by Seshata on 14/08/2014 | Cannabis Aktuelles

Cannabis und die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins

Ähnlich wie bei den Pilzen, hatte auch Cannabis mehrere Vorteile für die frühen Gemeinschaften, die ihm zuerst begegneten, was vermutlich schon sehr lange zurückliegt, nämlich ca. 27.000 Jahre. Nicht nur die Fasern und der Samen erwiesen sich als nützlich, sondern wurde auch schnell im frühen Arzneibuch als nützlich erklärt, und es ist sehr wahrscheinlich, dass seine psychotropen Effekte schon sehr früh für religiöse Praktiken eingesetzt wurden (auch wenn die frühesten direkten Nachweise über Cannabis als pharmakologischen Wirkstoff vermutlich erst aus der Zeit vor ca. 2.700 Jahren datieren). Die soziale Wirkung von Cannabis verstärkt nachweislich die interpersonalen Beziehungen und stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Vertrauens.


Seit der explosionsartigen Verbreitung der Gegenkultur in den 60-er Jahren hat eine kleine, aber ausdauernde Denkschule die Theorie entwickelt, dass parallel zur Entwicklung des Menschen die Nutzung entheogener Drogen die Entwicklung sozialer Konstrukte wie Rituale, Sprache und Musik unterstützt hat. Manche gehen davon aus, dass die Nutzung psychotroper Drogen den Gang der Entwicklung des Menschen effektiv verändert und unseren rasanten Aufstieg zur weltweiten dominierenden Art gefördert hat.

Haben halluzinogene Pilze die Entwicklung des Menschen gefördert?

Diese Frage hat Sozialanthropologen lange Zeit fasziniert, und viele von ihnen haben umfänglich zu dem Thema Stellung genommen, so z. B. Terrence McKenna, dessen 1992 erschienenes Werk  Food of the Gods von der These ausging, dass sich halluzinogene Pilze parallel zu den frühen, nomadisch lebenden Hirtengemeinschaften entwickelt haben. Man  nimmt an, dass diese Gemeinschaften dadurch bei der Jagd eine bessere Sehschärfe erreichen konnten, ferner eine erhöhte Begeisterung für soziale Rituale (einschließlich Fruchtbarkeitsrituale) zeigten, was die Menschen stärker machte und die Bevölkerungszahlen steigen ließ.

Psychedelische Pilze wachsen gern auf Kuhmist und können daher von Hirten leicht gefunden werden
Psychedelische Pilze wachsen gern auf Kuhmist und können daher von Hirten leicht gefunden werden

Damit machten sich die frühen nomadischen Hirtenvölker einerseits die Vorteile der halluzinogenen Pilze zu Nutze (die normalerweise auf Kuhmist wachsen), sicherten aber im Gegenzug auch die Existenz der anderen Art, indem sie sie kultivierten und schützten, was wiederum Raum für die Entwicklung neuer, für den Menschen nützlicher Eigenschaften bot, die von ihm positiv selektiert und dominant gemacht wurden. Gleichzeitig waren die Vorteile, die frühe Jäger- und Sammler-Völker dadurch hatten, so bedeutend, dass die folgenden Generationen weitere Vorteile hatten, wenn sie genauer auf die psychologischen Effekte der Droge reagieren konnten.

Letztlich hat bei beiden Arten eine positive Selektion der für die andere Art jeweils positiven Eigenschaften zu einer langfristigen Ko-Evolution geführt. Die zunehmende Rinderhaltung sicherte einen konstanten Anfall von Kuhmist, und dieser wiederum eine reichliche Versorgung mit Pilzen. Es ist daher kaum feststellbar, ob die Nutzung von Pilzen zufällig war oder einen zentralen Bestandteil dieser aufstrebenden Kulturen bildete. Selbst wenn eine dieser Arten jedoch nur eine geringere Bedeutung hatte, kann man dieses Beziehungsgeflecht als Beispiel für ein  Drei-Arten-System der Koevolution betrachten.

