Cannabis in Südafrika – Gesetze, Konsum und Geschichte

Wenn es um Cannabis geht, hat Südafrika einige der entspanntesten Gesetze der Welt. Der private Konsum wurde für freizeitliche und medizinische Zwecke entkriminalisiert, obwohl man Cannabis nach wie vor nicht verkaufen oder verbreiten darf. Südafrika ist auch einer der größten Cannabisproduzenten und -exporteure der Welt und beheimatet die bekannte Landrassensorte Durban.

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    • Legal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Entkriminalisiert
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal

Cannabis-Gesetze in Südafrika

Darf man in Südafrika Cannabis besitzen und konsumieren?

Vor 2018 wurde Cannabis (oder „Dagga“) in Südafrika als Suchtstoff der Kategorie 1 eingestuft. Das bedeutete, dass es illegal war, es zu besitzen, selbst für den Eigenbedarf. Die meisten Menschen, die mit kleinen Mengen erwischt wurden, erhielten jedoch in der Regel eine Geldstrafe oder sogar nur eine Verwarnung.

In einem richtungsweisenden Urteil im Jahr 2018 entschied das südafrikanische Verfassungsgericht jedoch, dass der private Cannabiskonsum legalisiert werden sollte. Der stellvertretende Oberste Richter Raymond Zondo kommentierte dies folgendermaßen: „Es ist keine Straftat, wenn ein Erwachsener Cannabis privat konsumiert oder für den Eigenbedarf besitzt.“ Das Gericht vertrat die Ansicht, dass die bisherigen Gesetze das Recht auf Privatsphäre verletzt hätten. Der öffentliche Konsum von Cannabis ist weiterhin illegal.

Einige glauben, dass diese Gesetzesänderung zur Kommerzialisierung von Cannabis in Südafrika führen wird. Einige Unternehmen bereiten sich bereits darauf vor, das Beste daraus zu machen.

Darf Cannabis in Südafrika verkauft werden?

Es ist nach wie vor illegal, Cannabis in Südafrika zu verkaufen oder zu verbreiten. Wenn man beim Handel mit Cannabis erwischt wird, kann man zu einer 25-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt werden (obwohl dies in der Praxis nicht häufig geschieht).

Die am häufigsten ins Visier genommenen Personen sind sogenannte „Maultiere“ – Menschen, die Cannabis im Namen illegaler Kartelle in andere Länder schmuggeln. Oft werden mehrere Maultiere gleichzeitig losgeschickt, die jeweils etwa zehn bis fünfzig Kilogramm mit sich führen. Dabei werden oft junge, weiße Frauen eingesetzt. Verhaftungen erfolgen in der Regel während der Fahrt des Maultiers oder im Zielland. Ein Interview mit einem solchen Maultier kannst man sich hier anhören.

Darf Cannabis in Südafrika angebaut werden?

Dank der Entscheidung des südafrikanischen Verfassungsgerichts aus dem Jahr 2018 ist es nun gestattet, Cannabispflanzen in der Privatsphäre des eigenen Zuhauses anzubauen. Der Anbau muss auf eine Menge begrenzt sein, die in vertretbarer Weise dem „Eigenbedarf“ entspricht – baut man beträchtliche Mengen an, so kann man strafrechtlich verfolgt werden.

Die Entscheidung besagt: „Je größer die Cannabismenge, die eine Person besitzt, desto größer ist die Möglichkeit, dass sie für einen anderen Zweck als den Eigenbedarf genutzt wird. Wird einer Person der Besitz von Cannabis vorgeworfen, so trägt der Staat die Beweislast dafür, dass der Zweck des Besitzes nicht der Eigenbedarf ist.“

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels hat sich das Gesetz erst vor Kurzem geändert – was bedeutet, dass es noch einige Unklarheiten hinsichtlich genauer Definitionen gibt. So könnte beispielsweise der Anbau von Cannabis in einem „privaten Bereich“ sinnvollerweise über das eigene Zuhause hinausgehen – zum Beispiel könnte der Anbau in privaten Clubs oder sogar Bars und Hotels möglicherweise legal sein.

Ist CBD in Südafrika legal?

Es ist illegal, Cannabis in Südafrika zu verkaufen. Dieses Gesetz gilt nicht für Produkte, die maximal 0,2 Prozent THC enthalten (THC bewirkt das „High“). CBD-Öl fällt in diese Kategorie und so sind der Erwerb und der Konsum legal.

Dürfen Cannabissamen nach Südafrika geschickt werden?

Es ist nun erlaubt, Cannabis für den Eigenbedarf an einem „privaten Ort“ anzubauen. Daher ist es legal, Samen zu kaufen und zu besitzen, auch wenn man damit Cannabispflanzen growen möchte. Man darf auch Samen legal per Post aus anderen Ländern entgegennehmen.

