by Silent Jay on 26/05/2014 | Medizinisch

Cannabis und Fibromyalgie

Medizin Fibromyalgie ist eine Beschwerde mit bisher noch unbekannten Ursachen. Die krankheitstypischen Symptome beeinträchtigen die betroffenen Personen allerdings in hohem Maße. Aufgrund ihrer mangelnden Ätiopathogenese sowie fehlender wirksamer Behandlungsmethoden, hat es lange gedauert, bis die Schulmedizin die Fibromyalgie als Krankheit anerkannt hat. Kürzlich wurde in Barcelona eine empirische Studie veröffentlicht, in der bei einer Gruppe von Frauen mit dieser Erkrankung die Vorteile einer Selbstmedikation mit Cannabis untersucht wurden.


Cannabis und Fibromyalgie

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie ist eine Beschwerde mit bisher noch unbekannten Ursachen. Die krankheitstypischen Symptome beeinträchtigen die betroffenen Personen allerdings in hohem Maße. Aufgrund ihrer mangelnden Ätiopathogenese sowie fehlender wirksamer Behandlungsmethoden, hat es lange gedauert, bis die Schulmedizin die Fibromyalgie als Krankheit anerkannt hat. Kürzlich wurde in Barcelona eine empirische Studie veröffentlicht, in der bei einer Gruppe von Frauen mit dieser Erkrankung die Vorteile einer Selbstmedikation mit Cannabis untersucht wurden. Es handelt sich dabei um eine der seltenen wissenschaftlichen Untersuchungen, deren Ergebnisse direkt einen klinischen Nutzen sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte haben können. Man geht davon aus, dass die Fibromyalgie neuropathische Ursachen hat, also auf eine Störung des Nervensystems zurückzuführen ist. Es bestehen unterschiedliche Theorien über die Gründe dieser Krankheit.

Heutzutage wird allgemein angenommen, dass es sich um eine Krankheit organischen Ursprungs mit bekannten körperlichen Ursachen handelt. Allerdings wurden bisher keine klinischen Marker gefunden, die als Grundlage für eine Diagnose dienen könnten. Die Diagnose wird ausschließlich aufgrund der klinischen Erscheinungsformen gestellt, von denen die Patienten berichten.

Die Erklärungsansätze erstrecken sich von einer Dysregulation der Neurotransmittersysteme (hauptsächlich der Botenstoffe Dopamin und Serotonin) bis zu einer Störung der physiologischen Stressregulierungsmechanismen (im medizinischen Fachjargon bekannt als Stressachse HypothalamusHypophyseNebenniere).

Behandlung mit Cannabis

Andere Theorien erklären die Symptome mit einer Störung des Immunsystems. Welche der Hypothesen korrekt ist, konnte noch nicht nachgewiesen werden, aber die Behandlung mit Cannabis würde in jedem Fall Auswirkungen auf das Krankheitsbild haben. Das endogene Cannabinoid-System hat nachgewiesenermaßen Einfluss auf physiologische Funktionen, wie unter anderem die Regulierung der dopaminergen und serotonergen Mechanismen sowie die Regulierung der physiologischen Stressreaktion.

Darüber hinaus verfügt das Immunsystem über zahlreiche CB2-Rezeptoren und wird aus diesem Grund stark von sowohl endogenen als auch von exogenen Cannabinoiden beeinflusst. Eines der Hauptsymptome der Fibromyalgie ist eine extrem niedrige Schmerzschwelle.

Das individuelle Schmerzempfinden wird unter anderem von den drei oben erwähnten physiologischen Prozessen gesteuert. Aus diesen Gründen erscheint es schlüssig, eine Cannabinoiden-Therapie der Fibromyalgie unabhängig von ihren Ursachen in Betracht zu ziehen.

Das gilt besonders, da auch andere Krankheiten, die aufgrund von Immunstörungen neuropathische Schmerzen verursachen, wie beispielsweise Multiple Sklerose, mit Cannabinoiden behandelt werden (Sativex, das erste Arzneimittel mit Cannabisauszügen auf dem Markt, wurde kürzlich in Spanien zur Behandlung von Multipler Sklerose zugelassen).

Tatsächlich gibt es eine große Vielfalt klinisch-funktioneller Störungen, für die bis zum heutigen Tag noch keine deutliche medizinische Erklärung gefunden werden konnte und bei denen sich die Behandlung mit Cannabis bei einigen Patienten als sinnvoll erwiesen hat. Dazu gehört neben der Migräne und dem Reizdarmsyndrom auch die Fibromyalgie.

Der Forscher Ethan Russo sieht eine mögliche Erklärung in einer gemeinsamen Ursache dieser Störungen, die auf eine Dysregulation des endogenen Cannabinoid-Systems zurückzuführen ist (http://es.scribd.com/doc/43672268/Clinical-Endocannabinoid-Deficiency-CECD-Russo). Obwohl es sich hierbei im Grunde um eine weitere noch nicht nachgewiesene Hypothese zur Erklärung dieser klinischen Krankheitsbilder handelt, scheint es zurzeit der plausibelste Gedankengang zu sein, da sämtliche dieser Störungen bis zu einem gewissen Grad auf die Behandlung mit Cannabis ansprechen. Weitere Symptome der Fibromyalgie sind neben den als Hauptsymptom genannten Schmerzbeschwerden, chronische Erschöpfung, morgendliche Steifheit, ständige Müdigkeit sowie affektive Störungen.