Koevolution zwischen Cannabis und dem Mensch

Ähnlich wie bei den Pilzen, hatte auch Cannabis mehrere Vorteile für die frühen Gemeinschaften, die ihm zuerst begegneten, was vermutlich schon sehr lange zurückliegt, nämlich ca.  27.000 Jahre. Nicht nur die Fasern und der Samen erwiesen sich als nützlich, sondern wurde auch schnell im frühen Arzneibuch als nützlich erklärt, und es ist sehr wahrscheinlich, dass seine psychotropen Effekte schon sehr früh für religiöse Praktiken eingesetzt wurden (auch wenn die frühesten direkten Nachweise über Cannabis als pharmakologischen Wirkstoff vermutlich erst aus der Zeit vor ca.  2.700 Jahren datieren). Die soziale Wirkung von Cannabis verstärkt nachweislich die interpersonalen Beziehungen und stärkt das Gefühl  der Zusammengehörigkeit und des Vertrauens.

Im Gehirn finden sich Cannabinoidrezeptoren in vielen Regionen, und sie unterstützen eine Vielzahl von Funktionen, angefangen von grundlegenden Bewegungsfunktionen bis zum Sprachverständnis und zur Wahrnehmung von Emotionen. Man nimmt heute an, dass der grundlegende Entwicklungsschritt des menschlichen Gehirns während des großen Sprungs vorwärts  vor etwa 60.000 Jahren stattgefunden hat, aber Vieles im Bereich des „Finetunings“ der Sprachfähigkeit ebenso wie einige fundamentale Änderungen in der Struktur des Neokortex und des Zerebellums sind in den letzten 10.000 Jahren geschehen.

Die Evolution des Gehirns in der Epoche des postglazialen Holozäns

Interessanterweise war das auch die Zeit, in der die Menschheit zu einer Agrargesellschaft wurde, und es könnte gleichzeitig mit einer  10 %-igen Reduzierung des Gehirnvolumens  passiert sein. Statt auf ein Absinken der Intelligenz des Menschen hinzudeuten, kann diese Reduzierung auch einen Anstieg der Effektivität des Gehirns bedeuten oder auf eine Reduzierung des Energiebedarfs hinweisen, die sich aus der relativen Friedlichkeit der in Siedlungen lebenden Gemeinschaften ergibt.  Was immer der Grund war, jedenfalls markierte diese Reduzierung und Restrukturierung einen signifikanten Wechsel in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft.

Viele Bereiche des zerebralen Kortex sind aktiviert, wenn man Cannabis raucht oder Musik hört
Viele Bereiche des zerebralen Kortex sind aktiviert, wenn man Cannabis raucht oder Musik hört

Während der Epoche des Holozäns (von ca. 11.700 Jahren bis heute) ist das menschliche Zerebellum größer geworden, während der zerebrale Kortex im Vergleich zu unseren unmittelbaren Vorfahren an Größe verlor. Das Zerebellum hat viele reziproke Verbindungen zum Neokortex und ist von großer Bedeutung für viele Funktionen, angefangen von motorischen Basisfunktionen bis zu hoch entwickelten kognitiven Funktionen. Man geht davon aus, dass seine gestiegene Größe dem modernen Menschen dabei hilft, zunehmend komplexe kulturelle und visuelle Stimuli  zu verarbeiten. Bezeichnend ist auch, dass man davon ausgeht, dass das Zerebellum von wesentlicher Bedeutung für die Wahrnehmung von Musik  durch den modernen Menschen ist, ebenso wie für unsere rituellen Gebräuche, den Anstieg der Verhaltenskomplexität und die Fähigkeit zum Gebrauch von Werkzeugen.

