Cannabis in Sierra Leone – Gesetze, Konsum und Geschichte

In Sierra Leone ist Cannabis illegal. Selbst auf den Konsum stehen hohe Strafen, und auf Anbau und Verkauf sogar lebenslänglich. Trotzdem ist der Cannabishandel verbreitet, und es wird in den meisten Landesregionen angebaut. Ein Großteil der Bevölkerung, selbst das Militär und die Polizei, konsumiert Cannabis.

    • Hauptstadt
    • Freetown
    • Einwohner
    • 8,047,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabisgesetze in Sierra Leone

Darf man in Sierra Leone Cannabis besitzen und konsumieren?

Die Regierung von Sierra Leone hat ihre Drogengesetze 2008 aktualisiert. Der National Drug Control Act besagt, dass jeder, der „jegliche Droge besitzt oder Kontrolle darüber hat oder Drogen durch Rauchen, Inhalieren, Schnüffeln, Injektion oder anderweitig in den Körper einbringt“ eine Straftat begeht. Wenn man ertappt wird, sind Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren möglich.

Strafen für Cannabiskonsum können auf Bewährung ausgesetzt werden, falls der Täter bereit ist, sich behandeln zu lassen.

Trotz der Tatsache, dass Cannabisbesitz eine Straftat ist, ist der Konsum dieser Substanz immer noch im ganzen Land weit verbreitet. Tatsächlich handelt es sich dabei um die meistkonsumierte Droge, und das bei Weitem. Etwa 80 % derjenigen, die Cannabis konsumieren, nehmen auch „Brown Brown“, eine Mischung aus Kokain und Amphetaminen, und rauchlosem Schießpulver.

Ein Arzt sagte 2003 vor dem Truth and Reconciliation Committee aus: „Cannabis Sativa wird in Sierra Leone so häufig konsumiert oder auch zweckfremd genutzt (…), dass die Leute es meiner Meinung nicht mehr als Verbrechen ansehen, es zu nehmen (…). Man bekommt es jederzeit, überall, entweder gratis oder gegen kleines Geld.“

Cannabis und das Militär

Während des Bürgerkriegs in Sierra Leone (1991 bis 2002) war der Konsum von Cannabis beim Militär alltäglich. Studien zeigen, dass dem bis heute so ist, obwohl der Krieg vorbei ist. 60 % der Soldaten des Landes rauchen Cannabis und 55 % der Polizisten. Es ist nicht ungewöhnlich zu sehen, dass Militär- und Polizeibeamte die Droge an Kontrollpunkten rauchen, was von den meisten Leuten ignoriert wird.

Darf man in Sierra Leone Cannabis verkaufen?

Laut dem National Drug Control Act ist es illegal, in Sierra Leone Cannabis zu verkaufen oder zu liefern. Es wird als weit größere Straftat angesehen als der eigentliche Besitz, und wenn man beim Verkauf der Droge ertappt wird, kann man eine lebenslange Haftstrafe erhalten.

Bei Entscheidungen über die Länge der Haftstrafe berücksichtigt das Gericht, ob der Täter:

  • Als Teil einer organisierten Verbrechergruppe tätig war
  • Andere Verbrechen bei Verkauf oder Lieferung von Drogen begangen hat
  • Die Straftat als Inhaber eines öffentlichen Amtes/im öffentlichen Dienst begangen hat
  • Der Droge andere Substanzen beigemischt hat, die das Gesundheitsrisiko für den Endverbraucher gesteigert haben
  • Zum Begehen der Straftat einen Minderjährigen oder eine „geistig behinderte“ Person eingesetzt hat
  • Rückfällig geworden ist
  • Die Droge einem Minderjährigen, einem geistig Behinderten oder jemandem gegeben hat, der in ärztlicher Behandlung ist
  • Jemanden eine Droge gab, die zu schweren Gesundheitsschäden oder zum Tode geführt hat

Für Beschäftigte im Gesundheitswesen oder diejenigen, die für die Bekämpfung von Drogendelikten zuständig sind, fallen Strafen ebenfalls schärfer aus. Das gleiche gilt, falls der Verkauf in der Nähe oder in einem Bildungsinstitut stattfand (oder an einem anderen Ort, wo sich Minderjährige versammeln), oder in einem Gefängnis oder anderem Strafverfolgungsinstitut.

