Cannabis, kognitive Verbesserungen und Kultur, Teil II

Unzählige Künstler und Musiker haben mit Cannabis experimentiert, viele von ihnen über lange Zeiträume, und einige haben ausführlich darüber berichtet, wie das Cannabis High ihnen dabei half, ihre Musik oder Kunst zu produzieren und zu verbessern.


Für den Künstler ist diese Droge ist zweifellos sehr nützlich, da sie Assoziationen auslöst, die ansonsten unzugänglich wären, und ich verdanke viele der Szenen aus  “Naked Lunch” direkt dem Gebrauch von Cannabis.”

William Burroughs, amerikanischer Schriftsteller (1914-1997) 

Schriftsteller über ihren Gebrauch von Marijuana

Der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer gewann zwei Mal den berühmten Pulitzer Price und war ebenfalls Gewinner des Nationalen Buchpreises. In einem Interview mit der High Times sagte er über Marihuana:

“Ich erzähle immer meinen Kindern – ich weiß nicht, ob sie zuhören oder nicht – dass ich denke, mach deine Ausbildung zuerst und beginne dann, Pot zu rauchen. Mindestens gibt es dann etwas, um damit bergab zu laufen – da ich finde, das man mit Pot Dinge zusammen bringen kann. Pot ist erstaunlich, um gedanklich neue Verbindungen herzustellen. Dafür ist es göttlich. Sie denken assoziativ auf Pot und so können Sie wirklich außergewöhnliche Gedanken haben. Aber je besser ihre Bildung ist, desto mehr können sie an diesem Punkt zusammen bringen, umso mehr wundervolle Verbindungen gibt es in der Welt zu sehen .” 1

Jack Kerouac
Jack Kerouac

Viele andere Schriftsteller empfanden Cannabis aus verschiedenen Gründen als nützlich für ihre Arbeit. Der französische Dichter Charles Baudelaire war ein Mitglied des Club des Hashashins in Paris Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, wo sich berühmte Schriftsteller wie Alexandre Dumas, Victor Hugo und andere französische Intellektuelle und Künstler trafen, um mit großen Mengen von Haschischmarmelade zu experimentieren. Während Mailer erwähnt, wie gut Marihuana für ihn funktionierte, um neue Assoziationen zu entdecken, beschrieb Baudelaire darüber hinaus, wie schnell diese Assoziationen während eines Highs kommen können, ein Effekt, den ich selbst einmal als „mindracing“ bezeichnet habe:

“Aber ein neuer Strom von Ideen trägt sie weg: Es wird Sie in seinem lebendigen Strom für eine weitere Minuten fort schleifen; und auch diese Minute wird eine Ewigkeit sein, da die normale Relation von Individuum und Zeit vollständig verändert wurde durch die Vielfalt und die Intensität der Eindrücke und Gedanken. Es scheint, als würden sie die Leben mehrerer Männer in Zeitraum einer Stunde durchleben.” 2

Der Beat-Poet Allen Ginsberg, der vor allem für seinen Gedichtsband “Howl“ bekannt wurde, verwendete Marijuana sehr viel und schrieb ausführlich über dessen Wirkung:

“(…) Das Marihuana-Bewusstsein verlagert sehr sanft den Fokus der Aufmerksamkeit von gewohnten, oberflächlichen und rein verbalen Denklinien und von repetitiven ideologischen Interpretationen aus zweiter Hand hin zur direkten und langsameren  Erfahrung und der Beschäftigung mit gelegentlich mikroskopisch genau erlebten sensorischen Phänomenen während der Momente des Highs, oder noch einige Stunden, nachdem man geraucht hat.“ 3

Der einflussreiche Philosoph, Literaturkritiker und Essayist Walter Benjmain wurde stark beeinflusst von Baudelaire und Marcel Proust (welche auch Haschisch verwendet hatten), experimentierte dann selbst mit Haschisch und schrieb mehrere Essays und Protokolle über seine Erfahrungen. Ich habe kürzlich behauptet, dass entgegen dem Glauben vieler Interpreten Benjamins seine Texte über die Effekte von Haschischs viele hervorragende Beobachtungen enthalten. Außerdem argumentierte ich, dass viele von Benjamins Ideen in anderen Arbeiten maßgeblich durch seinen Gebrauch von Haschisch entstanden sein könnten.

