by Miranda on 16/10/2017 | Konsum

Weltpremiere: Ein Gentest, der feststellt, wie Sie auf Cannabis reagieren

Cannabis Gentest Alle Menschen sind verschieden, und die DNA liefert den Beweis dafür. Der Körper verarbeitet auch alles auf verschiedene Weise, einschließlich Cannabis. Wollen Sie wissen, was Ihre DNA darüber sagt, wie Ihr Körper auf Cannabis reagieren wird? Demnächst gibt es den weltweit ersten Cannabis-Gentest, der darüber Auskunft geben kann. Lesen Sie mehr.


Unsere DNA beweist, dass jeder Mensch genetisch einzigartig ist. Weil das so ist, kann auch der Körper jedes Menschen anders auf Cannabis reagieren. Durch die Fortschritte der Genetik und der sogenannten „personalisierten Medizin oder Genom-Medizin“ kann man heute unsere genetischen Merkmale und die Ursachen der Krankheiten identifizieren, die wir erleiden oder künftig erleiden können. Patienten können so auf der Basis ihrer spezifischen biologischen Marker die bestmögliche Behandlungsform erfahren. Im Prinzip gilt das auch für den Konsum von Cannabis. Demnächst soll der erste Cannabis-Gentest der Welt auf den Markt kommen, mit dem man über die DNA feststellen kann, wie der Körper eines einzelnen Menschen auf den Cannabiskonsum reagiert.

Genanalyse für Cannabis

Wer Cannabis regelmäßig oder gelegentlich zu medizinischen Zwecken oder zur Entspannung konsumiert, wird sich fragen, was ein solcher Test denn nutzen soll, wo man doch schon durch den eigenen Cannabiskonsum weiß, wie der Körper darauf reagiert. Aber allen, die noch nie Cannabis konsumiert haben, kann diese genetische Analyse nicht nur verraten, ob sie darauf negativ reagieren werden. Vielmehr kann mit dem Test auch festgestellt werden, ob es wahrscheinlich ist, dass ein regelmäßiger Cannabiskonsum Probleme verursachen wird.

Der weltweit erste Cannabis-Gentest, der feststellt, wie der eigene Körper auf Cannabis reagiert, soll in der ersten Oktoberwoche auf den Markt kommen. Verfügbar ist er aber derzeit nur an den Ausgabe- und Beratungsstellen für medizinisches Cannabis in den USA und Kanada, und dort werden die Krankenversicherungen die Kosten für den Test erst einmal nicht übernehmen. Sein Preis schwankt zwischen 699 und 900 US-Dollar, was nicht für jeden erschwinglich ist.

Jedes DNA-Molekül besteht aus zwei Ketten bzw. Bändern (CC. Mehmet Pinarci)
Jedes DNA-Molekül besteht aus zwei Ketten bzw. Bändern (CC. Mehmet Pinarci)

Der Test wurde von einem kanadischen Biotechnologie-Unternehmen namens AnantLife entwickelt, das sich auf die Beratung und Durchführung genetischer Tests zum Aufspüren zahlreicher Krankheiten und Störungen wie u.a. Krebs, Autoimmunkrankheiten und Ernährungsprobleme spezialisiert hat. Dr. Rahul Kushwah, wissenschaftlicher Direktor und Mitgründer von AnantLife, erklärte dies vor der Presse so:

„Dieser Test erzeugt ein komplettes Profil des Menschen bezüglich der Frage, wie sein Körper auf Cannabis reagieren wird.“

Die Handhabung des Tests ist einfach und unkompliziert und man kann ihn wie die bekannten Vaterschaftstests selbst und zuhause machen. Man bestellt das Set, nimmt eine Speichelprobe und schickt diese an AnantLife, wo sie mit den neuesten Technologien zur DNA-Sequenzierung analysiert wird.

Die DNA-Sequenz ist bei jedem Menschen individuell und unverwechselbar

Mit Hilfe der neuesten Entwicklungen der Molekularbiologie und Bioinformatik können „Polymorphismen“ bzw. „genetische Marker“ in der DNA festgestellt werden, die die Reaktion auf Cannabis angeben. So lässt sich feststellen, ob eine Person zu negativen Reaktionen neigt oder ob es bei ihr zu Komplikationen wie mentalen Störungen oder Suchtproblemen kommen kann.

