Cannabis in der Türkei – Gesetze, Konsum und andere Informationen

Die Türkei fährt eine harte Linie in Sachen Besitz und Verteilung von Cannabis. Der Konsum und der Verkauf sind illegal und wenn man erwischt wird, kann eine Freiheitsstrafe verhängt werden. Der jüngste Regierungswechsel bewirkte jedoch, dass Industriehanf nun wieder legal angebaut werden darf, was der türkischen Wirtschaft einen erheblichen finanziellen Schub geben soll.

    • Hauptstadt
    • Ankara
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    • 83,836,000
    • CBD Produkte
    • Legal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal

Cannabis-Gesetze in der Türkei

Darf man in der Türkei Cannabis besitzen und konsumieren?

Das türkische Recht sieht relativ harte Strafen vor, wenn man Cannabis besitzt und damit erwischt wird. Das türkische Strafgesetzbuch besagt, dass diejenigen, die Cannabis besitzen oder kaufen, zu Freiheitsstrafen verurteilt werden. Diese sind derzeit auf zwei bis fünf Jahre festgelegt.

Straftäter haben die Möglichkeit, sich anstelle einer Freiheitsstrafe in Behandlung zu begeben. Wenn sie eine ärztliche Behandlung beantragen, bevor sie geschnappt werden, ist der Arzt gesetzlich nicht dazu verpflichtet, sie der Polizei zu melden. Täter haben auch die Möglichkeit, bis zu drei Jahre Bewährung als Alternative zur Inhaftierung zu wählen. Wiederholungstätern wird jedoch keine zweite Bewährung zugestanden.

Wenn Cannabiskonsumenten die Behandlung verweigern oder ihre Bewährungsauflagen nicht einhalten, dürfen die türkischen Gerichte eine Freiheitsstrafe verhängen.

Darf Cannabis in der Türkei verkauft werden?

Der Standort der Türkei stellt eine einzigartige Situation in Bezug auf das Cannabisangebot dar. Neben den drogenproduzierenden Nationen im Nahen Osten gelegen, dient sie Cannabis-Dealern als Brückenkopf zur illegalen Belieferung Europas. Die türkische Regierung steht unter erheblichem Druck, diesen Schmuggel zu unterbinden, weshalb die Strafen sehr hart ausfallen.

Die Ein- und Ausfuhr von Cannabis kann zu einer Freiheitsstrafe von 20 bis 30 Jahren führen. Der Verkauf oder die Verbreitung innerhalb der Türkei führt eine Haftstrafe von zehn oder mehr Jahren mit sich. Diese steigt auf mindestens 15 Jahre, wenn das Cannabis an Minderjährige verkauft wird. Synthetische Cannabinoide haben einen weiteren Anstieg des Satzes (um 50 Prozent) zur Folge. Wenn die Anbieter eine gesetzlich geregelte Tätigkeit ausüben (beispielsweise Ärzte oder Apotheker), wird das Strafmaß ebenfalls erhöht.

Darf Cannabis in der Türkei angebaut werden?

Im Jahr 2016 genehmigte die türkische Regierung die Cannabisproduktion in 19 Provinzen des Landes. Alle Cannabisfarmen in diesen Gebieten sind staatlich kontrolliert und autorisierte Landwirte müssen nach der Ernte alle Teile der Pflanze beseitigen, um sicherzustellen, dass sie nicht als psychoaktive Droge weiterverkauft werden können. 

Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte 2019 an, dass das Land auch in Zukunft industriellen Hanf anbauen werde. Er sagte: „Ich appelliere an meine Nation: lasst uns industriellen Hanf anbauen! Wir werden sehen, dass Industriehanf auf vielen Gebieten viele unterschiedliche Vorteile mit sich bringt.“

Es ist illegal, Cannabis im eigenen Zuhause anzubauen, auch wenn es nur für den Eigenbedarf vorgesehen ist.

Ist CBD in der Türkei legal?

