Marihuana, Empathie und Fälle von schwerem Autismus, Teil II

Wenn wir über schwere Fälle von Menschen mit autistischen Spektrums Störungen (ASS) sprechen, ist es wichtig zu betonen, dass wir keine Persönlichkeiten wie Sheldon Cooper aus der Serie Big Bang Theory oder den von Dustin Hoffman gespielten „Rainman“ meinen. Kinder mit schweren Formen von ASS sind häufig extrem autoaggressiv und/oder gegenüber anderen Menschen aggressiv. Gewöhnlich haben sie intensive Trotzanfälle, spielen keine fantasievollen oder interaktiven Spiele und bevorzugen einsame und ritualisierte Spiele.


Gibt es ein größeres Wunder als jenes, für einen Moment durch die Augen eines anderen zu sehen?”

Henry David Thoreau, Schriftsteller, 1817-1862

Autistische Spektrum-Störung (ASS)

Wenn wir über schwere Fälle von Menschen mit autistischen Spektrums Störungen (ASS) sprechen, ist es wichtig zu betonen, dass wir keine Persönlichkeiten wie Sheldon Cooper aus der Serie Big Bang Theory oder den von Dustin Hoffman gespielten „Rainman“ meinen. Kinder mit schweren Formen von ASS sind häufig extrem autoaggressiv und/oder gegenüber anderen Menschen aggressiv. Gewöhnlich haben sie intensive Trotzanfälle, spielen keine fantasievollen oder interaktiven Spiele und bevorzugen einsame und ritualisierte Spiele. Sie haben Schwierigkeiten mit sprachlicher und nichtsprachlicher Kommunikation (einige sprechen überhaupt nicht), und schließen keine Freundschaften, sind zurückgezogen, halten keinen Augenkontakt aufrecht, zeigen Sie einen Mangel an empathischem Verstehen, sind emotional instabil, und werden ärgerlich oder sind gestresst, wenn Routinen geändert werden. (Vergleiche den Eintrag “Autism”, A.D.A.M. Medical Encyclopedia. Atlanta (GA): A.D.A.M.; 2013) Autistische Kinder scheinen meist sehr unglücklich zu sein und verhalten sich verärgert oder aggressiv als hätten sie starke Schmerzen. Heute ist eines von 68 Kindern in den USA von Autismus betroffen – die Quote ist in den letzten Jahren ständig gestiegen.

Berichte über autistische Kinder und medizinisches Marijuana

In den letzten sechs Jahren überwanden einige mutige Eltern ihre Vorurteile gegen das, was ihnen die Gesellschaft als ein “böses Rauschgift” darstellte und hörten auf einige Experten, die ihnen empfahlen, es mit medizinischem Marihuana für ihre Kinder zu versuchen.

Killerdrug
Anti Marijuana Propaganda 1935

Viele Eltern hatten festgestellt, dass die Pharmaka, die von ihren Ärzten für ASS verschrieben wurden, überhaupt nichts nutzten oder sogar die Verfassung ihrer Kinder verschlechterten. Für einige Eltern war die Entscheidung für medizinisches Marijuana ein dramatischer letzter Versuch, das Leben ihres Kindes zu retten.

Im folgenden will ich einige ihrer Beobachtungen mit einem speziellen Fokus auf der Verbesserung der geistigen Fähigkeiten berichten, mit anderen sozial zu interagieren. Mehrere Eltern haben beobachtet, dass medizinisches Marihuana hilft, ihre Kinder zu beruhigen, sie zum Lächeln zu bringen und ihre Trotzanfälle und aggressive Handlungsweisen stark verringern. Aber es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, dass wir hier nicht hauptsächlich von einer „Sedierung“ sprechen. Im Gegenteil: Die betroffenen Eltern beschrieben, dass nach der Behandlung mit Marijuana ihre Kinder lebendiger und lebensfroher werden, dass sie auf einmal Dinge tun, zu denen sie vorher nie in der Lage waren, dass sie neugierig auf Neues werden und sozial interagieren.

