Cannabis in Nordkorea – Gesetze, Konsum und Geschichte

Nordkorea ist gegenüber dem Rest der Welt weitgehend abgeschottet und gilt nicht gerade als liberales Land. In der Vergangenheit behaupteten Experten, dass Cannabis in den Augen des Gesetzes nicht als „harte Droge“ gilt, sondern geraucht, besessen und sogar frei verkauft werden darf. Ob dies so stimmt, ist jedoch unklar– und lässt sich im „Einsiedlerkönigreich“ nur schwer belegen.

    • Hauptstadt
    • P’yongyang
    • Einwohner
    • 25,841,000
    • CBD Produkte
    • not clear
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • not clear
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabis-Gesetze in Nordkorea

Darf man in Nordkorea Cannabis besitzen und konsumieren?

Nordkorea wird gemeinhin als konservatives Land mit sehr strengen Gesetzen angesehen. Obwohl harte Drogen wie Heroin dort illegal sind, behaupten einige Experten, dass dies nicht auf Cannabis zutrifft. Einige Berichte gehen sogar so weit zu behaupten, dass es offen geraucht und sogar verkauft werden dürfe, ohne eine strafrechtliche Verfolgung zu riskieren.

So berichtete „Vice News“ 2013, dass sehr häufig Cannabis unter dem Namen „Ip Dambae“ als preiswerte Alternative zu Tabak geraucht würde.

Es ist jedoch schwierig, die Wahrheit über diesen Sachverhalt zu ermitteln, da nur wenige Menschen das Land bereisen. Der dort lebende schwedische Diplomat Torkel Stiernlof erklärt, dass Cannabis rechtlich gesehen eine illegale Droge ist und als genauso schädlich wie Kokain und Heroin eingestuft wird.

„Associated Press“ berichtete er: „Es sollte kein Zweifel daran bestehen, dass Drogen, einschließlich Marihuana, hier illegal sind. Man kann es nicht legal kaufen und es ist ein Verbrechen, es zu rauchen.“

Die Gesetze in Nordkorea sind generell streng und auf schwere Verbrechen steht die Todesstrafe. Laut der Death-Penalty-Worldwide-Datenbank der Cornell University werden insgeheim regelmäßige Hinrichtungen durchgeführt, einige auch im Zusammenhang mit Drogendelikten. Da die Außenwelt die nordkoreanische Gesetzgebung jedoch nicht einsehen darf, ist es schwierig, irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen.

Darf Cannabis in Nordkorea verkauft werden?

Es ist unklar, ob der Verkauf oder die Verbreitung von Cannabis in Nordkorea legal sind und widersprüchliche Berichte machen es schwer, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. So veröffentlichte „Radio Free Asia“ (ein von der US-Regierung finanzierter Sender) 2018 eine Story, in der es hieß, dass Nordkoreaner Cannabis aus der Sonderwirtschaftszone Rasŏn an chinesische und russische Touristen verkauften.

Es wird angenommen, dass es sich bei diesem Cannabis tatsächlich um Hanf handelte, der nicht genügend THC enthält, um ein High zu bewirken. Der Geschäftsführer von Young Pioneer Tours, Troy Collings, kommentierte dies: „Ich habe den Hanf gesehen und sogar gekauft, aber er enthält kein THC und wird nur als preiswerter Tabakersatz verkauft […] er macht einen nicht high, egal wie viel man davon raucht.“

Darf Cannabis in Nordkorea angebaut werden?

Ohne die offizielle Gesetzgebung einsehen zu können, ist es schwierig zu sagen, ob der Cannabisanbau in Nordkorea legal ist oder nicht – obwohl es aufgrund der wenigen verfügbaren Beweise eher wahrscheinlich ist, dass er eine Straftat darstellt.

In Nordkorea wächst Cannabis jedoch in freier Wildbahn, insbesondere in den nördlichen Bergregionen. Es gab auch Meldungen darüber, dass Menschen Cannabis in ihren Gärten anbauen, obwohl es dafür keine offiziellen Beweise gibt.

Ist CBD in Nordkorea legal?

Auch dies ist unklar. Obwohl CBD einen niedrigen THC-Gehalt aufweist (und daher kein „High“ bewirkt), sind Nordkoreas Drogengesetze streng und könnten sich durchaus auch auf den Konsum oder den Verkauf von CBD-Öl beziehen.

Können Cannabissamen nach Nordkorea geschickt werden?

Ohne Einblick in die offizielle Gesetzgebung ist es sicherer davon auszugehen, dass der Kauf und der Verkauf von Cannabissamen in Nordkorea illegal sind. Das gilt auch, wenn man sie per Post ins Land schicken möchte.

Medizinisches Cannabis in Nordkorea

Anders als über Südkorea, das vor Kurzem bekanntgab, dass es vorhabe, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu legalisieren, ist nichts dergleichen über Nordkorea bekannt.

