Cannabis-Gentests: Funktionieren sie und lohnen sie sich?

Alle Menschen sind verschieden, wie unsere DNA beweist. Darum können verschiedene Stoffe, einschließlich Cannabis, auch unterschiedlich auf uns wirken. Möchten Sie wissen, was Ihre DNA über Ihre Reaktion auf Cannabis aussagt? Demnächst könnte der weltweit erste Cannabis-Gentest Ihnen Aufschluss darüber geben, wie Ihr Körper auf Cannabis reagiert.

Unsere DNA enthüllt unsere Einzigartigkeit auf genetischer Ebene, was bedeutet, dass wir alle unterschiedlich sind und dass jeder Körper alle Arten von Stoffen, einschließlich Cannabis, anders verarbeitet. Aber es wurden viele Fortschritte in der Genetik und der sogenannten „personalisierten Medizin oder Genommedizin“ erzielt.

Heutzutage sind wir in der Lage, genetische Merkmale und die Ursachen von Krankheiten zu identifizieren, und Patienten die optimale Behandlung auf der Basis ihrer spezifischen biologischen Marker zu bieten.

Das gilt auch für den Cannabiskonsum. In wenigen Jahren wird es Cannabis-Gentests geben, die uns sagen, wie unser Körper auf diesen Stoff reagiert.

Unsere DNA-Sequenz ist einmalig

Mithilfe der neuesten Erkenntnisse in der Molekularbiologie und der Bio-Informatik lassen sich „Polymorphismen“ oder „genetische Marker“ identifizieren. Diese Marker können anzeigen, wie wahrscheinlich eine bestimmte Reaktion auf den Cannabiskonsum ist, ob man wahrscheinlich negativ darauf reagiert oder ob man ein erhöhtes Risiko für Komplikationen hat, wie zum Beispiel psychische Störungen oder Abhängigkeitsprobleme.

Jeder besitzt eine einzigartige DNA-Sequenz. Polymorphismen sind eine Variation in der Sequenz eines bestimmten Bereichs der DNA unter den Personen einer Gruppe, d. h. sie treten in speziellen Genen auf und variieren von Person zu Person.

Es ist jedoch zu beachten, dass diese genetischen Variationen selten sind. Den letzten Untersuchung zufolge entwickeln nur etwa 10 Prozent der gelegentlichen Cannabiskonsumenten körperliche Abhängigkeit, Heißhungerattacken oder andere suchtbedingte Verhaltensweisen, die sich auf das tägliche Leben auswirken können.

Auf Cannabis bezogene Gen-Analyse

Regelmäßige oder gelegentliche Cannabiskonsumenten könnten einwenden, es habe keinen Sinn, diese neuen Tests auszuprobieren, da sie ja ihre Reaktion auf Cannabis kennen. Eine Gen-Analyse zeigt jedoch nicht nur denjenigen, die Cannabis noch nie ausprobiert haben, ob sie negativ auf den Konsum reagieren, sondern kann auch etwas über die Wahrscheinlichkeit aussagen, ein Problem auf der Basis des gewohnten Konsums zu entwickeln.

Berichten zufolge wurde der erste Cannabis-Gentest von Anant Life entwickelt und freigegeben. Das kanadische Unternehmen, das auf Gentests für Erkrankungen spezialisiert ist, gab an, dieser Test könne genetische Marker für allerlei Veranlagungen identifizieren, wie zum Beispiel für Herz- und Gefäßkrankheiten, die eventuell „große Risiken“ beim Cannabiskonsum mit sich bringen, oder für eine Veranlagung zu Essstörungen, auf die sich der Cannabiskonsum auswirkt.

Mit Preisen von 700 von 900 Dollar sind diese Tests allerdings nicht für jedermann erschwinglich.

Das in Toronto niedergelassene Unternehmen Lobo Genetics hat in jüngerer Zeit einen eigenen Test entwickelt, der in einigen Läden in Alberta erhältlich ist. Dieser Cannabis-Gentest untersucht drei spezifische Gene auf die Reaktion mit Cannabis hin:

  • CYP2C9 – Dieses Gen hilft, den Abbau von Drogen zu bestimmen. Wie schnell THC abgebaut wird und wie lange ein High dauert, wird bei Menschen mit einer Mutation in diesem Gen anders verlaufen, als bei denjenigen ohne Mutation.
  • AKT1 – Eine Variante in diesem Gen könnte ein höheres Risiko bei der Entwicklung von Psychosen bedeuten.
  • COMT – Eine Variante in diesem Gen könnte das Gedächtnis beeinträchtigen, da es den Abbau von Dopamin im Gehirn steuert, was wieder die kognitive Funktion beeinflusst.

Einige Mediziner warnen davor, dass die Studien zu den Cannabis-Gentests nicht sehr umfassend waren. Frühere Einwirkung von Drogen können bei der Reaktion ebenfalls relevant sein ebenso wie zahlreiche andere als die drei von Lobo Genetics untersuchten Faktoren.

Zu weiteren Unternehmen, die Cannabis-Gentests vertreiben, gehören EndocannaHealth (wir mochten den Testbericht dieses Journalisten) und Pathway Genomics.

Medizinisches Cannabis zur Beendigung der Opioid-Krise

Die Entwicklung dieser Tests könnte letztendlich nicht nur Personen nutzen, die ihre zu erwartenden Reaktionen wissen wollen, sondern auch aus medizinischer Sicht sinnvoll sein.

