by Stefanie on 27/01/2015 | Konsum

Was sind Legal Highs?

Legal Highs Spice, Blaze, Sense, Yucatan Fire…ihre Namen sind verschieden, ihr legaler Status gleich. Bei diesen exotischen Bezeichnungen handelt es sich nämlich um Substanzen, die zu den Legal Highs gehören. Oder sollte man lieber sagen, die noch dazugehören?!


Was genau sind Legal Highs? Bedeutet legal auch sicher? Warum ist Cannabis die mögliche bessere Alternative, wenn man auf der Suche nach einem High ist? Diese und andere Fragen werden im folgenden Artikel näher besprochen.

Was sind Legal Highs?

Man hört immer wieder von ihnen, den Legal Highs

Medien berichten regelmäßig über Legal Highs, sei es in Form von Warnungen, Neuigkeiten zu Verboten, Erfahrungsberichten und (nicht immer durchgesetzten) Gesetzesänderungen.

Wie das deutsche Hanfjournal Ende Juni 2014 berichtete, hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung der BRD, Marlene Mortler, das Verbot zwanzig weiterer, so genannter Legal Highs als Erfolg verbucht. Die Großhändler aber bieten bereits Nachfolgesubstanzen genau jener Stoffe an, die vom beauftragten Sachverständigenausschuss gerade erst in eine Beobachtungsliste aufgenommen wurden.

Spice besteht aus getrockneten Pflanzenteilen und synthetischen Cannabinoiden.
Spice besteht aus getrockneten Pflanzenteilen und synthetischen Cannabinoiden.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) gab Anfang Juli 2014 bekannt, dass Legal Highs nicht dem Arzneimittelbegriff unterliegen und auch nicht verboten sind, solange sie noch nicht vom Betäubungsmittelgesetz erfasst sind. Die Bundesrepublik Deutschland hatte geurteilt, dass Legal Highs bedenkliche Arzneimittel seien. Der EuGH setzte diese Auslegung außer Kraft. Das bedeutet, dass der  Handel mit diesen Drogen auch nicht als illegaler Verkauf bedenklicher Arzneimittel bestraft werden. Warum nicht? Weil diese nicht zur Vorbeugung oder Heilung einer Krankheit dienen. Für die Kontrolle solcher Substanzen seien andere Mittel nötig, so der EuGH, aber nicht die Berufung auf das Arzneimittelgesetz.

Der Bundesgerichtshof hat nun im Januar 2015 Grenzwerte für Handel und Konsum von Legal Highs festgelegt. Für vier Substanzen fielen die Grenzwerte sogar sehr niedrig aus, sie liegen bei 2 Gramm für JWH-018 und CP 47,497-C8- Homologue, bzw. 6 Gramm für JWH-073 und CP 47,497. Dr. Bernd Werse, Mitbegründer des Drug Research Centre in Frankfurt und Mitglied des Schildower Kreis, sagt zur Entscheidung:

„Das Besondere am Urteil des BGH ist, dass nun zum ersten Mal Grenzwerte darüber festgelegt worden sind, was genau als geringe Menge gilt.“

Er betont aber auch, dass der Richterspruch nicht besonders spektakulär ist, denn:

„Für die Händler wird das Urteil kaum relevant sein, …die meisten handeln eben nicht mit Stoffen, die eindeutig verboten sind.“

Gesetzeslücken geben Raum, um mit Substanzen legal handeln zu können.

Legal Highs – eine Definition

Cannabinoide Kräutermischungen, Quelle: kmdd.
Cannabinoide Kräutermischungen, Quelle: kmdd.

Man muss am chemischen  Grundgerüst einer bereits verbotenen Droge nur eine Kleinigkeit ändern, wobei man eine neue Substanz enthält, die nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Bis zum Verbot dieser Substanz wird diese als Legal High, vor allem im Internet, angeboten.

Unter der Sammelbezeichnung verbergen sich Räucher- oder Kräutermischungen, synthetische Cannabinoide, Badesalzlösungen,  Lufterfrischer, Kopien von Amphetaminen, Kokain oder Ritalin, Reiniger, Research Chemicals und Herbal Highs, die aus Pflanzenteilen und Chemie bestehen.

Ihre Wirkungen sind verschieden; manche beruhigen, andere putschen auf. Spice,  Spice Gold, Smoke, Sense, Yucatan Fire: Sie scheinen herkömmliche Kräutermischungen zu sein, sind aber mit synthetischen Cannabinoiden getränkt.

