by Seshata on 08/02/2013 | Cannabis Aktuelles

Kann man auf Cannabis allergisch reagieren?

Es gibt eine Fülle von Anekdoten über eine sogenannte "THC-Allergie". Diese Reaktion ist durch einen geröteten, stechenden Ausschlag an den exponierten Hautpartien gekennzeichnet, der oft mit einer leichten bis mittleren Reizung der Atemwege einhergeht (zu der sich oft Husten und Niesreiz gesellen) und gelegentlich bei Menschen auftritt, die während des Anbaus ständig mit der Pflanze in Berührung kommen.


Es gibt eine Fülle von Anekdoten über eine sogenannte „THC-Allergie“. Diese Reaktion ist durch einen geröteten, stechenden Ausschlag an den exponierten Hautpartien gekennzeichnet, der oft mit einer leichten bis mittleren Reizung der Atemwege einhergeht (zu der sich oft Husten und Niesreiz gesellen) und gelegentlich bei Menschen auftritt, die während des Anbaus ständig mit der Pflanze in Berührung kommen.

Cannabis kann bei dafür anfälligen Personen Rhinitis-Symptome auslösen
Cannabis kann bei dafür anfälligen Personen Rhinitis-Symptome auslösen

Hanf-Proteinpulver und Erbrechen

Eine Person, die behauptete, Opfer eines solchen Hautausschlags geworden zu sein (vermutlich eine Form der Urtikaria (Nesselsucht) oder einer Kontaktdermatitis bzw. eines Kontaktekzems), nachdem sie Cannabispflanzen berührt hatte, berichtete auch über einen akuten Brechanfall nach der Einnahme von Hanf-Proteinpulver als Trainingsergänzungsmittel. Diese Person hatte zuvor viele andere Proteine eingenommen, ohne irgendwelche schädlichen Wirkungen zu verspüren.

Es gibt noch weitere Beispiele von Erbrechen nach der Einnahme von Hanfprotein, wobei ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Phänomenen allerdings nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann. Außer auf ein Allergen im Hanf-Proteinpulver selbst können derartige Fälle auch auf schlechte Lagerung, Verunreinigung oder zusätzliche Bestandteile (wie zum Beispiel Chlorella, eine Alge) zurückzuführen sein.

Überempfindlichkeit tritt beim Kontakt mit männlichen & weiblichen Pflanzen

Darüber hinaus könnte die Substanz, die die Überempfindlichkeit und andere schädliche Reaktionen bei Züchtern und Gärtnern hervorruft, auf die eine oder andere Weise ins Hanf-Proteinpulver geraten sein. Natürlich ist das Phänomen nicht nur auf männliche Pollen beschränkt – wie viele andere Pflanzenallergien – da es auch in Anbauräumen ohne männliche Pflanzen vorkommt. Doch eine Studie über allergische Reaktionen bei der U.S.-Bevölkerung des Mittleren Westens, wo wilder Cannabis weitverbreitet ist, hat ergeben, dass die Pollen selbst Rhinitis (Schnupfen)-Symptome in dafür anfälligen Personen hervorrufen oder verstärken können. Hierbei ist es schwierig, zwischen den Reaktionen zu unterscheiden, die auf Cannabispollen zurückgehen, und solchen, die von anderen Allergenen herrühren. Aber zugleich hat man bei Hauttests festgestellt, dass 61 % der Patienten eine Überempfindlichkeit aufweisen.

Das Problem hängt außerdem mit dem Anfassen der getrockneten Pflanzen zusammen, denn manchmal treten die Symptome auch beim Rauchen von Cannabis auf (sogar bei den Rauchern, die während des Anbaus keinen Kontakt zur Pflanze haben). Zudem berichten viele Patienten, dass sie lange Zeit ohne Schwierigkeiten mit Cannabis umgehen konnten, bevor sie plötzlich mit akuten Symptomen zu kämpfen hatten.

