by Seshata on 17/02/2015 | Cannabis Aktuelles Konsum

Warum löst Cannabis solche Heiterkeit aus?

Cannabis ist dafür bekannt, beim Anwender ein unkontrollierbares Lachen oder sog. "Kicheranfälle" auszulösen. Viele berauschende Substanzen können beim Anwender zu einer Veränderung der Stimmung führen, so auch Alkohol und verschiedene Halluzinogene und Opiate. Zu den "positiven" Veränderungen der Stimmung gehören oft Gefühle einer tiefen Freude, des Vergnügens und der Heiterkeit, und eine gesteigerte Sensibilität für Lachanfälle. Historisch gesehen haben viele der Studien, die dieses Phänomen erwähnt haben, einfach nur seine Existenz festgestellt, ohne sich besonders intensiv mit den auslösenden Mechanismen zu befassen. Nachdem sich unsere Möglichkeiten zum Verständnis psychologischer Vorgänge erweitert haben, beginnen die Forscher heute damit, sich genauer mit den Abläufen zu befassen, die durch die Einnahme psychoaktiver Drogen beim Menschen ausgelöst werden, und erkunden ihr Potential zur Verbesserung der Stimmungslage besonders bei depressiven oder anderweitig psychisch gestörten Personen.


Cannabis ist dafür bekannt, beim Anwender ein unkontrollierbares Lachen oder sog. „Kicheranfälle“ auszulösen – und in der Tat enthielt schon der Film Reefer Madness aus dem Jahr 1936 die Aussage, das erste Indiz für die Einnahme von Cannabis sei ein „plötzliches, heftiges, unkontrollierbares Lachen“. Sehr viele von der Forschung durchgeführte Studien haben diesen Effekt ebenfalls festgestellt, aber die Gründe dafür blieben unklar.

Warum das Verstehen des Lachens wichtig ist

Viele berauschende Substanzen können beim Anwender zu einer Veränderung der Stimmung führen, so auch Alkohol und verschiedene Halluzinogene und Opiate. Zu den „positiven“ Veränderungen der Stimmung gehören oft Gefühle einer tiefen Freude, des Vergnügens und der Heiterkeit, und eine gesteigerte Sensibilität für Lachanfälle. Historisch gesehen haben viele der Studien, die dieses Phänomen erwähnt haben, einfach nur seine Existenz festgestellt, ohne sich besonders intensiv mit den auslösenden Mechanismen zu befassen.

Cannabis has been well-known to induce laughter for centuries (© gagilas)
Von Cannabis ist seit Jahrhunderten bekannt, dass es Lachen auslösen kann (© gagilas)

Nachdem sich unsere Möglichkeiten zum Verständnis psychologischer Vorgänge erweitert haben, beginnen die Forscher heute damit, sich genauer mit den Abläufen zu befassen, die durch die Einnahme psychoaktiver Drogen beim Menschen ausgelöst werden, und erkunden ihr Potential zur Verbesserung der Stimmungslage besonders bei depressiven oder anderweitig psychisch gestörten Personen.

Ein sehr viel besseres Verständnis von der Funktion des menschlichen Bewusstseins wird uns eines Tages sicher in die Lage versetzen, die eigentliche Ursache von Stimmungsschwankungen zu behandeln, statt nur die Indizien und Symptome zu behandeln, die sich aus der eigentlichen Störung ergeben. Ein Beispiel für diese neue Art des Herangehens ist die aktuelle öffentliche Diskussion über Depressionen und ihre mögliche Verursachung durch Entzündungen des Immunsystems. Erste Studien haben herausgefunden, dass eine Behandlung der zu Grunde liegenden Ursache – also der Entzündung – dazu führt, dass die Symptome einer Depression sich abschwächen oder sogar ganz verschwinden. Lachen kann ebenfalls hilfreich sein, um Personen mit körperlichen Krankheiten oder Verletzungen zu behandeln, da nachgewiesen wurde, dass es die subjektiven Gefühle von Stress und Schmerzen reduziert.

Wodurch wird Lachen beim Menschen eigentlich ausgelöst?

Die Wissenschaft vom Lachen beim Menschen wird als Gelotologie bezeichnet, abgeleitet aus dem griechischen Wort gelos, das Lachen bedeutet. Es ist weithin anerkannt, dass das Lachen als Reaktion auf interne oder externe Reize auftritt, beispielsweise durch Kitzeln, Witze oder humoristisch geprägte Gedanken. Lachen ist ein fundamentaler Aspekt der Interaktion zwischen Menschen (genau wie bei unseren engsten Verwandten unter den Primaten), und es kann in sozialen Situationen als positives oder negatives Feedback dienen. Lacht beispielsweise eine Gruppe von Menschen über einen Witz, den eines ihrer Mitglieder gemacht hat, dient das als positive Rückkopplung, während ein Lachen aus Spott wegen einer sozialen Verfehlung durch eine Gruppe eine negative Rückkopplung darstellt.

In social settings, laughter can be "infectious" and can provide positive or negative social feedback (© Reverses)
In sozialen Situationen kann ein Lachen „ansteckend“ sein und für positive oder negative soziale Rückkopplungen sorgen (© Reverses)

Der Bereich des Gehirns, der beim Menschen das Lachen als Reaktion steuert, liegt wahrscheinlich im ventromedialen präfrontalen Kortex, der an der Basis des präfrontalen Kortex liegt und dafür bekannt ist, Endorphine zu produzieren – also die vom Gehirn produzierten „endogenen Morphine“, die Gefühle der Euphorie hervorrufen und Schmerzen unterdrücken. Schon oft wurde nachgewiesen, dass Lachen eine Freisetzung von Endorphinen bewirkt, was wiederum das subjektive Wohlbefinden verbessert, ebenso den Widerstand gegen Schmerzen.

