by Seshata on 01/10/2013 | Uncategorized

Die vielen Namen von Cannabis

Cannabis ist unbestreitbar für jede Kultur, die ihn kennen gelernt hat, eine besonders wertvolle Pflanze gewesen. Kein Wunder also, dass sich in vielen Regionen, in denen er zum festen Bestandteil des Alltagslebens gehörte, ein eigener Name für ihn eingebürgert hat. Anhand von einigen dieser Namen lässt sich eine Karte der weltweiten Verbreitung von Cannabis erstellen.


The Many Names of Cannabis - 1. Cannabis and hemp are known by a range of often-related names (Gregory Jordan)
Cannabis und Hanf sind unter mehreren Namen bekannt, die oft miteinander verwandt sind (Gregory Jordan)

Etymologie des Wortes “Cannabis”

Man geht davon aus, dass viele unserer modernen Wörter aus einem Wortstamm der indogermanischen (PIE = Proto-Indo-European) Ursprache hervorgegangen sind, einschließlich Cannabis selbst. Als Wortstamm gilt *kan(n)aB-; *wobei das B ein *p oder *b darstellt, also einen bilabialen Verschlusslaut (ein Konsonant, der durch Aufeinanderpressen der Lippen zur Unterbrechung des Luftstroms erzeugt wird; p und b sind die häufigsten Laute), und im Laufe der jahrhundertelangen Entwicklung der Sprachen ist daraus eine Reihe von verwandten Ausdrücken für Cannabis und Hanf entstanden, beispielsweise im Tschechischen konopí, im Hebräischen qannabbôs und im Englischen cannabis.

Über den etymologischen Ursprung einiger moderner Namen für Cannabis und Hanf ist sich die Forschung noch uneins; so ist zum Beispiel noch unklar, ob das hebräische Wort qannabbôs (und dessen möglicher Vorläufer kanbos) vom altgriechischen Wort kannabis abgeleitet wurden oder ob es umgekehrt war. Unbestritten ist jedoch, dass das moderne Wort Cannabis direkt auf den lateinischen Ausdruck cannabis zurückgeht und dass dieser wiederum direkt aus dem Griechischen abgeleitet ist.

Vermutlich war die griechische Bezeichnung kannabis (der früheste Begriff für die Pflanze, der uns in Schriftform vorliegt) eine direkte Transkription eines identischen skythischen oder thrakischen Wortes, das sich wiederum aus dem protogermanischen (urgermanischen) Wort *hanapiz entwickelt hat, einer Zusammensetzung aus dem finno-ugrischen Wörtern*kéne (Hanf) und *piš (brennen; reizen), was allerdings nur eine Hypothese ist. Nach einer anderen Theorie lief die Etymologie wie folgt ab: Das Griechische kannabis < Arabisch kunnab < Syrisch qunnappa < Hebräisch qaneh oder pannag (= bhanga im Sanskrit und bang im Persischen).

Etymologie des Wortes “Hanf”

The Many Names of Cannabis - 2. This graphic shows the spread of Indo-European languages in great detail
Diese Grafik veranschaulicht die Verbreitung der indogermanischen Sprachen bis ins Detail

Über die korrekte Etymologie vieler moderner Wörter gibt es in der Fachwelt etliche Kontroversen, was auf die komplexen Interaktionen zwischen verschiedenartigen Völkern in den vergangenen Jahrtausenden zurückzuführen ist. Das hat in manchen Fällen dazu geführt, dass Wörter so lange wechselseitig entlehnt wurden, bis niemand mehr ihren genauen Ursprung kannte. Die Erforschung der Etymologie der Wörter Hanf und Cannabis ist besonders schwierig, weil sie so häufig und in so verschiedenen Zusammenhängen verwendet wurden, dass sich in vielen Sprachen auch eigenständige, zugleich aber verwandte Wörter eingebürgert haben, um geringfügige Unterschiede in Gebrauch oder Form der Pflanze zu beschreiben. Dennoch wird allgemein angenommen, dass die beiden Wörter letztlich aus demselben PIE- (indogermanischen) Wortstamm abgeleitet wurden.

Man geht davon aus, dass das moderne englische Wort hemp sich vermutlich ebenso wie das niederländische Wort hennep, das deutsche Wort Hanf und der skandinavische Begriff hamp oder hampa aus dem Wortstamm *hanap ableiten, und dass Letzteres wiederum aus *hanapiz hervorgeht. Die Lautverschiebung von k- zu h- entspricht dem Grimmschen Gesetz, das auch als Erste Germanische Lautverschiebung bezeichnet wird: Diese besagt, dass viele stimmhafte Verschlusslaute, einschließlich k- , allmählich zu stimmlosen Verschlusslauten wie h- wurden (das auch als x- bezeichnet und im heutigen Deutschen wie -ch ausgesprochen wird, zum Beispiel in “Bach”).

