Cannabis in Jamaika – Gesetze, Konsum und Geschichte

Jamaika wird oftmals mit Cannabiskonsum assoziiert. Bis 2015 konnten jedoch laut Gesetz noch Gefängnisstrafen für selbst mit kleinen Mengen gefasste Personen verhängt werden. Mittlerweile wurde der Cannabiskonsum entkriminalisiert und Rastafari steht es frei, es für die Ausübung ihrer Religion zu nutzen. Der Markt für medizinisches Cannabis wächst.

Cannabisgesetze in Jamaika

Darf man in Jamaika Cannabis besitzen und konsumieren?

Vor 2015 war der Besitz und Konsum von Cannabis in Jamaika illegal. Für viele ist das überraschend, da das Land in den internationalen Medien oft als ein Paradies für Cannabiskonsumenten dargestellt wird.

Nach der früheren Gesetzgebung konnten im Besitz von Cannabis festgenommene Personen zu einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren und einer Geldstrafe von bis zu 100 J$ pro Unze (ca. 28 g) oder zu bis zu 3 Jahren Gefängnis und einer Geldbuße verurteilt werden.

2015 änderte die jamaikanische Regierung das Drogengesetz. Es wurden neue Gesetze zum rechtlichen Status von Cannabis eingeführt. Dazu zählt:

  • Die Entkriminalisierung des Besitzes von bis zu 2 Unzen (ca. 57 g) Cannabis. Wer mit einer geringen Menge gefasst wird, kann nicht mehr verhaftet oder angeklagt werden und kommt nicht ins Vorstrafenregister.
  • Die Einführung eines Bußgeldsystems. Wenn ein Täter mit bis zu 2 Unzen Cannabis gefasst wird, kann er zu einer Bußgeldzahlung verpflichtet werden (ähnlich den Bußgeldern bei Fahrvergehen). Die Person muss dann innerhalb von 30 Tagen 500 J$ an den Fiskus zahlen.

Außerdem ist der Besitz von über zwei Unzen Cannabis noch immer eine Straftat. Wenn der Täter mit einer größeren Menge gefasst wird, selbst wenn diese für den Eigenkonsum gedacht ist, kann er festgenommen und angeklagt werden und zu einem Bußgeld oder sogar zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden. Die Straftat wird ins Vorstrafenregister eingetragen.

Der Konsum von Cannabis im öffentlichen Raum oder innerhalb eines Abstands von 5 Metern zum öffentlichen Raum ist gesetzeswidrig (dasselbe gilt in Jamaika für Zigaretten). Öffentliche Plätze werden im Drogengesetz gesondert aufgelistet und umfassen Bars, Restaurants, Touristeneinrichtungen, Arbeitsplätze, Behörden und alle anderen Orte, die „der Öffentlichkeit zugänglich“ sind.

Die Änderungen gelten für Erwachsene und Minderjährige. Wenn Minderjährige mit Cannabis gefasst werden, werden sie jedoch an den Nationalen Rat für Drogenmissbrauch verwiesen. Dies gilt auch für Erwachsene, die Anzeichen einer Cannabisabhängigkeit aufweisen.

Ausnahmen von der Regel

In Übereinstimmung mit der Gesetzesänderung von 2015 dürfen Rastafari Cannabis legal für religiöse Zwecke nutzen. Das darf nur in Bereichen geschehen, die für Rastafari-Gottesdienste registriert sind.

Zusätzlich erlaubt das Gesetz nun die Anwendung von Cannabis zur Behandlung von Symptomen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen oder unheilbaren oder schweren chronischen Krankheiten. Medizinisches Cannabis darf auch importiert werden.

Darf man in Jamaika Cannabis verkaufen?

Wenn der Verkauf medizinischen, wissenschaftlichen oder Forschungszwecken dient, können Unternehmen in Jamaika eine Einzelhandelskonzession für Cannabis beantragen. Alle Anträge werden von der Genehmigungsbehörde für Cannabis bearbeitet.

