Bandbreite heterozygener Nachkommen, die jede beliebige Anzahl von unvorhersehbaren Merkmalen aufweisen können und außerdem nicht der Mendelschen Verteilung entsprechen.

Die die bei jedem Elternteil dominanten Merkmale werden neu kombiniert, um die genetische Basis für die nächste Generation zu schaffen. Die erstmalige Kreuzung von zwei nicht verwandten Eltern wird als Filial-1- (F1-) Hybride bezeichnet. Üblicherweise werden dann die besten Exemplare der F1-Hybriden gekreuzt, um die F2-Generation zu erzeugen, die normalerweise etwas weniger stabil als die F1-Generation ist.

Kreuzung und Rückkreuzung

Werden die Brüder und Schwestern derselben Eltern über mehrere Generationen miteinander gekreuzt, wobei die Zuchtwahl auf der Basis der gewünschten Merkmale erfolgt, kann ein höheres Maß an Konsistenz und somit Vorhersehbarkeit erreicht werden. Die gewünschten Merkmale werden dominant und sind immer vorzufinden, während unerwünschte Merkmale allmählich aus dem Genpool entfernt werden und nicht mehr vorkommen.

Bei manchen Merkmalen kann durch eine Rückkreuzung der Pflanzen mit früheren Generationen eine schnellere Stabilisierung erreicht werden. Viele Züchter meinen irrtümlich, dass ein gewisses Maß an Rückkreuzung zur Stabilisierung jedes Merkmals notwendig ist. In Wirklichkeit ist die Anwendung dieser Technik nur für bestimmte Eigenschaften notwendig.

Inzuchtdepression

Nach der Kreuzung und evt. auch Rückkreuzung über mehrere Generationen sollten die gewünschten Merkmale allmählich bei allen Individuen vorzufinden sein. Nach einer über mehrere Generationen hinweg erfolgten Begrenzung und Reduzierung des Genpools, bei der nur die gewünschten Merkmale erhalten bleiben, kann der daraus folgende Mangel an Genmaterial aber zu einem Grad an Inzucht führen, der für die Gesundheit und Nachhaltigkeit der Sorte insgesamt nachteilig ist.

Ein einfaches Diagramm zeigt das Inzuchtpotential, das unerwünschte rezessive Merkmale dominant macht
Ein einfaches Diagramm zeigt das Inzuchtpotential, das unerwünschte rezessive Merkmale dominant macht

Vereinfacht gesagt: Wenn zwei verwandte Eltern beide dasselbe rezessive Allel haben, das zufälligerweise defekt ist oder auf andere Weise nachteilig wirkt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei identische Kopien an die Nachkommen weitergegeben werden, weit höher als bei nicht verwandten Eltern. Wenn zwei Individuen dieselben fehlerhaften Allele tragen und miteinander gekreuzt werden, wird das unerwünschte Merkmal dominant und sortenecht an alle Folgegenerationen dieser Linie weitergegeben.

Auszucht zur Verbesserung der Diversität

Beginnen einzelne Sorten, unter schweren Inzuchterscheinungen (auch Inzuchtdepression genannt) zu leiden, ist es daher üblich, einen neuen, nicht verwandten Vater in die Vererbungslinie einzubeziehen, wobei dieses Verfahren als Auszucht bekannt ist.

Eine Inzuchtdepression tritt nur verlangsamt ein, wenn genetisches Material im Überfluss verfügbar ist, aus dem neue Nachkommen gebildet werden. Daher kann es bei kleinen Populationsgrößen sehr schnell zur Inzuchtdepression kommen. Sie tritt vor allem in Staaten mit einer starken Kultur der Cannabisanwendung auf, in denen die Produktion nicht entkriminalisiert worden ist, z.B. in den Niederlanden, in denen wegen des Verfolgungsdrucks nur kleine Genbibliotheken unterhalten werden können.

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