by Seshata on 25/12/2013

Hanf und die Dekontamination von radioaktivem Boden


Die Hanfforschung macht derzeit unglaublich rasante Fortschritte, verglichen mit der Stagnation der vorhergehenden Jahrzehnte. Mit einem bedeutsamen Forschungsgebiet beschäftigt sich die Wissenschaft gegenwärtig besonders intensiv, und zwar mit der Phytoremediation oder Dekontamination des Bodens - obwohl die Tatsache, dass Hanf Schadstoffe aus dem Boden auswäscht, schon seit einiger Zeit bekannt ist.



Die Hanfforschung macht derzeit unglaublich rasante Fortschritte, verglichen mit der Stagnation der vorhergehenden Jahrzehnte. Mit einem bedeutsamen Forschungsgebiet beschäftigt sich die Wissenschaft gegenwärtig besonders intensiv, und zwar mit der Phytoremediation oder Dekontamination des Bodens – obwohl die Tatsache, dass Hanf Schadstoffe aus dem Boden auswäscht, schon seit einiger Zeit bekannt ist.

Das Phytoremediationsprojekt von Tschernobyl

Seit über einem Jahrzehnt hat der in der Umgebung des verlassenen Kernkraftwerks Tschernobyl in Pripjat, Ukraine, angebaute industrielle Hanf dazu beigetragen, die Verseuchung des Bodens zu vermindern. Jetzt erwägen die Japaner, sich derselben Strategie zu bedienen, um die durch die Kernschmelze des Kraftwerks Fukushima verursachten Umweltschäden zu beseitigen —doch aufgrund des Gesetzes zur Kontrolle von Cannabis, das die Japaner unter dem Druck der US-Besatzungsmächte 1948 verabschieden mussten, darf Hanf nur in Lizenz angebaut werden—und für deren Vergabe gelten strenge Auflagen, weshalb sie schwer zu erhalten ist.

http://www.flickr.com/photos/twicepix/
Hanf absorbiert nachweislich große Mengen von Schwermetallen aus dem Boden

1989, nur drei Jahre nach der ersten Explosion, bat die damalige sowjetische Regierung die International Atomic Energy Agency (IAEA = Internationale Atomenergie-Behörde) um eine Einschätzung der Umweltsituation. Im 30 km breiten Sperrgebiet um Tschernobyl wurden hohe Konzentrationen verschiedener toxischer (giftiger) Metalle in der Erde sowie in Pflanzen und Tieren gefunden, unter anderem Jod, Cäsium-137, Strontium-90 und Plutonium.

Welche Pflanzen eignen sich für die Phytoremediation?

Als Gegenmaßnahme beschloss man, mithilfe nützlicher Pflanzen eine konzertierte Aktion zur Verminderung der Kontamination zu starten. Dieser als Phytoremediation bezeichnete Prozess wurde unverzüglich eingeleitet. Hierfür wählte man unterschiedliche Pflanzen, die spezifische Schadstoffe aufnehmen sollten—zwei Brassica (Kohl)- Sorten zur Beseitigung von Chrom, Blei, Kupfer und Nickel; Mais zur Aufnahme von Blei (mehrere Forscher bewiesen die bemerkenswerte Aufnahmefähigkeit von Blei bei dieser wichtigen Pflanze) und später auch Sonnenblumen und Hanf.

Mit der Anpflanzung von Sonnenblumen wurde 1996 begonnen, nachdem eine Sorte entwickelt worden war, von der man sich eine bisher nicht gekannte Effizienz bei der Dekontamination versprach; bald danach, 1998, folgten Hanfanpflanzungen. Slavik Dushenkov, ein Wissenschaftler von Phytotech, eines der für die Hanfanpflanzungen verantwortlichen Unternehmen, stellte fest, dass “Hanf sich als eine der besten Pflanzen zur Phytosanierung erwiesen hat, die wir finden konnten-”

Nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Nachbarland Weißrussland waren große Teile des Ackerlandes durch die Explosion verseucht, und hier verwenden die Behörden ebenfalls Hanf zur Dekontamination des Bodens. Die hierbei erzeugte Ernte wird in Ethanol umgewandelt, da die verstärkte Produktion von Biokraftstoff ein wesentliches Ziel darstellt, um zur Gesundung der gesamten Wirtschaft und Umwelt in der Region beizutragen.   

Unterschiede bei der Aufnahme von Metallen aus dem Boden

2012 hat eine rumänische Studie untersucht, ob Hanfsamen aus Pflanzen, die in Böden mit hohem Gehalt an Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen angebaut wurden, für die Ernährung unbedenklich sind. Die Studie ergab, dass fünf unterschiedliche rumänische Hanfsorten verschiedene Nährstoffprofile entwickelten, entsprechend der Aufnahme der diversen Metalle im Boden. Beispielsweise zeigte sich, dass die Sorte Zenit die größten Kalziummengen aufnehmen kann, während die Armanca die geringste Kalziummenge absorbierte; die Sorten Diana, Denise und Silvana absorbierten die größten Magnesiummengen und bei der Sorte Zenit fanden sich die höchsten Eisenkonzentrationen.

