Cannabis in Myanmar – Gesetze, Konsum und Geschichte

Myanmar ist Teil des Goldenen Dreiecks und gilt als einer der größten Heroin-Produzenten der Welt. Auch Cannabis wird im Land sehr häufig angebaut, aber die Gesetze über den Konsum und den Verkauf der Droge sind streng. Seit 1962 wird das Land von einer Militärjunta regiert und Menschenrechtler kritisieren seit jeher die Drogenpolitik der Regierung.

    • Hauptstadt
    • Nay Pyi Taw
    • Einwohner
    • 54,808,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabis-Gesetze in Myanmar

Darf man in Myanmar Cannabis besitzen und konsumieren?

Myanmar war eines der wenigen Länder, die gegen das internationale Verbot von Cannabis im Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel von 1961 waren. Die myanmarischen Abgeordneten verteidigten den medizinischen Nutzen der Pflanze und die, verglichen mit anderen Drogen, geringe Suchtgefahr.

Ironischerweise verabschiedete das Land nur wenige Jahrzehnte später eines der strengsten Anti-Cannabis-Gesetze der Welt.

Der Konsum und der Besitz von Cannabis werden in Myanmar durch das Betäubungsmittel- und Psychopharmaka-Gesetz (von 1993) geregelt. In seiner ursprünglichen Form sieht das Gesetz vor, dass jeder „Drogenkonsument“, der sich im Besitz von Cannabis befindet, „mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei bis maximal fünf Jahren bestraft wird“.

Unabhängig davon, ob eine Cannabis-Sucht vorliegt oder nicht, sind Straftäter zudem verpflichtet, sich einer Suchtbehandlung zu unterziehen. Das Gesetz besagt, dass jene, die die Behandlung nicht antreten, „mit Haftstrafen geahndet werden“.

Nach diesem Gesetz ist selbst die „rechtswidrige Entgegennahme eines Betäubungsmittels“ eine strafbare Handlung. Wenn die Cannabismenge, die der Konsument besaß, zwischen zwei und 75 Gramm liegt, galt dies vor Gericht als „Besitz mit Verkaufsabsicht“, was eine härtere Strafe nach sich zieht.

Dieses Gesetz wurde jedoch 2018 geändert. Die neue Politik zielt auf Folgendes ab:

  • Den Aufbau sicherer und gesunder Gemeinden durch die Minimierung gesundheitlicher, sozialer und wirtschaftlicher Schäden.“
  • Die Entkriminalisierung des Drogenkonsums und das Angebot einer freiwilligen Suchtbehandlung für Drogenkonsumenten.
  • Einen leichteren Zugang zu kontrollierten Substanzen für medizinische Zwecke und Forschungsarbeiten.
  • Aufklärung ländlicher Gemeinden in Bezug auf den Anbau kontrollierter Substanzen anstelle großangelegter Vernichtungsprogramme.
  • Drogenkonsumenten nicht weiter als Kriminelle anzusehen.


Obwohl das novellierte Gesetz erst seit einem Jahr (zum Zeitpunkt der Schreibens dieses Artikels) gültig ist, haben Experten bereits Probleme erkannt:

  • Die Todesstrafe wird nach wie vor verhängt, auch wenn es unklar ist, ob sie auch bei Cannabis-Delikten genutzt wird.
  • Als dieses Gesetz in Kraft trat, verabschiedete das Land gleichzeitig die nationale Drogenkontrollpolitik. Viele Punkte dieser Politik widersprechen dem novellierten Gesetz.
  • Zwar wurde der Drogenkonsum entkriminalisiert, nicht aber der Besitz geringer Mengen. Einige sagen, dass dies das ganze Gesetz untergräbt – denn es ist schwierig, Cannabis zu konsumieren, ohne es auch zu besitzen.

Das neue Gesetz hat jedoch Türen für weitere Gesetze geöffnet, was die Umsetzung von Änderungen in Zukunft erleichtern wird.

Darf Cannabis in Myanmar verkauft werden?

Myanmars Regierung verbietet den Verkauf oder die Verbreitung von Cannabis und die Strafen dafür sind hart. Nach dem myanmarischen Betäubungsmittel- und Psychopharmaka-Gesetz können Menschen, die sich der Verbreitung, des Verkaufs, der Einfuhr oder der Ausfuhr von Cannabis schuldig machen, zu einer Haftstrafe von mindestens 15 Jahren bei keiner Beschränkung der Obergrenze verurteilt werden. Darüber hinaus droht ihnen die Todesstrafe.

