by Seshata on 01/11/2013 | Konsum

Abhängigkeit von Cannabis

Konsum Viele Leute glauben, dass Cannabis nicht süchtig mache; doch die Abhängigkeit von Cannabis gilt als anerkanntes medizinisches Leiden. Und sie ist in zahlreichen Ländern wegen der zunehmenden Akzeptanz und Verbreitung der Droge vermutlich sogar auf dem Vormarsch. Worin besteht aber nun der Unterschied zwischen Abhängigkeit und Sucht, und wie sieht es im Fall von Cannabis aus?


Unterschied zwischen Sucht und Abhängigkeit

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum anzunehmen, Sucht sei ein körperliches Phänomen, während unter Abhängigkeit ein psychischer Zustand zu verstehen sei. In Wahrheit ist es genau umgekehrt. Als Sucht bezeichnet man ein zwanghaftes Verhalten, das eine Person dazu treibt, immer wieder dem unwiderstehlichen Verlangen nach einem spezifischen Reiz nachzugeben, ungeachtet der negativen Auswirkungen auf die „normale“ Lebensweise, wie beispielsweise bei der Spiel- oder der Sexsucht.

Von allen Personen, die Cannabis mindestens einmal ausprobiert haben, werden vermutlich rund 9 % von der Droge abhängig (Pulpolux)
Von allen Personen, die Cannabis mindestens einmal ausprobiert haben, werden vermutlich rund 9 % von der Droge abhängig (Pulpolux)

Abhängigkeit bezieht sich auf einen physiologischen Zustand, in dem eine Person ohne den Konsum der Substanz weder in der Lage ist, normal zu funktionieren noch den Konsum der besagten Substanz ohne schädliche Auswirkungen einzustellen („Entzug“). Möglich ist außerdem, dass die Toleranzgrenze eines Konsumenten bezüglich der Substanz langfristig steigt, weshalb er immer höhere Dosen benötigt, um denselben Effekt wie zu Anfang zu erzielen.

Eine Person kann unter einer Sucht leiden, ohne gleichzeitig abhängig zu sein, und umgekehrt (so sind zum Beispiel viele Menschen körperlich von Medikamenten abhängig, ohne ein zwanghaftes Suchtverhalten zu zeigen). Jedoch können Konsumenten, die körperlich von einem verschriebenen Medikament abhängig sind, allmählich ein Suchtverhalten entwickeln. Dagegen kommt eine körperliche Abhängigkeit bei zahlreichen Personen, die eine Droge zwanghaft als Genussmittel konsumieren, erst nach anhaltendem starkem Konsum zustande.

Die Definition der „Drogenabhängigkeit“ im U.S. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM = US-Diagnose- und Statistikhandbuch der Geisteskrankheiten) beinhaltet sowohl Elemente der Sucht als auch der Abhängigkeit; kennzeichnend hierfür ist, dass die körperliche Abhängigkeit nach einem langfristigen zwanghaften Konsum entsteht.

Was bedeutet Abhängigkeit von Cannabis?

Betrachtet man diese Definition, dann scheint die Cannabis-„Sucht“ keineswegs weit hergeholt zu sein: Viele Konsumenten von Cannabis als Genussmittel zeigen bis zu einem bestimmten Grad zwanghafte Verhaltensweisen, und bei starkem oder täglichem Konsum kann auch das Alltagsleben der Konsumenten beeinträchtigt werden – sie haben zum Beispiel Probleme, ihren geregelten Tagesablauf aufrechtzuerhalten. Unter anderem fällt es ihnen schwer, einer geregelten Berufstätigkeit oder Studium nachzugehen oder sogar regelmäßig zu essen.