Sowohl der Verkauf als auch die Lieferung von Cannabis sind unter allen Umständen illegal im Land. Die Änderung des Drogengesetzes entkriminalisiert nicht nur den Cannabiskonsum, sondern führt auch höhere Geldstrafen für den Verkauf illegaler Drogen und den Drogenhandel ein.

Das stellt möglicherweise einen Versuch dar, das schwerwiegende Problem des Drogenhandels im Land in Angriff zu nehmen. Laut dem Internationalen Bericht zur Drogenbekämpfungsstrategie (ausgegeben von der US-Regierung) ist Jamaika das Hauptherkunftsland für Cannabis in der Karibik. Ein Teil des Cannabis wird in andere karibische Länder exportiert, im Austausch für Waffen und andere illegale Objekte.

Dies liegt hauptsächlich an der geografischen Lage Jamaikas und an der schwer zu überwachenden Küste. Drogenschmuggler nutzen die beträchtliche Anzahl an Touristen, die jeden Tag durchreisen, oft als Kuriere, um illegale Substanzen aus dem Land zu schmuggeln.

Darf man in Jamaika Cannabis anbauen?

Im Jahr 2015 hat die jamaikanische Regierung eingeschränkten Anbau von Cannabispflanzen ausschließlich für den Eigenkonsum legalisiert. Laut Drogengesetz darf jeder Haushalt bis zu fünf Cannabispflanzen anbauen. Rastafari ab 18 Jahren können den Anbau von Cannabis für religiöse Zwecke beantragen.

Die Regierung hat außerdem eine Genehmigungsbehörde für Cannabis ins Leben gerufen. Diese wurde zur Verwaltung und Regulierung der medizinischen Cannabisindustrie und des Cannabisanbaus für Forschungszwecke eingerichtet. Die Organisation überwacht auch Jamaikas Hanfindustrie.

Cannabisanbau in kleineren Mengen mag legal sein, großangelegter Anbau ist es jedoch nicht. Das hindert Landwirte im ganzen Land jedoch nicht daran, die Pflanze anzubauen. Laut dem Internationen Bericht zur Drogenbekämpfung ist Jamaika „bei der illegalen Drogenproduktion ein bedeutendes Land“, in dem jährlich mindestens 5.000 Hektar Cannabis illegal angebaut oder geerntet werden.

Ist CBD in Jamaika legal?

In Jamaika ist CBD legal, da die Regierung den THC-Gehalt als nicht hoch genug einschätzt, um „high“ zu machen. Die CBD-Industrie ist jedoch noch im Entwicklungsstadium. Daher sind die Produkte schwer erhältlich und häufig teuer.

Darf man Cannabissamen nach Jamaika senden?

Cannabissamen sind in Jamaika nicht mehr illegal und können zum Anbau von bis zu 5 Pflanzen zu Hause verwendet werden. Sie können per Post in das Land versandt werden.

Medizinisches Cannabis in Jamaika

Laut der Gesetzesänderung des Drogengesetzes von 2015 darf eine Person, die an einer Krebserkrankung, einer unheilbaren oder schweren chronischen Krankheit leidet Cannabisprodukte für die medizinische Anwendung importieren.

Um dies auf legalem Weg zu tun, müssen Patienten ein Zertifikat von einem registrierten praktizierenden Arzt erhalten haben, das die Erkrankung bestätigt. Der Arzt muss dem Patienten die Anwendung von medizinischen Cannabis außerdem ausdrücklich empfehlen, und alle Importe müssen den Vorschriften entsprechen.

Besucher und medizinisches Cannabis

Wer Jamaika besucht, ist ebenfalls berechtigt, medizinisches Cannabis anzuwenden, vorausgesetzt es wird eine Genehmigung beantragt. Mit dieser Genehmigung dürfen Besucher bis zu 2 Unzen Cannabis auf einmal kaufen und besitzen, ausschließlich für medizinische Zwecke.

