Cannabis in Kalifornien – Gesetze, Konsum und Geschichte

1996 legalisierte Kalifornien als erster US-Bundesstaat medizinisches Cannabis. Der freizeitliche Konsum der Droge ist nun auch legal, obwohl man laut Gesetz nur begrenzte Mengen besitzen darf. Es gibt immer mehr Konsumenten und die Einstellung zur Pflanze verändert sich merklich – auch wenn der Cannabiskonsum laut Bundesgesetz nach wie vor illegal ist.

    • Hauptstadt
    • Washington, D.C.
    • Einwohner
    • 331,432,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabis-Gesetze in Kalifornien

Die USA werden mit Hilfe von Bundes- und Landesgesetzen verwaltet. Dieser Artikel behandelt die Cannabis-(Landes-)Gesetze im Bundesstaat Kalifornien. Für mehr Informationen zu den US-Bundesgesetzen lesen Sie bitte unseren anderen Artikel.

Darf man in Kalifornien Cannabis besitzen und konsumieren?

In Kalifornien ist es legal, Cannabis zu besitzen und zu konsumieren. Der Adult Use of Marijuana Act (Prop 64) wurde 2016 verabschiedet und erlaubt es Personen über 21 Jahren, bis zu eine Unze (28 Gramm) Cannabis zu besitzen, privat zu konsumieren, zu teilen und weiterzugeben. Sie dürfen auch bis zu sechs Pflanzen in einem privaten Wohnbereich anbauen.

Allerdings unterliegt dieses Gesetz einigen Auflagen. Cannabiskonsumenten ist es nicht gestattet:

  • Cannabis oder Cannabisprodukte an einem öffentlichen Ort zu konsumieren. Dies zieht eine Geldstrafe von 100 US-Dollar nach sich. Lokale Regierungen können den Konsum an gewissen Orten erlauben.
  • Cannabis in einem Nichtraucherbereich oder im Umkreis von etwa 300 Meter von einer Schule, einem Jugendzentrum oder einer Kindertagesstätte zu konsumieren, während Kinder dort anwesend sind. Wer dabei erwischt wird muss ein Bußgeld von 250 US-Dollar zahlen.
  • Cannabis zu konsumieren (oder einen offenen Behälter mit der Droge mit sich zu führen), während man ein Fahrzeug wie beispielsweise ein Auto, ein Flugzeug oder ein Boot steuert. Auch hier beträgt die Geldstrafe 250 US-Dollar, wenn man erwischt wird. Passagiere können Cannabis in bestimmten Nutzfahrzeugen konsumieren, die für diese Zwecke zugelassen sind. In einem Auto dürfen Passagiere jedoch unter keinen Umständen Cannabis konsumieren, Gleiches gilt für cannabishaltige Edibles.
  • Cannabis-Konzentrate mit einem flüchtigen Lösungsmittel herzustellen (staatlich lizenzierte Unternehmen sind von dieser Regelung ausgenommen). 

Seit 2018 können alle Personen ab 21 Jahren Cannabis für den Eigenbedarf im Einzelhandel kaufen, sofern sie über eine „Adult-Use“-Lizenz verfügen.

Darf Cannabis in Kalifornien verkauft werden?

Der Adult Use of Marijuana Act erlaubt den kommerziellen Verkauf, die Herstellung und den Vertrieb von Cannabis. Allerdings muss sich jeder, der es innerhalb des Staates verkauft, an die Gesetze halten, die im Medicinal and Adult-Use Regulation and Safety Act festgelegt sind. Diese Gesetze regeln das kommerzielle Cannabisrecht im Staat.

Stadt- und Kreisverwaltungen haben in ihren jeweiligen Verwaltungsgebieten das Recht, die Cannabisunternehmen einzuschränken oder sogar zu verbieten, unabhängig von der allgemeinen Einstellung Kaliforniens zu dieser Thematik.

Der Verkauf, der Vertrieb und die Prüfung von Cannabis wird in Kalifornien durch das Bureau of Cannabis Control (Department of Consumer Affairs) geregelt. Das Department of Food and Agriculture überwacht den Anbau und das Department of Public Health ist für die gesamte kommerzielle Herstellung der Droge zuständig.

Darf Cannabis in Kalifornien angebaut werden?

In Übereinstimmung mit dem Adult Use of Marijuana Act dürfen in Kalifornien lebende Personen bis zu „sechs lebende Pflanzen anbauen, besitzen, einpflanzen, ernten, trocknen oder verarbeiten und deren Erzeugnisse besitzen“.

Sämtliches geerntetes Cannabis sowie alle Pflanzen müssen im Privatwohnsitz des Growers oder innerhalb seines Grundstücks (beispielsweise im Garten) aufbewahrt werden. Es muss in einem abgeschlossenen Raum gelagert werden und darf für die Öffentlichkeit nicht sichtbar sein. Wenn gegen diese Bedingungen verstoßen wird, kann der betroffenen Person eine Geldstrafe von 250 US-Dollar auferlegt werden.