Viele der negativen Folgen, die mit der Abhängigkeit von einer Substanz assoziiert werden, sind in Wahrheit eher auf den sozioökonomischen Status zurückzuführen, wie zum Beispiel ein niedriges Geburtsgewicht, das mit Kokainkonsum in Verbindung gebracht wird (Bridget Coila)
Viele der negativen Folgen, die mit der Abhängigkeit von einer Substanz assoziiert werden, sind in Wahrheit eher auf den sozioökonomischen Status zurückzuführen, wie zum Beispiel ein niedriges Geburtsgewicht, das mit Kokainkonsum in Verbindung gebracht wird (Bridget Coila)

Der Gedanke, dass Cannabis eine körperliche Abhängigkeit bewirken kann, wird von vielen gelegentlichen bzw. Genussmittelkonsumenten rundweg abgelehnt. Die meisten halten es einfach für unmöglich, dass Cannabis zu einer Abhängigkeit führt; doch mehrere Studien belegen eindeutig, dass bei starken Konsumenten Entzugserscheinungen und andere Symptome auftreten. Folglich wird die Abhängigkeit von Cannabis im DSM als klinisches Syndrom anerkannt, unter Berücksichtigung derselben allgemeinen Kriterien wie andere Drogenabhängigkeiten.

Cannabis kann also sowohl süchtig als auch abhängig machen. Meist nach folgendem Muster: Zu Beginn zeigen Genussmittelkonsumenten erste Anzeichen eines Suchtverhaltens, und nach langfristigem starkem Konsum werden sie dann von der Droge abhängig. Wenn die Diagnose Drogenabhängigkeit auf Cannabis angewendet wird, umfasst sie – ebenso wie bei anderen Drogen – gleichermaßen Elemente der Sucht wie der körperlichen Abhängigkeit. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Cannabis zu Sucht und Abhängigkeit führt, weit geringer als bei anderen Drogen, selbst den legalen.

Beweis für die Abhängigkeit von Cannabis

Cannabis erhöht nachweislich die Toleranzgrenze bei starken Konsumenten, und es ist ebenfalls erwiesen, dass er Entzugserscheinungen hervorruft, wenn er abrupt abgesetzt wird. Zu den Entzugserscheinungen gehören unter anderem Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, diverse Ängste, Verlangen nach Cannabis, Launenhaftigkeit und ein Anstieg der Körpertemperatur. Im Allgemeinen treten die Symptome des Cannabisentzugs gleich am ersten Tag der Aussetzung des Konsums auf, erreichen ihren Höhepunkt am zweiten oder dritten Tag und sind gegen Ende der ersten Woche kaum mehr spürbar.

Nach einer Studie, die 1994 durch das National Institute of Drug Abuse (NIDA = Nationales Institut für Drogenmissbrauch) durchgeführt wurde, tritt zwanghafter, zur Abhängigkeit von Cannabis führender Konsum bei rund 9 % der Personen auf, die mindestens einmal Cannabis geraucht haben. Dies ist ein wesentlich niedrigerer Prozentsatz als bei den meisten anderen abhängig machenden Substanzen, wie zum Beispiel Alkohol, Kokain, Heroin und Nikotin (15 %, 17 %, 23 % beziehungsweise 32 %).

Bei Personen, die mehrmals Cannabis geraucht haben, steigt das Risiko, abhängig zu werden, auf rund 33 %. Und bei denen, die täglich Cannabis konsumieren, erhöht sich das Risiko wahrscheinlich sogar auf 50 %. Einer australischen Studie aus dem Jahr 2002 zufolge berichten abhängige Cannabiskonsumenten häufiger von einem zwanghaften Konsum als abhängige Alkoholkonsumenten. Nach Meinung der Forscher treten Entzugserscheinungen ebenso häufig auf wie bei Alkoholentzug, und es wird wesentlich seltener über eine erhöhte Toleranz berichtet.

Wer ist für eine Abhängigkeit von Cannabis anfällig?