Ein Vater berichtet über das Verhalten seines 8-jährigen autistischen Sohnes Sam 30 Minuten nach Einnahme einer kleinen Dosis von Marihuana:

Sein Verhalten wurde entspannt und viel weniger unruhig als wir ihm medizinisches Cannabis gaben. Er lachte zum ersten Mal seit Wochen. Meine Frau und ich waren von der Wirkung erstaunt. Es war, als ob die ganze Angst, Wut und Feindschaft, die in ihm umgegangen war, dahinschmolz. An diesem Nachmittag und Abend war sein Verhalten gleichmäßig und ruhig. Er begann mit uns zu sprechen und mit uns zu interagieren. Sam entspannte sich körperlich und begann, Körperkontakt mit dem Wunsch nach Zuneigung zu suchen, ohne Aggression. Es war erstaunlich!”

(http://weedpress.wordpress.com/science/illnesses-marijuana-helps/autism/sam’s-story-using-medical-cannabis-to-treat-autism-spectrum-disorder/)

Mieke Hester Perez, die Mutter eines 12-jährigen autistischen Sohnes, berichtet:

Er stand unter dem Einfluss einer Kombination von dreizehn verschreibungspflichtigen Medikamenten und sein Gewicht fiel unter 21 Kilo. Er wurde zusätzlich zu seinem Autismus mit Anorexie und Unterernährung diagnostiziert. (…) Schließlich gaben ihm seine Ärzte noch sechs Monate zu leben. Ich war am Boden zerstört. Und ich beschloss, dass ich einen Weg finden würde, sein Leben zu verlängern.”

Dann gab sie ihm medizinisches Marihuana:

Die unmittelbare Änderung, die ich sah, war Augenkontakt. Er hat mehr als 9 Kilo zugenommen, er ist glücklicher und benimmt sich besser.”

(Natasha Zouves (2012), http://www.neontommy.com/news/2012/01/ryan-s-story-medical-marijuana-and-autism)

Einige Eltern haben keine Zweifel, dass Marihuana das Leben ihres Kindes gerettet hat. Und während es in diesem Zusammenhang weniger dramatisch klingt, ist der Bericht von Perez über den Augenkontakt doch bemerkenswert: der gehaltene Augenkontakt steht für die Fähigkeit, mit einer Person sozial zu kommunizieren und Gesichtsausdrücke besser zu verstehen.

Autistic-sweetiepie-boy-with-ducksinarow
Autistischer Junge mit arrangiertem Spielzeug

Schwer autistische Kinder haben häufig Probleme, Verhalten nachzuahmen und zu erlernen. C.B., der Vater eines 9-jährigen autistischen Sohnes erzählte mir, wie sein schwer autistischer 9-jähriger alter Sohn nach der Medikamentation mit Marijuana sein Hemd und Pullover zum ersten Mal selbst anzog, und anfing, neue Aktivitäten auszuprobieren. Das Schreien, der Kummer, die emotionale Instabilität waren größtenteils verschwunden. Sein Sohn lächelt, lacht oft und “will einfach nur kuscheln”.

Eine weitere inzwischen prominente Mutter eines schwer autistischen Sohnes, Myung Ok-Lee, schrieb über die Wirkung von medizinischem Marihuana auf ihren 12-jährigen Sohn “J”:

Die Experten leben nicht in meinem Haus , und sie bekommen auch nicht die Belohnung, wie ich an diesem Morgen, als J aufwachte, lächelte, und eine Umarmung wollte — der Junge, der uns früher mit Schmerzensschreien weckte. Der Junge, der, seitdem er 3 Jahre alt war, uns nie Umarmungen gab oder sich umarmen ließ, weil er nicht ertragen konnte, berührt zu werden. (Bezeichnenderweise war der nächste, dem er eine Umarmung schenkte, „Organic Guy“, sein Pflanzer.) Wenn er auf etwas stolz ist, wie zum Beispiel auf seine tolle Fähigkeiten auf dem Fahrrad, schaut er flüchtig, um mein Gesicht zu finden, um sicherzustellen, dass ich zusehe.”