Mit der Reform versuchte man 2017 auch dieses Gesetz zu ändern – insbesondere in Hinblick auf die obligatorischen Mindeststrafen und die Todesstrafe.

Darf Cannabis in Myanmar angebaut werden?

Cannabis wird in Myanmar vielerorts angebaut. Eigentlich ist der Anbau aber illegal. Wer des Anbaus (auch nur weniger Pflanzen) für schuldig befunden wird, kann mit einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren rechnen. Diese erstreckt sich auf maximal zehn Jahre und kann zudem ein Bußgeld beinhalten.

Ist CBD in Myanmar legal?

Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen Cannabis und CBD. Obwohl CBD einen sehr niedrigen THC-Gehalt (die Substanz, die für das „High“ verantwortlich ist) hat, gilt es in Myanmar dennoch als illegale Substanz und es ist verboten, es zu verkaufen oder zu konsumieren.

Können Cannabissamen nach Myanmar geschickt werden?

So wie der Anbau von Cannabis in Myanmar illegal ist, so sind auch der Besitz und der Verkauf von Cannabissamen illegal. Das ist auch dann so, wenn man nicht beabsichtigt, sie keimen zu lassen und daraus Pflanzen zu ziehen. Daher ist es auch illegal, sie per Post ins Land zu schicken.

Medizinisches Cannabis in Myanmar

Derzeit gibt es in Myanmar kein medizinisches Cannabisprogramm und die Regierung hat auch keine Hinweise darauf gegeben, dass es in Zukunft eines geben wird.

Einige ländliche Gemeinden nutzen die Pflanze jedoch immer noch zu medizinischen Zwecken. Ko Dee Tan, der im Norden des Landes lebt, sagte in einem Interview mit der Myanmar Times, dass „wir Hanf seit der Zeit unserer Großeltern als Kräutermedizin einsetzen.  Wenn sie Übelkeit oder Schmerzen verspürten, trugen sie eine Hanf-Wärmepackung auf.“

Industriehanf in Myanmar

Die myanmarische Gesetzgebung verbietet auch den Anbau von Hanf. Trotz dieser Tatsache wächst die Pflanze in weiten Teilen des Landes und wird nach wie vor zu praktischen Zwecken genutzt, insbesondere in ländlichen Gemeinden.

Gut zu wissen

Wenn man nach Myanmar reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • Cannabis wird in vielen Teilen des Landes trotz der strengen Gesetze noch immer konsumiert. Ein Missbrauch kommt jedoch selten vor und wenn dann meist unter einkommensschwachen und arbeitslosen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Cannabis-Missbrauch ist in städtischen und ländlichen Gebieten gleichermaßen verbreitet.
  • Obwohl es in Myanmar viele illegale Cannabisplantagen gibt (von den in freier Wildbahn wachsenden Pflanzen ganz zu schweigen), stellt Opium das größte drogenbezogene Problem dar. Das Land ist der weltweit zweitgrößte Opium-Produzent
  • Neben Opium-Produktion ist Myanmar auch für die Herstellung von Methamphetamin (Meth) bekannt. Nach Angaben eines UNODC-Regionalvertreters für Südostasien steigt die Meth-Produktion seit einigen Jahren an.

Wie ist das myanmarische Cannabis?

In Myanmar kann Cannabis dank des Klimas gut gedeihen. Es wächst hauptsächlich in den hügeligen Regionen, die an die Distrikte Senapati, Tamenglong, Chandel und Ukhrul des indischen Bundesstaats Manipur angrenzen.

Burmese Kush ist die bekannteste Landrassenart. Sie stammt aus Myanmar (früher Burma, daher der Name) und wurde mit einer Kush-Sorte gekreuzt, um ihre Größe zu reduzieren und die Blütezeit zu verkürzen. Dieser Hybride ist zur Hälfte eine Sativa und bewirkt ein Gefühl sanfter Entspannung.

Das vegetative Wachstum kann zwar einige Zeit in Anspruch nehmen, dafür beträgt die Blütezeit unter optimalen Bedingungen nur sieben bis acht Wochen. Wenn die Blüten konsumiert werden, dauert es eine Weile, bis die Wirkung einsetzt – aber dann ist sie stark und lang anhaltend.

Die anderen Sorten in Myanmar sind hauptsächlich Sativapflanzen, wobei viele eng mit thailändischen Sorten verwandt sind, die einen hohen THC-Gehalt und einen niedrigen Gehalt an anderen Cannabinoiden aufweisen.

