by Tasha Smith on 05/09/2018 | Anbau

Kann Kaffee Kolumbiens Landwirte vor dem Cannabis-Boom retten?

Kaffee Kolumbien befindet sich zur Zeit inmitten eines Cannabis-Booms, der das Land zu einem der größten Exporteure medizinischen Marihuanas lassen werden könnte. Die kolumbianischen Kleinbauern hingegen bleiben mit Zukunftsängsten zurück. Ein italienisches Unternehmen, Hesalis, glaubt, dass ausgerechnet Kaffee, das altbewährte Zugpferd der kolumbianischen Wirtschaft, die Lösung des Problems bereithält.


Kolumbiens Kleinbauern werden aus dem Rennen gedrängt

Als der ehemalige kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos im Jahr 2015 ein Gesetz unterzeichnete, das den Anbau medizinischen Marihuanas erlaubte, wurde die Implementierung eines Programms zur Substitution von Nutzpflanzen angestrebt, das Tausenden von Kleinbauern in ganz Kolumbien die Chance geben würde, von einem wachsenden legalen Markt zu profitieren und gleichzeitig die von Kolumbiens Drogenvergangenheit verursachten Schäden zu beseitigen.

Heute bewirkt das neue Lizenzsystem jedoch, dass Kleinbauern nicht mehr mit den großen Unternehmen konkurrieren können, die sich derzeit auf Pablo Escobars ehemaliger Spielwiese niederlassen. Bisher wurden 33 Lizenzen vergeben, mit denen Kolumbien jährlich bis zu 40,5 Tonnen Cannabis produzieren kann, was etwa 44 Prozent der gesamten Weltproduktion entspricht.

Cannavida, Pharmacielo Holdings, Khiron Life Sciences Corp., Canmecol und Medcann sind nur einige der Unternehmen, die eine Lizenz zum Anbau medizinischen Marihuanas zur Herstellung von Ölen, Cremes und Inhalatoren besitzen, die alle in Labors hergestellt und auf Rezept an Patienten verkauft werden.

„Wir haben ein fundiertes Modell vorgelegt, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und bei dem Gesundheit und Patienten im Mittelpunkt stehen… nicht etwa Praktiken wie das Rauchen. Dies kann auch für andere Länder nützlich sein, die zwar in letzter Zeit Gesetze für medizinisches Cannabis erlassen haben, sich aber gegen die Produktion von Cannabis entschieden haben, was wiederum den Unternehmen in Kolumbien, einschließlich der Kleinbauern, wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet“, sagte Andres López, Leiter des National Narcotics Fund in Kolumbien, der Organisation, die mit der Regulierung der neuen Industrie beauftragt ist.

Das neue System wurde eingeführt, um zu verhindern, dass illegales Cannabis auf den Markt kommt, und sieht vor, dass lizenzierte Unternehmen, die an der Entwicklung früherer Konfliktzonen interessiert sind, den Landwirten mindestens zehn Prozent der Produktionsfläche zur Verfügung stellen müssen. Unter diesen Bedingungen beschäftigen die Unternehmen die Landwirte. Pharmacielo, das ein 12-Hektar-Pilotprojekt in Corinto durchführt, beschäftigt 18 Landwirte pro Hektar, aber die Landwirte erhalten nur einen halben Hektar.

Wenn man bedenkt, dass es etwa 20 Millionen Dollar im Jahr kostet, um ein rentables Geschäft mit den erforderlichen Laboren und Geräten aufzubauen, haben viele Kleinbauern das Gefühl, dass ihnen falsche Hoffnungen gemacht wurden. Landwirte, die in ein legales Geschäft einsteigen wollen, fragen sich nun, ob sich die Mühe überhaupt lohnt. Hector Sanchez ist ein Kleinbauer, der seine Marihuanaplantage zerstört hat, um Teil einer medizinischen Kooperative zu werden und warnt davor, dass, wenn „Grower nicht beteiligt werden, sie einfach wieder dazu zurückkehren werden, normales Marihuana anzubauen“.

Kolumbiens Cannabis-Verwirrung

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Während die Regierung nach wie vor fest auf die Schaffung eines seriösen, lizenzierten medizinischen Marihuanamarkts bedacht ist, der den Ruf Kolumbiens bereinigt, sorgt sie weiterhin bei Growern und Konsumenten für Verwirrung und scheitert dabei, jedes mit der Pflanze verbundene Stigma zu beseitigen.

Einige Kolumbianer sind besorgt, dass die neue Regelung in Bezug auf medizinisches Marihuana die falsche Botschaft an die Jugend des Landes sendet. In einem Artikel der Washington Post sagte Rafael Nieto, ehemaliger stellvertretender Justizminister: „Indem wir sagen, dass es kommerziell angebaut werden darf und einen medizinischen Nutzen hat, sagen wir unseren Kindern nicht nur, dass Marihuana nicht schlecht ist, sondern dass es tatsächlich gut für ihre Gesundheit ist. Es tut mir leid, aber daran glaube ich einfach nicht.“

Die Stigmatisierung von Marihuana in Kolumbien reicht tief. Bevor Mexiko der Lieferant für freizeitlich genutztes Marihuana in Amerika wurde, war kolumbianisches Weed das, was alle rauchten. Damals wurde es illegal in die USA geschmuggelt und die Einnahmen wurden zur Finanzierung jahrelanger Gewalt verwendet. Kein Kolumbianer will eine Rückkehr zu jenen dunklen Tagen, weshalb die Regierung auch so sehr darauf erpicht ist, dass Grower seriös werden.