Medizinisches Cannabis in Südafrika

Cannabis wurde 2017 für medizinische Zwecke zugelassen. Der IFP-Abgeordnete Narend Singh, der an dem neuen Gesetzesentwurf arbeitete, sagte dazu: „Tausende Patienten verwenden bereits Cannabisöl, das zu sehr hohen Preisen angeboten wird, und wir wollten, dass es frei zugänglich wird, sodass Patienten, die nach Addington oder in jedwedes andere staatliche Krankenhaus gehen, dies ohne die damit verbundenen exorbitanten Kosten anfordern können. Patienten müssen eine freie Wahl haben.“

Die Regierung erklärte in einer öffentlichen Stellungnahme: „Der Anbau von medizinischem Cannabis zielt darauf ab, die Verfügbarkeit eines standardisierten, qualitätsgesicherten Produkts für medizinische, wissenschaftliche und klinische Forschungszwecke sicherzustellen.“ Sie betonte auch, dass „das erzeugte Cannabis sowie die daraus resultierenden Produkte strengen Sicherheits- und Qualitätskontrollen unterliegen.“

Industriehanf in Südafrika

Früher war die Hanfproduktion in Südafrika weit verbreitet. Nach dem Verbot von Cannabis im Jahr 1928 wurde der legale Anbau jedoch vollständig eingestellt.

Viele sind optimistisch, dass nach den jüngsten Gesetzesänderungen bezüglich des Eigenbedarfs die Gesetze auch in Bezug auf Industriehanf geändert werden. Im Jahr 2018 kündigte das südafrikanische Ministerium für Handel und Industrie an, dass es Pläne gäbe, das wirtschaftliche Potenzial von Hanf in einer Vielzahl von Sektoren zu prüfen. Minister Rob Davies erklärte auch, dass Südafrika das Potenzial habe, ein „innovativer Akteur“ auf dem schnell wachsenden Hanfmarkt zu werden.

Es gibt auch noch andere Initiativen. Zum Beispiel wurde kürzlich der Cannabis Development Council of South Africa (CDCSA) gegründet – eine Organisation, die geschaffen wurde, um Rahmenbedingungen für die Cannabisproduktion zu schaffen, die Regierung bei der Politikgestaltung zu unterstützen und Hanf-Wertschöpfungsketten zu fördern.

Der Landwirtschaftsminister Senzeni Zokwana erläuterte: „Im Umgang mit technischen Fragen der Hanfproduktion, der Forschung und technologischen Entwicklung, der kommerziellen Durchführbarkeit und anderen damit verbundenen Fragen wurden große Fortschritte gemacht.“

All diese Faktoren in Kombination deuten darauf hin, dass die industrielle Hanfproduktion im Land bald wieder aufleben wird.

Politische Parteien und Cannabis

Obwohl viele der politischen Parteien Südafrikas für die Legalisierung von Cannabis waren, gab es auch eine Opposition. Die Afrika Christen Demokratiese Party (Afrikanische Christlich-Demokratische Partei) ist ein nennenswertes Beispiel. Vor der Gerichtsverhandlung äußerte sie sich wie folgt: „Die ACDP und die Mehrheit der Südafrikaner wollen nicht, dass Dagga angesichts der großen Zahl junger Menschen, die mit Drogenabhängigkeit zu kämpfen haben, für den privaten Konsum entkriminalisiert und legalisiert wird. Es ist wichtig, dass das Parlament seinen Standpunkt so schnell wie möglich bekanntgibt.“

Gut zu wissen

Wenn man nach Südafrika reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • Nach der Legalisierung von Cannabis für den Eigenbedarf hat der Markt für hanfbezogene Produkte einen Boom erlebt. Eine Firma, die die Gelegenheit wahrgenommen hat, ist Poison City Brewing, die direkt nach dem Gerichtsurteil ein mit Cannabis angereichertes Bier herausbrachte.

Sales Managerin Natasha Nkonjera sagte dazu: „Unsere erste Charge war innerhalb von zehn Tagen nach ihrer Markteinführung ausverkauft und wir brauen im Moment 100.000 Liter für die nächste Charge, die bereits ausverkauft ist, also haben wir die Menge auf 200.000Liter für die nächste Charge verdoppelt. Es ist absolut unglaublich.“

  • Es wird angenommen, dass das Dagga-Paar (Julian Stobbs und Myrtle Clarke) mitverantwortlich für die Legalisierung von Cannabis für den Eigenbedarf war. Im Jahr 2010 wurden sie wegen Besitz und Handel verhaftet. Anstatt sich schuldig zu bekennen, verklagten sie die Regierung wegen des Cannabisverbots in Südafrika und vertraten den Standpunkt, dass die Gesetze verfassungswidrig seien.

Die Geschichte von Cannabis in Südafrika

Es wird angenommen, dass arabische, indische und portugiesische Händler Cannabis zunächst nach Ostafrika brachten – irgendwann zwischen dem 10. und dem 15. Jahrhundert. Es breitete sich südwärts bis nach Südafrika aus, vor allem wegen der damals dort lebenden indigenen Ureinwohner, insbesondere der Bantu-Stämme wie der Suaheli.