Industriehanf in Nordkorea

Nordkorea hat eine aktive Hanfindustrie, was Unternehmen wie die Pyongyang Hemp Processing Factory belegen. Diese stellt eine Reihe von umweltfreundlichen Produkten aus Hanf her. Eine Vertreterin des Unternehmens teilte „Associated Press“ mit, dass es im Land mehrere Hanfsorten gibt, die alle sehr niedrige THC-Werte enthalten.

„In unserem Land raucht es niemand“, betonte sie. „Es wird nur benutzt, um daraus Sachen herzustellen.“

Laut einem aktuellen Bericht verfügt Nordkorea über eines der größten Hanfanbaugebiete der Welt, so nutzte es 2004 schätzungsweise 27.500 Hektar für den Anbau der Pflanze. Ebenfalls im Jahr 2004 produzierte das Land angeblich 12.800 Tonnen Hanf und wäre damit der drittgrößte Hanfproduzent der Welt. Nur China (38.000 Tonnen) und Spanien (15.000 Tonnen) produzierten mehr.

Hanf wird in ganz Nordkorea angebaut, wobei die wichtigsten Anbaugebiete in P’yŏngan-pukto, Hamgyŏng-namdo und Hamgyŏng-pukto und Ryanggang-do liegen. Dies sind alles nördliche Provinzen, die alle an der Grenze zu China liegen.

2008 beschlagnahmte die nordkoreanische Regierung Hanfsäcke von Bauern in P’yŏngan-pukto und begrenzte die Hanfmenge, die Menschen besitzen dürfen, auf drei Säcke, was einen bitteren Nachgeschmack bei der dort lebenden Bevölkerung hinterließ. Dies zeigt, wie wichtig Hanf für die ländlichen Gemeinden dieses Landes ist.

Gut zu wissen

Wenn man nach Nordkorea reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • In Nordkorea verehrte man traditionell die Göttin Mago/Magu. Sie wurde für gewöhnlich mit der Hanfpflanze in Verbindung gebracht, wobei ihr Name vom chinesischen Wort für Cannabis „Ma“ abgeleitet wurde.
  • Es wird angenommen, dass einige Nordkoreaner Cannabis als Alternative zum Tabak rauchen. Cannabis wächst überall und ist billig, wohingegen Zigaretten teuer sind.
  • „The Bohemian Blog“ (vom britischen Reiseschriftsteller und Fotografen Darmon Richter) zufolge ist es einfach, Cannabis in Nordkorea zu kaufen und es in der Öffentlichkeit ohne strafrechtliche Verfolgung zu rauchen. Dies sind jedoch nur die Erfahrungen eines Einzelnen und sollten nicht als Beweis dafür angesehen werden, dass die nordkoreanischen Behörden dies auch wirklich gestatten.

Die Geschichte von Cannabis in Nordkorea

In Nordkorea wächst Cannabis schon seit Jahrhunderten in freier Wildbahn. Es wird angenommen, dass es 6.000 vor Christus erstmals von Bauern angebaut wurde, obwohl es kaum Beweise dafür gibt. Funde im nahen China und Japan zeigen jedoch, dass Hanf bereits 5.500 bis 4.000 vor Christus beziehungsweise 4.000 bis 2.500 vor Christus genutzt wurde, sodass es wahrscheinlich ist, dass Hanf auch in Nordkorea zum Einsatz kam.

Etwas in einer Nähnadel eingefädeltes Hanfgarn wurde 1979 im Norden des Landes gefunden. Es wird angenommen, dass es aus der Chulmun-/Jeulmun-Periode (zwischen 4.000 und 2.000 vor Christu) stammt. Man glaubte auch, dass die Ye-Maek-Völker, die an der Ostküste Nordkoreas lebten, Hanf angebaut haben, und in der Nähe von Pjöngjang wurden Fragmente von Hanftextilien im „Tomb of the Painted Bucket“ entdeckt.

Den archäologischen Funden nach zu urteilen, wurde Hanf jahrhundertelang ununterbrochen genutzt. 1998 entdeckten Experten in Südkorea ein Grab aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich ein Paar Hanfrindensandalen befanden. Es ist wahrscheinlich, dass sowohl Nord- als auch Südkoreaner bis heute nie aufgehört haben, die Pflanze zu nutzen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg (und der Gründung Nord- und Südkoreas) betrieb die Region einen regen Hanfhandel mit Japan. Nach dem Krieg wurde Hanf in Japan jedoch verboten und der Handel wurde entsprechend eingestellt.

Darf man in Nordkorea Cannabis rauchen?

Online gibt es viele widersprüchliche Meinungen, wenn es um das Rauchen von Cannabis in Nordkorea geht. Online-Publikationen wie „Huffington Post“ und „Vice“ implizieren, dass Cannabis weit verbreitet ist und Konsumenten nur selten strafrechtlich verfolgt werden.

