Cannabis in Jordanien – Gesetze, Konsum und Geschichte

Bis 1999 waren die Drogengesetze in Jordanien streng. Für Drogenhandel konnte die Todesstrafe verhängt werden. Seit jedoch König Abdullah II. den Thron bestiegen hat, wird das Land reformiert. Verurteilten Erstkonsumenten wird alternativ zur Haftstrafe eine Behandlung angeboten. Drogenhandel ist jedoch weiterhin ein großes Problem.

    • Hauptstadt
    • Amman
    • Einwohner
    • 10,209,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabisgesetze in Jordanien

Darf man in Jordanien Cannabis besitzen und konsumieren?

Im haschemitischen Königreich Jordanien ist der Besitz und Konsum von Cannabis illegal. Das Gesetz über Drogen und psychotrope Substanzen von 1988 sah ursprünglich strenge Strafen für mit Cannabis ertappte Personen vor. 2015 wurde das Gesetz angepasst. Seither wird zwischen Erstkonsumenten und Wiederholungstätern unterschieden. Wird eine Person zum ersten Mal wegen Cannabiskonsum verhaftet, kommt sie anstatt ins Gefängnis in eine Rehabilitationseinrichtung.

Es gibt in Jordanien zwei staatliche Behandlungseinrichtungen. Eine wird vom Gesundheitsministerium betrieben, die andere ist dem PSD (Staatlichem Sicherheitsdirektorat) und der AND (Anti-Betäubungsmittelbehörde) angeschlossen.

Dieser fortschrittlichere Ansatz ist größtenteils der Amtsübernahme durch König Abdullah II. im Jahr 1999 zuzuschreiben. Seit dieser nun König von Jordanien ist, wurden wichtige Reformen eingeführt. 2011 erklärte er, dass er einen jordanischen Staat schaffen wolle, in dem „die Förderung der Gerechtigkeit ein Anliegen ist, Toleranz eine Mission ist und die Achtung der Menschenrechte das Ziel ist“.

Obwohl Jordaniens Drogengesetze in den letzten Jahren reformiert wurden, gibt es noch immer lange Gefängnisstrafen für den Besitz von Cannabis, und es ist nicht ungewöhnlich, dass Straftäter zu zwei Jahren Haftstrafe verurteilt werden.

Darf man in Jordanien Cannabis verkaufen?

Nach jordanischem Gesetz ist der Verkauf und Handel mit Cannabis ein schweres Vergehen. Täter müssen mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen und können in manchen Fällen zum Tode verurteilt werden. Neuere Zahlen zeigen jedoch, dass es seit 2017 im Land nicht mehr zu Exekutionen gekommen ist.

Obwohl der Markt für Drogen (einschließlich Cannabis) im Land nicht besonders groß ist, liegt Jordanien auf einer bedeutenden Drogenhandelsroute, wobei Drogen aus Südamerika für den Weiterverkauf nach Israel, Libanon und andere Länder im Mittleren Osten eingeführt werden.

Haschisch wird im Allgemeinen häufiger durch das Land geschmuggelt als (Teile von) Cannabispflanzen. Die Behörden konnten in den vergangenen Jahren mehrere Kilogramm Haschisch beschlagnahmen. 2018 hat die AND beispielsweise eine Razzia im nördlichen Badia durchgeführt und 400 Kilogramm handtellergroßer Haschischplatten entdeckt.

Vier Organisationen arbeiten zur Bekämpfung des Drogenhandels in Jordanien zusammen:

  • die AND (Anti-Betäubungsmittelbehörde)
  • die Wüsten- und Grenzpolizei (zuständig für die Überwachung der weitläufigen Grenzen bzw. Wüsten)
  • die Hauptzollbehörde (zuständig für Zollgebühren und Überwachung)
  • die jordanische Armee (die Teile der jordanischen Grenze bewacht)

Diese Organisationen arbeiten im Kampf gegen Drogenhandel miteinander und auch mit internationalen Organisationen zusammen. Jordanien ist außerdem das einzige arabische Land, das kooperative Beziehungen zu Israel unterhält. Die beiden Länder haben sich zusammengeschlossen, um das Problem des Drogenhandels anzugehen.