Empfindliche Punkte der Fibromyalgie
Empfindliche Punkte der Fibromyalgie

Die Untersuchung wurde am Institut Municipal d’Investigació Mèdica de Barcelona entwickelt und in der kostenlos erhältlichen wissenschaftlichen Zeitschrift PLoS One (http://www.plosone.org/article/info:doi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0018440) veröffentlicht.

Studien und Statistiken zum Thema

Es haben insgesamt 56 Frauen im durchschnittlichen Alter von 50 Jahren teilgenommen, die an Fibromyalgie leiden. Die Hälfte der Probandinnen (28) hat sich selbst mit Cannabis behandelt. Bei allen Frauen manifestierte sich die Krankheit in Übereinstimmung mit den Kriterien des Colegio Americano de Reumatología in mittelmäßiger bis schwerwiegender Form. Die Teilnehmerinnen kamen aus fünfzehn Vereinigungen betroffener Patienten sowie einem Club für Cannabiskonsumenten in Barcelona. Beide Gruppen wurden anhand von soziodemographischen Variablen, klinischen Erscheinungsformen der Krankheit (anwesende Symptome) sowie bereits angewandten allopathischen und ergänzenden medizinischen Behandlungsmethoden miteinander verglichen. 40 % der Frauen aus der Cannabis-Gruppe konsumierte Cannabis seit weniger als einem Jahr, 32 %, seit ein bis drei Jahren und die verbleibenden 29 % seit mehr als drei Jahren.

Nur acht der 28 Frauen hatten vor der Krankheit Cannabis als Freizeitdroge konsumiert. Alle Patientinnen gebrauchten Marihuana: 54 % davon rauchten die Droge, 46 % bereiteten sie in Speisen oder Getränken zu und 43 % kombinierten beide Verfahren. Elf der Frauen nahmen täglich Cannabis zu sich, fünf an zwei bis vier Tagen die Woche, drei an weniger als zwei Tagen wöchentlich und acht nur hin und wieder. Jede Einnahme bestand aus ein bis zwei Zigaretten für die Teilnehmerinnen, die rauchten, und einem Esslöffel Cannabis in Speisen zubereitet, für die anderen.

Zwölf der Frauen rauchten eine Marihuanazigarette am Tag, fünf rauchten zwei bis drei Zigaretten täglich und drei der Probandinnen konsumierten mehr als drei Zigaretten pro Tag. Was die Quellen betrifft, bekamen 14 der Teilnehmerinnen an der Studie das Marihuana von Familie und Freunden, sieben kauften bei illegalen Verkäufern, fünf bauten selbst an und zwei beschafften sich Cannabis in einer Konsumentenvereinigung. 19 Frauen in dieser Gruppe hatten ihren Arzt darüber informiert, dass sie Cannabis zur Eigenmedikation einsetzten. Abschließend wurde festgestellt, dass 19 (68 %) der Teilnehmerinnen der Cannabis-Gruppe berichteten, die Dosis der verschriebenen Arzneimittel dank der Selbstmedikation mit Cannabis gesenkt zu haben. Die Patientinnen benutzten Cannabis sowohl um die Schmerzen zu lindern als auch, um weitere Symptome im Zusammenhang mit der Fibromyalgie zu verringern.

Cannabis und Fibromyalgie

Beide Gruppen erhielten verschiedene Umfragen zur Bewertung des Schweregrads ihrer Krankheit: den „Fragebogen zu den Auswirkungen der Fibromyalgie“ (http://www.institutferran.org/documentos/FIQ_espa%C3%B1ol_IFR.pdf), den „Pittsburgh Schlafqualitätsindex“ (http://www.drmonteverde.net/files/GMM_2008-…pdf) sowie einen Fragebogen zur Lebensqualität mit der Bezeichnung „SF-36“ (http://www.chime.ucla.edu/measurement/SF-36%20Spain.pdf). Darüber hinaus wurden die Frauen aus der Cannabis-Gruppe aufgefordert, auf einer Skala von eins bis fünf anzugeben, wie sie die Verbesserung ihrer Symptome durch den Cannabisgebrauch bewerten. Die genannten Symptome waren: Schmerzbeschwerden, Schlafstörungen, Muskelsteifheit, Störungen des Gemütszustands, Angstzustände, Kopfschmerzen, Müdigkeit, morgendliche Erschöpfung und Verdauungsstörungen. Die Patientinnen berichteten von einer Linderung fast aller Symptome, die von einer Verbesserung der Schlafstörungen um 81 % bis zu einer Verringerung der Kopfschmerzen um 14 % reichten.

