by Miranda on 14/04/2015 | Kultureller Gebrauch

Von Popeye bis zu den Superhelden: Marihuana und andere Substanzen – Teil 1

Der Comic hat sich seit seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts ständig weiter entwickelt. Er entstand um 1890 in den Vereinigten Staaten. Die Illustrationskunst, die ihre Vorläufer in einer reichen europäischen Tradition der Erzählkunst und bildhaften Darstellung findet, hatte sich in bedeutendem Maße entfaltet. Von Popeye bis zu den Superhelden.


Seitdem Comics in den Vereinigten Staaten erscheinen, haben sie sich zu einem Sprachrohr für die Kommunikation zwischen Klassen, Generationen und sogar Rassen verwandelt (ldjpg)
Seitdem Comics in den Vereinigten Staaten erscheinen, haben sie sich zu einem Sprachrohr für die Kommunikation zwischen Klassen, Generationen und sogar Rassen verwandelt (ldjpg)

Der Comic hat sich seit seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts ständig weiter entwickelt. Er entstand um 1890 in den Vereinigten Staaten. Die Illustrationskunst, die ihre Vorläufer in einer reichen europäischen Tradition der Erzählkunst und bildhaften Darstellung findet, hatte sich in bedeutendem Maße entfaltet. Die Kombination von Text und Zeichnungen wurde Comic genannt, weil die meisten Geschichten ursprünglich humoristischer Natur waren. Im Laufe der Zeit hat das Comic-Genre verschiedene Formen angenommen: Strips mit lustigen Zeichnungen, Comics für Kinder, sozialkritische Geschichten und in letzter Zeit sind zahlreiche weitere hinzu gekommen, wie Zeichentrickfilme, der Underground-Comic der 60er-Jahre und natürlich die Comics über Superhelden. (Foto 1)

Seitdem sie in den Vereinigten Staaten veröffentlicht werden, haben sich die Comics zu einem Sprachrohr für verschiedene soziale Klassen, Generationen und sogar Rassen entwickelt. Infolgedessen sind sie zu einem Mittel für die Verbreitung von Ideologien geworden. Das hat dazu geführt, dass aus den Reihen der herrschenden Klassen harsche Kritik laut geworden ist. Sie stuften Comics als destabilisierende, aufrührerische und sogar antipatriotische Elemente ein, die ohne jegliches Verantwortungsgefühl für die jüngsten und die am meisten benachteiligten Mitglieder der Gesellschaft zugänglich sind. Schon bald gab es zahlreiche Gegner der Comicstrips, die gleichzeitig als Mittel des sozialpolitischen Widerstands eingesetzt wurden.

Die Geschichte und die Entwicklung des Comics zeigen, dass diese Kunstform wesentlich komplexer ist, als man zunächst annehmen könnte. Was als einfacher Comicstrip begann, ist zu einer künstlerischen und erzählerischen Ausdrucksform geworden, die sich auf alle erdenklichen Genres und unzählige Themen erstreckt. Nichts entgeht dem aufmerksamen Blick der kreativen Geister. Sie sind zu authentischen Chronisten der sozialen und politischen Gegenwart geworden, in der sie leben, und zeichnen ein Bild der Realität, die sie umgibt. Humor, Drama, Religion, Gewalt, Sex, Politik und, wie könnte es auch anders sein, … Drogen.

Sowohl legale als auch illegale Drogen gehören zur Lebenswelt der Figuren in zahlreichen unterschiedlichen Comicgeschichten (cabrera.photo)
Sowohl legale als auch illegale Drogen gehören zur Lebenswelt der Figuren in zahlreichen unterschiedlichen Comicgeschichten (cabrera.photo)

Das bezieht sich sowohl auf legale Mittel, wie Alkohol und Tabak, als auch auf illegale Drogen, wie Cannabis, auf psychoaktive und psychotrope Substanzen, Opiate und in letzter Zeit auch auf die sogenannten Designerdrogen oder synthetischen Drogen, wie Methamphetamin. All diese Mittel kommen, mehr oder weniger offen, in zahlreichen der Geschichten vor. Sie sind auf ganz natürliche Weise Teil der Erlebniswelt der Figuren und spiegeln damit unsere eigene historische, soziale und kulturelle Wirklichkeit im Augenblick der Veröffentlichung wider. Darüber hinaus haben sowohl Politiker als auch Machthaber den Comic als Mittel eingesetzt, um gegen den Konsum von Drogen zu kämpfen und ihn als negativen Einflussfaktor auf die Gesellschaft zu kategorisieren.

