Cannabis in Namibia – Gesetze, Konsum und Geschichte

2006 hat die namibische Regierung ihre Canabisgesetze geändert. Verstöße werden mittlerweile mit bis zu 40 Jahren Haft geahndet. In der Praxis werden die Gesetze aber selten bei Cannabis-Straftaten angewendet. Trotz der Inhaftierungsgefahr wird die Droge landesweit oft konsumiert. Problematisch ist auch der grenzüberschreitende Handel.

Cannabisgesetze in Namibia

Darf man in Namibia Cannabis besitzen und konsumieren?

2006 hat die Regierung von Namibia den Gesetzesentwurf zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs verabschiedet. Der Besitz und die Verwendung von Cannabis (und anderen Drogen) im Land ist nach wie vor illegal und Verstöße werden härter bestraft.

Durch das Gesetz werden der Konsum und Besitz von Cannabis verboten und Personen, die mit Drogen erwischt werden, drohen Freiheitsstrafen zwischen 20 und 40 Jahren. Alternativ dazu muss bei einem Verstoß eine Geldstrafe in Höhe von 300.000 bis 500.000 NAD bezahlt werden oder es wird eine Geldstrafe in Kombination mit Freiheitsentzug verhängt.

Gabes Shihepo, der stellvertretende Minister für Schutz und Sicherheit Namibias, erklärte, dass der Drogenmissbrauch im Land „beunruhigende Ausmaße angenommen habe“ und das Gesetz eingeführt worden sei, um die Drogenkonsumenten stärker abzuschrecken. In der Praxis werden bei Verstößen allerdings in der Regel nur kurze Strafen und geringe Bußgelder verhängt, wenn Straftäter ertappt werden.

Trotz der strengen Gesetze ist der Cannabis-Konsum gang und gäbe. Einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC) ist zu entnehmen, dass 3,9 % der Bevölkerung Namibias Cannabis konsumieren. Der Konsum der von den Einheimischen als „Dagga“ oder „Dakha“ (oder „Zol“ für einen Joint) bezeichneten Droge wird als sozial verträgliche Praxis angesehen. Die Bürger konsumieren die Droge weiterhin, obwohl sie jetzt Gefahr laufen, lange ins Gefängnis zu müssen.

Ein Teil der namibischen Gesellschaft spricht sich dafür aus, den Cannabis-Konsum zu legalisieren. Ein besonderes Beispiel sind die im Land lebenden Rastafarianer, die die Droge im Rahmen ihrer religiösen Praktiken konsumieren. Im Jahr 2019 haben sie sich mit den „Ganja Users of Namibia (GUN)“ zusammengeschlossen, um gegen die strengen Gesetze zu protestieren.

Borro Indungula, ein Mitglied der GUN, sagte: „Wir fordern die Abgeordneten dazu auf, die Polizei von der Verhaftung von Cannabis-Konsumenten abzuhalten, weil sie keine Kriminellen sind. Das Gesetz ist verfassungswidrig und wir fühlen uns unserer Rechte beraubt.“

Darf man in Namibia Cannabis verkaufen?

Für den Verkauf und die Bereitstellung von Cannabis gelten die gleichen Strafen wie für den Besitz der Droge – 20 bis 40 Jahre Gefängnis und eine hohe Geldstrafe.

In der Praxis sind die Gefängnisstrafen manchmal kürzer. Nandipha Gcilishe wurde 2012 beispielsweise nur zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Drogenhandels verurteilt – deutlich kürzer als in anderen Teilen der Welt.

Trotz der Gefahr einer Gefängnisstrafe wird Cannabis in Namibia nach wie vor illegal gehandelt. In dem Land wird nicht sehr viel Cannabis (und keine großen Mengen anderer Drogen) produziert. Deshalb werden illegale Substanzen aus anderen Ländern bezogen und in der Regel weitergegeben. Windhoek ist das Zentrum des Drogenhandels des Landes und auch in den Küstenstädten Swakopmund und Walvis Bay sowie in Oshakati im Norden ist der Drogenhandel weit verbreitet.

Da Namibia an verschiedene andere Länder (unter anderem an einige der Nationen, in denen die meisten Drogen produziert werden) angrenzt, sich die Grenzen über viele Kilometer erstrecken und nicht viele finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, fällt es den namibischen Behörden schwer, dem intensiven Drogenhandel Herr zu werden. Jurie Viljoen von der Partei Monitor Action Group erklärte: „Den Schmugglern ist bewusst, dass Namibia weder über das notwendige Personal und die entsprechende Ausrüstung noch über eine angemessene Grenzkontrolle verfügt, um das Problem zu lösen.“

McHenry Venaani, ein Sprecher der Democratic Turnhalle Alliance (DTA), erklärte: „Jeder zweite männliche arbeitslose Namibier hat irgendetwas mit Drogen zu tun“. Der Minister für Schutz und Sicherheit Nickey Iyambo ergänzte, dass viele der jungen Männer in den Gefängniszellen aufgrund von Arbeitslosigkeit und Armut kriminell geworden seien.

