Cannabis im Iran – Gesetze, Konsum und Geschichte

Wenn man bedenkt, dass der Iran eine Revolution durchlaufen hat, ist es seltsam, wie wenig sich seine Cannabisgesetze geändert haben. Während begrenzter persönlichen Gebrauch toleriert wird, drohen harte Gefängnisstrafen für diejenigen, die es verkaufen oder liefern. Die Regierung wurde auch wegen der Anwendung der Todesstrafe kritisiert.

    • Hauptstadt
    • Tehran
    • Einwohner
    • 83,587,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Entkriminalisiert
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabis-Gesetze im Iran

Darf man im Iran Cannabis besitzen und konsumieren?

Cannabis war nicht in Irans erstem Paket von Drogengesetzen enthalten. Dieser Ausschluss deutet darauf hin, dass es in der iranischen Gesellschaft weit verbreitet war und nicht als gefährlicher Stoff angesehen wurde. Äußere Einflüsse (zunehmende Verurteilung von Cannabis in westlichen Kulturen) führten jedoch dazu, dass sich die iranischen Gesetze schließlich änderten.

Das erste Strafgesetz der Pahlavi-Ära (1926) bezog sich speziell auf die Verwendung von Bang, dem lokalen Namen von Cannabis. Bisher war der Konsum von Cannabis keine strafbare Handlung. Mit diesem Gesetz wurden Freiheitsstrafen (acht Tage bis drei Monate) oder Geldstrafen für überführte Konsumenten eingeführt.

1959 erklärte die iranische Regierung, dass Cannabis eine illegale Substanz sei. Dieses Verbot legte den Grundstein für die Unterzeichnung des Einheitlichen Übereinkommens über Betäubungsmittel von 1961 durch das Land.

Heutzutage sind die Gesetze über den Cannabiskonsum etwas verschwommener. Der Iran unterliegt dem islamischen Recht, und der Konsum wird nur vage erwähnt. Der Besitz kleiner Mengen von Cannabis ist fast vollständig entkriminalisiert, und Berichten zufolge ist die Strafverfolgung in diesen Fällen selten.

Das iranische Anti-Drogen-Gesetz (1997) besagt jedoch, dass jeder, der „die Samen oder Kapseln von (…) Cannabis lagert, versteckt oder mit sich führt, zu einer Geldstrafe in Höhe von ein bis 30 Millionen Rials (…) sowie 1 bis 70 Peitschenhieben verurteilt wird“. Die Rechtsprechung gegen Besitzer von 50 oder mehr Kilogramm jeglicher Drogen ist zudem hart: Personen, die mit solchen Mengen erwischt werden, können die Todesstrafe erhalten. Es ist nicht sicher, ob dies auf Cannabis zutrifft.

Diese Gesetze können sich in Zukunft ändern. Saeed Sefatian, Leiter der Arbeitsgruppe zur Reduzierung der Drogennachfrage (im Expediency Council), hat eine Alternative zum derzeitigen System vorgeschlagen, die Maßnahmen zur vollständigen Legalisierung des Cannabiskonsums beinhaltet. Er schlug vor, dass alle Aspekte der Cannabispolitik unter staatliche Verwaltung gestellt werden sollten, vom Anbau bis hin zur Bereitstellung und dem Konsum.

Das ist nicht ganz überraschend. Obwohl der Iran für seine harten Drogenstrafen (Verkauf und Vertrieb) bekannt ist, hat er auch einige progressive Ansätze zur Bekämpfung der Drogenabhängigkeit gewählt. Dazu gehört die Versorgung von Heroinkonsumenten mit sauberen Nadeln (zur Verringerung blutübertragener Krankheiten) und Programmen zur Methadonsubstitution.

Darf man im Iran Cannabis verkaufen?

Der Verkauf oder der Vertrieb von Cannabis im Iran wird als eine schwerwiegendere Straftat angesehen. Die Strafen sind wie folgt:

  • Bis zu 50 Gramm – eine Geldstrafe von bis zu 4 Millionen Rials (85 €) und bis zu 50 Peitschenhieben.
  • Zwischen 50 und 500 Gramm – eine Geldstrafe von 4-50 Millionen Rials (85 – 1.062 €), plus 20 bis 74 Peitschenhiebe, plus 3 Jahre Haft, wenn das Gericht es für notwendig hält. 
  • Zwischen 500 Gramm und 5 Kilogramm – eine Geldstrafe von 50-200 Millionen Rials (1.062 – 4.256 Euro), plus 50 bis 74 Peitschenhiebe, plus 3 bis 15 Jahre Haft.
  • Über 5 Kilogramm – Todesstrafe und Beschlagnahmung des Eigentums, mit der Ausnahme der Übernahme der normalen Lebenshaltungskosten für die Familie der Verurteilten.