Obwohl die Gefängnisstrafen für den Verkauf schwer ausfallen, hält das Drogenschmuggler jedoch nicht von Aktivitäten in diesem Land ab. Sierra Leone ist der größte Exporteur von Drogen in Westafrika, nicht nur in andere afrikanische Staaten, sondern auch in den Nahen Osten, in die USA und nach Europa.

Sierra Leone ist auch ein wichtiges Transitland für Drogen, die auf dem Weg zu anderen Bestimmungsorten sind. Drogen kommen aus Lateinamerika und Asien und werden dann in die USA und nach Europa weiterversandt. Hinzu kommt noch, dass das Land gegen Probleme mit Korruption zu kämpfen hat. 2008 wurde der Transport- und Luftfahrtministser von Sierra Leone zum Beispiel entlassen, da er angeblich in einen groß angelegten Kokainhandel verwickelt war.

Darf man Cannabis in Sierra Leone anbauen?

Der Anbau von Cannabis wird als schwere Straftat in Sierra Leone angesehen. Wie bei Verkauf oder Lieferung auch, kann dies zu lebenslanger Haft führen.

Für die oft in Armut lebenden Bauern des Landes ist Cannabis ein „Cash Crop“, dem sie nur schwer widerstehen können, Gefängnisstrafen hin oder her. Cannabis hat einen höheren Marktwert als traditionelle Nahrungspflanzen wie Maniok oder Reis, und gedeiht im Klima des Landes gut.

Das hat jedoch auch schwere Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion des Landes. Die einheimische Nachfrage nach Cannabis ist hoch, sodass eine steigende Zahl der Bauern Cannabis anbaut, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber das hat dann Auswirkungen auf die Erhältlichkeit von Grundnahrungsmitteln, was auch großen Anlass zur Sorge bietet.

Die Behörden des Landes haben Maßnahmen zur Bekämpfung des Problems ergriffen. 2012 wurden durch eine groß angelegte Ausmerzungskampagne 100 Morgen Cannabis-Plantagen außerhalb Freetowns zerstört. Diese Bemühungen zur Ausmerzung haben den Cannabisanbau jedoch nicht gestoppt.

Cannabis wird in so gut wie jeder Region Sierra Leones angebaut, bis auf den Bonthe District, in dem sich der Boden für den Anbau nicht eignet. Größtenteils aufgrund seines meistens idealen Terrains und Klimas wird berichtet, dass Sierra Leone hohe Mengen Cannabis in Nachbarländer exportiert.

Ist CBD in Sierra Leone legal?

Laut dem National Drug Control Act wird nicht zwischen CBD und Cannabis unterschieden. Damit ist Konsum, Kauf und Verkauf im Land illegal.

Darf man Cannabissamen nach Sierra Leone senden?

Genauso werden Cannabissamen nicht anders behandelt wie auch andere Teile der Cannabispflanze. Man darf sie nicht konsumieren, kaufen oder verkaufen, und man kann sie nicht per Post ins Land schicken.

Medizinisches Cannabis in Sierra Leone

Sierra Leone hat kein medizinisches Cannabisprogramm. Laut Gesetz ist der Anbau von Cannabis jedoch für medizinische und Forschungszwecke erlaubt.

Auf diese Möglichkeit sind natürlich auch verschiedene internationale Unternehmen aufmerksam geworden. AmeriCann Inc. (die sich auf den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke spezialisieren) plant den Bau eines medizinischen Cannabiszentrums in Freetown. Die Pläne des Unternehmens wurden bereits genehmigt, und dazu gehört auch ein Stück Land von einer Million Quadrat-Foot (ca. 90.000 m2), das phasenweise entwickelt wird.

