Salvia Divinorum: Konsum, Wirkung, Geschichte & Wissenschaft

Salvia Divinorum ist ein in Mexiko heimischer Strauch, der seit Jahrhunderten von den indigenen Mazatec-Stammesangehörigen für spirituelle und medizinische Zwecke genutzt wird. Heutzutage interessiert das starke natürliche Halluzinogen in der westlichen Welt hinsichtlich Freizeitkonsum, aber allmählich auch bezüglich potenziellen medizinischen Gebrauchs.

Die Art S. divinorum ist ein Mitglied der Gattung Salvia, einer großen Gruppe von mehr als 900 Arten, die zur Familie der Lamiaceae (Minze) gehören. Obwohl sich der gebräuchliche Name „Salbei“ insbesondere auf Salvia officinalis bezieht – aus dem das zum Kochen verwendete Kraut gewonnen wird – kann er sich auch auf jede Zier- oder Heilpflanze innerhalb der Gattung beziehen.

Die Salvia-Divinorum-Pflanze, im Folgenden Salvia genannt, ist ein großer Strauch mit quadratischen, hohlen Stängeln. Sie hat haarlose, eiförmige Blätter, die ausgezackt oder gezähnt sein können und zwischen zehn und dreißig Zentimeter lang sind. Die Pflanze wird über einen Meter hoch, und ihre Stängel sind besonders bruchanfällig und senken sich zum Boden, wo sie mit großer Begeisterung neue Wurzelansätze bilden.

Die nur selten auftretenden Blüten sind weiß mit violetten Blütenkelchen und bilden nur in seltenen Fällen einen lebensfähigen Samen. Stattdessen ermöglicht die Neigung der Pflanze, ihr, entlang ihres Stammes neue Wurzeln zu bilden, eine außerordentlich einfache vegetative Vermehrung, die die vorrangige Reproduktionsmethode der Pflanze darstellt.

Wo ist Salvia zu finden?

Salvia wächst in den Nebel- und Tropenwäldern der Sierra Mazateca, die sich im Nordwesten des Bundesstaates Oaxaca in Mexiko befindet. Salvia ist in Höhen zwischen 300 und 1.830 Metern über dem Meeresspiegel zu finden. Es wächst gewöhnlich am Rand der häufig vorkommenden Bäche und Flüsse, die bergab zum Rio Tonto, einem wichtigen Nebenfluss des Rio Papaloapan, führen.

Salvia gedeiht in feuchtwarmer, schattiger Umgebung und bevorzugt schwarze Erde mit hohem Humusgehalt. Viele Jahre lang verbargen die Mazatec-Stämme aufgrund des Werts und des heiligen Status der Pflanze, die Orte, an denen Salvia zu finden ist, vor europäischen Botanikern und Taxonomen.

Anbau von Salvia-Samen

Salvia stellt für Taxonomen ein gewisses Rätsel dar, da nicht vollständig verstanden wird, ob es sich bei der Pflanze um ein Kultigen (ein Produkt der Kultivierung), einen natürlichen Hybrid oder eine echte Spezies handelt. Die Unsicherheit ist auf die vegetativen Reproduktionsart der Pflanze und die ungewöhnliche Sterilität zurückzuführen, die häufiger bei sterilen Hybriden (Maultiere und Esel sind Beispiele für dieses Phänomen bei Säugetieren) oder bei Inzucht-Sorten auftritt.

Neuere genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich bei der Pflanze nicht um einen interspezifischen Hybrid handelt, obwohl ihr Ursprung unklar bleibt.

Salvia-Stecklinge: Eine Alternative zu Samen

Aufgrund des Mangels von lebensfähigen Samen kann Salvia nur durch vegetative Vermehrung („Klonen“) angebaut werden. Die Stecklinge werden einer erwachsenen Mutterpflanze entnommen und bilden in Leitungswasser innerhalb von zwei bis drei Wochen Wurzeln aus. Die Blüte ist, genau wie bei Cannabis, photoperiodenabhängig und tritt ein, wenn die Tageslänge auf zwölf Stunden oder darunter fällt.