Weltpremiere: Ein Gentest, der feststellt, wie Sie auf Cannabis reagieren
Das menschliche Genom: Eine Puppe mit genetischen Markern (CC. greyloch)

Jeder Mensch besitzt eine individuelle DNA-Sequenz. Polymorphismen sind verschiedene Varianten dieser Sequenz an einer bestimmten Stelle des DNA-Strangs, die innerhalb der Individuen einer Bevölkerungsgruppe vorkommen. Die Sequenz sieht also bei einem bestimmten Gen bei den einzelnen Individuen verschieden aus. Der von AnantLife entwickelte Test sucht die genetischen Varianten heraus, die die Reaktion auf Cannabis beeinflussen können und identifiziert die Marker, die eine genetische Veranlagung zur Cannabisabhängigkeit sowie zu durch den Cannabiskonsum bedingten kognitiven Beeinträchtigungen und Kreislauferkrankungen anzeigen.

Diese genetischen Varianten sind jedoch relativ selten. Laut aktuellem Stand der Forschung bilden nur etwa 10 % aller Cannabiskonsumenten eine psychologisch bedingte Cannabisabhängigkeit aus.

Medizinisches Cannabis könnte die Opioid-Krise beenden

Wie Dr. Kushwah erläutert, möchte das Unternehmen mit diesem Test  „die Community für medizinisches Cannabis unterstützen,“ nachdem der Bedarf nach medizinischem Cannabis zweifelsfrei festgestellt wurde und nachdem es weitgehend anerkannt ist.

Zur Behandlung von Schmerzen sind den Patienten in Nordamerika jahrelang in massiver Weise Opioide verschrieben worden, was zu einer schweren Krise für die öffentliche Gesundheit geführt hat. Denn 2016 starben in den USA mehr Menschen an einer Opioidüberdosis als durch Waffengewalt oder Verkehrsunfälle. Die aktuellen Zahlen der US-Regierung schätzen, dass mehr als zwei Millionen US-Amerikaner Probleme mit einer Opioidabhängigkeit haben.

Durch medizinisches Cannabis zeigt sich gerade, dass es eine großartige Alternative zu Opioiden in der Schmerzbehandlung sein kann, ebenso zu anderen Medikamenten wie Antiepileptika oder Antipsychotika. Dr. Kushwah ist der Meinung, dass Mediziner medizinisches Cannabis erst dann vorbehaltlos verschreiben werden, wenn sie sicher sind, wie die Reaktion des Patienten darauf ausfällt. An dieser Stelle kommt der Cannabis-Gentest ins Spiel, der ermittelt, „welche Patienten für eine Umstellung von Opioiden auf medizinisches Cannabis geeignet bzw. nicht geeignet sind.“

Weltpremiere: Ein Gentest, der feststellt, wie Sie auf Cannabis reagieren
Medizinisches Cannabis: Eine Jack Herer-Pflanze von Sensi Seeds (CC. Steffen Geyer)

Weil die Genetik und der Stand des Wissens auf diesem Gebiet innerhalb kürzester Zeit enorme Fortschritte machen, wird der Cannabis-Gentest alle zwei Wochen überprüft und aktualisiert, sobald neue Marker aufgetaucht sind, die für die einzelnen Phänotypen des Cannabiskonsums einschlägig sind, erläutert Dr. Kushwah.

Personalisierte Medizin mit Cannabis

In der heutigen Zeit, wo ständig neue Fortschritte bei der Legalisierung von Cannabis gemacht werden, insbesondere bei der Anwendung von medizinischem Cannabis, richtet sich die Aufmerksamkeit der Wissenschaft besonders auf die Erforschung des Endocannabinoidsystems. Durch die Technik der DNA-Sequenzierung und die Entwicklung der personalisierten Medizin sind die Voraussetzungen zum Verständnis der Genetik und der Steuerungsfunktionen dieses Systems besser als je zuvor.

Heute können Patienten behandelt werden, indem man ihnen eines oder mehrere Medikamente verabreicht, die optimal auf sie abgestimmt sind und deren Dosis für jeden Patienten auf der Basis seiner genetischen Eigenschaften individuell angepasst werden kann. Die personalisierte Medizin beruht auf dem Wissen über die molekularen Strukturen von Krankheiten, aber auch über die individuellen genetischen Eigenschaften des Patienten. Mit Hilfe der Molekulardiagnostik kann die Dosis und die Behandlungsdauer für jedes Medikament bei jedem Patienten gezielt festgelegt werden. Das gilt auch für medizinisches Cannabis.

Die Entschlüsselung der DNA-Sequenz eines Patienten ist keine Technik mehr, die nur der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten ist. Vor einigen Jahren hat diese Technik noch einen enormen Zeit- und Geldaufwand benötigt. Heute ist sie in den Labors für genetische Diagnose bereits Routine und auch nicht mehr mit extrem hohen Kosten verbunden. Wir hoffen sehr, dass dieser erste Cannabis-Gentest nicht der letzte ist und dass diese Untersuchung bald weltweit für alle Anwender von medizinischem Cannabis und auch für diejenigen verfügbar ist, die Cannabis zur Entspannung konsumieren.

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