Viele andere Schriftsteller verwendeten Marihuana; gemäß der Sammlung veryimportantpotheads.com schließt die Liste Arthur Rimbaud, William Butler Yeats, Robert Louis Stevenson, Rudyard Kipling, Jack Kerouac (“Auf der Straße”), Jack London und John Updike ein, um nur einige zu nennen.

Künstler, Musiker und Cannabis

Unzählige Künstler und Musiker haben mit Cannabis experimentiert, viele von ihnen über lange Zeiträume, und einige haben ausführlich darüber berichtet, wie das Cannabis High ihnen dabei half, ihre Musik oder Kunst zu produzieren und zu verbessern.

“The woman of Algiers” (1834) - Eugène Delacroix
“The woman of Algiers” (1834) – Eugène Delacroix

Der französische Maler Eugène Delacroix hatte Erfahrungen mit dem Gebrauch von Haschisch und war ein Mitglied des Club des Hashashins. Delacroix war bekannt für seine lebhafte Imagination, seinen Gebrauch von ausdrucksvollen Farben, und ebnete den Weg für den Expressionismus. Sein berühmtes Gemälde “Die Frauen von Algier” zeigt algerische Konkubinen, die eine Huka rauchen, welche für Opium und Haschisch verwendet wurden, ein Bild, das von Pablo Picasso sehr bewundert wurde, der ebenfalls Erfahrungen mit Haschisch hatte.

Der einflussreiche mexikanische Maler Diego Rivera kannte das Marihuana high ebenfalls gut und beschrieb dessen synästhetische Wirkung, ein Effekt, der bereits von Baudelaire beschrieben worden war:

“Das Buch des Grases enthält einen Bericht des Schauspielers Errol Flynn, der erzählt, wie Rivera ihn fragte, ob er jemals Musik gehört hätte, die aus einem Bild  fließt. Dann bot der Künstler Flynn eine Marihuanazigarette an, und erklärte  „Nachdem Du das geraucht hast  wirst du das Gemälde sehen, aber auch hören können.“ Flynn hat es versucht und hatte eine faszinierende Erfahrung, in der er die Bilder ‚das Singen‘ gehört hat. “4

Das Marihuana High war nicht nur für die Evolution des Jazz mit seinen freieren Improvisationen und der veränderten Rhythmik auf Basis einer veränderten Zeitwahrnehmung entscheidend wichtig. Es war auch für die Entwicklung anderer Musikstile wie dem Reggae absolut zentral. Bob Marley, der massive Mengen von Marihuana rauchte, wusste von dessen Potential, was Einsichten und Introspektion betrifft. Er sagte einmal: “Wenn Du das Kraut rauchst, wird es dich dir selbst offenbaren.“

Die Beatles wurden 1964 von Bob Dylan auf den Geschmack von Marijuana gebracht und wurde nach eigenen Angaben davon stark positiv beeinflusst; es half ihnen, ihr Bewusstsein zu zu öffnen und tiefer am Denken der sich gerade entwickelnden Gegenkultur der 60ies teilzuhaben:

“Der entscheidende Katalysator für die Transformation der Beatles von liebenswertem Stubbelköpfen hin zu anspruchsvollen Rebellen war ihr Gebrauch von bewusstseins-erweiternden Drogen, speziell von Marihuana und LSD. Niemand mochte Spaß mehr als die Beatles, aber für sie waren Drogen nicht einfach nur dazu da, eine gute Zeit zu haben. Marihuana und LSD waren noch wichtiger als Werkzeuge zur Erlangung von Wissen, ein Mittel, Zugang zu höheren Wahrheiten über sich und die Welt zu erhalten. Tatsächlich war es vor allem der “Wunsch, herauszufinden”, wie Harrison später sagte, was hinter ihrem Gebrauch bewusstseinserweiternder Drogen und der Beschäftigung mit fernöstlicher Philosophie lag. (…) Zuerst kam Marihuana, welches “die 180 Grad-Wende” auslöste, wie es McCartney über die Einstellung der Beatles zum Leben ausdrückte. “1

The Beatles
The Beatles

Es ist offensichtlich, dass das Marihuana High die Musik der Beatles und damit hunderte Millionen von Menschen um die Welt beeinflusst hat – Zuhörer, Bands, Songschreiber, Künstler, und Politiker gleichermaßen.

Natürlich beinhaltet die Liste von prominenten Benutzern nicht nur Schriftsteller, Künstler und Musiker, sondern auch Wissenschaftler, Geschäftsleute, Comedians, Schauspieler und viele andere, die Marihuana positiv für verschiedene kognitive Verbesserungen verwendet haben, was ihre Leben und ihre Arbeit beeinflusste. Projekte wie die Webseite marihuana-uses.com von Lester Grinspoon (auf welcher er Berichte und Essays über den positiven Gebrauch von Marihuana sammelt) und die Webseite veryimportantpotheads.com sind ein wichtiger Anfang für ein besseres Verständnis dessen, wie viel ein ganzes Spektrum an Gebrauchsformen des Marihuana Highs unsere Kultur und Gesellschaft als Ganzes beeinflusst hat – und wie viel wir den  Menschen schulden, die Marihuana für verschiedene Arten der Bereicherung ihres Lebens verwendet haben. Wenn wir ein tieferes Verstehen des positiven Einflusses dieser kognitiven Verbesserungen auf unserer Gesellschaft erreichen wollen, müssen wir tiefer forschen. Ich hoffe, bald mehr wissenschaftliche Projekte in dieser Richtung  zu sehen.

Lassen Sie mich mit einer Frage schließen: Wenn viele der positiven Verwendungen des Marihuana Highs entscheidend von den Kenntnissen informierter Nutzer und einem günstigen Umfeld abhängen, und wenn wir zugeben, dass bereits viele positive Impulse von Marihuana-Nutzern in der Vergangenheit unter den schrecklichen Bedingungen einer weltweiten Prohibition kamen – wie viel könnte dann in der Zukunft der gekonnte Gebrauch von Marihuana für unsere Kultur bewirken, wenn wir es legalisieren und die Öffentlichkeit besser über dessen tatsächlichen Effekte und Risiken informieren?

 

 

 

1 – In: Hager, Steven (Hg.) (1994) High Times Greatest Hits. Twenty Years of Smoke in Your Face. St. Martin’s Press, New York, S. 66.

2 – Charles Baudelaire, “The Seraphic Theatre”, translated by Normann Cannon, in: David Solomon (ed.) (1966), The Marijuana Papers, Signet Books, New York, S. 190.

3 – Allen Ginsberg, “First Manifesto To End The Bringdown”, In: Deliberate Prose. Selected Essays 1952 –1995, Bill Morgan (Hg.) (2000), New York: Harper Colins Publishers, S. 87.

4 – See my essay „What Hashish did To Walter Benjamin

5 – www.veryimportantpotheads, Eintrag zu Eugène Delacroix, 2014.

6 – www.veryimportantpotheads, Eintrag zu Diego Rivera, 2014.

7 – Mark Hertsgaard (1995) A Day in the Life: The Music and Artistry of the Beatles. Kapitel 6: We All Want to Change the World: Drugs, Politics, and Spirituality.  In : Lester Grinspoon (ed.) marijuana-uses.com, http://marijuana-uses.com/we-all-want-to-change-the-world-drugs-politics-and-spirituality-by-mark-hertsgaard/

 

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.