Was verursacht die psychoaktive Wirkung von Salvia?

Salvia enthält nachweislich den Wirkstoff Salvinorin-A, ein starkes psychotropes Molekül mit der chemischen Formel C23H28O8. Ungewöhnlich für ein natürlich vorkommendes Halluzinogen ist, dass Salvinorin-A kein Stickstoffatom enthält und somit kein Alkaloid ist (im Gegensatz zu DMT, Meskalin und Psilocybin).

In der Tat handelt es sich um ein Terpenoid, das zu der gleichen Klasse von organischen Chemikalien gehört, zu denen auch Cannabinoide, Menthol, Kampfer und viele andere wichtige Naturstoffe gehören. Nach Masse ist es das stärkste natürliche Halluzinogen, das ab Dosen von 200 µg wirksam ist (Psilocybin ist bei 6 mg, DMT bei 60 mg und Meskalin bei 100 mg wirksam).

Salvinorin-A ist ein Kappa-Opioid-Rezeptor-Agonist und ist der erste nicht-alkalische Wirkstoff, der bekanntermaßen diesen spezifischen Rezeptor beeinflusst. Alle anderen natürlich vorkommenden Halluzinogene beeinflussen den 5-HT2a-Serotonin-Rezeptor, aber Salvinorin-A hat keinen Einfluss auf diesen Rezeptor. Es wird angenommen, dass die Haupteffekte von Salvinorin-A durch die Aktivierung des Kappa-Opioid-Rezeptors realisiert werden. Allerdings ist inzwischen bekannt, dass die Substanz auch ein Teilagonist des D2-Dopaminrezeptors ist.

Mögliche Risiken und Behandlung einer Salvia-Vergiftung

Aufgrund der oben genannten Eigenschaften und im Gegensatz zu den meisten anderen natürlichen Halluzinogenen erzeugt Salvinorin-A beim Anwender einen dissoziativen Zustand, der oft dysphorisch bezeichnet werden kann. Intensive Wohlgefühle werden nicht oft berichtet, vielmehr soll das Medikament intensive, oft erschütternde und verstörende, visionäre oder tranceähnliche Zustände verursachen, auch wenn unkontrollierbares Lachen häufig beobachtet wird.

Es gibt viele mögliche Nebenwirkungen des Konsums von Salvia, die vor allem das Gehirn betreffen (aber es kann auch physiologische Effekte geben). Dazu können gehören:

  • Kurze, intensive Halluzinationen
  • Paranoia
  • Stimmungsschwankungen
  • Das Gefühl, vom Körper losgelöst zu sein
  • Veränderte visuelle Wahrnehmungen
  • Undeutliche Sprache
  • Schwitzen
  • Schwindelgefühl

Das High beim Konsum von Salvia ist fast augenblicklich und intensiv, auch wenn es nur kurz anhält. Zur Zeit scheint es jedoch keinen Konsens über irgendeine Art von Behandlung der Salvia-Vergiftung zu geben.

Traditionelle Verwendung von Salvia

Salvia wird von den indigenen Mazatec-Stämmen seit Jahrhunderten in spirituellen und religiösen Ritualen verwendet. Typischerweise werden nur die frischen Blätter für das schamanische Mazatec-Ritual verwendet. Das Blatt wird zerkleinert, um die Säfte zu extrahieren, bevor es mit Wasser vermischt und getrunken wird, um die gewünschte visionäre Wirkung zu erzielen. Alternativ können auch große Mengen an frischen Blättern gekaut und geschluckt werden.

Salvia ist integraler Bestandteil der von den Mazatec praktizierten Heilungsrituale, da es dem Benutzer den „Zugang“ zum Reich der Geister ermöglicht, von denen angenommen wird, dass sie Krankheit und Gesundheit in der materiellen Welt kontrollieren. Oft wird Salvia als Ersatz für Psilocybin-Pilze verwendet, aber es gibt einige Schamanen, die Salvia hauptsächlich verwenden.