Die Analyse der bekanntesten Figuren in der Geschichte des Comics erlaubt es uns, eine Chronik der sozialen und politischen Realität unserer jüngsten Vergangenheit zu erstellen und den zeitlichen Verlauf der zunehmenden Verbote festzulegen, die hauptsächlich in den USA erlassen wurden, um das Angebot, die Nachfrage und den Konsum der Substanzen auszumerzen, die als Drogen bekannt sind.

POPEYE DER MATROSE

Popeye erscheint zum ersten Mal im Jahr 1929 als Hauptperson in einem Comicstrip. Erschaffen von Elzie Crisler Segar, wurde die Figur später von mehreren Autoren und Zeichnern abgewandelt und war in unterschiedlichen Formaten erhältlich. Seit dem ersten Tag ist Popeye der Matrose eine der berühmtesten und beliebtesten Figuren der Welt gewesen. Der ursprüngliche Comic war wesentlich komplexer als die später erschienenen kurzen Zeichentrickfilme. In den Comics von Segar wurde die Welt von Popeye von wunderlichen und eigenwilligen Charakteren bevölkert, die Strips beinhalteten eine gute Portion Humor für Erwachsene. Popeye murmelt vor sich hin, er hat immer eine Pfeife im Mundwinkel, ist einäugig und hat unglaubliche Unterarmmuskeln. Der Verzehr von Spinat verleiht ihm übermenschliche Kräfte. Aber, ist es wirklich der Spinat, der Popeye diese Fähigkeiten verleiht, oder ist dieser nur eine Metapher für eine andere magische Pflanze? Es gibt zwar nur wenige Beweise für diese These, aber es gibt sie. Wenn man sie alle zusammenfasst, erhält man ein interessantes und überzeugendes Bild davon, dass der Spinat, der Popeye so stark macht, in den Augen vieler Leser eine Metapher für Marihuana ist.

Popeye hat auch in Innenräumen angebaut (Felix Nine)
Popeye hat auch in Innenräumen angebaut (Felix Nine)

Dana Larsen, ein kanadischer Aktivist für die Legalisierung von Cannabis, schrieb einen Artikel zu diesem Thema, in dem sie behauptet, dass der Begriff Spinat in den Jahren 1920 bis 1930 im Straßenslang für Marihuana benutzt wurde. In dieser Zeit wurde in den Clubs, in denen Marihuana geraucht wurde, unter anderem regelmäßig das bekannte Lied „The Spinach Song“ der beliebten Jazzband Julia Lee and Her Boy Friends aufgelegt, in dem der Spinat eine ganz offensichtliche Metapher für Marihuana ist. Das war allerdings nicht der einzige Hit zu diesem Thema, ein weiteres Beispiel ist der Song „Sweet Marijuana”. Larsen untersuchte einen Comic aus dem Jahr 1954, in dem Popeye seinen Neffen die Geschichte seines Vorfahren Hercules erzählt, der weißen Knoblauch schnieft und Spinat isst, um stärker zu werden. Die Aktivistin ist überzeugt davon, dass die Nahrungsmittel als Metapher für Kokain beziehungsweise Marihuana eingesetzt werden. Nicht zu vergessen, dass Hercules den weißen Knoblauch letztendlich aufgibt und nur noch Spinat konsumiert. In mehreren Bildern aus den 60er-Jahren ist zu sehen, wie Popeye den Spinat durch seine Pfeife inhaliert. Obwohl die übermenschlichen Kräfte, die Popeye durch den Spinat erhält, eigentlich eher im Zusammenhang mit dem Kokablatt stehen dürften. In diesem Zusammenhang kann man darauf verweisen, dass Popeye regelmäßig ausspuckt. Leider verstarb der Schöpfer von Popeye im Jahr 1938 an Leukämie. Allerdings darf man annehmen, dass er aufgrund seiner Krankheit mit der Einnahme von Drogen vertraut war.