Die Risikofaktoren, nach Cannabis süchtig beziehungsweise davon abhängig zu werden, stimmen weitgehend mit denen anderer illegaler Drogen überein und sind im Allgemeinen untrennbar mit dem Lebensstil und dem sozioökonomischen Status verbunden. Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Junge Männer entwickeln mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Cannabissucht als andere Bevölkerungsgruppen, und je früher der Konsum beginnt, desto größer ist das Risiko, dass eine Abhängigkeit entsteht.

Darüber hinaus neigen jedoch Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status weit eher zu einer Drogenabhängigkeit als solche mit höherem Status. Überhaupt deuten zahlreiche Indizien darauf hin, dass ein Großteil der als negativ wahrgenommenen Konsequenzen der Drogenabhängigkeit tatsächlich dem sozioökonomischen Status zugeschrieben werden können. Dafür spricht beispielsweise auch eine wegweisende Studie, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Demnach hängen ein niedriges Geburtsgewicht und andere angebliche Nebenwirkungen des Kokainkonsums während der Schwangerschaft direkt mit diesem Status zusammen, und nicht mit Kokain selbst.

Daher ist es schwierig herauszufinden, in welchem Ausmaß die Abhängigkeit von Cannabis für Nebenwirkungen wie schlechte schulische/berufliche Leistungen, finanzielle Probleme und Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte verantwortlich ist, und bis zu welchem Grad diese Faktoren durch einen niedrigen sozioökonomischen Status und andere Ursachen erklärt werden können.

Wie wird die Abhängigkeit von Cannabis behandelt?

Zurzeit gibt es keine auf Rezept erhältlichen Therapien zur Behandlung der Abhängigkeit von Cannabis. Dennoch mehren sich die Hinweise dafür, dass einige bereits bekannte Therapieprogramme die Tendenz zu zwanghaftem Konsum vermindern könnten.

Die Familientherapie und andere psychologische Therapien können bei der Verminderung des zwanghaften Cannabiskonsums sehr effektiv sein (Aidan McMichael)
Die Familientherapie und andere psychologische Therapien können bei der Verminderung des zwanghaften Cannabiskonsums sehr effektiv sein (Aidan McMichael)

So wurde nachgewiesen, dass die cognitive behavioural therapy (CBT = kognitive Verhaltenstherapie) den Zwang zum Cannabiskonsum außerordentlich effektiv vermindern kann. Auch andere Therapieformen können einem starken Konsumenten helfen, seinen Konsum zu reduzieren oder ganz einzustellen, zum Beispiel die Motivational Enhancement Therapy (Stärkung der eigenen Motivation, um ein Verhalten zu ändern) und die Familientherapie.

Natürlich wäre es unaufrichtig zu glauben, dass der langfristige starke Konsum einer Droge völlig sicher sei und keine nachteiligen Folgen habe, ohne diese Behauptung durch eindeutige empirische Belege untermauern zu können. Dessenungeachtet schlagen viele starke Cannabiskonsumenten alle warnenden Anzeichen für zwanghaftes und abhängiges Verhalten in den Wind, setzen ihren exzessiven Cannabiskonsum einfach fort und reden sich ein, dass sie allenfalls mit geringfügigen langfristigen Schäden rechnen müssten.

Die Literatur zu diesem Thema lässt allerdings den Schluss zu, dass Cannabiskonsum sehr wohl zu einer körperlichen Abhängigkeit führen kann, auch wenn dies offenbar viel seltener vorkommt als bei anderen abhängig machenden Substanzen. Daher sollten Personen, die sich wegen ihres exzessiven oder zwanghaften Konsums Sorgen machen, professionelle Hilfe suchen, sobald sie merken, dass das Problem außer Kontrolle gerät.

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max

rauche schon siet 9 jahre täglich cannabis und komme nicht davon weg . hat jemand ein tip für mich ?

17/03/2015

max

Ich kan dir ein Tip geben.. Er funktioniert wirklich nur wenn du aufhören willst und zwar lautet der tip: Höre auf zu kiffen!!!!

Mehr Tipps brauchst du nicht einfach aufhören und fertig

13/08/2015


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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.