Das denkt auch Sebastian Ndeitunga, Generalinspektor der namibischen Polizei. Als er zu dem Thema Drogenhandel an Grenzübergängen befragt wurde, erklärte er: „Wir wissen nicht, wie viele Lieferungen unbemerkt überbracht wurden oder bei wie vielen Lieferungen mitgeholfen wurde. Wir müssen also intelligenter an die Sache herangehen und alle Beamten von Strafverfolgungsbehörden zu absoluter Ehrlichkeit und uneingeschränktem Engagement verpflichten.“

Darf man in Namibia Cannabis anbauen?

Es ist illegal, in Namibia Cannabis anzubauen, es sei denn, es wird von der Regierung für medizinische Zwecke und Forschungszwecke genehmigt. Wie bereits beschrieben, fallen die tatsächlichen Strafen in der Regel weniger hart aus, auch wenn laut Gesetz Cannabis-Anbauer mit einer langen Gefängnisstrafe und/oder Geldstrafe rechnen müssen.

In Namibia wird trotz des Verhaftungsrisikos Cannabis angebaut, wenn auch nur bedingt. Der Großteil des im Land angebauten Cannabis ist im Norden zu finden. Es ist das einzige Gebiet, wo es genug regnet, sodass die Pflanzen wachsen können. Es werden nur wenige Pflanzen angebaut – oftmals eher für den Eigenbedarf als zum Verkauf. Das, was verkauft wird, verbleibt in der Regel im Land.

Wer Cannabis anbaut und erwischt wird, wird verhaftet. 2019 wurde beispielsweise ein Mann in Erongo verhaftet, der nur 13 Pflanzen angebaut hatte.

Ileni Shapumba, ein Beamter der Vollzugspolizei, sagte: „Einige sagen, dass es ein Heilmittel ist. Aber gesetzlich ist eindeutig festgelegt, dass Personen, die Dagga (Cannabis) mit sich führen oder in ihrem Garten anbauen, verhaftet werden.“

Aber der Anbau im Land reicht bei weitem nicht aus, um den Bedarf der Cannabis-Konsumenten in Namibia zu decken. Das meiste Cannabis wird aus Südafrika, Sambia oder Angola bezogen.

Es ist zwar verboten, in Namibia Cannabis anzubauen, aber das hat einige Geschäftsleute aus Namibia nicht davon abgehalten, von einem anderen Ort aus in der Branche tätig zu werden. 2019 hat die Regierung von Lesotho Knowledge Katti und seinem Partner Thabo Ntai eine 10 Jahre gültige Lizenz für den Anbau, die Produktion und den Vertrieb von Cannabis in ihrem Land erteilt. Dank dieser Lizenz dürfen die beiden das Produkt auch importieren und exportieren.

Ist CBD in Namibia legal?

Im Gesetz wird nicht zwischen Cannabis und CBD unterschieden. Somit ist CBD ebenfalls illegal und darf im Land nicht gekauft, konsumiert oder verkauft werden.

Darf man Hanfsamen nach Namibia senden?

Das Gesetz unterscheidet auch nicht zwischen Cannabispflanzen und -samen, und somit ist deren Kauf, Verkauf oder Konsum sowie Verwendung für den Anbau von Pflanzen ebenfalls illegal. Sie dürfen also auch nicht an das Land gesendet werden.

Medizinisches Cannabis in Namibia

In Namibia gibt es derzeit kein Programm für medizinisches Cannabis. Die Regierung erlaubt jedoch Unternehmen, Cannabis für medizinische Zwecke im Land anzubauen, vorausgesetzt, sie verfügen über die richtige Lizenz.

Ein Beispiel hierfür ist Erin Resources, ein Bergbauunternehmen, das seit 2015 dazu berechtigt ist, Cannabis anzubauen. Das Unternehmen erwarb zunächst 100 % des Kapitals von MGC Pharmaceuticals und bediente sich dann des sogenannten Hintertür-Listings.

Dank dieser Genehmigung konnte Erin Resources so viel Cannabis anbauen, wie das Unternehmen für die Verarbeitung und den Handel in seinem Land benötigte.