Viele Menschen sind nicht sicher, ob CBD-Öl in der Türkei legal ist. Die offizielle Position scheint zu sein, dass es legal ist, aber nur, wenn der THC-Gehalt des Öls maximal 0,2 Prozent beträgt.

Manche Medikamente mit CBD-Öl sind in Apotheken erhältlich und einige Ärzte sind auch durchaus bereit, sie zu verschreiben.

Dürfen Cannabis-Samen in die Türkei geschickt werden?

Obwohl es in den meisten europäischen Ländern legal ist, Cannabissamen zu verschicken, ist es nach türkischem Recht nicht erlaubt. Cannabis-Saatgut darf in der Türkei nicht verkauft und auch nicht per Post ins Land geschickt werden.

Medizinisches Cannabis in der Türkei

Der medizinische Einsatz von Cannabis ist in der Türkei legal, vorausgesetzt, der Patient hat ein Rezept von einem registrierten Arzt. Patienten können jedoch keine Cannabisblüten kaufen, unabhängig davon, ob sie ein Rezept haben oder nicht.

Im Februar 2017 hat das türkische Gesundheitsministerium Sativex in die Liste der „importierbaren Medikamente“ aufgenommen – den Apotheken ist es damit gestattet, das Produkt aus dem Ausland zu bestellen. CBD-Öle sind ebenfalls weit verbreitet.

Im Jahr 2016 legalisierte die Regierung die Produktion von Cannabis zu medizinischen Zwecken in 19 Provinzen des Landes. Dazu gehören unter anderem Amasya, Izmir, Malatya und Antalya. Die Plantagen werden von der Regierung streng überwacht. Die Kontrollen werden monatlich vor der Erntezeit durchgeführt und alle nach der Ernte übrig gebliebenen Teile der Pflanze müssen sorgfältig entsorgt werden.

Wie kriegt man Cannabis verschrieben?

Um Cannabis für medizinische Zwecke verschrieben zu bekommen, muss man sich von einem türkischen Arzt untersuchen lassen, der befugt ist, „rote“ Rezepte auszustellen. Diese Art der Verschreibung ist für Medikamente bestimmt, die Betäubungsmittel enthalten.

Sobald ein Rezept vorliegt, kann der Patient Medikamente auf Cannabisbasis wie etwa Sativex oder CBD-Öle erwerben. Derzeit werden diese Produkte importiert. 2016 wurden jedoch mehrere Cannabis-Produktionsstätten im ganzen Land errichtet, was bedeutet, dass die Türkei in Zukunft ihre eigenen Medikamente herstellen wird.

In der Regel wird medizinisches Cannabis nur bei Patienten verschrieben, die andere Behandlungsformen bereits ausprobiert haben und diese als unwirksam empfanden.

Industriehanf in der Türkei

In der Türkei herrscht ein ausgezeichnetes Klima für den Hanfanbau. Seit den 1970er-Jahren ist die gesamte Hanfproduktion zwar illegal, aber 2016 erlaubte die Regierung den Anbau für medizinische und wissenschaftliche Zwecke in 19 Provinzen.

Präsident Erdogan hielt 2019 eine Rede und betonte seine Pläne, die Industriehanfproduktion wieder zu legalisieren. Derzeit ist das Land stark auf importierte Hanfprodukte für den Einsatz in der Papierherstellung, der Textilindustrie, der Automobilindustrie und vielen anderen Bereichen angewiesen. Die Wiedereinführung der Hanfindustrie in der Türkei könnte der Wirtschaft einen positiven Impuls geben.

Politische Parteien und Cannabis in der Türkei

Bis vor Kurzem haben die meisten politischen Parteien der Türkei eine Anti-Cannabis-Haltung vertreten. Der jüngste Sinneswandel von Präsident Erdogan in Bezug auf die Industriehanfproduktion reflektiert jedoch den Wandel in der öffentlichen Meinung.