Ist es dem Täter jedoch nicht gelungen, die Drogen (mit einem Gewicht von unter 20 Kilogramm) zu verkaufen, wird er mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe plus 74 Peitschenhieben und Beschlagnahmung des Eigentums bestraft.

Die Anwendung der Todesstrafe für drogenbezogene Straftaten (einschließlich Cannabis) wurde weltweit heftig kritisiert. Die iranische Regierung verteidigte ihr Gesetz und behauptete, dass es sein müsse, um das wachsende Problem des Drogenhandels über die iranisch-afghanische Grenze hinweg anzugehen.

Darf man im Iran Cannabis anbauen?

Das Anti-Drogen-Gesetz besagt ausdrücklich, dass der „Anbau von Cannabis zum Zwecke der Herstellung von Betäubungsmitteln“ illegal ist. Wer beim Anbau von Pflanzen für illegale Zwecke erwischt wird, kann eine Geldstrafe für die erste Straftat, dann eine Geldstrafe und 30-70 Peitschenhiebe für eine zweite Straftat erhalten.

Wer ein drittes Mal erwischt wird, erhält eine Geldstrafe von 1-70 Peitschenhieben und zwei bis fünf Jahre Haft. Wer töricht genug ist, ein viertes Mal zu verstoßen, kann die Todesstrafe erhalten.

Der Anbau wird nicht immer bestraft. Wenn die Pflanzen nicht als Betäubungsmittel verwendet werden sollen, sollte er von den Behörden toleriert werden. Wenn das Cannabis jedoch mit blühenden THC-haltigen Spitzen gefunden wird, wird es schwierig, andere Beweggründe zu beweisen.

Artikel 3: Jeder, der Samen oder Kapseln von Mohn, Kokablättern oder Cannabis lagert, verbirgt oder mit sich führt, wird zu einer Geldstrafe in Höhe von 1 bis 30 Millionen Rials sowie 1 bis 70 Peitschenhieben verurteilt. Im Falle von Cannabissamen muss die Absicht festgestellt werden, aus ihnen Betäubungsmittel herzustellen.

Ist CBD im Iran legal?

Die Gesetze über CBD im Iran sind etwas verwirrend. Es wird nicht zwischen CBD und Cannabis unterschieden (obwohl CBD einen sehr niedrigen THC-Gehalt hat und kein „High“ auslösen kann). Es wird weithin akzeptiert, dass CBD kein Betäubungsmittel ist, aber zum Zeitpunkt des Schreibens ist die Haltung des Iran in dieser Angelegenheit unklar.

Können Cannabis-Samen in den Iran geschickt werden?

Cannabissamen sind im Iran leicht erhältlich. Der Kauf und Verkauf als solcher ist legal, auch wenn es illegal ist, die Pflanzen (mit der Absicht, ein Betäubungsmittel herzustellen) anzubauen.

Medizinisches Cannabis im Iran

Derzeit gibt es im Iran kein medizinisches Cannabisprogramm. Das bedeutet, dass es nicht legal verschrieben werden kann. Da das Gesetz jedoch einen begrenzten persönlichen Konsum von Cannabis toleriert, ist es für Patienten relativ einfach, sich selbst zu behandeln, ohne das Risiko einer Haft- oder Geldstrafe einzugehen.

Industrieller Hanf im Iran

Hanf ist im Iran weit verbreitet. Da es keinen hohen THC-Gehalt hat (und kein „High“ auslösen kann), ist es legal, es anzubauen und wird für praktische Zwecke, wie z.B. die Herstellung von Stoff oder Seilen, verwendet. Hanfsamen und Hanfsamenöl werden in der persischen Küche häufig verwendet.

Gut zu wissen

Wenn Sie in den Iran reisen (oder im Land wohnen), ist es gut, Folgendes zu wissen:

Ein Student aus dem Dorf gab eine Erklärung an The Observers ab: „Der Marihuana-Handel hat unserem Dorf tägliche Probleme gebracht. Es gibt Kämpfe zwischen den Händlern, die oft gewalttätig werden. Die Reaktion der Polizei auf all das hat die Feindseligkeit unter den Anwohnern verstärkt.“

Geschichte von Cannabis

Cannabis wird im Iran seit Jahrhunderten angebaut und konsumiert. Es wird angenommen, dass es mit arischen und skythischen Stämmen in das Land eingedrungen ist. In der Antike wurde es als „Kraut der Unsterblichen“ und „heiliges Kraut“ bezeichnet, und bis heute wird es noch immer als Shahdaneh bezeichnet, was „königlicher Samen“ bedeutet.