Cannabis ist weithin für seinen Einsatz bei der Schmerzbehandlung bekannt. Könnten diese Tests zur allgemeinen Legalisierung und zur Beendigung der Opioid-Krise beitragen? Gut möglich.

Jahrelang erhielten Patienten in Nordamerika Überdosen von Opioiden, was in einer enormen Gesundheitskrise gipfelte. Dieser Opioid-Missbrauch führte im Jahr 2017 zu etwa 50.000 Todesfällen. Aufgrund zu hoher Opioid-Dosierung sterben täglich 100 Menschen, und 4 bis 6 % der Opioid-Süchtigen landen in der Heroinabhängigkeit.

Wie sich zeigte, könnte medizinisches Cannabis nicht nur bei der Schmerztherapie eine vielversprechende Alternative als Ersatz von Opioiden sein, sondern auch eine Alternative von Medikamenten wie Antiepileptika und Antipsychotika darstellen. Womöglich haben einige Ärzte noch Bedenken gegen die Verschreibung von medizinischem Cannabis. Mit den verfügbaren Gentests, die bei der Auswahl geeigneter Patienten helfen können, ließen sich gewiss einige Zweifel zerstreuen.

Cannabis in der personalisierten Medizin

In der heutigen Zeit der zunehmenden Cannabis-Legalisierung und insbesondere, was medizinisches Cannabis betrifft, richtet sich die Wissenschaft auf die Erforschung des Endocannabinoidsystems. Die Entwicklung der DNA-Sequenzierungstechniken und der personalisierten Medizin bietet jetzt optimale Bedingungen zum besseren Verständnis der Genetik und der Regulierung dieses genetischen Systems.

Derzeit ist es möglich, Patienten mit der jeweils für ihr chemisches und genetisches Profil am besten geeigneten Art und Dosis von Medikamenten zu behandeln. Personalisierte Medizin basiert auf dem Wissen über die Molekularstruktur der betreffenden Erkrankung sowie der chemischen Individualität jedes einzelnen Patienten.

Die molekulare Diagnose ermöglicht es Medizinern daher, Patienten hinsichtlich Dosierung und Dauer der Behandlung maßgeschneidert zu behandeln. Und das alles gilt auch für medizinisches Cannabis.

Sollte man einen Cannabis-Gentest anwenden?

Ob für medizinische Zwecke oder Freizeitkonsum, es gibt ein großes ABER bei der Anwendung dieser Gentests: Datenschutz- und Sicherheitsbedenken. Gewiss versichern die Anbieter der Gentests, die Informationen (über Ihre DNA!) nicht weiterzuverkaufen. Das schließt allerdings nicht aus, dass Informationen nicht bei Einstellung des Betriebs oder Verkauf des Unternehmens in Zukunft an ein anderes Unternehmen verkauft oder mit anderen geteilt werden.

Dazu kommt noch das sehr reale und immer größere Problem von Datenschutzverletzungen und Diebstahl. Und im Gegensatz zu häufig verkauften personenbezogenen Daten, wie Einkaufsgewohnheiten oder sogar Kreditkartennummern, wird sich Ihre DNA nie ändern.

Weiterhin gilt es zu bedenken, dass die Genetik keine exakte Wissenschaft ist und die Ergebnisse je nach Unternehmen oder von einem Wissenschaftler zum anderen variieren können. Die Tests, die ein Arzt in einem kontrollierten Labor durchführt, unterscheiden sich von den Selbsttests zu Hause.

Wie eine Analyse kürzlich ergab, liefern bis zu 40 % der Selbsttests (Verbrauchertests) falsch positive Ergebnisse. Obwohl die Selbsttests vielleicht amüsant und sogar nützlich sein können, empfiehlt es sich, bei Entscheidungen, die die Gesundheit und Sicherheit betreffen, doch einen offiziellen Test zu machen.

Die Dekodierungstechnik der menschlichen DNA-Sequenz ist nicht nur ausschließlich für die wissenschaftliche Forschung bestimmt. Obwohl diese Technik vor noch nicht allzu langer Zeit extrem teuer und aufwendig war, geht es heute um ein Routineverfahren, das in gendiagnostischen Laboren eingesetzt wird und für viele Menschen erschwinglich ist.

Es wäre zu wünschen, dass diese Art der Analyse bald weltweit in Reichweite aller Konsumenten von medizinischem und Freizeit-Cannabis rückt.

  • Disclaimer:
    Dieser Artikel stellt keinen Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Wenden Sie sich immer an Ihren Arzt oder eine andere zugelassene medizinische Fachkraft. Sie sollten wegen etwas, das Sie auf dieser Website gelesen haben, weder zögern, Ihren Arzt aufzusuchen, noch deswegen eine medizinische Beratung missachten.

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Sanjai Sinha

    Dr. Sanjai Sinha ist Mitglied der akademischen Fakultät des Weill Cornell Medicine Colleges in New York. Er verbringt seine Zeit damit, Patienten zu begleiten, Bewohner und Medizinstudenten zu unterrichten und im Gesundheitswesen zu forschen. Er genießt die Ausbildung von Patienten und die Ausübung evidenzbasierter Medizin. Sein starkes Interesse an medizinischer Überprüfung kommt von diesen Leidenschaften.
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