Man muss noch hinzufügen, dass Anti-Marihuana-Propaganda in dieser Epoche die Jugendlichen und ihre Eltern unablässig mit den Gefahren des Cannabiskonsums konfrontierte und in diesem Zuge auch behauptete, er rufe übernatürliche Kräfte hervor. In dieser Zeit, in der Reefer Madness seine traurige Berühmtheit erlangte, beteuerten Berichte in den Kommunikationsmedien, dass die Nutzer von Cannabis außergewöhnliche Kräfte entwickeln und sogar weitestgehend immun gegen Schussverletzungen werden würden. Vor diesem Hintergrund erscheint es nur logisch, dass die unglaubliche Kraft, die Popeye durch den Verzehr von Spinat bekommt, auf Marihuana hinweist.

Darüber hinaus kann man davon ausgehen, dass Popeye als Matrose exotische Pflanzen aus fernen Ländern nicht unbekannt sind. Tatsächlich haben Seeleute in hohem Maße zur Einführung von Marihuana in die nordamerikanische Kultur sowie in die Gesellschaften zahlreicher anderer Länder beigetragen. Sie brachten das Gras von ihren Reisen mit. Man darf dabei nicht unberücksichtigt lassen, dass Hanf jahrhundertelang traditionell für die Herstellung von Segeln, Tauen, Karten, Logbüchern, Bibeln, Farbe und natürlich Lampenöl verwendet wurde.

Popeye hat seine Lieblingspflanze in einer Wasserpfeife geraucht (Felix Nine)
Popeye hat seine Lieblingspflanze in einer Wasserpfeife geraucht (Felix Nine)

Es gibt zahlreiche Interpretationen dieses berühmten Comics, die möglicherweise alle weit von den ursprünglichen Gedanken der Autoren entfernt sind. Trotzdem vermitteln sie uns ein perfektes Bild von dem Kultstatus, den Popeye in bestimmten Bereichen der Cannabisgemeinschaft erlangt hat. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle gerne auf die letzte einer langen Reihe von Anspielungen auf Cannabis verweisen, die in den Comics und Zeichentrickfilmen aus den 60er-Jahren erscheint. Popeye hat einen Hund mit dem Namen „Birdseed” (Vogelsamen). Ohne jeden Zweifel wussten die Autoren, die ihm seinen Namen gaben, in dieser Hochzeit des Hippietums, dass Cannabissamen vor dem Verbot eines der beliebtesten Vogelfuttermittel gewesen ist.

SUPERHELDEN UND BÖSEWICHTER

Mitte der 30er-Jahre entstehen kleine Unternehmen, wie All Star Comics, Action Comics oder Detective Comics. Die Geschichten werden qualitativ besser und die Autoren und Zeichner entwickeln einen charakteristischen Stil, der heutzutage „amerikanischer“ Stil genannt wird. Es gibt immer mehr Geschichten von Detektiven, Wissenschaftlern und anderen interessanten Persönlichkeiten, die übermenschliche Fähigkeiten besitzen und die Erde oder deren Bewohner vor drohenden Katastrophen retten. Dieses Format, eine Art Buch mit kurzen Abenteuergeschichten, wurde in den 30er- und 40er-Jahren berühmt und war seit den 60er-Jahren das beliebteste Comicformat in Nordamerika. Diese Comics erzählen von den Abenteuern und großartigen Leistungen der Superhelden. Das sind heroische Figuren mit außergewöhnlichen oder übermenschlichen Kräften und Fähigkeiten oder sogar mit göttlichen Fähigkeiten oder Eigenschaften. Die Geschichten führen uns in die fremden Universen, in denen diese Figuren leben.