Vor der islamischen Zeit verwendeten zoroastrische Priester die Pflanze für ihre religiösen Rituale. Diese traditionelle Praxis wurde dann von den Muslimen fortgesetzt, obwohl die Mongolen des 13. Jahrhunderts Haschisch bevorzugten.

Es war jedoch mehr als nur eine rituelle Pflanze für die Menschen im Iran. Cannabis wurde auch wegen seines medizinischen Nutzens geschätzt. Der iranische Wissenschaftler Avicenna empfahl es zur Behandlung von Kopfschmerzen, und der Arzt Al-Razi glaubte, dass Hanfblätter ein Heilmittel gegen Ohrenschmerzen, Blähungen, Epilepsie und sogar Schuppen seien.

Cannabis wurde auch im Iran historisch gesehen als Appetitanregungsmittel und Aphrodisiakum verwendet.

Während der Zeit des Propheten Mohammad wurde die Einstellung zu Cannabis etwas unklarer. Einige Theologen behaupten, dass Mohammed gesagt hat: „Es wird ein Tag kommen, an dem die Menschen eine Substanz namens Banj konsumieren werden. Ich vermeide sie und sie meiden mich.“

Anbau von Cannabis

Im Iran wachsen mehrere Cannabissorten. Die natürlichen Sorten gehören zum Subtyp C. indica sp. Afghanica. Sie sind klein (in der Regel weniger als zwei Meter hoch) und meist stark. Das sonnige, trockene Klima im Iran bietet die perfekte Umgebung für das Wachstum.

Cannabis wird im ganzen Land angebaut, insbesondere in den Städten Sava, Qasemabad und Sahriar. Das Land um die Stadt Shiraz im südlichen Iran ist ein weiterer erstklassiger „Cannabis-Hotspot“. Da die Pflanze seit Jahrhunderten im Iran wächst, sind Cannabisbauern in der Regel sehr kompetent und erfahren. Die Ernte erfolgt meist von Ende August bis Ende November.

Iranischer Haschisch

Ein Großteil des im Iran gefundenen Haschischs stammt aus Afghanistan oder Pakistan. Der Iran hat jedoch eine kleine einheimische Industrie, und das produzierte Haschisch soll von außergewöhnlicher Qualität sein.

Das Land produziert Haschisch von höchster Qualität und gewöhnlicher Qualität, die beide unterschiedliche Produktionsmethoden erfordern.

Haschisch von höchster Qualität

Haschisch von höchster Qualität wird nach dem Knospen der Pflanzen hergestellt, wenn die Knospen und kleineren Blätter bei Berührung klebrig sind. Die Blätter an der Spitze der Stängel und der Knospen werden gesammelt und dann im Dunkeln gelagert, bis sie vollständig trocken sind.

Danach werden sie auf ein Tuch gestreut und darin eingerollt. Dann wird das Tuch gepresst und gerieben. Dieser Prozess stellt sicher, dass die klebrige Paste auf dem Tuch haftet. Das Tuch wird dann über ein glatteres Stück Stoff geschlagen, so dass die weiblichen Blüten hineinfallen. Die klebrigen, fettigen, bräunlichen Blüten und Rückstände, die auf dem Tuch verbleiben, werden gerollt und zu Pellets von höchster Qualität geformt. Die herabgefallenen Blüten (auch klebrig) werden zu Pellets gerollt und dann als Haschisch verzehrt.

Gewöhnlicher Haschisch

Die Cannabispflanzen werden gesammelt, dann werden ihre Äste von den Stängeln entfernt und zusammengebunden (so ähneln sie altmodischen Besen). Diese werden im Dunkeln gelagert, bis sie trocken sind. Anschließend werden die Zweige geschüttelt, wodurch die Blätter auf den Boden fallen.

Die Blätter werden geknetet. Dadurch entsteht eine formbare grüne Substanz, die dann auf ein Tuch oder einen Teppich gelegt und anschließend abgerieben wird (ähnlich wie bei der Produktion hochwertigen Haschischs). Die Paste, die auf dem Tuch haftet, wird zu Pellets geformt – das ist Haschisch der zweiten Klasse. Die zerkleinerten Blätter, die nicht am Tuch haften, werden befeuchtet und dann ebenfalls zu Pellets geformt. Sie sind nicht sehr stark und werden als „Pferdehuf-Haschisch“ bezeichnet.

Wird es in Zukunft legalisiert?

Einige der Drogenpolitiken des Iran sind ziemlich fortschrittlich, was bedeutet, dass es eine Möglichkeit gibt, dass die Regierung die Cannabisgesetze weiter abschwächen könnte. Da es im Land so weit verbreitet ist (und die Behörden es meist tolerieren), kann es in Zukunft für medizinische Zwecke legalisiert werden.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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