Bis diese verboten werden, können Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen. Bis dahin sind sie legal online erhältlich, darum der Name Legal Highs. Das Problem dabei: Diese Designerdrogen wirken oft stärker als natürliche Cannabinoide.  Ihre chemischen Inhaltsstoffe sind gefährlich, weil sie unerforscht sind. Die synthetische chemische Verbindung JWH-018, unter anderem in Spice erhalten, soll um ein Vielfaches stärker  sein. Für sie gilt seit dem Januar-Urteil  ein Grenzwert von 2 Gramm. Die Zahl neu entdeckter Substanzen wächst allerdings stetig an.

Die Aktuelle Rechtslage zu Legal Highs

Am Beispiel von Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die rechtliche Situation kurz erklärt.

In Deutschland ist der private Besitz von Legal Highs, solange diese nicht im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes gelistet sind,  legal. Sie fallen nach dem bereits angeführten Urteil des  Europäischen Gerichtshofs auch nicht unter den Arzneimittelbegriff. Momentan prüft die Regierung der BRD, einen neuen Straftatbestand zur Erfassung von Legal Highs im Betäubungsmittelgesetz einzuführen.

In Österreich werden  Käufer von Legal Highs nicht kriminalisiert. Deren Drogen können allerdings eingezogen werden, wenn diese nicht glaubhaft vermitteln können, die Substanzen nicht zum Konsum zu besitzen. Händler können laut dem „Neue-Psychoaktive-Substanzen-Gesetz“ (NPSG) allerdings Freiheitsstrafen von 1 bis 10 Jahren erwarten.

In der Schweiz unterliegen Herstellung, Konsum und Handel von Legal Highs dem Betäubungsmittelgesetz. Im Dezember 2011 wurden erstmals 52 Substanzen und 7 Derivate im BtMG aufgenommen, ein Jahr später folgten weitere 46 Substanzen.

Bedeutet legal auch sicher?

Auch Blaze enthält die Substanz JWH-018.
Auch Blaze enthält die Substanz JWH-018.

Nur weil der Besitz einer Droge legal ist, bedeutet es nicht, dass diese ungefährlich ist. Viele Legal Highs wurden bisher noch gar nicht oder nur unzureichend hinsichtlich ihrer kurzzeitigen, mittelfristigen oder langzeitlichen Effekte wissenschaftlich untersucht. Man kann den Konsum daher als durchaus riskant bzw. gefährlich für die Gesundheit einstufen.

Im Jahr 1014 soll es in Deutschland Berichten zufolge mindestens 6 Todesopfer gegeben haben, die auf Legal Highs zurückzuführen sind. Der Konsum von natürlichem Cannabis sei weniger geworden, der Konsum synthetischer Cannabinoide sei allerdings angestiegen. Man begründet diese Tendenz mit dem legalen Status der Drogen: Cannabis = illegal, Legal High (wie der Name besagt) = legal.

Für neue Drogen müssen Strafbarkeit und Grenzwerte aber auch immer erst geprüft und festgelegt werden. Das kostet Zeit. Zeit, welche die Hersteller der synthetischen Drogen nutzen können, um ihre Ware online an die Konsumenten zu bringen.

„Diese künstlichen Stoffe sind gefährlicher weil sie den Rezeptor stärker blockieren und dadurch zu wesentlich schwereren Nebenwirkungen führen können als das bei THC der Fall ist“, sagte Werse.

Karsten Tögel-Lins von der Onlineplattform Legal High Inhaltsstoffe ist ebenfalls sehr deutlich:

„Durch die Gesetzeslage bringen wir die Leute dazu, immer gefährlichere Stoffe zu konsumieren.“

Die (Neben-)Wirkungen synthetischer Cannabinoide – 2 Studien

Forscher der Universität Freiburg haben synthetische Cannabinoide und deren Wirkungen untersucht und festgestellt, dass diese unter Umständen schwere Vergiftungserscheinungen verursachen können.  Dazu wurden Daten der Giftzentrale in Freiburg ausgewertet. Zwischen 2008 und 2011 wurden dort 48 Patienten nach dem Konsum synthetischer Cannabinoide behandelt. Ein Teil der Betroffenen wies Symptome auf, die für den Konsum von Cannabinoiden untypisch sind: aggressives Verhalten, Krampfanfälle, Bluthochdruck, starke Übelkeit und Kaliummangel.

Eine Online-Befragung des Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt ergab, dass Konsumenten von Legal Highs bzw. synthetischen Cannabinoiden verstärkt von Angstzuständen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrasen, Kreislaufproblemen oder –versagen, Ohnmacht, Vergiftungen, Wahnvorstellungen und Psychosen berichteten.