Die Cannabispflanzen in Myanmar sind oft groß und anmutig, mit schlanken Blättern und Zweigen. Sie blühen normalerweise über einen längeren Zeitraum – bis zu zwanzig Wochen lang.

Das Land produziert auch Hanfpflanzen mit niedrigem THC-Gehalt, die hauptsächlich im Norden des Landes wachsen. Hanf wird in den ländlichen Gemeinden Myanmars seit Jahrhunderten sowohl als Medizin als auch als Nahrungsmittel eingesetzt. Darüber hinaus wurden Hanffasern zur Herstellung von Textilien verwendet, dies war jedoch weniger verbreitet.

Der illegale Handel mit Cannabis

Obwohl die Cannabis-Gesetze in Myanmar streng sind, sind viele ländliche Gemeinden auf die Einnahmen aus dem Anbau der Pflanze angewiesen.

Einmal geerntet, wird das Cannabis in der Regel über das Meer oder über die Grenze auf dem Landweg nach Indien exportiert. Moreh, eine Stadt an der Grenze der beiden Länder, wird oft von Schmugglern frequentiert. Allerdings versuchen die Behörden mittlerweile, dem Drogenschmuggel mit einer Reihe an Maßnahmen entgegenzuwirken.

Myanmars Schmuggler haben Mittel und Wege, das Cannabis unauffällig über die Grenze zu schmuggeln. Eine der gängigsten Methoden ist es, das Cannabis in ausgehöhlte Holzbretter zu stopfen und sie dann so zusammenzunageln, dass sie wie gewöhnliche, aufgestapelte Bretter aussehen. Werden sie per LKW transportiert, profitieren die Schmuggler davon, dass die meisten Grenzbeamten nicht die Zeit haben, um jeden Holzstapel zu überprüfen. So schlüpfen etwaige Schmuggler den Behörden immer wieder relativ leicht durch die Finger.

Myanmar und die Todesstrafe

Berichte aus Myanmar behaupten, es hätte zwischen 2005 und 2015 keine Hinrichtungen aufgrund von Drogendelikten gegeben. 2017 wurde jedoch ein Mann zum Tod verurteilt, weil er zweieinhalb Kilo Gras in mehreren Taschen geschmuggelt hatte.

Nur Alam Mohd Hussain behauptete, dass er nicht wusste, was in den Taschen war, und glaubte, es seien gestohlene Autoteile. Der Gerichtskommissar Datuk Nordin Hassan erwiderte: „Der Angeklagte hätte die großen Mengen Cannabis riechen können. Er wusste, dass das Cannabis für den Handel bestimmt war.“

Zu allem Überfluss floh Hussain vor den Polizeibeamten, als sie ihn festnehmen wollten. Später behauptete er, er sei geflohen, weil er ein gestohlenes Motorrad fuhr und nicht mit einem gestohlenen Fahrzeug erwischt werden wollte.

Öffentliche Meinung

Obwohl die Gesetze in Myanmar streng sind, scheint die Regierung gegenüber der Idee einer Reform durchaus aufgeschlossen zu sein. Diese Haltung spiegelt sich in der Myanmar Times wider, die 2017 einen Artikel herausgab, in dem es hieß, dass Drogen „kein ,Übel‘ sind, das ausgerottet werden muss“, sondern „Substanzen mit psychoaktiven Eigenschaften, die für kulturelle, freizeitliche oder medizinische Zwecke genutzt werden können“.

Cannabis wird in Myanmar traditionell i seit Jahrhunderten konsumiert und ein Missbrauch kommt relativ selten vor. Daher wird der freizeitliche Cannabiskonsum in ländlichen Gebieten und zunehmend auch in Städten in der Regel toleriert.

Wird Cannabis künftig legalisiert?

Obwohl die Cannabis-Gesetze Myanmars drakonisch erscheinen, zeigen die Reformbemühungen, dass sich die Haltung gegenüber der Droge ändert. Als Teil des Goldenen Dreiecks hat das Land ein Problem mit dem Drogenschmuggel und es ist nur logisch, dass die Behörden dagegen vorgehen wollen. Der nächste Schritt besteht darin, den privaten Cannabiskonsum rechtlich vom groß angelegten Drogenschmuggel zu trennen.

Nach heutigem Stand ist es unwahrscheinlich, dass die Droge in naher Zukunft entkriminalisiert wird. Es gibt auch keine Pläne zur Einführung eines medizinischen Programms.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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