Bhang

Der Ausdruck bhang leitet sich ebenso wie die verschiedenen verwandten Wörter (im Ägyptischen banga, im Tamilischen bangi) von dem Sanskrit-Wort bhangaab, das wahrscheinlich wiederum vom hebräischen Ausdruck pannag oder bannag abstammt (p und b sind im Hebräischen weitgehend untereinander austauschbar). Die Sprache Sanskrit ist sehr eng mit den altiranischen Sprachen Altpersisch und Avestisch verwandt; es wird angenommen, dass Einwanderer aus dem Nordwesten den Begriff im zweiten Jahrtausend v. Chr. in Indien und Pakistan eingeführt haben.
Heutzutage findet man bhang und verwandte Ausdrücke für Cannabis in ganz Südasien und in einem Großteil des östlichen und südlichen Afrika, ebenso wie in einigen Gebieten Nordafrikas. Zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert führten arabische, asiatische und später portugiesische Händler Cannabis aus Asien in Ostafrika ein, wo er sich dann durch regionale Händler und Stämme über den gesamten Kontinent verbreitete. Im Jahr 1609 beschrieb der Dominikanerpriester Joao dos Santos den Brauch des Kauens von Cannabisblättern, die von Bewohnern des südlichen Afrika als bangue bezeichnet wurden. Aus diesen Blättern wurde auch ein gleichnamiges berauschendes Getränk hergestellt.

Ganja

Cannabis ist in weiten Teilen der Welt unter dem Namen Ganja bekannt, obwohl der Ausdruck ursprünglich aus Indien stammt. Ganja ist ein gutes Beispiel für einen Namen, der, aus einer bestimmten Region kommend, dann auch andernorts gebräuchlich wird, da zusammen mit der Pflanze auch deren kulturelle Aspekte exportiert wurden. Ganja leitet sich letzten Endes wahrscheinlich aus demselben PIE-Wortstamm *kan(n)aB- ab, aber dennoch fand es auf ganz verschiedenen Wegen Eingang in die modernen Sprachen.

Ganja und weitere verwandte Wörter (ganjari, gunja, kanchavu) stammen vermutlich von einem anderen Sanskrit-Wort für Cannabis ab, nämlich gañjya-, das wiederum wohl von dem sumerischen Ausdruck ganzigunnu abgeleitet wurde – diesen fand man auf Tontafeln, die mindestens auf die Zeit 700 v. Chr. zurückdatiert werden können. Ganzi- ist also mit ganja verwandt und -gunnu mit qaneh oder kunneh. Somit lässt sich eindeutig ein Zusammenhang zwischen dem Ausdruck ganzigunnu und dem Wort aus dem Nahen Osten herstellen, das derselben Gruppe angehört wie das Wort aus dem Fernen Osten.

Andere Ausdrücke für Cannabis

The Many Names of Cannabis - 2.-This-world-map-shows-the-various-local-names-for-cannabis.-Please-let-us-know-if-we-have-missed-any-in-the-comments
Diese Weltkarte zeigt die diversen regionalen Bezeichnungen für Cannabis. Bitte lassen Sie uns unter Anmerkungen wissen, wenn wir irgendeinen Namen ausgelassen haben

Es gibt mehrere andere Begriffe für Cannabis, die nicht auf den PIE-Wortstamm *kan(n)aB- zurückgehen, aber einen gemeinsamen Wortstamm besitzen oder erst in neuerer Zeit eine Verbindung eingingen—wie zum Beispiel der mexikanisch-spanische Ausdruck marijuana und das chinesische Wort ma.

Marijuana war ein weitgehend unbekannter Begriff, bevor er durch die US-Kampagne zum Verbot von Cannabis in den 1920er- und ’30er-Jahren populär wurde. Er leitet sich wahrscheinlich von dem Nahuatl-Wort mallihuan ab, was “Gefangener” bedeutet, obwohl es sich hierbei ebenso gut um eine zufällige Homofonie (Gleichklang verschiedener Wörter) handeln kann. Denkbar wäre auch, dass sich der Begriff teilweise vom spanischen Namen Maria Juana ableitet—was die Entstehung verschiedener ritueller, mit der Jungfrau Maria zusammenhängender Bräuche erklären könnte, wie zum Beispiel die Glaubenslehre von Santa Maria, einer brasilianischen Religionsgruppe, die den Gebrauch von Cannabis mit einem Ritus verbindet. Außerdem kann die Entwicklung des Ausdrucks bis zu einem gewissen Grad mit der Einführung des chinesischen Wortes ma hua (das heißt “Cannabis/Hanfblumen”) in eine lokale Mundart zu tun haben, als Wanderarbeiter sich in der Region niederließen.

Doch die Verbindung zwischen den beiden Wörtern könnte wesentlich weiter in die Vergangenheit zurückreichen: Sowohl marijuana als auch ma leiten sich wahrscheinlich von der semitischen Konsonantenfolge mrr ab (die meisten semitischen Sprachen – inklusive der modernen hebräischen Sprache – verwenden keine Vokale). Das chinesische Wort ma geht vermutlich auf den Wortstamm mrj zurück, der*maraj oder *mrajausgesprochen wird; der gemeinsame semitische Wortstamm hat sich dann über ein arabisches Lehnwort, das durch die Mauren nach Spanien gebracht wurde, zu dem modernen Begriff marijuana entwickelt.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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