Kann Cannabis bei der Behandlung der Fibromyalgie helfen & die Symptome lindern?

Kann medizinisches Cannabis helfen, Schmerzen und andere Symptome der Fibromyalgie ohne Nebenwirkungen zu lindern? Hier sind die Ergebnisse neuer Studien, zudem ein kurzer Blick auf das Immunsystem, das Endocannabinoidsystem und auf die Frage, warum Cannabis (und die Cannabinoide) für Fibromyalgie mehr Aufmerksamkeit verdient.

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie ist eine der Erkrankungen mit unbekannter Ursache, aber mit stark behindernden Symptomen. Gerade weil seine Ätiopathogenese (Ursache) unbekannt ist und weil es keine spezifische, effektive Behandlung gibt, hat es so lange gedauert, bis die medizinische Forschung diese als Krankheit erkannt hat.

Doch neuerdings haben Studien mögliche Ursachen entdeckt und sogar herausgefunden, wie Cannabis zur Linderung der Symptome der Krankheit beitragen kann. Beispielsweise bei dieser Studie aus dem Jahr 2011, die zufällig auch eine der wenigen wissenschaftlichen Studien mit Ergebnissen ist, die sowohl für Patienten als auch für Ärzte von unmittelbarem klinischem Nutzen sein können.

Was verursacht Fibromyalgie?

Es gibt verschiedene Theorien, die versuchen, die Ursachen der Erkrankung bis zu einem gewissen Grad zu erklären. Heute ist sich die Forschung einig, dass Fibromyalgie organischen Ursprungs ist und anerkannte physische Ursachen hat. Dies steht allerdings im Gegensatz zu der Tatsache, dass es keine definitiven klinischen Marker gibt, auf die man eine Diagnose stützen könnte (bis jetzt), auch wenn man sich nun, möglicherweise durch eine Urinanalyse, eine bessere Diagnostizierbarkeit verspricht.

Eine Diagnose kann nur auf der Grundlage klinischer Symptome bei den Patienten erfolgen.

Die Theorien zur Erklärung der Krankheitsursachen reichen von einer Deregulierung von Neurotransmittern (vor allem Dopamin und Norepinephrin) bis hin zu einer Dysfunktion von physiologischen Mechanismen der chronischen Stressregulierung (was im medizinischen Fachjargon als Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bzw. HPA-Achse bezeichnet wird).

Andere Theorien erklären die Symptome mit einer Störung des Immunsystems. Welche Ursachen es auch geben mag – es sieht ganz danach aus, als würde Cannabis zu jeder dieser Theorien passen.

Warum eine Behandlung mit Cannabis hilfreich sein kann

Wir wissen, dass das Endocannabinoidsystem an physiologischen Funktionen beteiligt ist, zu denen auch die Regulierung der dopaminergen und serotonergen Systeme und die Regulierung der physiologischen Reaktion auf Stress gehören. Dazu kommt, dass das Immunsystem über eine Fülle von CB2-Rezeptoren verfügt, weshalb es in hohem Maße von Cannabinoiden beeinflusst werden kann, sowohl endogen (im Innern entstehend) als auch exogen (von außen kommend).

Das Hauptsymptom der Fibromyalgie ist eine besonders niedrige Schmerzschwelle, wobei das subjektive Schmerzgefühl unter anderem durch die drei erwähnten physiologischen Prozesse ausgelöst wird. Daher erscheint es einleuchtend – unabhängig von den möglichen Ursachen –, eine Behandlung der Fibromyalgie mit Cannabinoiden für eine erwägenswerte therapeutische Option zu halten.

Cannabis kann zur Linderung anderer illusorischer Erkrankungen beitragen

Andere Erkrankungen, die ebenfalls neuropathische Schmerzen mit sich bringen und durch eine Störung des Immunsystems verursacht werden, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, werden bereits mit Cannabinoiden behandelt. Neben Fibromyalgie gibt es eine Gruppe von ganz unterschiedlichen funktionalen klinischen Syndromen, für die bislang keine eindeutige medizinische Erklärung gefunden wurde (zum Beispiel Migräne oder das Reizdarmsyndrom). Hierbei haben sich in manchen Fällen Cannabistherapien als hilfreich erwiesen.

