by Micha on 20/01/2017 | Meinung

Trump und Cannabis: Eine Wundertüte mit verschiedenen Facetten

USA Heute ist Tag der Amtseinführung. Wie steht Präsident Donald Trump zu Cannabis? Wird er einen Cannabis freundlichen Kurs einschlagen oder eine Null-Toleranz-Politik führen? Den Kommentar dazu gibt es vom Journalisten und Cannabis-Experten Micha.


Am 9.November 2016 haben vier US-Bundesstaaten Cannabis legalisiert. Mit Kalifornien, Massachusetts, Maine und Nevada haben jetzt insgesamt 50 Millionen US-Bürger Zugang zu legalem Cannabis. Neun Bundesstaaten sind es bisher, die Cannabis legalisiert haben.

Trump und Cannabis: Eine Wundertüte mit verschiedenen Facetten

Am gleichen Tag haben Bürger aller 50 US-Bundesstaaten Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Viele Legalisierungs-Befürworter waren geschockt, hatte Trump doch noch im Wahlkampf gesagt, legales Cannabis habe in Colorado viele Probleme mit sich gebracht. Aber ganz so einfach lässt sich seine Position nicht beschreiben, hat der designierte Präsident doch schon viel Widersprüchliches zu Cannabis von sich gegeben: Bereits vor 27 Jahren, als so eine Position fast noch linksradikal war, hatte sich Trump provokativ für eine Beendigung des „War on Drugs“ stark gemacht.

„Wir verlieren den Krieg gegen Drogen. Man muss Drogen legalisieren, um diesen Krieg zu gewinnen. Man muss den Drogenbossen die Gewinne nehmen. Ich erwähne das, um einen durch die Kontoverse einen Dialog über das Drogenproblem zu initiieren. Dann wird man anfangen zu realisieren, dass es keinen anderen Weg gibt,“

sagte der junge Trump 1990 zum Miami Herald.

Eine „Sechs“ in Cannabis

Der neue Präsident stellt zumindest die medizinische Verwendung von Cannabis nicht in Frage. „Medizinisches Cannabis ist ein andere Sache. Ich stehe 100% hinter medizinischem Cannabis,“ äußerte Trump im Wahlkampf. Auch die vor drei Jahren angerollte Legalisierungswelle scheint ihn nicht zu beunruhigen oder zu Gegenmaßnahmen zu veranlassen: „Wenn sie dafür stimmen, dann ist es eben so“, zitiert das Marijuana Policy Project (MPP) als eine der wichtigsten Cannabis-NGOs den ersten Präsidenten mit eigenem Wolkenkratzer. Trotzdem erteilt MPP dem Wahlsieger der USA eine glatte Sechs für seine Haltung zu Cannabis. Hilary Clinton bekam von MPP vor der Wahl übrigens eine gute Drei.

Auf den ersten Blick scheint wenig zu befürchten, nach einem Cannabis-Hardliner oder Zero-Tolerance-Kurs hört sich Trumps eigene Überzeugung nicht unbedingt an. Doch ein Blick hinter die Kulissen lässt keine klare Linie erkennen. Während Trump mit Tom Price als Gesundheitsminister und Jeff Sessions als Generalstaatsanwalt zwei ausgesprochene Cannabis-Gegner an drogenpolitische Schlüsselpositionen setzen will, spielt er mit dem Gedanken, den überzeugten Cannabis-Befürworter Jim O’Neill zum Leiter der FDA (Food and Drug Adminstration) zu ernennen. Die FDA ist unter anderem für die Klassifizierung und die Bewertung des Gefahrenpotentials verbotener und kontrollierter Substanzen zuständig und weigert sich seit vielen Jahren, Cannabis von der Liste der gefährlichsten Substanzen (Schedule 1 Drugs) zu nehmen. O‘Neill tritt offen für die Legalisierung von Cannabis sowie das Beenden des weltweiten Drogenkriegs ein und wäre eine echte Überraschung auf dem Posten.

Cannabis-Investor für Trump

Außerdem ist O‘Neill enger Vertrauter von Peter Thiel, einem US-Großinvestor aus Silicon Valley. Thiel ist Mitgründer von PayPal und mittlerweile einer der Hauptinvestoren beim ersten Fundraiser im Cannabusiness, Privateer Holding.

Privateer Holding hat insgesamt 122 Millionen US-Dollar akquiriert und damit in den USA und Kanada mehrere Firmen auf dem Cannabissektor gegründet. Unter anderem haben sich die Investoren die Rechte an Bob Marleys Cannabis-Vermächtnis, der Marke „Marley Naturals“, für 30 Jahre gesichert.

Privateer-Investor Peter Thiel hat im Wahlkampf offen Donald Trump unterstützt, soll 1,25 Millionen Dollar gespendet haben und war auf der Bundesversammlung der Republikaner sogar Delegierter des Präsidenten. So äußern einige optimistische Beobachter derzeit die Vermutung, dass sich die Trump-Administration des wirtschaftlichen Potentials von Cannabis gerade ansatzweise bewusst wird und man überlegt, wie man das nutzt, ohne bei der konservativen Anhängerschaft Stimmen und Vertrauen zu verlieren. Die eigentliche Gefahr für eine weitere Liberalisierung von Cannabis in den USA scheint nicht Trump, sondern ein paar Hardliner, die in seinem Team an den entscheidenden Hebeln sitzen und so die Bemühungen einzelner Bundesstaaten torpedieren sowie einen Kurswechsel auf Bundesebene verhindern könnten. Legalisierungs-Befürworter hoffen, dass Trump einen Cannabis freundlichen Kurs einschlägt, sobald er sich des wirtschaftlichen Potentials von Cannabis vollends bewusst ist. Aber noch brennt die Wundertüte, die ebenso nach hinten losgehen kann, nicht.

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burkhart

Mal sehen, was wird mit einer Entkriminalisierung von Cannbisbesitz, welcher ja auch immense Kosten sparen würde im Knastland USA, wo man für ein paar Gramm für Jahre eingesperrt werden kann.
Aber wenn wir Pech haben, haben wir bald ganz andere Probleme, als mal in Ruhe einen durchziehen zu können.
Egomane an der Spitze von Staaten werden immer mehr - beste Vorraussetzung für Eskalation und unumkehrbare Katastrophen!
Jetzt gilt wirklich: Gott schütze Amerika und den Rest der Welt.
Bei Regean hab ich gelacht, bei G.W.Bush hab ich geächzt, aber der Neue macht mir Angst!!

21/01/2017

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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