by Scarlet Palmer on 23/11/2018 | Konsum

Lachen – der oft übersehene Nutzen des Cannabiskonsums

Lachen Die Zahl nachgewiesener medizinischer Vorteile von Cannabis steigt immer weiter. In diesem Artikel geht es um einen, der oft übersehen wird: Lachkicks. Cannabis scheint das Lachen dermaßen anzuregen, dass es aus keinem Kiffer-Klischee wegzudenken ist. Lachen soll zudem die Gesundheit verbessern. Was sagt die Wissenschaft über etwaige Zusammenhänge?


„Seine Rolle in intimen Beziehungen wird weit unterschätzt und es ist der Leim guter Ehen. Es synchronisiert die Gehirne von Sprecher und Zuhörer, sodass sie emotional aufeinander abgestimmt sind.“

Das ist laut „Psychology Today“ der aktuelle Stand, doch ist dieses Zitat nicht cannabisbezogen – auch wenn diese Annahme völlig verständlich wäre. Es bezieht sich eigentlich auf etwas, das eng mit dem Cannabiskonsum verbunden ist: das Lachen.

Interessanterweise sind die Auswirkungen des Lachens auf Gehirn und Körper noch immer nicht vollständig bekannt. Man weiß jedoch mehr als über die Auswirkungen von Cannabis auf unsere Psychologie. Dies ist teilweise dem Umstand zu verschulden, dass die Forschung zu diesem Thema von Menschen finanziert wird, die versuchen, Cannabis illegal zu halten – was beim Lachen glücklicherweise nicht der Fall ist. Soweit wir feststellen konnten, gibt es keine Studien, die den Zusammenhang zwischen Lachen und Cannabis untersuchen.

Cannabis und Lachen betreffen die gleichen Teile des Gehirns

Es gibt jedoch Forschungen zu beiden Themen, die zeigen, dass dieselben Teile des Gehirns durch Cannabis betroffen sind, die auch mit Lachen in Verbindung gebracht werden. Bei Cannabis sind dies insbesondere das Kleinhirn, der rechte Frontallappen und der linke Temporallappen. Cannabis erhöht die Durchblutung dieser Bereiche. Dies könnte durchaus durch THC verursacht werden – man bedenke, dass das Gehirn eine enorme Konzentration an CB1-Rezeptoren aufweist, sogar noch mehr, als alle anderen Neuronen, und die werden nachgewiesenermaßen durch THC aktiviert.

Diese Aktivierung wiederum führt zu einer erhöhten Produktion von Dopamin und Serotonin, beides Neurotransmitter, die die Stimmung heben und als „Glücklichmacher“ bekannt sind. Einfacher ausgedrückt: der Konsum von Cannabis bringt einen zum Lachen.

Wenn es darum geht, welche Cannabissorten einen am ehesten zum Lachen bringen, ist subjektive Erfahrung derzeit das Einzige, worauf wir uns berufen können. Einige Leute sind der Meinung, dass Indica-Sorten, die für ihre entspannende Wirkung bekannt sind, eher zum Lachen anregen und begründen dies damit, dass man sich entspannt und wohlfühlen muss, um Humor zu schätzen. Andere stehen aufgrund der zerebralen Stimulation und des damit einhergehenden Gefühls des Staunens auf der Seite der Sativas. Die Komik ist immerhin eine Form der Kreativität. Wieder andere schwören auf Hybride, die das Beste aus beiden Welten verbinden.

Welche Art von Cannabis bringt Sie zum Lachen?

Jüngste Forschungen zu den Cannabinoid- und Terpenprofilen verschiedener Cannabissorten erfordern jedoch eine Neubewertung dessen, was wir über Indicas und Sativas wissen, die bislang durch ihr THC-CBD-Verhältnis definiert wurden. Auf die Frage „Welche Cannabisart soll ich anbauen, um mich und meine Freunde zum Lachen zu bringen?“ kann die Antwort eigentlich nur „Die, die bei Ihnen die gewünschte Wirkung zeigt“ lauten. Wo und mit wem man konsumiert, hat wahrscheinlich genauso viel mit dem Lachkick zu tun wie ein bestimmter Cannabinoid-Fingerabdruck (und wir werden vielleicht irgendwann feststellen, dass es sowieso nur auf die Terpene ankommt).

Es gibt kein spezielles „Lachzentrum“ im Gehirn. Vielmehr beginnt das Lachen mit einer elektrischen Welle, die sich durch die Großhirnrinde bewegt. Die linke Gehirnhälfte analysiert Wörter und Situation, während die rechte die „intellektuelle Analyse“ durchführt, die dafür erforderlich ist, die Situation als lustig empfinden zu können. Der Frontallappen des Gehirns, der mit emotionalen und sozialen Reaktionen verbunden ist, zeigt im Verlauf dieser Welle eine erhöhte Aktivität.

„The Benign Violation Theory of Humour“

Dr. Peter McGraw, Verhaltensforscher, Professor für Marketing und Psychologie und Co-Autor des Buches „The Humor Code“, erklärt, dass drei Bedingungen erfüllt werden müssen, damit Humor entstehen kann.