Phytodermatitis ist ein wohlbekanntes Phänomen

Der Giftefeu verursacht häufig eine Kontaktdermatitis
Der Giftefeu verursacht häufig eine Kontaktdermatitis

Zahlreiche Pflanzen verursachen eine allergische Kontaktdermatitis bei Menschen – und in der Tat bezeichnet der Begriff Phytodermatitis speziell von Pflanzen hervorgerufene Reaktionen. Der Giftige Efeu, die Gifteiche und der Giftsumach sind einige wohlbekannte Beispiele für solche Pflanzen, auf die die Mehrheit der Menschen allergisch reagiert. Zwar behaupten manche, dagegen immun zu sein, wobei es jedoch unklar ist, ob es sich hier um eine echte Immunität handelt oder ob die allergische Reaktion nur etwas verzögert bzw. modifiziert eintritt.
Brennnesseln rufen ebenfalls eine Kontaktdermatitis hervor. Und in der Tat ist der Begriff Urtikaria vom wissenschaftlichen Namen für diese Pflanzenart (Urtica dioica) abgeleitet, obwohl dieser Begriff auch für Bienenstöcke verwendet wird, woraus hervorgeht, dass er aus vielfältigen Gründen nicht auf Pflanzen begrenzt ist. U. dioica ist sehr eng mit der Cannabispflanze verwandt: Die Wissenschaft zählt beide Familien, die Cannabaceae und die Urticaceae, zu einer informellen Gattung innerhalb der Ordnung Rosales (Rosenartige), die als Urticalean rosids bekannt sind.
Brennnesseln verursachen Reizungen, indem sie Histamin in die Epidermis (äußerste Hautschicht) einschleusen: Tausende von winzigen Härchen (Trichome genannt, wie bei Cannabis und vielen anderen Pflanzenarten), die die Oberfläche eines jeden Blatts bedecken, dringen in die oberen Hautschichten ein und geben Histamin, Ameisensäure und Serotonin direkt in die Haut ab. Da Cannabis über ähnliche Trichome verfügt, ist es möglich, dass die Pflanze eine Mischung aus gleichartigen Reizstoffen enthält.

Histamin & die Immunantwort

Histamin ist eine organische Verbindung, die aus Stickstoff und Wasserstoff zusammengesetzt ist und im Körper durch den Stoffwechsel der Aminosäure Histidin synthetisiert wird. Histamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Immunantwort. Wenn nun Allergene in bestimmten Schlüsselbereichen des Körpers anwesend sind (wie in den Schleimhäuten), wird Histamin durch Mastzellen oder weiße Blutkörperchen – Basophile genannt – freigesetzt, in einem Prozess, der als Degranulationbezeichnet wird.
Die Degranulation ist ein Mechanismus, bei dem bestimmte, an der Immunantwort beteiligte Zellen zytotoxische Stoffe freisetzen, die eindringende Mikroorganismen zerstören, wie zum Beispiel Allergene. Wenn solche Allergene in den Körper eindringen, verbinden sich die Moleküle des frei schwimmenden Antikörper-Proteins, das als Immunglobulin E (IgE) bekannt ist, mit den Fc-Rezeptoren, die sich an der Oberfläche der Mastzellen und Basophilen befinden. Dann verbinden sich die Allergene mit dem IgE, und die Zelle beginnt mit der Freisetzung des Histamins. Das löst die Entzündung aus und erhöht die Durchlässigkeit der Kapillaren, was es bestimmten weißen Blutkörperchen und Proteinen erlaubt, die eindringenden Krankheitserreger direkt anzugreifen.