Teile des limbischen Systems, insbesondere die Amygdala, der Thalamus, der Hypothalamus und der Hippocampus sollen nach diesen Vorstellungen ebenfalls an der Reaktion des Lachens beteiligt sein. Man nimmt an, dass die Teile des limbischen Systems (auch als Reptiliengehirn bekannt), die an der Entstehung des Lachens beteiligt sind, die tiefere emotionale Reaktion auf einen humoristischen Stimulus steuern, während der ventromediale präfrontale Kortex die höheren Bewusstseinsaspekte des Lachens steuert , z. B. durch ein Unterdrücken des Lachens, wenn die soziale Umgebung dafür unpassend erscheint. Insbesondere der Hypothalamus ist am Entstehen eines lauten, unkontrollierbaren Lachens beteiligt, wie man es bei Cannabis-Anwendern häufig beobachten kann.

Wie beeinflusst Cannabis diesen natürlichen Vorgang?

Bei Cannabis wurde beobachtet, dass es den Ausdruck des Lachens sowie von Gefühlen der Freude, der Euphorie und des Wohlbefindens steigern kann. Und auch die umgekehrte Erscheinung ist belegt: Ausdrücke der Furcht und der Feindschaft werden reduziert, mit der eventuellen Ausnahme des Sarkasmus, der sich nach der Anwendung von Cannabis sogar steigern kann!

Der Mechanismus, über den Cannabis das Lachen beim Anwender auslöst, ist noch nicht vollständig erforscht. Man findet Cannabinoid-Rezeptoren in höherer Dichte im präfrontalen Kortex;  sie sind aber auch (in unterschiedlicher Dichte) im limbischen System vorhanden.

Interessanterweise fand eine 1993 durchgeführte Studie über gelastische Epilepsie (einen Krankheitstyp, der durch unkontrollierbares Lachen charakterisiert ist) heraus, dass zwei Personen, die an einer Temporallappen-Epilepsie mit komplexen partiellen Ausfällen litten, lachten und ein Gefühl der Fröhlichkeit empfanden, wenn der Gyrus fusiformis (ein Teil des Basal-Temporallappens) und der Gyrus parahippocampalis (die Region des limbischen Systems, die den Hippocampus umgibt, ebenfalls ein Teil des Temporallappens) elektrisch stimuliert wurden. Der Temporallappen ist auch dafür bekannt, dass er Reize an den ventromedialen Kortex und den Hypothalamus weiterleitet, und seine basale Region enthält den Hippocampus und die Amygdala.

Dank der Ähnlichkeiten beim Ausdruck des Lachens bei diesen Personen und bei Cannabis-Anwendern haben die Verfasser einer 1996 durchgeführten Studie über Cannabis und seine Wirkung auf Stimmung und Lachen den Schluss gezogen, dass in beiden Fällen ein ähnlicher Mechanismus der Auslöser sein muss, und dass das exaltierte Lachen bei Cannabis-Anwendern wohl auf einer Reizung des basalen Temporallappens beruht.

Der Temporallappen, Epilepsie und Cannabis

Es scheint so zu sein, dass der Zusammenhang zwischen Cannabis und der Temporallappen-Epilepsie weit in die Tiefe reicht.

Both cannabis use and temporal lobe epilepsy can induce laughter and a state of "dreamy languor" (© Caroline Castillo)
Sowohl die Cannabis-Anwendung als auch eine Temporallappen-Epilepsie können Lachen und den Zustand einer „verträumten Mattigkeit“ auslösen (© Caroline Castillo)

Personen, die an einer Temporallappen-Epilepsie leiden, berichten oft, dass sie einen Zustand der „träumerischen Mattigkeit“ empfinden, bei dem sich die Grenzen des Ichs auflösen und durch ein Gefühl der „kosmischen Zugehörigkeit“ ersetzt werden (vgl. vorstehenden Link), was eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu dem Geisteszustand hat, über den Cannabis-Anwender häufig berichten. Trotz des Umstands, dass Cannabis offenbar einen Geisteszustand auslösen kann, der dem eines Temporallappen-Epileptikers sehr ähnlich ist, gibt es auch zuverlässige Belege dafür, dass Cannabinoide helfen können, die Schwere und Häufigkeit der Anfälle zu steuern, unter denen solche Personen leiden.

Es ist klar, dass die komplexen Beziehungen zwischen den diversen Regionen des Gehirns, die an der Entstehung der Reaktion eines Lachens beteiligt sind, weitere Forschungen notwendig machen, denn unser Verständnis der Abläufe, die daran beteiligt sind, steckt noch in den Kinderschuhen. Mit dem Fortschritt der Erkenntnisse über die Eigenschaften von Cannabinoiden und verwandter Stoffe gewinnen wir aber auch sehr schnell tiefer gehende Erkenntnisse über die Komplexität der Hirnfunktionen beim Menschen. Langfristig wird dies auch die Entwicklung neuer, verbesserter Therapien mit Cannabis zur Behandlung von Stimmungsschwankungen ermöglichen.

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