In diesen Stammesgesellschaften wurde der Zugang zu Cannabis von den Ältesten moderiert und eingeschränkt. Es wurde auf sehr strukturierte Weise in Ritualen eingesetzt. Es wurde auch von den Afrikaners (eine südafrikanische Ethnie, die vorwiegend von niederländischen Siedlern abstammt) zur Zubereitung von Tee verwendet.

Im 17. Jahrhundert wollte die Dutch East India Company den lukrativen Cannabismarkt dominieren und verbot den Kapsiedlern, es anzubauen. Dieses Verbot scheiterte, da die Pflanze in der Wildnis leicht zugänglich war. Infolgedessen wurde das Verbot 1700 wieder aufgehoben.

1860 brachte die Kolonie Natal indische Arbeiter ins Land. Die Inder brachten ihre Gewohnheit mit, Cannabis zu konsumieren, was gut mit den bestehenden afrikanischen Bräuchen harmonierte. Die europäischen Behörden waren darüber besorgt und verboten es 1870. Zu dieser Zeit wurde Cannabis als „das schädliche Kraut“ bezeichnet.

Bis 1921 hatte sich die negative Haltung gegenüber Cannabis vollständig etabliert. Es wurde 1928 vollständig kriminalisiert und das Gesetz blieb bis 2018 unverändert bestehen.

Landrassensorten in Südafrika

In Südafrika wachsen zahlreiche Cannabis-Landrassensorten. Darunter befinden sich:

  • Durban. Durban ist die berühmteste Landrassensorte und war in der Vergangenheit besonders in den Amsterdamer Coffeeshops beliebt. Es ist eine große, längliche Sativa, die spärliche, schmale Blätter und nur wenige Zweige aufweist. Sie hat eine lange Blütezeit (wie viele andere süd- und ostafrikanische Sativas) und bewirkt ein zerebrales, erhebendes High.
  • Rooibaard (redbeard). Rooibaard verdankt seinen Namen seinen markanten roten Härchen und der rötlichen Farbe seines Harzes. Wie auch Durban ist diese Sorte groß und schlank.
  • KwaZulu. KwaZulu ist eine weitere Sativa und ist auf dem nördlichen Hochland der Drakenburg anzutreffen. Sie hat eine kürzere Blütezeit (neun bis zehn Wochen) und ist äußerst resistent gegenüber Krankheiten und Schimmelpilzbefall.

Fakten zum Thema „legaler Cannabiskonsum“

Die Legalisierung von Cannabis für den Eigenbedarf trat erst Ende 2018 in Kraft. Das bedeutet, dass es noch einige Unklarheiten darüber gibt, was genau legal ist und was nicht. Hier ist, was bisher bekannt ist:

  • „Sündensteuern“. Sowohl Alkohol als auch Tabak unterliegen in Südafrika einer „Sündensteuer“. Es ist also durchaus möglich ist, dass auch Cannabis so versteuert werden könnte. Es ist allerdings noch nicht sicher, da Cannabis im Gegensatz zu Tabak oder Alkohol einen medizinischen Wert hat.
  • Wie viel? Die Regierung erklärte, dass der Eigenbedarf auf „genug für eine Person“ beschränkt sei. Dies ist mehrdeutig und wird in Zukunft wahrscheinlich noch weiter präzisiert. Derzeit orientieren sich die meisten Menschen am Drugs and Drug Trafficking Act 140, der besagt, dass alles unter 115 Gramm als Eigenbedarf deklariert werden kann.
  • Auf der Durchreise? Es können Situationen auftreten, in denen Einzelpersonen etwas Cannabis irgendwohin mitnehmen (mit der Absicht, es privat zu konsumieren, beispielsweise bei einem Freund zu Hause). Während sie dorthin gehen oder fahren, befinden sie sich an einem öffentlichen Ort, was bedeutet, dass sie streng genommen gegen das Gesetz verstoßen, wenn sie Cannabis mit sich führen.
  • Das Gericht versuchte, dies mit folgenden Worten zu klären: „Wenn ein Polizist eine Person erwischt, die Cannabis mit sich führt, und denkt, dass es nicht für den Eigenbedarf bestimmt ist, wird er der Person die Fragen stellen, die notwendig sind, um sich selbst davon zu überzeugen, dass das Cannabis, das sie besitzt, für den Eigenbedarf bestimmt ist.“ Kurz gesagt scheint es, dass die Auslegung im Ermessen des jeweiligen Polizisten liegt.
  • Versorgung? Es ist immer noch illegal, Cannabis zu verkaufen, also fragen sich viele Südafrikaner, woher sie es beziehen sollen. Der Anbau einer begrenzten Anzahl an Pflanzen ist erlaubt, aber einige Leute haben vielleicht nicht die Fertigkeiten, sie erfolgreich anzubauen. Daher ist es denkbar, dass das Recht verfeinert wird, um in Zukunft irgendeine Form des Verkaufs zu ermöglichen.
  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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