Der Neurologe Ethan Russo hat die These aufgestellt, dass die gemeinsame Ursache für solche Störungen in einer Fehlfunktion des Endocannabinoidsystems begründet sein könnte. Das erscheint als die plausibelste Idee, da all diese Störungen bis zu einem bestimmten Grad effektiv mit Cannabis behandelt werden können. Weitere Symptome im Zusammenhang mit Fibromyalgie sind – außer den Schmerzen (dem Hauptsymptom) – chronische Erschöpfung, Morgensteifigkeit, permanente Müdigkeit und affektive Störungen (Depressionen).

Studien und Statistiken über Cannabis und Fibromyalgie

Eine Studie, die vom Städtischen Institut für Medizinische Forschung in Barcelona durchgeführt wurde, wurde in der öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Zeitschrift PloS publiziert. Die aus 56 Probanden (die eine Hälfte waren Cannabiskonsumenten und die andere Hälfte Nichtkonsumenten) bestehende Studie untersuchte die potenziell positiven Wirkungen der Behandlung der Fibromyalgie-Symptome mit Cannabis durch folgende (Bewertungs-) Methoden:

  • Standard 100 mm visuelle Analogskala (VAS)
  • Pittsburgh Schlafqualitäts-Index (PSQI)
  • Fibromyalgie Impact Fragebogen (FIQ)
  • Short Form 36 Gesundheitsfragebogen (SF-36)

Den VAS-Ergebnissen zufolge gingen die Schmerzen und die Steifheit drastisch zurück, die Probanden fühlten sich entspannter und generell wohler. Auch der SF-36 zeigte eine signifikante Verbesserung im Bereich der psychischen Gesundheit.

Doch in den übrigen SF-36-Bereichen war kein signifikanter Unterschied zu erkennen, ebenso wenig wie beim FIQ oder PSQI. Somit lässt vieles darauf schließen, dass Cannabis die Symptome der Fibromyalgie lindern kann, doch die Notwendigkeit weiterer Studien ist ebenfalls deutlich geworden. Aber immerhin versteht man nun besser, inwiefern das Cannabinoidsystem an der Pathophysiologie der Fibromyalgie beteiligt ist; der Anfang ist also gemacht.

Eine weitere, jüngere Studie, die im Journal of Clinical Rheumatology veröffentlicht wurde, zeigt ebenfalls, dass Cannabis die Symptome lindern kann. Hieran nahmen 26 Patienten aus zwei Krankenhäusern teil. Sie füllten den überarbeiteten Fibromyalgie Impact Fragebogen aus, sowohl vor der Behandlung mit medizinischem Cannabis als auch danach. Alle Patienten berichteten, ihre Erkrankung hätte sich nicht nur drastisch gebessert (in Bezug auf jeden einzelnen Teil des Fragebogens), sondern die Hälfte der Patienten sagte auch, sie hätten die anderen Medikamente für Fibromyalgie abgesetzt. Ernsthafte Nebenwirkungen waren nicht aufgetreten, lediglich acht Patienten berichteten über ganz geringfügige Nebenwirkungen.

2018 reichte die Universität von Alberta einen neuen Richtlinienvorschlag für die Verschreibung von medizinischen Cannabinoiden in der medizinischen Grundversorgung ein. Hiermit reagierte sie auf eine Übersicht über die derzeit vorhandenen klinischen Studien. Zwar kam sie zu dem Schluss, dass es vielversprechende Forschungsergebnisse speziell für Fibromyalgie gebe, aber sie bemerkte auch, dass die Qualität der Beweise zu wünschen übrig lasse.

Cannabis contra Arzneimitteltherapie

Es wäre interessant zu untersuchen, ob Cannabis bei an Fibromyalgie erkrankten Frauen, die weniger behandlungsresistent sind, hilfreicher sein könnte als die eingesetzten Arzneimittel (die normalerweise mehr Nebenwirkungen haben).