Normalerweise findet das Salvia-Ritual in der Dunkelheit statt, und die Teilnehmer werden ermutigt, sich in Stille und Bewegungslosigkeit hinzulegen. Bevor die Blätter oder der Aufguss konsumiert werden, wird er gesegnet und den Geistern geweiht. Dann konsumiert der Schamane (und möglicherweise auch die kranke Person oder die kranken Personen) das Salvia und wartet darauf, dass sich die Effekte zeigen. Wenn die Visionen für den Schamanen von Bedeutung sind, wird die Ursache der Krankheit identifiziert und es kann ein weiteres Vorgehen geplant werden.

Salvia wird auch zur direkten Behandlung verschiedener Krankheiten wie Kopfschmerzen, Rheuma, Durchfall und Anämie eingesetzt; zu diesem Zweck wird es in niedrigeren Dosen eingesetzt und meist als Tee verabreicht.

Aktuelle Nutzung und Verfügbarkeit

Zurzeit sind Salvia- und Salvia-Extrakte reichlich vorhanden und leicht zu beschaffen, entweder online oder in lokalen Smartshops und Headshops. Es ist üblich, Produkte im Handel zu finden, die aus getrockneten Blättern bestehen, die mit extrahierten Säften angereichert sind, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen — solche Produkte werden oft in Stärkeklassen von 10x, 20x und sogar höher verkauft (obwohl es keinen Standard für die Wirksamkeit gibt und die Variabilität zwischen den Produkten hoch ist).

Während Salvia von den meisten Anwendern als Freizeitdroge verwendet wird, bleibt der rituelle Gebrauch innerhalb der verbliebenen Mazatec-Stämme bestehen; durch den Synkretismus traditioneller Religion und christlicher Überzeugungen, die von den spanischen Konquistadoren importiert wurden, ist die Pflanze heute als ska María Pastora („Blätter der Hirtin Maria“) bekannt und wird mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht.

Legalität von Salvia – Saatgut und Pflanze

Salvia ist in den meisten Ländern und in den meisten US-Bundesstaaten legal. Es gibt jedoch einige, die die halluzinogenen Auswirkungen für gefährlich und gesellschaftlich inakzeptabel erachten und daher die Pflanze verboten haben oder versuchen, sie zu verbieten.

Mindestens dreizehn Länder haben Salvia in irgendeiner Weise verboten oder kontrolliert, darunter Australien, Belgien, Kroatien, Deutschland, Italien, Kanada, Dänemark und Finnland. Einige Länder haben es für völlig illegal erklärt, während es an anderen Orten lediglich Einschränkungen gibt (z. B: kein Import oder Verkauf, sondern persönlicher Anbau, Besitz oder Konsum wird entkriminalisiert).

In den USA wird Salvia in ihrer Liste der kontrollierten Substanzen nicht als kontrollierte Substanz geführt, obwohl verschiedene Staaten wie Oklahoma, New Mexico, Michigan und Florida (wo der Besitz zu bis zu fünf Jahren Haft führen kann) ihre eigene Gesetzgebung dazu erlassen haben.

Pflanzen wie Salvia geschützt werden müssen

Wie bei den meisten Versuchen, einen Stoff zu verbieten, münden solche Handlungen eher in einem Schwarzmarkt, der nun, für einen zuvor steuerpflichtigen Gegenstand, existiert. Dies wird wahrscheinlich zu einem Anstieg der Kriminalität und des Preises (und damit zu einem Qualitätsverlust) führen, der normalerweise mit einer solchen Politik einhergeht, anstatt dass die fragliche Substanz einfach wie durch das Verbot vermutlich beabsichtigt aus dem allgemeinen Gebrauch verschwindet.


  • Disclaimer:
    Dieser Artikel stellt keinen Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Wenden Sie sich immer an Ihren Arzt oder eine andere zugelassene medizinische Fachkraft. Sie sollten wegen etwas, das Sie auf dieser Website gelesen haben, weder zögern, Ihren Arzt aufzusuchen, noch deswegen eine medizinische Beratung missachten.

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