Ein Fall einer Cannabis-Allergie, die eine Kreuzallergie gegen andere Pflanzen auslöst

Allergische Reaktionen auf Cannabis sind jedoch nicht ausschließlich dem Histamin zuzuschreiben, auch wenn dieses wahrscheinlich daran beteiligt ist. In einem bemerkenswerten Fall berichtete ein 28-jähriger Mann ohne vorherige allergische Symptome über eine Kontakturtikaria, nachdem er Cannabispflanzen berührt hatte; er war anschließend gezwungen, den Konsum von Cannabis einzustellen. Denn nach dem Rauchen rief die Droge bei ihm rhinitisartige Symptome, geschwollene Augenlider und Juckreiz hervor. Monate später trat bei dem Patienten erstmals eine Anaphylaxie (schwere allergische Reaktion) nach den Verzehr von Tomaten, Pfeffer und Feigen auf, außerdem zeigte sich eine Kontakturtikaria nach dem Anfassen von Pfirsichschalen und eine orale (Mund-) Allergie durch Äpfel, Mandeln, Auberginen und Esskastanien. Hauttests ergaben positive Befunde für Cannabis, Äpfel, Pfirsiche und Tomaten.

Eine schwere Kontaktdermatitis, die die typische Rötung und den erhöhten, beulenartigen Hautausschlag zeigt
Eine schwere Kontaktdermatitis, die die typische Rötung und den erhöhten, beulenartigen Hautausschlag zeigt

Can s 3, das vermutete Cannabis-Allergen

Die Immunnachweis-Verfahren zeigten an, dass ein Lipid-Transfer-Protein (LTP) dafür verantwortlich war: LTPs sind – wie der Name schon sagt – für den Transfer von Lipiden und anderen Fettsäuren durch die Zellmembranen verantwortlich, und sie sind häufig an gravierenden Lebensmittelallergien beteiligt. Weitere Tests förderten ein isoliertes Protein zutage, das man für das Cannabis-Allergen hielt, und die Forscher nannten es Can s 3.

Berichte über extreme Symptome, die einer Anaphylaxie oder einem akuten Asthmaanfall gleichen, sind zwar selten, tauchen jedoch ab und zu auf. Bei solchen Fällen wird zumeist darauf hingewiesen, dass der Kontakt mit der Pflanze in jeglicher Form (das gilt sogar für Hanflotion oder -Kleidung) eine so schwerwiegende Reaktion hervorruft, dass ständig ein EpiPen (Injektionslösung für Notfälle) zur Hand sein muss.

Ohne weitere empirische Beweise ist es schwierig festzustellen, ob diese schwerwiegenden Reaktionen ausschließlich einem Allergen in Cannabis zuzuschreiben sind oder ob hier beispielsweise auch Umweltfaktoren oder psychologische Gründe eine Rolle spielen. Die Erforschung des Can s 3-Proteins weist jedoch auf die Existenz eines echten Allergens hin, und somit werden diejenigen, die unter gewöhnlichen Lebensmittel- oder Pflanzenallergien leiden, vermutlich bis zu einem bestimmten Grad mit einer Kreuzallergie konfrontiert werden.

Kommentar Abschnitt

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Juergen

Interessante Arbeit, allerdings nicht so wirklich glaubhaft für jemanden wie mich.
Mit 12 Jahren bekam ich eine Kontaktdermatitis auf frischgemähtes Heu, ich lag ziemlich lange flach und bekam für einige Jahre regelmässig diese Urtikaria und Rhinitis hinzu, die Symptomatik wurde trotz Behandlung mit Cortisonpräparaten von Jahr zu Jahr schlimmer, es drohte mir gar schon Asthma in jungen Jahren.

Durch Zufall kam ich an Cannabis und erlebte das es die gesamte Symptomatik wegpustete, sprich solange ich was zu rauchen hatte ging es mir gut.

Nun, wenn Cannabis so gut bei mir gegen exakt diese extreme Histaminausschüttung hilft, wieso verursacht es diese bei so machen ... etwas paradox, sprich die menschen die so reqagieren siend lebende Paradoxon.

24/02/2013

Stefanie

Hallo Jürgen,
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Cannabis und Allergien sind ein sehr komplexes Thema. Nichts ist definitiv. Wenn Dir der Konsum von Cannabis hilft, würden wir gern mehr dazu erfahren. Wärst Du bereit, Deine Geschichte mit uns zu teilen?
Beste Grüße –
Stefanie

28/02/2013

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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