Erstens muss unser Gehirn eine Situation als eine Art Verstoß auffassen – also alles, was unsere Vorstellung dessen, wie die Welt sein sollte, stört und vermittelt, dass einem „etwas irgendwie falsch vorkommt“. Zweitens muss der Verstoß als unkritisch empfunden werden. Das kann daran liegen, dass die fragliche Situation sich vor langer Zeit zugetragen hat oder jemand anderem zugestoßen ist. Am relevantesten für den Zusammenhang zwischen Cannabis und Lachen ist aber wahrscheinlich, dass einem gewisse Dinge „einfach nicht real vorkommen“. Drittens müssen beide Beurteilungen gleichzeitig erfolgen. Dies ist das Prinzip hinter der „Benign Violation Theory of Humour“.

Die eigene Wahrnehmung spielt auch eine große Rolle dabei, dass einige Menschen einen schwärzeren Sinn für Humor haben und über rassistische, sexistische, Behindertenwitze oder ähnliche Dinge lachen. Dass ein Verstoß sie nicht persönlich verletzt, reicht aus, um ihn als unkritisch wahrzunehmen, auch wenn er die Betroffenen wirklich verletzt. Solche Menschen beschuldigen andere gerne, „keinen Sinn für Humor“ zu haben, obwohl sie es eigentlich sind, die keine Empathie empfinden.

Fördert Cannabis einen sanfteren, alberneren Humor?

In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, dass Cannabis dazu neigt, Empathie gegenüber anderen zu erhöhen und die Mustererkennung zu verbessern. Vielleicht ist es diese Kombination, die zu einem sanfteren, alberneren Humor führt, bei dem vermeintliche Verletzungen der natürlichen Ordnung unkritisch sind, weil sie zu absurd sind. Eine der am häufigsten genannten subjektiven Erfahrungen mit Cannabis ist, dass es Konsumenten dabei hilft, die Absurdität des Alltags zu sehen, was ausreicht, um sie in hilfloses Gelächter ausbrechen zu lassen.

Dies ist keineswegs eine neue Entdeckung. Etwa 79 nach Christi Geburt schrieb Plinius der Ältere folgendes über Cannabis: „Wenn es mit Myrrhe und Wein verzehrt wird, befallen alle möglichen Phantome den Geist, was zu einem sehr lange anhaltenden Lachen führt.“ Er bezeichnete Cannabis als „Gelotophyllis“, was aus dem Lateinischen wörtlich übersetzt „Blätter des Lachens“ bedeutet. Das Studium des Lachens ist als Gelotologie bekannt.

Lachen ist auch ansteckend. Wir lachen dreißig mal häufiger in Gesellschaft als allein. Dies wurde durch verschiedene Studien belegt und ist der Grund dafür, dass in Comedyserien Publikumsgelächter zu hören ist. Selbst wenn man sie alleine schaut, erhält man dann zusätzliche Lach-Impulse. Der Akt des Lachens mit anderen Menschen schafft soziale Bindungen und ein Gruppengefühl. Die ist eine weitere Sache, die das Lachen mit Cannabiskonsum gemein hat.

Die unterstützende Kraft des Lachens in Gruppen

Lachen in Gruppen kann eine potenziell schmerzhafte, peinliche Situation in eine lustige und unterstützende Situation verwandeln. Die Neurowissenschaftlerin und Stand-Up-Komikerin Sophie Scott beschreibt diesen Umstand wie folgt: „Wir strahlen [Lachen] nicht nur aus, um einander zu zeigen, dass wir uns mögen, sondern sorgen so auch dafür, dass wir uns gemeinsam besser fühlen“.

Humor im eigenen Handeln zu sehen und über sich selbst lachen zu können, ist eine große Stärke. Cannabis ist dafür absolut perfekt. In einer Gesellschaft, die Wert auf Besitz und alltägliche Perfektion legt, ist es gut, ein Mittel zu haben, das uns dabei hilft, über unsere gescheiterten Bemühungen zu lachen und die Absurdität des Strebens nach einem unerreichbaren und fabrizierten Ziel zu erkennen.

Welche physiologische Wirkung hat das Lachen?

Was also macht das Lachen mit unserem Körper? Nur Gutes! Die Atmung nimmt zu und erhöht die Sauerstoffmenge im Blut. Während des Lachens steigen Herzfrequenz und Blutdruck (wie beim Sport). Nach dem Akt des Lachens, der zwischen dreißig und vierzig Muskeln beansprucht, sinkt der Blutdruck und ein Gefühl der Entspannung macht sich breit, das bis zu vierzig Minuten andauern kann.

Einige Studien haben gezeigt, dass das Lachen das Stresshormon Cortisol reduziert, das in Stresssituationen ausgeschüttet wird. Diese Studie besagt, dass es zwar noch immer keine klinischen Studien zum therapeutischen Wert des Lachens gibt, doch ihm werden viele Vorteile „in der Geriatrie, Onkologie, Intensivmedizin, Psychiatrie, Rehabilitation, Rheumatologie, häuslichen Pflege, Palliativmedizin, Hospizpflege, Terminalpflege und allgemeinen Patientenversorgung“ nachgesagt.

Wenn wir die medizinische Wirkung von Cannabis zu dieser beeindruckenden Liste ergänzen, wird deutlich, dass sich Lachen und Cannabis ergänzen. Wir wissen vielleicht nicht genau, warum Cannabis uns verstärkt lachen lässt, aber wir können ganz gewiss die Vorteile dieser Wirkung in Anspruch nehmen!

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