Synthetische Cannabinoide haben ein stärkeres Suchtpotential und sind wesentlich gefährlicher als Cannabis und dessen natürliche Cannabinoide.

Der aktuelle Wissensstand zu Legal Highs bezieht sich vor allem auf Berichte von Konsumenten.

Das Cannabisverbot und Legal Highs

Die Zahl der Legal Highs steigt stetig, Quelle: EMCDDA/EUROPOOL.
Die Zahl der Legal Highs steigt stetig, Quelle: EMCDDA/EUROPOOL.

Als direkte Folge der Verbotspolitik und der unbefriedigten Nachfrage nach Cannabis haben synthetische Cannabinoid-Imitate den Markt vieler Länder überschwemmt, einschließlich den DACH-Staaten, Großbritanniens, Australiens und vieler US-Bundesstaaten.

Neu auf dem Markt erscheinende Produkte sind zunächst oft legal, einige Länder reagieren umgehend und sprechen Verbote aus. Doch dies hat zu einem Kreislauf immer neuer und immer weniger getesteter synthetischer Produkte geführt, die sogar schon ein paar Tage oder Stunden nach dem Verbot der früheren Produkte auf dem (Online-)Markt erhältlich sind.

Laut einem Bericht der Webseite Alternative Drogenpolitik ist die Anzahl psychoaktiver Substanzen, die in das Frühwarnsystem der EU gemeldet wurden über die Jahre stetig angestiegen: 2009 waren es 24 Substanzen, 2011 waren es 49, 2012 waren es 73 und 2013 bereits 81.

Die Substanzen sind nicht verboten, der Handel damit allerdings schon, was sie quasi legal und eine Qualitätskontrolle beinahe unmöglich macht. Der Onlinehandel ist kaum kontrollierbar.

Diskussion um das Verbot von  Stoffgruppen

Seit längerem wird diskutiert, ob man dem Phänomen der Legal Highs entgegenwirken kann, indem nicht nur bestimmte einzelne Substanzen, sondern ganze Stoffgruppen verboten werden.

Die gängige Praxis illegaler Labore ist im Moment, die Molekülstruktur einer verbotenen Substanz so zu ändern, um daraus eine noch nicht verbotene Droge, ein Legal High, zu kreieren. Verbietet man aber gleich eine ganze Stoffgruppe, könnte man dem illegalen Handeln dieser Labore entgegen wirken.

Alle Legal Highs zu verbieten ist rechtlich allerdings schwierig. Zum einen hätten Pharmaindustrie und Chemiekonzerne Einwände, da auch ihre Produkte Substanzen enthalten, die zu den dann verbotenen Stoffgruppen gehören würden.

Zum anderen  folgen mit neuen synthetischen Drogen auch neue Stoffgruppen.

Und, last but not least, das Verfassungsgericht wäre für Vorgaben von Nöten.

Geschäft und Diskussion rund um Legal Highs gleichen einem Katz- und Mausspiel. Auch am Beispiel dieser Substanzen wird deutlich, welche Folgen eine inkonsequente, irrationale, nicht durchdachte Drogenpolitik hat. Sensi Seeds wird das Phänomen im Auge behalten und gegeben Falls mit einem Update berichten.

Kommentar Abschnitt

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Bernd Werse

Ganz guter Übersichtsartikel dazu, danke auch fürs Zitieren, aber wie auch bei Journalisten diverser anderer Medien wird ein Aspekt nicht ausreichend deutlich:

das aktuelle Urteil mit den nicht geringen Mengen bezieht sich überhaupt nicht auf "Legal Highs", sondern auf Substanzen, die bereits illegal sind und genauso im BtMG stehen wir z.B. Cannabis. Deshalb hatte ich auch gesagt, das Urteil dürfte für die meisten Händler kaum relevant sein, weil sie eben nur mit (noch) legalen Produkten handeln. Wobei man sich nie 100% sicher sein kann: es gab durchaus Fälle, in denen neue Produkte auf den Markt kamen, die Substanzen enthielten, die schon dem BtMG unterstellt waren (siehe z.B. die Analysen auf legal-high-inhaltsstoffe.de).

Und noch ein Hinweis: der Absatz am Anfang ist leider komplett falsch. Alle dort genannten Produkte waren so etwa in den Jahren 2008-2009 auf dem Markt; die darin enthaltenen Wirkstoffe sind allesamt schon verboten, weshalb diese Produkte auch vom Markt verschwunden sind (und durch neue mit noch nicht BtMG-relevanten Wirkstoffen ersetzt wurden).

Schöne Grüße, Bernd Werse

02/02/2015

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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