Städte und Kreisverwaltungen haben das Recht, den Anbau für den Eigenbedarf einzuschränken. Sie dürfen den Cannabisanbau in einem privaten Haus jedoch weder vollständig verbieten, noch dürfen sie ihn in einem Gebäude verbieten, das „vollständig abgeriegelt und gesichert“ ist.
Diese Einschränkung gilt nicht für registrierte Cannabispatienten. Sie dürfen so viel Cannabis anbauen, wie sie benötigen.

Ist CBD in Kalifornien legal?

CBD ist in sowohl für freizeitliche als auch für medizinische Zwecke legal. Das Gesetz gestattet CBD jedoch noch nicht als Zusatz in Lebensmitteln. Das kalifornische Gesundheitsministerium gab 2018 eine Erklärung heraus, in der es betonte, dass „Lebensmittel, die aus industriellem Hanf gewonnen werden, nicht den MCSB-Vorschriften entsprechen“.

Mit Ausnahme des von der FDA zugelassenen Epidolex ist CBD zudem nicht für Produkte zugelassen, die als Medizin verkauft werden sollen. Der Supervising Deputy Attorney Gerneral (zu Deutsch in etwa „Stellvertretende Generalstaatsanwalt“) gab zu verstehen: „Diese Regelung scheint nicht viele Möglichkeiten zum Verkauf CBD-haltiger Produkte zu bieten.“

Dürfen Cannabissamen nach Kalifornien geschickt werden?

Derzeit ist es in Kalifornien legal, Cannabissamen für die Aufzucht von Pflanzen zu nutzen. Technisch ist es auch erlaubt, die Samen innerhalb Kaliforniens per Post zu verschicken, aber das Bundesgesetz verbietet den Transport über die Staatsgrenzen hinweg. So kann man durchaus in Schwierigkeiten geraten, wenn man versucht, Cannabissamen aus einem anderen Staat nach Kalifornien zu schicken. Anekdotischen Berichten zufolge werden Pakete gerne mal von den Zollbehörden konfisziert.

Medizinisches Cannabis in Kalifornien

Kalifornien war der erste Staat in den USA, der Cannabis nach dem Compassionate Use Act von 1996 zu medizinischen Zwecken legalisierte. Das Gesetz wurde eingeführt, um „sicherzustellen, dass schwerkranke Kalifornier das Recht haben, Marihuana für medizinische Zwecke zu erwerben und zu konsumieren, wenn die medizinische Verwendung als angemessen erachtet wird“.

Das Gesetz nennt spezifische Krankheiten, die von einer medizinischen Cannabisbehandlung profitieren würden, einschließlich: AIDS, Krebs, Anorexie, chronische Schmerzen, Glaukom, Arthritis, Migräne und Spastiken. Es besagt auch ausdrücklich, dass Cannabis bei „jeder anderen Krankheit, bei der es Linderung verschafft“, verwendet werden kann.

Mit dem Medical and Adult-Use Cannabis Regulation and Safety Act wurde ein System eingeführt, das sowohl den medizinischen als auch den freizeitlichen Konsum reguliert. Es etablierte einen Leitfaden, nach dem sich die lokalen und die staatlichen Behörden in Bezug auf Anbau, Vertrieb, Herstellung, Verteilung und Transport der Droge richten können.

Cannabispatienten sind von diesem Gesetz nicht sonderlich betroffen – die einzige Einschränkung ist, dass sie zu Hause maximal 30 Quadratmeter für den Cannabisanbau zu medizinischen Zwecken nutzen dürfen. Primäre Pflegepersonen dürfen bis zu 150 Quadratmeter bewirtschaften, um Cannabis für bis zu fünf Patienten zu erzeugen.

Industriehanf in Kalifornien

Nach der Verabschiedung der Farm Bill im Jahr 2018 wurde Industriehanf zu einer legalen Kulturpflanze im ganzen Land. Das bedeutet, dass es völlig legal ist, Industriehanf in Kalifornien anzubauen.

Das California Department of Food and Agriculture ist für die Regulierung der Industrie im Staat verantwortlich. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels hat es die Vorschriften für den Hanfanbau und das Registrierungsverfahren für Grower festgelegt. Um Hanf legal anzubauen zu dürfen, müssen sich Farmer zunächst beim örtlichen County Agricultural Commision Office (zu Deutsch sinngemäß „das Büro zur landwirtschaftlichen Zulassung“) registrieren lassen. Dabei fällt eine jährliche „Farmgebühr“ von etwa 900 US-Dollar an.

Die Hanfindustrie in Kalifornien floriert bereits. Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten, die in dem Staat vorherrschen, ist dies wenig verwunderlich. Im Gegensatz zu vielen anderen kälteren Regionen des Landes, kann Hanf dank der wärmeren Temperaturen dort besonders gut gedeihen.