Da sie wieder einmal dabei zusehen müssen, wie andere Nationen aus den natürlichen Ressourcen Kolumbiens Kapital schlagen, ist die Frustration der Kolumbianer leicht nachvollziehbar. Seit 2012, als Cannabis in Kolumbien entkriminalisiert wurde, können Kolumbianer bis zu 20 Pflanzen zu Hause anbauen und bis zu 20 Gramm besitzen. Während ausländische Unternehmen ackerweise Weed pflanzen dürfen, kann jeder Kolumbianer, der mit mehr als 20 Gramm erwischt wird, in große Schwierigkeiten geraten.

Hinzu kommt, wie einfach es für Kleinbauern wäre, ihre eigenen Märkte zu etablieren. Das liegt daran, dass Kolumbien das perfekte Klima für den Outdoor-Anbau hat: natürliche und ganzjährige 12-Stunden-Tage und -Nächte – eine 12/12-Photoperiode, die potentes Weed wie das berühmt-berüchtigte Colombian Gold hervorbringt. Die Pflanzen, die dort wachsen, sind groß – sie wachsen zwei Meter in die Höhe – und buschig sowie über das ganze Jahr hinweg verfügbar.

Somit ist Kolumbien in einer idealen Position, um jeden beliebigen Markt für den freizeitlichen Konsum zu beliefern, der allein in Europa bis 2028 einen Wert von 135 Millionen Euro haben soll. Während Europa sich in Richtung Regulierung bewegt, sind die kolumbianischen Canna-Unternehmen auf der Jagd nach Exportmärkten. Das kanadische Unternehmen Khiron Life Sciences plant den Verkauf von Cannabis in ganz Lateinamerika über eine Reihe von Marken-Kliniken, die als eine Art „Farm-to-Table“-Marihuana-Apotheken dienen sollen.

Kaffee und Cannabis kombinieren

Für den Geschäftsführer des italienischen Cannabisunternehmens Hesalis, Emilio Petrucci, war die Kombination von Cannabis und Kaffee eine Möglichkeit, diese Probleme zu umgehen. Als Kolumbianer, der 2005 nach Terni zog, hält Petrucci die einzigartige Position inne, bestens mit dem Stellenwert des Premium-Kaffees in Italien und den in Kolumbien vorherrschenden idealen Wachstumsbedingungen vertraut zu sein.

Als Cannabis-Unternehmer, der die soziale Seite des Marktes ausloten möchte, bot die Zusammenarbeit mit kolumbianischen Bauern bei der Produktion von Marihuana und Hanf-Kaffee eine großartige Gelegenheit, die er sich nicht entgehen lassen konnte. Sein Ziel war es, „eine neue Welt des Kaffeegeschmacks zu erschaffen, die sich auf Augenhöhe mit der Exzellenz italienischen Espressos befindet“.

Kolumbiens Kleinbauern werden aus dem Marihuana-Markt gedrängt - Sensi Seeds Blog

Das Projekt steht noch ganz am Anfang und Hesalis hat erst Anfang des Jahres den mit Hanf angereicherten Kaffee in Italien und Spanien vorgestellt. Die neue Kaffeemarke heißt Joint Espresso – und als sie auf Messen ausgegeben wurde, „war die Resonanz unglaublich“, so Petrucci, der darauf besteht, dass das, was Hesalis gemacht hat, gar nicht so revolutionär ist. Um das einzigartige Aroma der Kaffeebohnen zu erzielen, baut Hesalis Kaffee und Cannabispflanzen Seite an Seite an.

„In ihrer natürlichen Umgebung wachsen verschiedene Pflanzen gemeinsam, sodass unsere Idee nicht radikal ist, sondern nur das nachahmt, was von der Natur ohnehin so beabsichtigt ist“, sagt Petrucci. „Das Schöne an der Kultivierung dieser beiden Pflanzen ist, dass sie die Terpene der anderen auf natürliche Weise aufnehmen und eine Reihe von erstaunlichen Geschmacksrichtungen kreieren.“

Bisher produzieren 13 Landwirte auf einer Fläche von 50 Hektar den angereicherten Kaffee für Hesalis, hoffen aber, das Projekt in Zukunft ausweiten zu können. Da der Markt für Cannabisprodukte weiter wächst und Kolumbien weiterhin Berge von Weed anbaut, wäre es nicht verwunderlich, wenn in Zukunft jeder seinen Kaffee mit erstklassigem Colombian Gold angereichert trinken würde. Das wäre sicherlich eine willkommene Entwicklung für die Kleinbauern in Kolumbien.

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