Industriehanf in Namibia

Zwischen Hanf und Cannabis wird nicht unterschieden. Somit ist es illegal, Hanf in Namibia anzubauen. Da Nachbarländer wie Südafrika jedoch vom „Green-Rush“ und den potenziellen Gewinnen aus der Lizenzvergabe für den Hanfanbau profitieren, könnte sich die namibische Regierung letztlich dafür entscheiden, ebenso vorzugehen.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Namibia reisen (oder gegenwärtig dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

  • Die südafrikanischen Nationen in unmittelbarer Nähe, wie Zimbabwe, Lesotho und Südafrika, haben mit einer schrittweisen Reform ihrer Cannabis-Gesetze begonnen. Ob Namibia in Zukunft den gleichen Ansatz verfolgt, bleibt abzuwarten.
  • Cannabis ist die meistkonsumierte Droge in diesem Land.
  • Wie in vielen Nationen des afrikanischen Kontinentsnimmt der Drogenschmuggel in Namibia zu. Diese Entwicklung ist gegenläufig zu dem weltweiten Trend. In anderen Ländern hat sich die Häufigkeit des Drogenhandels in der Regel auf ein Niveau eingependelt.

Die Geschichte von Cannabis

Es wird angenommen, dass Cannabis irgendwann vor dem 15. Jahrhundert nach Namibia kam. Es gibt jedoch keinen Nachweis darüber, wann genau. Wie im Hinblick auf viele Teile des Kontinents kam die Pflanze wahrscheinlich mit den bantusprachigen Händlern ins Land und wurde bald als wertvolle Kulturpflanze geschätzt.

Seitdem wird Cannabis von den indigenen Völkern Namibias für spirituelle, entspannende und medizinische Zwecke verwendet. Ein besonders interessantes Beispiel in diesem Zusammenhang sind die Bashilange (auch Tushilange) genannt. Vor dem 18./19. Jahrhundert waren sie als kriegerischer Stamm bekannt, der benachbarte Stämme unter Androhung von Gewalt ausnutzte.

Dann begann er, Cannabis zu verwenden und die Pflanze zu verehren. Der Stamm verhielt sich in der Folgezeit deutlich friedlicher. Allerdings ist es nicht möglich festzustellen, ob dies ausschließlich auf Cannabis zurückzuführen war oder nicht. Er gründete eine religiöse Gesellschaft namens Bena-Riamba, was soviel heißt wie „Söhne des Cannabis“.

Leider war der Frieden nur von kurzer Dauer. Die friedlichen Bashilange verlangten nicht mehr so viele Abgaben von den anderen Stämmen und sie waren nicht mehr so wohlhabend. Dies führte 1876 zu einem Putsch, bei dem einige jüngere Personen den Ältestenrat stürzten und die Kontrolle über den Stamm übernahmen. Die früheren aggressiven Vorgehensweisen des Stammes wurden sofort wieder praktiziert.

Soziale Akzeptanz von Cannabis

Die Legalisierung von Cannabis in Namibia wird vor allem von jungen Menschen und den Rastafariern sehr stark befürwortet. Doch nicht alle sind davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist.

In einem Interview mit dem Windhoek Observer, äußerte beispielsweise Eunice Lot (Mutter von fünf Kindern) Bedenken bezüglich der Legalisierung von Cannabis, da die Menschen dadurch „den Bezug zur Realität verlieren“. „Die Kinder werden sich nicht auf ihre Hausaufgaben konzentrieren können, weil sie in einem solchen Zustand nicht dazu in der Lage sind“, erklärte sie. Sie sprach sich jedoch dafür aus, die Droge für medizinische Zwecke zu legalisieren.

Andere Namibier frustriert die Vorstellung, dass das Land es Südafrika gleichtun und den Cannabiskonsum für legal erklären könnte. Katrina Hanse-Himarwa, die Ministerin für Bildung, Kunst und Kultur, erklärte: „Südafrika und Namibia haben viel gemeinsam, aber wir sind ein eigenständiges Land mit eigenen Gesetzen, die für uns gelten (…). Nur weil Südafrika den Cannabiskonsum legalisiert hat, bedeutet das nicht, dass Namibia das Gleiche tun wird.“

Trotz dieser negativen Sichtweisen bleibt Cannabis die in Namibia beliebteste Droge. Wie in so vielen anderen afrikanischen Ländern ist sie zu einem festen Bestandteil der Kultur des Landes geworden.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Bislang hat die namibische Regierung nicht verlauten lassen, dass sie die Cannabis-Gesetze in Zukunft ändern wird, obwohl andere südafrikanische Länder Cannabis legalisiert und den Gebrauch für medizinische Zwecke für rechtens erachtet haben.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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