Gut zu wissen

Wenn man nach Kalifornien reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • Ironischerweise waren die Verkaufszahlen der Droge rückläufig, nachdem Cannabis in Kalifornien erstmals für den freizeitlichen Konsum legalisiert wurde.
  • 2018 war die sogenannte „Baby-Boomer“-Generation, also Menschen über 50, die Bevölkerungsgruppe, in der der Cannabiskonsum am stärksten zunahm. Auch die Zahl der weiblichen Konsumenten stieg an (traditionell war der Cannabiskonsum bei Frauen nicht so weit verbreitet wie bei Männern).
  • Experten gehen davon aus, dass der kalifornische Cannabismarkt bis 2022 auf 7,7 Milliarden US-Dollar steigen wird.

Cannabis-Geschichte

Cannabis wurde in Kalifornien jahrhundertelang angebaut. Im 18. Jahrhundert wurde es hauptsächlich zur Herstellung von Seilen und Fasern angebaut und bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurden riesige Mengen Hanf geerntet. Doch 1810 führte die mexikanische Rebellion gegen die spanische Herrschaft dazu, dass die Subventionen für den Hanfanbau gekürzt wurden – als Folge wurden die meisten Hanfplantagen bis 1841 aufgegeben.

Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Cannabis eine Art Renaissance, vor allem aufgrund der türkischen, arabischen und armenischen Einwanderer, die sich dort niederließen und die Droge freizeitlich konsumierten.

Wie überall in den USA litt auch der kalifornische Cannabismarkt unter der „Reefer-Madness“-Kampagne, die die öffentliche Meinung zu der Droge stark negativ beeinflusste. 1907 verabschiedete der Staat den Poison and Pharmacy Act, der den Verkauf vieler Substanzen verbot. Sechs Jahre später wurde Cannabis in die Liste dieser Substanzen aufgenommen. Tatsächlich war Kalifornien sogar einer der ersten Staaten, die den Cannabiskonsum verboten.

Der Marihuana Tax Act von 1937 (der Cannabis auf Bundesebene verbot) hatte in Kalifornien eigentlich keine großen Auswirkungen, da die Behörden des Staates bereits diejenigen strafrechtlich verfolgten, die die Droge konsumierten, anbauten oder verkauften. In den 1950er-Jahren konnte bereits der bloße Besitz von Cannabis eine zehnjährige Freiheitsstrafe mit sich ziehen.

Die Hippie-Bewegung

Der „Hippie-Boom“ in den 1960er-Jahren machte Cannabis trotz des Verbots wieder populär. In der Mitte des Jahrzehnts schätzte die Saturday Evening Post, dass die Hälfte der kalifornischen Studenten Cannabis ausprobiert hätten, was seine gesellschaftliche Relevanz unter Beweis stellte.

San Francisco wurde zum „Cannabis-Hub“ des Staates, vor allem weil die Stadt als Brückenkopf für Soldaten diente, die nach Südostasien übersetzten oder von dort zurückkehrten. Auch Menschen, die von der Gesellschaft als „anders“ empfunden wurden, trafen sich hier – unter ihnen auch die LGBT-Community.

Niemand ist sich ganz sicher, wann die ersten Geschäft e eröffneten, in denen Cannabis verkauft wurde, aber innerhalb weniger Jahre gab es in San Francisco zahlreiche illegale Dispensaries. Sie verkauften allerdings nicht nur Cannabis zu freizeitlichen Zwecken, sondern wurden auch zu wichtigen Anlaufstellen für Menschen mit AIDS und HIV.

Schritte bis zur Legalisierung

1972 war Kalifornien der erste Staat, der versuchte, die Droge zu legalisieren. Dieser Versuch scheiterte, da zwei Drittel der kalifornischen Bevölkerung dagegen stimmten.

Obwohl das Gesetz nicht verabschiedet wurde, deutete es auf einen deutlichen Meinungswandel innerhalb des Staates hin. Nach und nach lockerten sich die Gesetze in Bezug auf den Cannabiskonsum, bis Kalifornien 1996 schließlich der erste Staat wurde, der den medizinischen Einsatz der Droge legalisierte.

Öffentliche Meinung zu Cannabis

Laut einer aktuellen Studie lässt sich die öffentliche Meinung zu Cannabis in Kalifornien grob in drei Kategorien einteilen: 

  • Konsumenten. Das Durchschnittsalter der Konsumenten liegt bei 39 Jahren und sie haben Cannabis oder cannabishaltige Produkte innerhalb der letzten sechs Monate konsumiert.
  • Befürworter. Das Durchschnittsalter der Cannabis-Befürworter liegt bei 49 Jahren und sie gaben an, Cannabis zwar nicht kürzlich konsumiert zu haben, aber sich durchaus vorstellen zu können, es in Zukunft zu konsumieren.
  • Gegner. Das Durchschnittsalter der Cannabis-Gegner liegt bei 56 Jahren und es ist unwahrscheinlich, dass sie Cannabis in Zukunft konsumieren werden.

Die Zahl der Konsumenten steigt und die Zahl der Cannabis-Gegner sinkt – was darauf schließen lässt, dass die Kalifornier dem Cannabiskonsum gegenüber immer toleranter werden.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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