Keine der Teilnehmerinnen hatte eine Verschlimmerung der Nebenwirkungen aufgrund des Cannabiskonsums vermerkt. Weiterhin wurden die Frauen gebeten, verschiedene Empfindungen jeweils zwei Stunden vor und zwei Stunden nach Gebrauch zu bewerten: Schmerz, Steifheit, Entspannung, Schläfrigkeit, Wohlbefinden. In allen Punkten zeigte sich eine vergleichsweise Verbesserung zwei Stunden nach dem Gebrauch gegenüber zwei Stunden davor. Von allen oben erwähnten Umfragen, konnte nur in der Unterkategorie „Mentale Gesundheit“ des Fragebogens „SF-36“ ein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden. Die Bewertung der Cannabis-Gruppe fiel in diesem Punkt positiver aus, was darauf hinweist, dass sich die subjektiv erfahrenen Vorteile nicht zwangsläufig in einer klinischen Verbesserung des Zustands niederschlagen müssen. Zukünftige Untersuchungen sollten also aufklären, ob die Verbesserungen, von denen die Fibromyalgie-Patienten, die sich selbst mit Cannabis behandeln, berichten, aus klinischer Perspektive relevant sind.

Cannabis vs. Pharmazeutische Behandlungen

 

Ein gesundes Gehirn im Vergleich zu dem eines Fibromyalgie-Patienten
Ein gesundes Gehirn im Vergleich zu dem eines Fibromyalgie-Patienten

Da es sich hier um eine empirische Studie handelt, ist die Aussagefähigkeit hinsichtlich definitiver Schlussfolgerungen naturgemäß begrenzt. Auf der anderen Seite bietet eine solche Untersuchung große Einsicht in das Umfeld von Patienten mit diesem Krankheitsbild, da sie ihre alltäglichen Lebensumstände widerspiegelt. Wir wollen an dieser Stelle nicht vorenthalten, dass die Patientinnen der Cannabis-Gruppe nicht auf übliche Behandlungsmethoden angesprochen hatten und die Einnahme von Cannabis als letzte Möglichkeit in Betracht zogen.

Es wäre interessant zu untersuchen, ob Cannabis für Frauen, die weniger behandlungsresistent sind, einen größeren Nutzen haben könnte als die gebräuchlichen Arzneimittel, die stärkere Nebenwirkungen haben. Tatsache ist auf jeden Fall, dass die Probandinnen den Gebrauch anderer Medikamente aufgrund des Cannabiskonsums reduzieren konnten, keine wesentlichen Nebenwirkungen des Gebrauchs gezeigt und subjektiv eine Verbesserung der meisten Symptome festgestellt haben. Wenn man darüber hinaus berücksichtigt, dass die gewöhnlichen Medikamente wenig Wirkung bei der Behandlung der Symptome zeigen, kann man die Verwendung von Cannabis mit seinen zu vernachlässigenden negativen Effekten auf den Körper, als einen großen Fortschritt in der Behandlung dieser Krankheit betrachten.

Ferner werden uns Untersuchungen wie diese zukünftig dabei helfen, aufzuklären, ob Krankheiten wie die Fibromyalgie durch eine Dysregulation des endogenen Cannabinoid-Systems verursacht werden und auf diese Weise Erkenntnisse über die Ätiopathogenese dieser stark beeinträchtigenden Erkrankung zu gewinnen.

Autor: José Carlos Bouso

 

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ralf

ich behandel mich nun seit ca 29 jahren mit canabis selber und kann eigentlich nur gutes sagen ....es hilft mir bei der fibro meistens beer als die opiate die ich dagegen bekomme und kann jeden nur empfehlen es auszuprobieren.....und mir ist es ehrlich gesagt ob ich mich damit strafbar mache solange es hilft mir wenigstens ein bisschen lebensqualität zu behalten die leider durch die opiate nicht gegeben wird....ich weiß das man firbo nicht nur mit thc auf dem leib rücken kann die opiate werden weiterhin mit eine rolle spielen aber mir hilft es und mehr will ich garnicht .........schade ist nur das es auf der strasse selten gutes gras angeboten wird und seit wir deutschen in holland nichts mehr bekommen wird es immer schwieriger gutes aufzutreiben daher unterstütze ich sämmtliche petitionen die dafür sorgen könnte das es endlich wenigstens für uns chronischen kranken legal und von der krankenkasse finanziert wird lieber ne gute tüte als die ganze chemie womit wir vollgestopft werden......danke das es menschen gibt die sich auch dafür einsetzten und bitte weiter so ;)

ein betroffener der seit 33 jahren unter schmerzen leidet

28/05/2014

Tom

Hallo Ralf,

ich weiss nicht woher du kommst, aber ich kann Dir sagen, fahre mal nach Nijmwegen zu Dreadlook.. der Cheff kennt sich sehr gut aus mit Schmerzen und Cannabis..
Meine Freundin hat auch Fibro und wir sind nun auch auf diesen wege..
MfG
tom

12/04/2015

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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