Cannabis in Albanien – Gesetze, Konsum und Geschichte

Albanien ist seit Jahren Europas Knotenpunkt für Cannabis, aber erst in jüngster Zeit haben andere Länder angefangen, dies zu erkennen. Die Cannabisproduktion ist hier sehr hoch, obwohl die Behörden ihre Bemühungen gegen den Anbau und den Schmuggel verstärken. Der Konsum der Droge ist illegal, aber der Besitz geringer Mengen wird nicht als Straftat angesehen.

    • Hauptstadt
    • Tiranë (Tirana)
    • Einwohner
    • 2,942,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Entkriminalisiert
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabis-Gesetze in Albanien

Darf man in Albanien Cannabis besitzen und konsumieren?

1994 erließ die albanische Regierung ein Gesetz über Betäubungsmittel und psychotrope Substanzen. Dieses Gesetz klassifiziert Cannabis als kontrollierte Droge und definiert die Richtlinien für den Konsum, die Produktion und den Handel. Ein Jahr später wurde das Strafgesetzbuch der Republik Albanien eingeführt. Der Cannabiskonsum wird dort nicht als eine konkrete Straftat aufgeführt. Der Besitz geringer Mengen für den Eigenbedarf ist nicht strafbar.

Wie in so vielen anderen Ländern, die den privaten Cannabiskonsum entkriminalisiert haben, gab es Unklarheiten bei der Frage, was als „geringe Menge“ anzusehen sei. 2008 erklärte die Regierung, dass eine geringe Menge eine „Einzeldosis“ unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des jeweiligen Individuums und nicht eine offiziell festgelegte Menge sein sollte.

Wird man mit einer größeren Menge als einer „Einzeldosis“ erwischt, wird man also des Drogenhandels angeklagt. Wenn jedoch festgestellt wird, dass man selbst Cannabis konsumiert, kann stattdessen eine Therapie empfohlen werden.

Die Gerichte berücksichtigen in der Regel die besonderen Umstände eines Täters – zum Beispiel sein Alter oder die Cannabismenge in seinem Besitz. Gegebenenfalls können Alternativen wie Bewährungsstrafen oder Hausarrest verhängt werden.

Darf Cannabis in Albanien verkauft werden?

Das Gesetz ist wesentlich strenger, wenn es um den Verkauf oder die Verbreitung von Cannabis geht. Jede Form des Verkaufs (oder der Schenkung) der Droge gilt als illegale Handlung, sofern die Menge eine „Einzeldosis“ übersteigt. Im Falle einer Festnahme kann der Täter zu einer Freiheitsstrafe von fünf bis zehn Jahren verurteilt werden.

Wird man beim organisierten Drogenhandel oder mehrmals erwischt, steigt das Strafmaß auf sieben bis 15 Jahre. Die Freiheitsstrafe wird abermals (auf zehn bis 20 Jahre) verlängert, wenn sich herausstellt, dass der Täter den organisierten Drogenhandel leitet oder finanziert.

Darf Cannabis in Albanien angebaut werden?

Nach dem Gesetz ist es illegal, Cannabis anzubauen. Finden die Behörden Pflanzen auf dem Gelände oder in den Räumlichkeiten einer Person, kann sie zu einer Freiheitsstrafe von drei bis sieben Jahren verurteilt werden.

Nichtsdestotrotz wird Cannabis im ganzen Land sehr häufig angebaut. In der postkommunistischen Ära, als Armut weit verbreitet war, verließen sich viele ländliche albanische Gemeinden auf das Einkommen aus dem illegalen Anbau der Pflanze. Heutzutage kontrolliert die Mafia einen Großteil der Cannabisproduktion. Die Behörden nehmen das Thema ernster und die Zahl der Beschlagnahmungen steigt, aber Cannabisplantagen sind immer noch weit verbreitet.

Ist CBD in Albanien legal?

Das albanische Recht unterscheidet nicht zwischen CBD und Cannabis, obwohl CBD einen niedrigen THC-Gehalt hat, sodass es kein „High“ erzeugt. Der private Konsum wurde jedoch entkriminalisiert, solange der Konsument nur eine „Einzeldosis“ besitzt.

Können Cannabissamen nach Albanien geschickt werden?

Das Gesetz besagt ausdrücklich, dass der Verkauf von Saatgut Drogenpflanzen verboten ist. Obwohl es keine Straftat ist, Samen zu besitzen, dürfen sie nicht legal per Post verschickt werden.