Darf man in Jordanien Cannabis anbauen?

In Jordanien ist der Anbau von Cannabis illegal. Ein Täter, der wegen Anbau von Cannabis überführt wird, muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Je nach angebauter Menge kann ihm aber auch eine Behandlung angeboten werden.

Trotzdem versuchen Landwirte Cannabis anzubauen (obwohl die eingeschränkte Wasserversorgung in Jordanien den Prozess erschwert). Die Pflanzen werden für gewöhnlich in den für die Landwirtschaft geeigneten Gebieten im Westen angebaut, wie im Levantinischen Korridor des Fruchtbaren Halbmonds. Die Niederschlagsmengen sind hier höher.

In der Vergangenheit war der häusliche Anbau von Cannabis nie ein Problem für die Strafverfolgung in Jordanien. Es gibt jedoch immer mehr Fälle von illegalem Anbau. Die ersten Festnahmen wurden 2011 gemeldet. Dabei wurden 3 Personen verhaftet und 80 kg beschlagnahmt. Seither werden Razzien häufiger durchgeführt.

Jordaniens Anbauzentrum ist der Verwaltungsbezirk Balqa nahe der israelischen Grenze. Hier finden regelmäßig Razzien statt. Farmen und Häuser werden aus der Luft überwacht, um sicherzustellen, dass kein illegales Cannabis angebaut wird.

Ist CBD in Jordanien legal?

Das jordanische Gesetz unterscheidet nicht zwischen CBD und Cannabis, ungeachtet der Tatsache, dass CBD extrem niedrige THC-Konzentrationen enthält (die Substanz, die „high“ macht). Dementsprechend ist es in Jordanien illegal, CBD zu konsumieren, zu kaufen oder zu verkaufen.

Darf man Cannabissamen nach Jordanien senden?

In Jordanien ist der Anbau von Cannabis illegal. Daher sind auch Cannabissamenim Land illegal und dürfen weder verkauft oder gekauft noch per Post versandt werden.

Medizinisches Cannabis in Jordanien

Jordaniens Gesetze unterscheiden nicht zwischen Cannabis für den Freizeitkonsum und der medizinischen Anwendung. Deshalb ist der Kauf, Verkauf und Konsum von Cannabis für medizinische Zwecke illegal. Es gibt derzeit kein medizinisches Cannabis-Programm. Es gibt auch keinerlei Aussagen der Regierung zur Einführung eines solchen Programmes in der Zukunft.

Industriehanf in Jordanien

Über die Hanfindustrie in Jordanien konnten keine nachprüfbaren Informationen gefunden werden.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Jordanien reisen (oder gegenwärtig dort leben), sind folgende Informationen interessant für Sie:

  • Obwohl es sich um ein überwiegend muslimisches Land handelt, sind die Gesetze für den Alkoholkonsum weniger streng als für den Drogenkonsum (einschließlich Cannabis).
  • In den ersten zehn Monaten des Jahres 2017 nahm die AND 16.631 Personen wegen Drogendelikten fest. Das waren knapp 3.000 weniger als im Vorjahr. Von diesen 16.631 waren 1.338 Ausländer.
  • In Jordanien sind Cannabisbauern häufig bewaffnet. Es gibt Berichte, dass es während der Razzien zu Schusswechseln kam. Es gibt jedoch keine Hinweise auf Verletzungen oder Brutalität bei diesen Razzien. Das ist bei Gefängnisinsassen anders, denn trotz der Fortschritte bei der Strafrechtsreform werden Menschenrechte nicht immer geachtet.

Problem mit Drogenhandel in Jordanien

Jordaniens Wüstengebiet, das von den Behörden nur schwer überwacht und kontrolliert werden kann, bietet die perfekte Umgebung für den Drogenhandel. Obwohl der inländische Cannabishandel des Landes gering ist, ist die Nachfrage nach Haschisch in Nachbarländern wie Israel und Saudi-Arabien hoch. Aus diesem Grund schmuggeln viele Cannabishändler Haschisch aus dem Libanon durch das Land.