Für diese Genehmigung müssen Besucher nachweisen, dass ihr behandelnder Arzt ihnen das Cannabis verschrieben oder empfohlen hat. Andernfalls haben sie die Möglichkeit, eine Erklärung zu unterzeichnen, die das bestätigt. Dabei fallen Gebühren an.

Anbau für wissenschaftliche Zwecke

Außerdem können Institutionen oder andere SRC-zertifizierte Einrichtungen (vom Wissenschaftsrat anerkannte Einrichtungen) den Anbau von Cannabis für wissenschaftliche Forschungszwecke und medizinische Anwendungen beantragen. Cannabis darf nur auf dafür zugelassenem Land angebaut werden. Landwirte mit einer entsprechenden Genehmigung sind von der allgemeinen Cannabisanbaugesetzgebung ausgenommen.

Tatsächlich dürfte Jamaika von seiner wachsenden medizinischen Cannabisindustrie profitieren. 2018 wurde die erste Lieferung von Cannabis für medizinische Zwecke zu Testzwecken nach Kanada geschickt. Dies markiert möglicherweise den Beginn eines Handels zwischen den beiden Ländern.

Industriehanf in Jamaika

Die Gesetzesänderung definiert Hanf als eine „Hanfpflanze mit einem THC-Gehalt von unter 1 %“. Industriehanf ist von den Bestimmungen im Drogengesetz ausgenommen und wird als Nutzfaser betrachtet, die für vielerlei Zwecke verwendet werden kann.

Anbau, Verkauf, Import, Export und Verarbeitung unterliegen einer Genehmigungspflicht, für die die Genehmigungsbehörde für Cannabis zuständig ist.

Obwohl der Hanfanbau in Jamaika legal ist, hat die Regierung ausgesagt, dass sie nicht beabsichtigt, die Hanfindustrie aktiv zu entwickeln.

Dr. Machel Emanuel, leitender Forscher der Fakultät für Biowissenschaften an der University of the West Indies, wies darauf hin, dass die jamaikanischen Landwirte zwar im Anbau von Cannabis erfahren sind, jedoch nicht über das gleiche Know-how in Bezug auf Hanf verfügen.

„Der Anbau der Pflanzen für Fasern und Samen erfordert eine ganz andere Herangehensweise“, sagt er, „und Jamaikas Arbeitsressourcen und Kompetenzen liegen nicht unbedingt in diesem Bereich.“

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Jamaika reisen (oder dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

Die Geschichte von Cannabis

Jamaika hat eine starke Verbindung zu Cannabis. Cannabis wird oftmals als Teil der Inselkultur angesehen, genau wie Rastafari und Musik. Die Pflanze ist jedoch erst um 1800 nach Jamaika gekommen. Das ist viel später als in vielen anderen Teilen der Welt.

Sie wurde von den Ostindien-Arbeitern eingeführt und vom jamaikanischen Volk nach und nach zu medizinischen Zwecken und zu Erholungszwecken übernommen. In den 1930er-Jahren begannen Leonard P. Howell und andere erfahrene Rastafari, Cannabis in ihre religiösen Praktiken einzubauen. Sie behaupteten, die Pflanze habe stark hebräische Wurzeln.

1913 führten die „weiße Elite“ und die Evangelikalen des Landes das Ganja-Gesetz ein. Das Gesetz verbot nicht nur den Cannabiskonsum, sondern gab den Gesetzesvollstreckern auch das ausgesprochene Recht, brutale Gewalt gegen diejenigen anzuwenden, die bei Vergehen gefasst wurden. Für viele war dies nichts weiter als koloniale Unterdrückung und trug nicht dazu bei, die Zahl der Cannabiskonsumenten im Land zu senken.

Jetzt wurde das Gesetzt endlich geändert und Personen, die mit geringen Mengen Cannabis für den Eigenkonsum gefasst werden, werden nicht mehr bestraft.

