Wie man ein Hanf-Unternehmen im Vereinigten Königreich gründet

Unter bestimmten Bedingungen und gegen Entgelt ist der Hanf-Anbau im Vereinigten Königreich legal. Leider machen es die Anforderungen der britischen Regierung Hobbygärtnern fast unmöglich, Cannabispflanzen im eigenen Garten anzubauen. Hanf-Anbaulizenzen sind denjenigen vorbehalten, die kommerzielle Interessen verfolgen.

Im Vereinigten Königreich werden nur 900 Hektar für den Hanfanbau genutzt. Dem gegenüber stehen 33.000 Hektar in ganz Europa. Die einst blühende Hanfindustrie des Vereinigten Königreichs wurde nach dem Verbot im Jahr 1928 aufgegeben und obwohl sie erst 1965 wieder legalisiert wurde, muss sich die Branche noch von der Prohibition erholen.

Die für den Hanfanbau erforderlichen Gebühren und Verwaltungskosten sind im Allgemeinen erschwinglich, was den Prozess zu einer rentablen Option für Briten macht. In diesem Artikel erläutern wir die Anforderungen, die man für den Erhalt einer Lizenz für den Hanfanbau im Vereinigten Königreich erfüllen, und die nötigen Schritte, die man dafür unternehmen muss.

Die Geschichte des Hanf-Anbaus im Vereinigten Königreich

Die Blütezeit des Hanfs in Großbritannien war von etwa 1550 nach Christus (während des elisabethanischen Zeitalters) bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Hanf wurde größtenteils für seine Fasern angebaut. Hanffasern waren damals ein Rohstoff und wurden zur Herstellung von Segeln und Seilen für Marine- und Handelsschiffe verwendet.

Während der Regierungszeit Heinrichs VIII. waren die Bürger Großbritanniens dazu verpflichtet, Hanf anzubauen. Pro 60 Hektar bewirtschaftetem Land mussten sie ein Viertel Hektar Hanf anbauen, um eine konstante Versorgung mit Hanffasern zu gewährleisten.


Als neue Technologien den Bedarf an Segelschiffen minderten und vermehrt Dampfschiffe zum Einsatz kamen, sank die Nachfrage nach Hanffasern im Vereinigten Königreich erheblich. Dies führte  zu einem enormen Rückgang der Hanfindustrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Auch politische Faktoren beeinträchtigten die britische Hanfindustrie, so auch die Sklavenarbeit für die Herstellung von Baumwolle in den USA.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Hanf in Großbritannien verboten. Hanf wurde mit seinem psychoaktiven Konterpart, Marihuana, gleichgesetzt und seine Popularität sank aufgrund groß angelegter Propaganda-Kampagnen auf ein Allzeittief. 1993 wurde Hanf für den Anbau in Großbritannien wieder legalisiert. Dennoch waren nicht viele Menschen daran interessiert, ins Hanf-Geschäft einzusteigen. Heute wird der größte Teil des europäischen Hanfs in Frankreich angebaut, auch wenn Briten eine Lizenz zum Anbau von Industriehanf beantragen können.

Was sind die Voraussetzungen?

Um eine Lizenz für den Hanfanbau erfolgreich zu beantragen, muss man als Unternehmen bei Companies House mit einer gültigen Firmennummer registriert sein. Die Firmendaten müssen dem Home Office Controlled Drugs Licensing Department vorgelegt werden, um sich online registrieren und den Antrag ausfüllen zu können.

Die verfügbaren Informationen sind alles andere als klar. Im Low THC Cannabis (Industrial Hemp) License Factsheet (November 2018, v 1.3) des Innenministeriums gibt es mehrere Verweise auf die Notwendigkeit, dass jeder einzelne Grower separat lizenziert werden muss. Es gibt jedoch keine Möglichkeit für eine Einzelperson, sich online zu registrieren, um eine Lizenz zu beantragen – nur Unternehmen dürfen sich registrieren. Das Anmeldeformular für die Firmenregistrierung beim Innenministerium gibt es hier.

Unternehmen müssen auch eine Erklärung an das Drugs Licensing Department senden, die den Standort, die Koordinaten, eine mit Anmerkungen versehene Karte und die Fläche des geplanten Anbaugebiets beinhaltet. Diese Erklärung muss auch Angaben über die Art der ausgesäten Samen, den THC-Gehalt der jeweiligen Sorte und den Nachweis enthalten, dass die Sorte von der EU zugelassen wurde.

Was ist mit einer Lizenz möglich und was nicht?

Das soeben erwähnte Industrial Hemp Factsheet liefert klare Informationen über die Möglichkeiten und Grenzen der Lizenznehmer:

  • Samen dürfen nur Pflanzen mit weniger als 0,2 Prozent THC hervorbringen und müssen aus der EU-Datenbank der registrierten Pflanzensorten ausgewählt werden. Dies schränkt die Wahl der Sorten und die potenzielle Qualität der Pflanzen stark ein.
  • Nach Erhalt einer gültigen Lizenz sind Unternehmen dazu berechtigt, Hanf mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2 Prozent anzubauen.
  • Grower sind dazu angehalten, die Pflanzen „diskret zu platzieren“. Früher gab es striktere Bedingungen für den Standort der Pflanzen (zum Beispiel nicht in der Nähe von Schulen und Straßen), aber mittlerweile muss der Ort, an dem der Hanf angebaut werden soll, nur noch nach Gesichtspunkten der Diskretion gewählt werden.
  • Grower müssen auch ein Protokoll über die Anbauorte führen und dieses der örtlichen Polizei vorlegen.
  • Da eine Lizenz einen ganzen Betrieb umfasst, können die Anbauorte von Feld zu Feld verlagert werden, ohne die Lizenz ändern zu müssen (obwohl die Protokolle weiterhin aufbewahrt werden müssen).
  • Wenn der Anbau des Hanfs jedoch an einen völlig neuen Ort verlagert wird, muss eine Änderung der Lizenz vorgenommen werden, und es könnte sogar ein neuer Lizenzantrag nötig werden.
  • Grower, die eine dreijährige Lizenz besitzen, müssen zudem zu Beginn jeder Vegetationsperiode und vor dem 1. Mai eines jeden Jahres eine jährliche Lizenzprüfungserklärung ausfüllen.