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Das Sperrgebiet um Tschernobyl, Schauplatz des schwersten Atomunfalls der Welt, beginnt sich allmählich zu erholen, da Pflanzen und Tiere sich das Land wieder zurückerobern

Ungeachtet der Unterschiede wiesen die Samen und Öle aller fünf Sorten hohe Magnesium-, Kalzium-, Eisen-, Mangan-, Zink- und Kaliumkonzentrationen auf, also allesamt Metalle, die für die Ernährung besonders wertvoll sind. Doch bei allen Sorten zeigten die Tests auch eine über dem sicheren, legalen Grenzwert liegende Kadmiumkonzentration, ein giftiges Schwermetall, das diverse gesundheitliche Beschwerden hervorrufen kann – obwohl die Kadmiumkonzentration des Bodens unterhalb des sicheren Grenzwertes lag. Überhöhte Kadmiumanteile fanden sich insbesondere bei den Sorten Armanca und Silvana.

Hanf und die Kadmiumabsorption

Ein exzessiver Verzehr von kadmiumreichen Speisen kann zu Fehlbildungen von Gelenken und Knochen, Atemwegserkrankungen, Anämie und Nierenversagen führen. Für Gegenden mit kadmiumhaltigen Böden sollten daher nur Hanfsorten ausgewählt werden, die Kadmium schlecht aufnehmen können, damit der Konsum der Pflanze für Menschen und Tiere unbedenklich ist.

Einer Studie aus dem Jahr 2011 zufolge, bei der chinesische Hanfsorten untersucht wurden, besitzen viele Hanfsorten die Fähigkeit, sogar große Kadmiummengen im Boden zu absorbieren und anzusammeln, ohne dass die Pflanze selbst geschädigt würde. Durch dieses Ergebnis ergeben sich verschiedene Schlussfolgerungen in Bezug auf die Auswahl der Böden für den Anbau sicher konsumierbaren Hanfs.  Es zeigt jedoch auch, dass kadmiumverseuchte Anbauflächen besonders von den Maßnahmen zur Phytoremediation profitieren, die primär oder ausschließlich Hanf verwenden. Darüber hinaus kann Hanf, selbst wenn er zur Dekontamination des Bodens verwendet wurde und deshalb nicht konsumiert werden darf, immer noch für eine Reihe von industriellen Zwecken benutzt werden, wie zum Beispiel für Biokraftstoff.

Schwermetalle im Boden sind für Hanf zumeist unschädlich

Die Widerstandsfähigkeit von Hanf gegenüber Schadstoffen im Boden ist vielfach nachgewiesen worden. Schon 1975 beschrieb eine Studie, die im Agronomy Journal veröffentlicht wurde, wie sich Bodenmerkmale auf die Aufnahme von Elementen auswirken und selbst endgültige Cannabinoidprofile in psychotropen Sorten beeinflussen können. Um dies zu demonstrieren, wurden fünfzehn Anbauflächen mit unterschiedlichen Bodenprofilen mit der gleichen afghanischen Cannabissorte bepflanzt, und deren Ernten wurden dann auf ihren Metallgehalt hin untersucht. Die Forscher folgerten, dass die festgestellten Unterschiede nun zur Bestimmung der geografischen Herkunft von Cannabis verwendet werden könnten, indem eine Blattanalyse durchgeführt wird.

http://www.flickr.com/photos/fidot/
Wenn sich die Vegetation wieder auf ihren früher besiedelten Gebieten ausbreitet, kann die Verjüngung des Ökosystems durch die Hinzufügung von Arten unterstützt werden, die als effektive Extraktoren der im Boden enthaltenen Schwermetalle bekannt sind

Und 1995 veröffentlichte das polnische Institut für Naturfasern eine Studie, die zeigte, dass die getesteten Sorten in der Lage waren, hohen Schwermetallkonzentrationen im Boden zu widerstehen, ohne dass das Wachstum, der Ertrag oder die Faserqualität der Pflanze beeinträchtigt wurden. Allerdings ist noch kaum untersucht worden, wie sicher der Gebrauch der Fasern in Kleidung oder in anderen industriellen Anwendungen ist. Diese Frage muss gründlich erforscht werden, um die Verwendungsmöglichkeiten von Hanf herauszufinden, der unter solchen Bedingungen angebaut wird.

Als wertvolles Hilfsmittel, das sich im Kampf um die Behebung der vom Menschen verursachten Schäden unserer Böden und Ökosysteme immer wieder bewährt hat, könnte Hanf künftig Hunderte oder Tausende von Anbauflächen rundum den Erdball verbessern—allein in den USA gibt es schätzungsweise 30.000 Anbauflächen, die einer Sanierung bedürfen. Doch wie so oft wird die Einleitung großangelegter Aktionen auch hier wieder durch die US-Restriktionen des Hanfanbaus verhindert, und daher wird eine Sanierung des Großteils der kontaminierten Anbauflächen wohl ausbleiben, weil es der Regierung sowohl an Interesse als auch an Mitteln für diese Aufgabe fehlt.

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jani

Verstrahltes Gras, wie herrlich ^^

12/02/2014

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.