Soziale Akzeptanz von Cannabis

Die Einstellung zu Cannabis in Jamaika ist weitestgehend tolerant. Dies war jedoch nicht immer der Fall. In der Vergangenheit waren viele Menschen im Land frustriert über die internationale Wahrnehmung von Jamaika als Cannabisland, und die Regierung hielt bis 2015 an den strengen Anti-Cannabisgesetzen fest.

Das hat sich in den letzten Jahren verändert. Das Gesetz erkennt jetzt zum Beispiel die Bedeutung von Cannabis für das Rastafari-Sakrament an – das wäre vor einigen Jahrzehnten undenkbar gewesen. Medizinisches Cannabis ist legal. Es ist sogar erlaubt, Cannabispflanzen zu Hause anzubauen. Tatsächlich ist Jamaika – was das Gesetz betrifft – eines der fortschrittlichsten Länder auf dem amerikanischen Kontinent.

Cannabissorten in Jamaika

Vor 2015 wurden Cannabisernten oftmals von der Polizei vernichtet. Das hat Landwirte dazu gezwungen, moderne Hybridsorten anzubauen, die kürzere Ertragszyklen ermöglichen (sodass sie noch vor der Kontrolle der Behörden erntet werden können).

Jetzt, da das Gesetz progressiver ist, können Landwirte auf ältere Landrassen-Sorten zurückgreifen.

Der erste Cannabis-Cup fand 2015 im Rahmen des Rastafari-Rootzfestes statt. Lokale Cannabis-Grower brachten 65 Blüten- und Haschischsorten in den Wettbewerb ein. Experten analysierten die Sorten und stellten fest, dass die Hybridisierung in den meisten von ihnen gut stabilisiert war.

Einige waren originale Landrassen, wie das Longtime-Gras, das, wie der Name schon sagt, durch eine lange Blütezeit hervorsticht.

Cannabis und Rastafari

In der Vergangenheit wurden die Rastafari in Jamaika für ihren Cannabiskonsum verfolgt, der eine wichtige Rolle bei ihren religiösen Praktiken spielt.

Die Feindseligkeiten gegenüber den Rastafari erreichte 1963 während des Korallengarten-Massakers ihren Höhepunkt. Premierminister Bustamante, der erste Premierminister des Landes, soll gesagt haben: „Nehmt alle Rastas fest, tot oder lebendig“, und die Behörden haben die Forderung umgesetzt. Über 400 Menschen wurden festgenommen. Nach dem Ereignis hat die Regierung Haftstrafen für Personen mit selbst winzigen Mengen an Cannabisbesitz verhängt.

Dies war äußerst problematisch für die jamaikanischen Rastafari, die Cannabis als ein Sakrament gebrauchen. Die Pflanze hat für sie eine tiefe religiöse Bedeutung, da sie glauben, dass sie auf dem Grab von König Salomo gewachsen ist.

Ras Iyah V., ein Rasta, der Vorstandsmitglied der Cannabis-Genehmigungsbehörde des Landes ist, kommentiert: „So wie Menschen essen, wenn sie hungrig sind, und trinken, wenn sie durstig sind, rauchen sie Ganja (Cannabis), wenn sie ihre Seele nähren wollen. Es hilft dir, dich mit deinem inneren Wesen, dem Gotteswesen, zu verbinden.“

Bis 2015 war es für Rastafari illegal, auch nur einen einzigen Joint zu rauchen. Jetzt hat Jamaikas Regierung die Verfolgung beendet und toleriert den Cannabiskonsum dieser Minderheit für religiöse Zwecke.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Es ist schwer zu sagen, ob Jamaikas Regierung noch einen Schritt weiter geht und den Freizeitkonsum von Cannabis legalisiert. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels gab es nur eine Handvoll Länder auf der Welt, die so weit gegangen sind und es ist noch zu früh, um Aussagen darüber zu treffen, welchen Einfluss ihre Gesetze haben.

Angesichts der progressiven Änderungen am Drogengesetz in Jamaika besteht die Möglichkeit, dass Cannabis in Zukunft legalisiert wird.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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