Lizenzgebühren

Alle Informationen zu den Lizenzgebühren sind im Industrial Hemp Factsheet enthalten. Die Kosten für die Beantragung einer Hanf-Anbaulizenz liegen bei 580 Pfund (etwa 700 Euro), die Gebühr für jede weitere Verlängerung beträgt 326 Pfund (etwa 380 Euro). Wenn ein Kontrollbesuch notwendig ist, steigt die Gebühr auf 1.371 Pfund (etwa 1.600 Euro). Solche Kontrollen werden jedoch in weniger als zehn Prozent aller Fälle benötigt und sind recht unwahrscheinlich. Die Bearbeitung der Anträge erfolgt nach dem „Light-Touch-Regime“, das sicherstellt, dass die Mehrheit der Anträge ausschließlich auf der Grundlage der Online-Bewerbung bearbeitet wird und nicht von einem zufriedenstellenden Kontrollbesuch abhängig ist.

Die Lizenzen sind drei Jahre gültig, laufen aber immer am 31. Dezember des letzten Jahres aus. Antragsteller, die Formulare im Januar, Februar oder März einreichen, können daher die drei vollen Vegetationsperioden nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen. Diejenigen jedoch, die ihre Anträge später als März einreichen, könnten eine oder mehrere Vegetationsperioden verlieren.

Obwohl die Lizenzen drei Jahre lang gültig sind, müssen Grower zu Beginn der zweiten und dritten Anbausaison in der Regel bis zum 1. Mai ein „Annual Licence Review Statement“ ausfüllen. Wenn diese Erklärung nicht ausgefüllt und eingereicht wird, kann dies zum Widerruf der Lizenz führen.

Diese Gebühren mögen zwar teuer erscheinen, sind aber deutlich günstiger als die Kosten für die Beantragung einer Lizenz zum Anbau von THC-reichem Cannabis, die bei 4.700 Pfund (etwa 5.500 Euro) liegt.

Überprüfung des Führungszeugnisses

Unternehmensvertreter, die eine Hanflizenz vom Innenministerium beantragen, müssen für einen sogenannten Disclosure and Barring Service Check bezahlen. Das lässt sich mit einer Prüfung des erweiterten Führungszeugnisses vergleichen. Seit 2018 kostet dieser Check seit 44 Pfund (etwa 50 Euro) und muss beim Capita Recruitment Vetting Service angefordert werden, der eine zusätzliche Verwaltungsgebühr von 9,50 Pfund (etwa elf Euro) plus Mehrwertsteuer erhebt. Das Home Office Drugs Licensing muss im Antrag als eingetragene Stelle eingetragen werden. Kein anderer Screening-Service wird vom Innenministerium akzeptiert.

Weitere Dinge, die es zu beachten gilt, wenn man ein Hanf-Unternehmen gründen möchte

Bei der Pacht der für den Hanfanbau vorgesehenen Flächen ist es nicht erforderlich, dass der Vermieter eine Anbaulizenz beantragt. Nur die Grower brauchen eine. Es empfiehlt sich jedoch, den Vermieter vor Beginn des Anbauvorhabens zu informieren und um Erlaubnis oder Genehmigung zu bitten. So kann sichergestellt werden, dass eine Einhaltung der Mietbedingungen gewährleistet ist.

Hanffaser-Produzenten können Subventionen beantragen

Grower, die Pflanzern zur Herstellung von Fasern auf mindestens fünf Hektar anbauen, können ein sogenanntes Basic Payment Scheme (BPS) beantragen, eine Agrarsubvention, die die Single Payment Scheme (SPS) von 2005 ersetzt. Weitere Informationen zum BPS gibt es hier.

Wenn an mehreren Standorten angebaut wird, muss jeder Standort vollständig und separat lizenziert werden. In solchen Fällen ist es ratsam, sich per E-Mail an das Drugs Licensing and Compliance Department zu wenden: industrialhemplicensing@homeoffice.gsi.gov.uk – diese E-Mail-Adresse kann auch für alle anderen individuellen Fragen angeschrieben werden.

Schließlich können sich Antragsteller, die weitere Informationen oder Unterstützung bei der Beantragung einer Lizenz benötigen, an die British Hemp Association (BHA) wenden. Ziel dieser Organisation ist es, den Hanfanbau im Vereinigten Königreich zu fördern und weiter anzukurbeln, zudem verfügt sie über Ressourcen, die Antragstellern bei der Erwerbung von Lizenzen behilflich sein können.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

3 Kommentare zu „Wie man ein Hanf-Unternehmen im Vereinigten Königreich gründet“

  1. Interessanter Artikel! Wie sieht es denn in Deutschland aus, gibt es Unternehmen mit einer solchen Genehmigung?

  2. Sehr Interessant!! Ich nehme stark an, dass es nicht für die ganye EU gilt oder? wo kann man denn sonst, so ein unternehmen gründen wie die firmen “Green House Seed Co“ oder “Sensi Seeds“ usw….wo bauen sie an wie haben sie die genehmigung bekommen um solch ein Unternehmen an fangen yu dürfen?

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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