Die Bedeutung von Musik für die Entwicklung der Gesellschaft

Die Verbindung zwischen der Entwicklung unserer musikalischen Sensibilität und Cannabis könnte fundamental für ein umfassendes Verständnis sein, wie unser Bewusstsein durch die Droge geformt worden ist. Man könnte tatsächlich die These aufstellen, dass Musik eine  zentrale Funktion für die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins hatte. Sie hat es der Menschheit ermöglicht, ihre Zusammengehörigkeit zu vertiefen, und wurde vielfach dazu genutzt, eine emotionale Antwort bei den Zuhörern zu erzeugen: Kirchenmusik zur Anregung religiöser Andacht und Ehrfurcht; Kriegslieder zur Einschüchterung des Feindes und zum Hervorrufen des Gefühls der Solidarität und vereinten Stärke; romantische Musik zur Steigerung der Erregung und Intensität sexueller Begegnungen. Die Forschung hat gezeigt, dass der soziale Einfluss von Musik und die freudigen Gefühle beim Zuhörer durch den Konsum von Cannabis  verändert werden können, und die soziale Verbindung zwischen Cannabis und Musikstilen wie Jazz und Reggae ist natürlich auch weithin bekannt.

Die normale Antwort des Gehirns auf Musik ist etwas kompliziert. Das Zerebellum erkennt und „genießt“ den verwendeten Takt bzw. Rhythmus, und die Vorderlappen reagieren auf Sprache in Form der Texte der Musik. Innerhalb der Temporallappen wandelt der primäre auditive Kortex Schallwellen in unsere Wahrnehmung von Tönen um, und die Amygdala sorgt für eine tiefe emotionale Reaktion und behält bekannte Melodien in Erinnerung. Reaktionen auf Musik finden sich auch in den Okzipital- und Parietallappen; es ist also jeder Lappen des zerebralen Kortex in unterschiedlichem Maß aktiviert (eventuell auch je nach  Musiktyp).

Wie Cannabis die Musikwahrnehmung verändert

Die Wirkungen von Cannabis auf die menschliche Wahrnehmung von Musik sind so komplex, dass ihre genaue Natur nur schwer festzustellen ist. Schon frühere Forschungen haben nahegelegt, dass die Entwicklung von höher spezialisierten Cannabinoid-Signalsystemen die synaptischen Verbindungen  vom Zerebellum zu den verschiedenen Teilen des zerebralen Cortex gestärkt hat. Unter dem Einfluss von Cannabis weisen alle Hirnregionen, die beim Hören von Musik beteiligt sind, veränderte Reaktionen auf.

Der Zusammenhang zwischen Cannabis und Musik ist gut bekannt
Der Zusammenhang zwischen Cannabis und Musik ist gut bekannt

Denn es ist nachgewiesen, dass die Einnahme von Cannabis die Zeitwahrnehmung einer Person ändert, da sie die „interne Uhr“ des Zerebellums beschleunigt, was zum Empfinden einer „gedehnten“ oder verlängerten Zeit führt. Wird dabei Musik gehört, kann dies die Wahrnehmung und Wertschätzung von komplexen Strukturen steigern. Eine erhöhte Wahrnehmung niedriger Frequenzen steigert den Umfang der wahrgenommenen Klänge und verbessert auch den Wohlklang der eigenen Stimme; dieser Effekt entsteht innerhalb des  auditiven Kortex. Eine durch Cannabiskonsum erhöhte Aktivität der Vorderlappen kann das Verständnis und die Reaktion auf die Texte der Musik verbessern, während eine erhöhte Aktivität in den Parietallappen die Aufmerksamkeit und Konzentration steigern kann.

Unser Wissen von den Evolutionsprozessen, die zu unserer derzeitigen, hoch komplexen Lebensform geführt haben, kann bestenfalls als lückenhaft bezeichnet werden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Bevorzugung derjenigen Gene, die für eine verstärkte Musikwahrnehmung gut sind, für die frühen Gesellschaftsformen von Vorteil gewesen ist, wenn man bedenkt, wie wichtig die Fähigkeiten zur Verarbeitung von Musik für die Kommunikation und soziale Interaktion im Ganzen sind. Ebenso bevorzugen wir wohl eher Cannabissorten, die unsere Wertschätzung für Musik fördern. In den letzten 10.000 Jahren war das Ausmaß, in dem beide Arten neue Gene entwickelt haben, bemerkenswert hoch, was die Wahrscheinlichkeit einer für beide Seiten vorteilhaften Selektion erhöht, und es spricht viel für die Annahme, dass diese Koevolution sich auch in Zukunft noch lange fortsetzen wird.

Kommentar Abschnitt

Haben Sie eine Meinung dazu? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.