Alles in allem ergaben diese Studien, dass Cannabismedikamente Folgendes bewirkten:

  • Sie reduzierten oder verbesserten die Symptome bei Teilnehmern signifikant (und besser als die üblichen Medikamente oder Placebos)
  • Sie erlaubten den Teilnehmern, andere Fibromyalgie-Medikamente abzusetzen
  • Sie erzeugten weniger deutliche Nebenwirkungen als herkömmliche Medikamente

Auch auf einer anderen Ebene werden wir künftig mithilfe weiterer gründlicher Studien wie der des Städtischen Instituts für Medizinische Forschung herausfinden können, ob Krankheiten wie Fibromyalgie von einer Deregulierung des Endocannabinoidsystems verursacht werden, und auf diese Weise Einsicht in die Ätiopathogenese dieser hochgradig schwächenden Erkrankung erhalten.

  • Disclaimer:
    Dieser Artikel stellt keinen Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Wenden Sie sich immer an Ihren Arzt oder eine andere zugelassene medizinische Fachkraft. Sie sollten wegen etwas, das Sie auf dieser Website gelesen haben, weder zögern, Ihren Arzt aufzusuchen, noch deswegen eine medizinische Beratung missachten.

Comments

3 Kommentare zu „Kann Cannabis bei der Behandlung der Fibromyalgie helfen & die Symptome lindern?“

  1. ich behandel mich nun seit ca 29 jahren mit canabis selber und kann eigentlich nur gutes sagen ….es hilft mir bei der fibro meistens beer als die opiate die ich dagegen bekomme und kann jeden nur empfehlen es auszuprobieren…..und mir ist es ehrlich gesagt ob ich mich damit strafbar mache solange es hilft mir wenigstens ein bisschen lebensqualität zu behalten die leider durch die opiate nicht gegeben wird….ich weiß das man firbo nicht nur mit thc auf dem leib rücken kann die opiate werden weiterhin mit eine rolle spielen aber mir hilft es und mehr will ich garnicht ………schade ist nur das es auf der strasse selten gutes gras angeboten wird und seit wir deutschen in holland nichts mehr bekommen wird es immer schwieriger gutes aufzutreiben daher unterstütze ich sämmtliche petitionen die dafür sorgen könnte das es endlich wenigstens für uns chronischen kranken legal und von der krankenkasse finanziert wird lieber ne gute tüte als die ganze chemie womit wir vollgestopft werden……danke das es menschen gibt die sich auch dafür einsetzten und bitte weiter so 😉

    ein betroffener der seit 33 jahren unter schmerzen leidet

  2. Hallo Ralf,

    ich weiss nicht woher du kommst, aber ich kann Dir sagen, fahre mal nach Nijmwegen zu Dreadlook.. der Cheff kennt sich sehr gut aus mit Schmerzen und Cannabis..
    Meine Freundin hat auch Fibro und wir sind nun auch auf diesen wege..
    MfG
    tom

  3. Hallo Tom das hört sich gut an. Ich habe auch starke Fibromyalgie und halt eher vor Schmerzen kaum aus. Denke sehr stark über Suizid nach. Es ist traurig das ein Cannabis bei so starken Schmerzen verschrieben wird. Kannst du mit bitte sagen wie die Cannabissorte heisst, und wie sie angewendet wird. Und es lindert so die Schmerzen. Viele lieben Dank. Wie wird es angewendet, mit Verdampfer ?? Gruss, Uli

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    Dr. Sanjai Sinha ist Mitglied der akademischen Fakultät des Weill Cornell Medicine Colleges in New York. Er verbringt seine Zeit damit, Patienten zu begleiten, Bewohner und Medizinstudenten zu unterrichten und im Gesundheitswesen zu forschen. Er genießt die Ausbildung von Patienten und die Ausübung evidenzbasierter Medizin. Sein starkes Interesse an medizinischer Überprüfung kommt von diesen Leidenschaften.
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