So erklärte der Direktor für Forschung und Strategie von Liberty in North Korea (eine in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation), Sokeel Park: „Wildes Cannabis wächst überall in Nordkorea und wird sogar von Regierungsbehörden ins Ausland verkauft, um den Devisenhandel zu stärken.“

Er fügte hinzu: „Marihuana, das in Nordkorea ,Yoksam‘ genannt wird, wird von der Regierung nicht priorisiert und daher nicht als illegale Droge geführt.“

Die internationale Redakteurin von „New Focus International“, Shirley Lee, schloss sich Parks Aussage an. „Was Marihuana in Nordkorea betrifft, so ist es so gut wie legal – weder ist es stigmatisiert, noch ist es wie im Westen von dieser Art Fetisch umgeben.“

Andere Quellen erzählen jedoch eine ganz andere Geschichte und behaupten, dass der Cannabiskonsum illegal und es nicht ratsam sei, Cannabis zu rauchen. Da Nordkorea für den Rest der Welt unzugänglich ist und nur wenig über seine Gesetze bekannt ist, empfiehlt es sich also, vorsichtig zu sein.

Cannabis… oder Ip Dambae?

Laut einem Reporter der Zeitung „The Guardian“ ergibt sich ein Teil der Missverständnisse aus der Möglichkeit, Ip Dambae in Nordkorea zu erwerben.

Ip Dambae ist eine Mischung aus lokalen Kräutern, die die Einheimischen als billigen Ersatz für Tabak verwenden. Diese ist im ganzen Land frei erhältlich und kann aufgrund ihres Aussehens leicht mit Cannabis verwechselt werden. Der Artikel in „The Guardian“ erklärt zudem, dass das Rauchen den Konsumenten nicht high macht.

Dem Artikel fehlen jedoch sachliche Belege. Es wurden keine Tests an Ip Dambae durchgeführt, was bedeutet, dass es doch Cannabis enthalten könnte. Stattdessen stützt sich der Reporter auf die Aussagen von „Experten“, die diese Meinung möglicherweise aus anderen Gründen vertreten (zum Beispiel um die Rolle, die Cannabis in der nordkoreanischen Gesellschaft spielt, runterzuspielen).

Der Hanfanbau in der frühen Ära des Sozialismus

Zwischen 1957 und 1960 führte der erste Präsident Nordkoreas (Kim II-Sung) Mischkulturen für die Gewinnung von Lebensmitteln, einschließlich Hanf, ein. Dadurch sollten die Erträge gesteigert und mehr Nahrung für die Massen produziert werden.

Der Präsident reiste in den Norden des Landes, um lokale Industrien zu entwickeln und die lokale Selbstversorgung zu fördern. In diesem Teil Nordkoreas erschweren das gebirgige Terrain und die kurzen Vegetationsperioden den Pflanzenanbau, sodass Kim II-Sung die Menschen anwies, kältebeständige Pflanzen wie Hanf, Tabak, Flachs und wilden Sesam anzubauen. Darüber hinaus befahl er ihnen, die Hänge als Weidegrund für die Viehzucht zu nutzen.

Die ehrgeizigen Pläne wurden fortgesetzt. 1962 forderte der Präsident in jeder Region eine Pflanzenölfabrik, die viele der Pflanzen in Öl umwandeln würde. Er erklärte, dass jede Region mindestens 300 bis 400 Hektar Hanf und Flachs anzubauen und weitere Textilfabriken zu errichten habe.

Dieser unerbittliche Drang zur Produktivitätssteigerung führte dazu, dass überhastet versucht wurde, diesen Auflagen gerecht zu werden, was sich schließlich zu einer Katastrophe für das gesamte Land entwickelte.

Als Kim II-Sungs Sohn, Kim Jong-II, Präsident wurde, scheiterten viele Ernten an schlechtem Wetter, erschöpften Böden und kargen Hängen (ganz zu schweigen von der auf Korruption basierenden Umverteilung von Ressourcen). Man geht davon aus, dass aufgrund dessen 2,5 Millionen Menschen einen Hungertod erlitten.

Wird Cannabis künftig legalisiert?

Ohne die Gesetze Nordkoreas bezüglich des Konsums und der Verbreitung von Cannabis zu kennen, ist es unmöglich, diese Frage zu beantworten. Es scheint, als würde das „Einsiedlerkönigreich“ seine Geheimnisse für sich behalten, und als Außenstehende können wir nur auf Grundlage der wenigen, zur Verfügung stehenden Hinweise Vermutungen anstellen. Angesichts der Tatsache, wie streng Nordkoreas Drogengesetze im Allgemeinen sind, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Cannabis in naher Zukunft offiziell legalisiert wird.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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