Medizinisches Cannabis in Albanien

In Albanien gibt es kein medizinisches Cannabisprogramm. Das bedeutet, dass Ärzte es nicht zur Behandlung von Erkrankungen verschreiben dürfen. Da aber die Nutzung geringer Mengen nicht strafbar ist, entscheiden sich die albanischen Einwohner manchmal für eine Selbstmedikation mit Cannabis.

Industriehanf in Albanien

2016 debattierte die albanische Regierung über eine mögliche Gesetzesänderung, die den Anbau von Industriehanf wieder erlauben soll. In der Vergangenheit wurde Hanf landesweit angebaut und Politiker gehen davon aus, dass die Wiedereinführung der Pflanze die Wirtschaft des Landes ankurbeln könnte.

Der Abgeordnete Paulin Sterkaj sprach sich für Industriehanf aus und sagte in einem Interview mit Balkan Insight: „Die Menschen in der Region verdienen eine besseres Leben und die Böden eignen sich gut für den Anbau von Hanf, den sie verkaufen und mit dem sie gute Gewinn erzielen können.“

Industriehanf wurde bisher aber noch nicht legalisiert. Der Druck auf die Regierung, die Pflanze wieder anbauen zu lassen, steigt jedoch, während ihr Gruppen wie die American-Alb Hemp Company die Vorteile der Industrie vor Augen führen.

Gut zu wissen

Wenn man nach Albanien reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • Eine Umfrage aus dem Jahr 2014 ergab, dass Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge war.
  • Dieselbe Umfrage ergab, dass etwa zehn Prozent der Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis probiert haben. Die Hälfte dieser Gruppe hat es im letzten Jahr mindestens einmal konsumiert.
  • Laut der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) nimmt auch die Zahl der Drogendelikte zu (obwohl die Delikte in Zusammenhang mit Drogenschmuggel rückläufig sind). 2015 wurden 1.700 Menschen aufgrund von Drogendelikten strafrechtlich verfolgt, die höchste Zahl seit 2011. Man geht davon aus, dass die albanischen Behörden ihre Bemühungen, gegen Drogen vorzugehen, im Rahmen ihres Antrags auf EU-Mitgliedschaft verstärkt haben.

Die Geschichte von Cannabis in Albanien

Die albanischen Klima- und Bodenverhältnisse begünstigen den Cannabisanbau, weshalb die Pflanze dort seit Jahrhunderten wächst. Wie viele andere Pflanzen nutzten die Menschen Cannabis zu traditionellen, aber auch zu praktischen Zwecken.

1944 wurde Albanien zur Volksrepublik Albanien. Diese bestand bis 1992. Während dieser Zeit schaffte Albanien es, sich landwirtschaftlich selbst zu versorgen. Dadurch verbesserte sich der Lebensstandard, allerdings auf Kosten der Religions- und Wirtschaftsfreiheit. So wurden Menschenrechte regelmäßig verletzt und Albaner, die nicht den anerkannten religiösen Bräuchen nachkamen, wurden gefoltert und exekutiert.

Nach heftigen Protesten wurde die Volksrepublik Albanien 1991/92 aufgelöst und wurde durch die Republik Albanien ersetzt. Leider führte dies zu einer schweren Finanzkrise, von der sich das Land immer noch nicht erholt hat.

Andere nutzten die Notlage Albaniens. So haben beispielsweise griechische kriminelle Organisationen große Cannabisplantagen in der südlichen Region Albaniens angelegt. Die dort arbeitenden armen Bauern nutzten die Gelegenheit, um wieder etwas finanzielle Stabilität zu erlangen – die illegale Cannabisindustrie war offiziell geboren.

Sie setzte sich schnell durch und immer mehr ländliche Albaner versuchten, etwas Geld dazuzuverdienen, um ihrer Armut entgegenzuwirken. Die Regierung versuchte, das Problem anzugehen, aber das Ausmaß der illegalen Cannabisindustrie bedeutete, dass eine vollständige Beseitigung praktisch unmöglich war.

1995 waren bewaffnete Übergriffe zwischen Polizei und Landwirten allgegenwärtig.

Der größte Cannabisproduzent Europas?

Jahrzehntelang florierte der albanische Cannabishandel unter dem Radar. Im 21. Jahrhundert wird anderen europäischen Ländern bewusst, wie groß Albaniens illegale Cannabisindustrie wirklich ist.