Mit der Geburt von Superman im Jahr 1938, werden verkleidete „Superhelden“ mit außergewöhnlichen Kräften und einem Doppelleben modern. Es war das goldene Zeitalter für diese künstlerische Ausdrucksform und die Hefte mit den Geschichten über Superhelden wurden zu einem großen Genre. Es war auch die Zeit der Weltwirtschaftskrise, die mit dem Börsenkrach im Oktober 1929 begann und sich bis Ende der 30er-, Anfang der 40er-Jahre, mehr oder weniger bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs, erstreckte.

Der soziokulturelle und politische Kontext, in dem all diese Figuren erscheinen, hängt in hohem Maße mit ihrer persönlichen Geschichte und der Herkunft ihrer Superkräfte (populärkultureller Begriff für die übermenschlichen Eigenschaften in der Fiktion) oder der Vergangenheit und den Fähigkeiten ihrer Feinde und Gegenspieler zusammen.

Mit Superman entsteht die Mode der verkleideten „Superhelden“ mit übermenschlichen Kräften und einem Doppelleben (PSC1121-GO)
Mit Superman entsteht die Mode der verkleideten „Superhelden“ mit übermenschlichen Kräften und einem Doppelleben (PSC1121-GO)

Wir dürfen nicht vergessen, dass im 19. Jahrhundert die „neuen Drogen“ auf den Markt kamen. Die bekanntesten waren Morphin (1806), Kokain (1860), Heroin (1883) und Barbiturate (1903), wie sie Antonio Escohotado in seinem berühmten Werk „Historia General de las Drogas“ („Allgemeine Geschichte der Drogen“) beschreibt. In dieser Zeit war die Nutzung kleiner Mengen besagter Mittel, einschließlich Marihuana, relativ normal, legal und in vielen Fällen alltäglich. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts entstand in den USA jedoch eine starke moralistische Bewegung, die eine Reihe von sozialen und gesetzlichen Reformen hervorbrachte. Diese richteten sich gegen das Laster und entfachten einen weltumspannenden Kreuzzug, der dazu beitragen sollte, sämtliche Drogen auszumerzen. Das Drogenverbot wurde in den Vereinigten Staaten im Jahr 1906 eingeführt, als die nordamerikanische Legislative das erste Gesetz zur Kontrolle des Verkaufs der stets häufiger konsumierten Droge Kokain verabschiedete, den Pure Food and Drug Act (Verordnung für die Reinheit von Lebensmitteln und Medikamenten). Etwas später folgten 1909 die Sperrverordnung für Opium und 1918 das erste bundesweite Anti-Drogengesetz, der Harrison Narcotics Tax Act.

Diese gesetzlichen Änderungen verursachten einen immensen Preisanstieg bei all den genannten Substanzen und förderten den illegalen Handel. 1930 hat das Unternehmen Dupont eine Werbekampagne gegen den Hanf ins Leben gerufen, deren einzige Ziele die Verteufelung und das Verbot von Anbau und Zucht einerseits und ganz offensichtlich die Förderung und Bekanntmachung von Nylon andererseits waren. Diese starke und elastische Synthetikfaser wurde in der eigenen Produktion hergestellt. Die Kampagne hat in gewisser Weise ihr Ziel erreicht, denn 1937 wurde der Marijuana Tax Act (das Steuergesetz für Marihuana) angenommen, der die Konsumenten von Cannabis kriminalisierte.

Im zweiten und dritten Teil dieses Artikels, werden wir uns näher mit einigen der charismatischsten Superhelden und Bösewichter befassen, die ab den 30er-Jahren auf der Bildfläche erschienen sind, sowie mit den Substanzen, die mehr oder weniger offen in den Geschichten auftauchen. Auf diese Weise wollen wir eine Chronik unserer eigenen historischen, sozialen und kulturellen Wirklichkeit zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erstellen.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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