Der Heroinhandel wird jedoch als weitaus schwerwiegenderes Problem angesehen. Die meisten Heroinbeschlagnahmungen finden an der Grenze zu Syrien statt, und ausgehende Sendungen werden häufig in Aquba, dem wichtigsten Hafen für Schiffe nach Ägypten, beschlagnahmt.

Die meisten Drogen kommen über die Grenzgebiete zum Irak und zu Syrien nach Jordanien. Anwar Tarawneh, Direktor der Anti-Betäubungsmittelbehörde (AND) gab an, dass 95 % der von der AND beschlagnahmten Drogen fertig verpackt für den Schmuggel außer Landes waren.

Wie gehen die Behörden damit um?

Die Öffnung der Grenzen zu Israel (und die Zusammenarbeit mit Israel zur Bekämpfung des Drogenhandels) hat die Streitkräfte beider Länder und deren Versuche verstärkt, dem Drogenschmuggel ein Ende zu setzen. Durch die Öffnung der Grenzen ist es für Kriminelle jedoch auch einfacher, illegale Schmuggelware in beide Länder zu transportieren.

Die Behörden haben die wichtigsten Grenzübergänge zum Irak und zu Syrien auch mit Röntgengeräten für größere Fahrzeuge ausgestattet. Es wurden größere Investitionen in die Ausbildung von Polizei- und Zollbeamten getätigt, um sicherzustellen, dass sie wissen, wie man geschmuggelte Drogen ausfindig macht und identifiziert. Auch Spürhunde werden eingesetzt.

Cannabis und die politische Situation in Jordanien

Jordanien ist politisch nicht so instabil wie andere Länder in der Region (insbesondere Syrien). Seit dem Arabischen Frühling 2011 gibt es jedoch vermehrt Spannungen. Die von König Abdullah II. geplanten Reformen wurden nicht so schnell wie versprochen umgesetzt und der Flüchtlingsstrom in das Land ist weiterhin ein Problem.

Es wird nicht davon ausgegangen, dass terroristische Aktivitäten im Libanon oder in Syrien direkt durch den inländischen Cannabishandel finanziert werden. Es gibt jedoch Vermutungen, wonach die libanesische Hisbollah einige (oder alle) Schmuggelnetzwerke, die über Jordanien laufen, kontrolliert. Die Hisbollah kontrolliert auch den größten Teil der Haschischproduktion im Bekaa-Tal des Libanon (wo der Großteil des jordanischen Haschischs herkommt).

In den lokalen Medien gab es Berichte, dass in Jordanien operierende Drogenhändler mit terroristischen Organisationen in Verbindung gebracht wurden. In einigen Fällen gab die PSD jedoch später an, dass es keine Beweise für diese Behauptungen gab.

Gesellschaftliche Akzeptanz von Cannabis

Cannabisblüten und Haschisch gehören zu den am häufigsten beschlagnahmten Drogen. Keine der Substanzen scheint jedoch für die Behörden eine Priorität zu sein. Sie sehen Heroin als die gefährlichere Substanz an und befassen sich mehr mit dem Heroinhandel.

Jordanien ist seit Jahren ein Transitland für Cannabis. Einige vermuten, dass sich dies ändert und dass der Cannabiskonsum immer beliebter wird.

Drogenkonsum ist, genau wie Alkohol, verboten und ist bei vielen offen verpönt. Die jordanische Polizei ermutigt Menschen, über mutmaßliche Drogenaktivitäten zu berichten, und hat vor kurzem eine Kampagne zur Bekanntmachung von Drogenverhaftungen gestartet, um Einzelpersonen vom Konsum und Verkauf von Drogen abzuhalten.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Obwohl Jordanien jetzt einen liberaleren Monarchen hat, ist es unwahrscheinlich, dass sich das Cannabisgesetz bald ändern wird. Gegenwärtig konzentriert sich das Land auf die Bekämpfung seines Drogenhandelproblems und plant keine nennenswerten Reformen seiner Drogengesetze.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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