(Myung Ok Lee, (2011) “Why I give my 9-year old son pot, Part 4. Two years in, and I’m still flying solo.” )

Dann brachte Ok-Lee ihren Sohn zu seinem Arzt, während er unter dem Einfluss von medizinischem Marihuana war:

Während der Voruntersuchung war die Kinderärztin von J bestürzt und ein bisschen skeptisch, von der Cannabis-„Therapie“ zu hören. Aber als ich J ins Behandlungszimmer brachte, sah sie, dass er kein bisschen „stoned“ wirkte, was ihre große Angst gewesen war. Statt dessen sagte er ihr „Hallo“, und erlaubte für seine Verhältnisse geduldig ihre Untersuchung, was noch nie vorgekommen war — gewöhnlich kann er nicht ertragen, berührt zu werden, besonders am Kopf. Aber dieses Mal ließ J sie sogar ihr kitzelndes Otoskop in seinen Ohren stecken und ließ sie mit einer Leuchte seine Augen untersuchen. Er sagte auf Befehl „Ah“. Letztes Mal konnte sie sein Herz nicht abhören, weil er fortwährend das Stethoskop von ihrem Kopf riss. Dieses Mal — nachdem er das Abhören zuließ — reichte er ihr das Stethoskop zurück und ließ sie die Untersuchung zu Ende bringen.”

(Ibid.)

Marihuana und die Verbesserung empathischer Fähigkeiten

Marihuana scheint autistischen Kindern auf viele Weisen zu helfen: es macht sie glücklicher, weniger angespannt, verringert stark ihre auto-agggressiven und aggressiven Handlungsweisen sowie Zwangshandlungen, um nur einige positive Wirkungen zu nennen. Was Eltern aber häufig als Wunder beschreiben ist die Veränderung sozialer und empathischer Fähigkeiten: nach der Behandlung mit Cannabis Marihuana halten ihre Kinder häufiger und länger Augenkontakt, sie beginnen sozial zu kommunizieren, spielen mit anderen Kindern, und haben auf einmal Freude daran, zu berühren und berührt zu werden. Sie geben Umarmungen und möchten umarmt werden, und sie zeigen häufig nachahmende Handlungen, zu denen sie nie vorher fähig waren, wie das Spülen einer Schüssel nach dem Essen oder das Anziehen eines T-Shirt. Diese Beobachtungen sind im Kontext der Empathie-Debatte relevant, weil solche Arten des Nachahmens – oder des ‚Widerspiegelns‘ von Handlungen anderer eine grundlegende Fähigkeit darstellt, die auf der Fähigkeit ruht, sich in die Perspektive einer anderen Person zu begeben.

Das empathische Verstehen ist wahrscheinlich die komplexeste und hervorragendste geistige Fähigkeit, die wir mit einigen Tierarten teilen. Wie kann eine Substanz diese Fähigkeit – bei autistischen Kindern sowie häufig bei normalen Marijuana-Nutzern – so drastisch verbessern, wie Berichte von Nutzern zeigen? Könnte es sein, dass das endocannbinoide System an den gleichen neuronalen Systemen funktionell beteiligt ist, die unseren empathischen Fähigkeiten zugrunde liegen? In meinem nächsten Essay werde ich zeigen, dass neue wissenschaftliche Ergebnisse tatsächlich in dieser Richtung weisen.

Kommentar Abschnitt

Senden Sie den Kommentar

KuwePB

Ich hoffe die derzeitigen Studien bzgl. CBD /Cannabidiol werden schnell abgeschlossen. Ich denke eine Menge Menschen würden die Zulassung als Medikament sehr begrüßen.

01/07/2014

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.