Seine jüngsten Kommentare über „Feinde der Türkei, die vorgeben, Freunde zu sein“ richten sich vermutlich an die Vereinigten Staaten, die die Türkei aufforderten, die Cannabisproduktion illegal zu halten. Um die Einstellung der türkischen Bevölkerung gegenüber Cannabis zu ändern, begann der staatliche Fernsehsender (TRT), Infomercials über die Vorteile der Hanfproduktion auszustrahlen.

Gut zu wissen

Wenn man in die Türkei reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • 96 Prozent der Cannabiskonsumenten, die sich einer Behandlung unterziehen, sind männlich. Das Durchschnittsalter, in dem türkische Konsumenten mit dem Konsum von Cannabis beginnen, liegt bei 18 Jahren.
  • Illegales Cannabis ist in der Türkei ziemlich stark. Der THC-Gehalt im pflanzlichen Cannabis kann bis zu 27,34 und im Harz (Haschisch) bis zu 25,21 Prozent betragen.
  • Pflanzliches Cannabisblütenmaterial ist die am häufigsten beschlagnahmte Droge in der Türkei, gefolgt vom Cannabisharz.

Die Geschichte von Cannabis in der Türkei

Es gibt Hinweise darauf, dass Cannabis bereits 1.000 v. Chr. in der Türkei angebaut wurde. Im Laufe der Geschichte des Landes wurde Hanf vielerorts angebaut und wegen seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten geschätzt. Der Konsum von „Haschisch“ wurde auch kulturell über viele Jahrhunderte hinweg akzeptiert. Tatsächlich benutzten die Sufisten Cannabis bei ihren Zeremonien und auch Kaffeehäuser im ganzen Land erlaubten den Konsum von Cannabis auf ihrem Gelände.

Das alles änderte sich im 20. Jahrhundert. 1925 forderte die Türkei (zusammen mit Ägypten) die Aufnahme von Cannabis in die zweite internationale Opiumkonvention. Auch der Anbau von Industriehanf ging zurück, was vor allem auf die wachsende Beliebtheit von Kunstfasern zurückzuführen war. 1961 verfügte die Türkei über 35.000 Hektar, die für den Anbau von Cannabis genutzt wurden. Im Jahr 2017 war diese Zahl auf nur noch 11,3 Hektar geschrumpft.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Cannabis als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit angesehen. Die jüngsten Entwicklungen deuten jedoch auf einen Meinungsumschwung hin. Die Einführung von medizinischem Cannabis erkennt die Fähigkeit der Pflanze an, Symptome im Zusammenhang mit einer Vielzahl von Gesundheitszuständen zu lindern. Erdogans Entscheidung, den Anbau von Industriehanf wieder aufzunehmen, wurde von Politikern und der türkischen Bevölkerung begrüßt.

Handelswege nach Europa

Aufgrund ihrer geografischen Lage musste die Türkei in der Vergangenheit proaktiv gegen den Drogenhandel vorgehen. Als „Tor“ zwischen dem Nahen Osten und Europa ist sie eine beliebte Route für den Schmuggel illegaler Drogen in den Kontinent.

Aus diesem Grund war die öffentliche Meinung über Cannabis in der Vergangenheit weitgehend negativ. Die Zahlen zeigen, dass junge Menschen in der Türkei es weitaus weniger konsumieren als andere junge Europäer. Cannabis wird jedoch in urbanen Gebieten immer beliebter, auch wenn es illegal ist.

Cannabis und Innovationen in der Türkei

Die Industriehanfproduktion in der Türkei bietet Unternehmen attraktive Aussichten. Die Pflanze bietet die Möglichkeit zur Innovation – eine Tatsache, von der einige Unternehmen bereits profitieren.

Die türkische Venture-Firma TechnoArge hat einen Röntgenscanner für Flughäfen entwickelt, der ein Komposit auf Cannabisbasis verwendet. Dies blockiert die Strahlungsemissionen und erhöht die Sicherheit der Umgebung. Aus dem selben Komposit entwickelt die Firma derzeit auch eine kugelsichere Weste, die viel leichter und langlebiger als die derzeit üblichen Westen sein soll.