Industriehanf in Sierra Leone

Das Gesetz macht in Sierra Leone keinen Unterschied zwischen Hanf (das einen niedrigen Gehalt an THC aufweist und zu keinem „High“ führt) und Cannabis. Als Solches ist es illegal, es im Land anzubauen oder zu konsumieren.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Sierra Leone reisen (oder gegenwärtig dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

Die Geschichte von Cannabis

Laut dem Historiker Brian du Toit gibt es keine Beweise dafür, dass es Cannabis in Sierra Leone vor dem Zweiten Weltkrieg gab. R.O. Clarke erwähnt jedoch in seinem Journal of Botany 1851 die Pflanze speziell und erklärt, dass „Samen von Kongolosen, die von einem unserer Kreuzer gefangen wurden, nach Sierra Leone gebracht wurden.“

Unabhängig davon, welche Situation nun wahr ist, kann man doch fairerweise sagen, dass Cannabis in Sierra Leone im Vergleich zum restlichen Kontinent ein Spätstarter war, angesichts der archäologischen Funde, die vermuten lassen, dass es in Äthiopien bereits im 14. Jahrhundert konsumiert wurde.

Cannabis verbreitete sich dann schnell im Land, wahrscheinlich auch aufgrund der idealen Wachstumsbedingungen. Zum Rauchen wurden Wasserpfeifen genutzt, und der Konsum wurde als gesellschaftliche Tätigkeit angesehen. Mit der Zeit wurde es als „diama“ oder „jamba“ bekannt, was dem angolanischen „liamba“ und auch dem malawischen „chamba“ ähnelt. Diese sollen alle vom Sanskritwort für Cannabis – Ganjah – abstammen.

 Erst im Bürgerkrieg wurde der Cannabisgebrauch problematisch. Corinne Dufka, die Vertreterin von Human Rights Watch in Sierra Leone während des Krieges, sagte, dass „Marihuana sehr häufig von Kindersoldaten konsumiert wurde“, genau wie Alkohol. Das Militär nutzte diese Substanzen, um „neue Rekruten empfindungslos und widerstandsfähig zu machen“. Später wurden sie dann mit härteren Drogen wie Kokain bekannt gemacht.

Der Krieg ist nun vorbei, aber der Cannabiskonsum ist weiterhin im ganzen Land sowohl beim Militär als auch bei der Zivilbevölkerung populär.

Soziale Akzeptanz von Cannabis

Obwohl der Cannabiskonsum in Sierra Leone illegal ist, ist er doch weitverbreitet und wird als ziemlich salonfähig angesehen. Einige Experten haben jedoch auf die Doppelmoral im Land hingewiesen. Ein Bericht sagt zum Beispiel aus, dass Politiker (während des Wahlkampfs) bei politischen Kundgebungen junge Leute mit Cannabis versorgen – um sie dann nach ihrer Wahl wieder strafrechtlich zu verfolgen.

Außerdem ist im Land der Glaube weit verbreitet, dass Cannabis (und andere Drogen) für Probleme mit der psychischen Gesundheit verantwortlich sind. Ein Psychiater in Freetown gab an, dass 80 % seiner Fälle aus drogeninduzierten psychotischen Erkrankungen bestehen. Es ist nicht bekannt, wie viele davon im Zusammenhang mit Cannabiskonsum stehen, und mehrere Studien haben die Idee entlarvt, dass die Pflanze zu Problemen mit der psychischen Gesundheit führt.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Es lässt sich nur schwer voraussagen, was mit den Cannabisgesetzen von Sierra Leone passieren wird. Auf der einen Seite sind die aktuellen Gesetze strikt, mit langen Gefängnisstrafen für den Besitz selbst kleiner Mengen. Auf der anderen Seite ist der Cannabiskonsum im Land weit verbreitet, selbst unter der Polizei. Die Regierung von Sierra Leone wird das wirtschaftliche Potenzial der Erweiterung ihres Marktes für medizinisches Cannabis vielleicht erkennen, und sogar den Freizeitkonsum legalisieren und unter behördlicher Kontrolle bringen.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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