Ursprünglich in der Umgebung der Stadt Lazarat angesiedelt, hat sich der Handel mit der Pflanze seither ausgebreitet. In der Vergangenheit haben die Drogendezernate innerhalb von nur einem Jahr 2,3 Millionen Pflanzen sichergestellt. 2016 wurde der albanische Cannabismarkt auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt, was damals etwa der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts des Landes entsprach.

Sowohl die US-amerikanischen als auch die europäischen Strafverfolgungsbehörden haben angegeben, dass Albanien der größte Anbieter von Cannabis für den EU-Raum ist. Das Land wird auch als das „Kolumbien Europas“ bezeichnet.

Lazarat – das ehemalige Cannabis-Königreich

Vor 2014 war die kleine Stadt Lazarat das Herzstück der albanischen Cannabisindustrie. Viele der Stadtbewohner waren am Anbau beteiligt und profitierten von den Gewinnen aus dem Verkauf nach Westeuropa. Laut Polizeiberichten hatte allein das in Lazarat angebaute Cannabis einen jährlichen Straßenwert von 4,5 Milliarden Euro.

2014 brachte die albanische Regierung den Cannabisanbau in Lazarat offiziell zum Erliegen. So wurden bewaffnete Polizeieinheiten in das Gebiet geschickt. Der Kampf zwischen den Behörden und den Bürgern der Stadt dauerte mehrere Tage und endete mit der Verhaftung von rund 50 Personen.

Nun ist die Stadt nur noch ein Schatten ihrer selbst. Viele Menschen sind weggezogen und die verbliebenen Bewohner scherzen darüber, dass Lazarat einer der wenigen Orte in Albanien ist, an dem kein Cannabis angebaut wird.

Einer der verbliebenen Bürger der Stadt, Mato Gjini, sagte in einem Interview mit USA Today: „Wir gehörten zu den ärmsten Menschen in ganz Albanien. Was hätte ich denn tun sollen? Ich hatte acht Kinder. Wie hätte ich meine Familie ernähren sollen?“

Es wird vermutet, dass die Motivation der Regierung hinter der Auflösung des Cannabishandels von Lazarat darin bestand, die EU zu beeindrucken und ihre Chancen auf eine EU-Mitgliedschaft zu verbessern.

Floriert der albanische Drogenhandel dennoch?

Trotz der Bemühungen der Regierung scheint die Cannabisproduktion in Albanien nach wie vor zu boomen. Grund dafür ist unter anderem die Aussicht auf gutes Geld für diejenigen, die in der Branche tätig sind. Ein 20-Jähriger, der sich gegenüber der BBC äußerte, sagte: „Als Kellner wurde mir nur ein Drittel dessen bezahlt, was ich mit Cannabis verdiene.“ Er hob die schiere Zahl der Menschen hervor, die in der Branche arbeiten: „Um vier Uhr morgens sieht man draußen Menschen in Massen zur Arbeit gehen […] Die Straßen sind voll – Frauen, Männer, Jugendliche, sogar Kinder.“

Ein anderer Mann, der 15 Mitarbeiter beschäftigt, um das Cannabis zu ernten und zu verarbeiten, fügte hinzu: „Dieses Jahr hat fast jedes Haus im Dorf Cannabis angebaut – Tonnen über Tonnen wurden allein in dieser Gemeinde produziert.“

Laut Angaben der BBC ist Korruption weit verbreitet. Die Cannabisbauern müssen der Polizei einen Teil ihrer Einkünfte auszahlen, um Verhaftungen zu vermeiden.

Wird Cannabis künftig legalisiert?

Da Albanien seine Kampagne für einen EU-Beitritt fortsetzt, ist es unwahrscheinlich, dass das Land seine Cannabis-Gesetze reformieren wird. Wenn überhaupt, dann werden die Gesetze eher noch verschärft und es werden Strafen für den privaten Konsum eingeführt – glücklicherweise war davon bislang noch nicht die Rede.

Da der Rest Europas Cannabis zu medizinischen Zwecken langsam verfügbar macht, besteht die Möglichkeit, dass Albanien in Zukunft ein medizinisches Programm (in welcher Form auch immer) einführen könnte. Dank der wachsenden Zustimmung könnte das Land auch die Rückkehr des traditionellen Hanfanbaus erleben.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

1 Kommentar zu „Cannabis in Albanien – Gesetze, Konsum und Geschichte“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor und Gutachter

  • Profile-image

    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
    Weiterlesen
  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
    Weiterlesen
Scroll to Top