Cannabis und die Wirtschaft

Für 2019 prognostizierte die Leitung des Cannabis Institute of the Centre for Eurasian Strategic Studies, dass die Türkei bis 2030 allein durch kontrollierte Cannabisproduktion bis zu 100 Milliarden Dollar verdienen könnte.

Auch wurden die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Pflanze hervorgehoben, beispielsweise in der Textilproduktion, der Papierherstellung, beim Biodiesel, der Kunststoffherstellung und einiges mehr.

Der Türkei ist es gelungen, eine illegale Industrie in eine tragfähige Marktchance zu verwandeln. Die Mohnproduktion wurde in den 1970er-Jahren in der Türkei legalisiert und bald darauf wurden Mohnplantagen eröffnet. Die im Mohn enthaltenen Opioide sind für Pharmaunternehmen auf der ganzen Welt unentbehrlich geworden, die Nachfrage ist nach wie vor hoch, was der türkischen Wirtschaft zugutegekommen ist.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass die türkische Regierung plant, den freizeitlichen Cannabiskonsum zu entkriminalisieren. Die Strafen für den Besitz von Cannabis, auch für den Eigenbedarf, sind verhältnismäßig hart.

Präsident Erdogans Entscheidung, die Industriehanfproduktion zu legalisieren, markiert jedoch eine deutliche Wende. Auch die Anerkennung des wirtschaftlichen Wertes von Cannabis kann zu einer Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung führen.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

9 Kommentare zu „Cannabis in der Türkei – Gesetze, Konsum und andere Informationen“

  1. Sehr schöner Artikel. Interessant ist es dabei, wie es in anderen Ländern der EU zugeht. Gibt es noch weitere Artikel dieser Art, nur für andere Länder?

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ja, wir haben eine ganze Serie zum Thema „Cannabis in …“. Schau’ einfach mal auf dem Sensi Blog unter „Aktuelles“ vorbei.
      Schön, dass wir Dein Interesse zu diesen Artikeln geweckt haben.
      Beste Grüße –
      Stefanie

  2. ConsumerTurkey xD

    Echt interessant ich habe 20 Jahre in Deutschland gelebt und bin jetzt Aufgrund strafrechtlicher Verfahren eine Weile in meine Heimat die Türkei zurückgekehrt was ich besonders bemerkt habe ist (und ich habe schon viel geraucht hier) dass es fast nirgendswo marijuana gibt sondern nur dass so genannte OT was nur halb so stark kickt und in einem 20er paeckchen sind bestimmt 50-60 samen enthalten was es umso mühsamer macht einen zu bauen. Ich habe reichlich überlegt und bin zum entschluss gekommen dass wenn mann hier qualitativ gutes indoor anbauen würde sehr gut ‚CHILLEN‘ koennte was meint ihr xD ?

  3. Ich möchte mich für dieser wertvolle Dokument bedanken lieber Seshata , du hast für manches klarheit gebracht .

    Ich als insider der szene , kann ich klar und deutlich sagen , das alles stimmt was hier steht !

    Noch mals Danke .

    Gruss , Colombo

  4. LordTurkish

    Ow yyyeeeehhhh that’s really in this country we are from central Anatolian and my family grow it too. The military police f..k the people when u smoke or deal (grow ) it’s don’t funny her..Butt the information it is really good. Thx Seshata and the support from Sensi Seeds

  5. Hallo würde gehrne in Der Türkei für medizinische Zwecke anbauen würde ich da für eine Genehmigung Krigen

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo Kara,
      vielen Dank für Deine Frage. Leider kann ich Dir dazu keine Auskunft geben.

      Beste Grüße,
      Stefanie

  6. MAMAMAMAMAMAURICEEEE

    Hello Everybody 😉
    A friend and Myself are thinking about to travel to turkey
    so we want to know were we can buy weed on a safe way
    thanks for all helpful answers 😀

    1. Olivier - Sensi Seeds

      Hi Maurice, for obvious reasons we cannot tell you where to buy weed in Turkey. Be safe! Olivier

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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